In der Zeitmaschine

Maczek Aleppo 26

Der Februar 2026 wurde für eine Gruppe junger Deutscher aus dem Landkreis Celle und Polen von der Halbinsel Hel zu einer außergewöhnlichen, historischen Reise. Diese begann in den kargen Torfmooren des niedersächsischen Emslandes, wo die Jugendlichen Orte besuchten, die mit der Geschichte der polnischen Enklave auf deutschem Boden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbunden sind. Begleitet wurde die Gruppe von Herrn Zbigniew Leszczyński, dem Partnerschaftsbeauftragter  für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Diese Exkursion bildete den Auftakt zum Eintritt in eine künstlerische Zeitmaschine: Sophie Delests Stück „Maczek in Aleppo“. Den Kern des Abenteuers bildet ein Spaziergang: Eine Exkursion zu Orten, die von bewaffneten Konflikten gezeichnet sind.

Hörspiel, Figurentheater, interaktive Wissens- und Erlebnisplattform, eine Aufführung in 7D-Dimensionen, Performance – es ist wahrlich schwer, diese Art von Kunst, zu der wir eingeladen wurden, eindeutig zu klassifizieren. Bewusst verwende ich die Präpositionen „in“ und „zu“, wenn ich über die Rezeption des Stücks berichte: Bevor wir zum Hauptgericht übergingen – einem außergewöhnlichen Spaziergang durch künstlerisch gestaltete Stationen, Haltestellen und Orte im Raum-Zeit-Kontinuum –, kosteten wir von den Vorspeisen. Wir bereiteten selbst Artefakte vor, die das dynamische, sich mit den Teilnehmern entwickelnde Bühnenbild ergänzten. Auf diese Weise drangen wir in das Werk ein, noch bevor es für uns offiziell begann. Man könnte mit einem Augenzwinkern die These wagen, dass dies ein Verfahren aus der Welt der Unterhaltung ist – eine „Before-Party“, bei der wir uns mit dem Thema verbanden und uns darauf einstimmten, eine Reise mit einem Ziel anzutreten, das uns bereits persönlich wichtig war.

So vorbereitet und mit Kopfhörern samt Audioguide ausgestattet, unternahmen wir einen Spaziergang zu Orten der Vergangenheit. Dabei blieb uns die Wahlfreiheit angesichts eines eigentlich unmöglichen Ereignisses: der Zeitreise von General Stanisław Maczek ins heutige Syrien. Die Titelfigur fungiert gewissermaßen als Patron aller Ereignisse des Stücks; er ist eine Person, über die man hört und die man hört – ein historischer Held, bekannt durch Fakten, und zugleich eine fantastische Figur, die Zeitspannen überwinden kann, um weiteren Menschen, die in der Falle des Krieges gefangen sind, die Befreiung zu bringen. General Maczek wird so zur Idee des „Superhelden Maczek“, zum Beschützer der Schwachen und Befreier der Inhaftierten. Ich weiß, dass Figuren von Kriegshelden meist in goldenen Rahmen der Geschichte existieren, aber nach dem Spektakel träumte ich von einem Superhelden Maczek mit dem Abzeichen des „Eichhörnchens“ und besonderen Kräften. Eine solche Ergänzung des menschlichen Universums ist notwendig – angesichts der Mächte des ewig wiederkehrenden Bösen brauchen wir Helden, die das Gute im Ungleichgewicht mit dem Bösen wiederherstellen.

Während wir bei dem Spektakel zu Orten reisen, die von Kriegskatastrophen gezeichnet sind, betreten wir herausgerissene Fragmente von Schicksalen – Schicksale von Menschen, die noch immer vor Angst und Hilflosigkeit beben und denselben Zerstörungskräften ausgesetzt sind wie jede Materie im Zusammenprall mit der Destruktion. Die Vorstellung derer, die dort in der Zeit inmitten der Feuerbrunst des Krieges existierten, führte mich zu dem Gedanken, dass wir Menschen im Grunde wie Gegenstände aus zerbombten Häusern sind: In Orten zurückgelassen, die den Augenblick des Daseins mit Präsenz füllen, jedoch sehr vergänglich und dem Staub geweiht.

Sophie Delests Performance, in dem się in eine Rolle einer iunkonventionellen Reiseleiterin einschlüpft, kann eine Quelle der Reflexion über den Einfluss des Menschen auf die Geschichte sein. Sie kann die Oberfläche einer durch Partikularismen eingeschlafenen Wahrnehmung durchlöchern – natürlich nur unter bestimmten Bedingungen: Wenn man sich auf die Bilder und Klänge einlässt, wenn man die Aufmerksamkeit bündelt und der Fantasie erlaubt, sich in die Schicksale anderer Menschen in einer anderen Zeit zu versetzen. Wenn man schließlich einfach hören will. Man kann aber auch einfach hindurchspazieren und verständnisvoll mit dem Kopf nicken, im Glauben, dass es früher wohl so gewesen sein muss.

Your World – Your Choice

Małgorzata Strachanowska

Maczek w Aleppo 26