Deutsch-polnisches Wochenende in Bonn – 35. Jahrestag des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit

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Vom 13. bis 14. Juni 2026 fand im Gustaf-Stressemann-Institut (GSI) in Bonn ein deutsch-polnisches Wochenende statt, bei dem es um Führung in schwierigen Zeiten sowie um die polnische Sprache im Wandel ging. In Bonn – der ehemaligen Hauptstadt Deutschlands und somit dem Ort, an dem vor 35 Jahren der Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet wurde – fand eine Konferenz statt, an der unter anderem der ehemalige polnische Ministerpräsident und Unterzeichner des Vertrags, Jan Krzysztof Bielecki, sowie Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, teilnahmen. Veranstalter der zweitägigen Debatte waren das Polonia-Büro in Berlin, vertreten durch Dr. Adrianna Tomczak, Łukasz Sołtysiak und den Sekretär des Büros, Maciej Mieczkowski, sowie Kokopol – das Kompetenz- und Koordinationszentrum für die polnische Sprache, vertreten unter anderem durch Dr. Anna Mróz und Dr. Erika Malchow. An dem polnisch-deutschen Wochenende in Bonn nahmen Vertreter der größten polnischen Auswandererorganisationen teil – der Direktor des Konvents der polnischen Organisationen in Deutschland, Wiesław Lewicki, Józef Malinowski vom Verband der Polen in Deutschland und Andrzej Holm, Vorsitzender des Christlichen Zentrums zur Förderung der polnischen Kultur, Tradition und Sprache.

In ihren Begrüßungsreden ergriffen Adrianna Tomczak, Gregor Schaaf-Schuchardt von der Internationalen Stiftung „Haus der Begegnung St. Marienthal“ sowie der Generalkonsul der Republik Polen in Köln, Marek Głuszko, das Wort. Wiesław Lewicki vom Konvent betonte, welch außerordentlich wichtiges Ereignis der Vertrag für Polen und die in Deutschland lebenden Polen war. Es entstanden neue Organisationsstrukturen, die erst nach der Unterzeichnung des Vertrags aufkamen. Neben den bereits bestehenden historischen Verbänden der Polen unter dem Zeichen von „Rodło“ und „Zgoda“ entstanden Dachverbände wie der Kongress der polnischen Diaspora in Deutschland, dessen Vorsitz derzeit Wiesław Lewicki innehat, das Christliche Zentrum zur Förderung der polnischen Kultur, Tradition und Sprache sowie der Polnische Rat, also der Verband der polnischen Räte in Deutschland. Genau diese Dachverbände gründeten 1998 den Konvent der Polnischen Organisationen in Deutschland als einzige Vertretung der Polonia gegenüber den polnischen und deutschen Behörden. Der Runde Tisch wiederum wurde 2011 anlässlich des 20. Jahrestags des Vertrags ins Leben gerufen und war von großer Bedeutung für die weitere Konsolidierung der Polonia in Deutschland. In der Zwischenzeit wurden die Rechte der in Polen lebenden deutschen Minderheit geändert; sie unterscheiden sich erheblich von der Betreuung der Polonia und der Polen in Deutschland, und das trotz der im Vertrag gegebenen Versprechen einer Gleichbehandlung beider Minderheitengruppen. Erst die Vereinbarung am Runden Tisch vom Juni 2011 gab uns erneut Hoffnung auf die Wiederherstellung einer gewissen Symmetrie. Für die Polonia endete dies jedoch mit den sprichwörtlichen Krümeln, die vom Tisch fallen. Unter anderem wurde das Polonia-Büro in Berlin gegründet, das jedoch von Jahr zu Jahr nicht nur in einer prekären finanziellen Lage ist, sondern auch über einen schwer zugänglichen Sitz im BMI-Gebäude verfügt, was den täglichen Kontakt zur Polonia nicht gerade erleichtert. Als Erfolg erwies sich das eingerichtete Dokumentationsportal „Porta Polonica“. Mit großer Hoffnung unterstützen wir den mühsam wiederaufgebauten „Dom Polski“ in Bochum und das derzeit entstehende neue Konzept für das Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Das Konferenzprogramm umfasste zahlreiche Themen im Zusammenhang mit den Bestimmungen des Vertrags sowie Gespräche und Diskussionen im Kontext der Bestimmungen, Formulierungen und konkreten Auswirkungen sowie der polnischen Sprache in Deutschland, d. h. polnischsprachige Debatten. Der wichtigste Programmpunkt war ein Gespräch mit Jan Krzysztof Bielecki und Hans-Gert Pöttering, moderiert von Adrianna Tomczak und Patrycja Talar, das einen Einblick hinter die Kulissen der Entstehung des deutsch-polnischen Vertrags aus den Jahren 1990–1991 gewährte, die Beziehungen beider Staaten, die formellen Diskussionen sowie die vertraulichen Gespräche hinter den Kulissen, die die Ausarbeitung von Kompromissen ermöglichten. Es war eine sehr interessante Erzählung, eine Erinnerung an den großen europäischen Visionär Bundeskanzler Helmut Kohl sowie an die hohen diplomatischen Standards von Jan Krzysztof Bielecki, der die Gabe besaß, Beziehungen aufzubauen, Verhandlungen zu führen und die nationalen Interessen würdig zu vertreten. Hans-Gert Pöttering sprach über junge Europäer und hob deren grundlegende Rolle für die Zukunft des Kontinents hervor, wobei er den Schwerpunkt auf einige zentrale Themen im Zusammenhang mit der jungen Generation legte. Er appellierte an die Jugend, engagiert in die Zukunft zu blicken und sich aktiv gegen Gefahren wie den Nationalismus zu wehren. Er erinnerte daran, dass ein vereintes und kulturell vielfältiges Europa auf Frieden und Respekt beruht. Er betonte die Bedeutung der christlichen und demokratischen Werte, die die Grundlage der Europäischen Union bilden. Er wies darauf hin, dass das Engagement junger Menschen für den Aufbau eines vereinten Europas für ihn persönlich die größte Inspirationsquelle sei. Sowohl Jan Krzysztof Bielecki als auch Hans-Gert Pöttering erinnerten im Rückblick auf das Jahr 1991 nicht nur an Erfolge, sondern auch an schwierige Momente, verpasste Chancen, an das von einer schwierigen Geschichte belastete Vertrauen zwischen den Völkern sowie an die Versöhnung, die niemals ein abgeschlossener Prozess ist. Jan Krzysztof Bielecki erinnerte zudem an den Weg Polens in die Europäische Union, die Erweiterung der Gemeinschaft, die Öffnung der Grenzen und den Platz Polens in einem sich wandelnden Europa. Zu den wichtigsten Aspekten des Gesprächs gehörten das Thema Führung in Zeiten der Unsicherheit, die Verantwortung Deutschlands und Polens für Europa, die Vertrauenskrise, die junge Generation und die Frage, wie man in einer Welt voller Spannungen und Spaltungen den Glauben an das europäische Projekt nicht verlieren kann. Die Debatte hat vor dem Hintergrund der heutigen Realitäten und der politischen Lage gezeigt, dass wir heute – genau wie früher – visionäre Führungspersönlichkeiten brauchen, Menschen, die moderne Instrumente des gesellschaftlichen Dialogs umsetzen, wie zum Beispiel Initiativen, die die junge Generation in den Aufbau einer modernen Zivilgesellschaft einbinden. Die Europäische Union ist nicht nur eine Frage von Finanzmitteln oder einem gemeinsamen Markt. Es ist eine Gemeinschaft aus 27 Staaten und fast 450 Millionen Bürgern, die echte Stärke, Widerstandsfähigkeit und ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Es ist eine Gemeinschaft von Werten wie Freiheit und Menschenrechte, aber auch ein Ort am Verhandlungstisch, an dem die wichtigsten Entscheidungen über die Sicherheit und die Zukunft Europas getroffen werden. Führung in schwierigen Zeiten bedeutet die Fähigkeit, Stabilität zu wahren, eine klare Richtung vorzugeben und das Team in Zeiten der Unsicherheit zu unterstützen. Erfolgreiche Führungskräfte scheuen keine Verantwortung“, sagte Jan Krzysztof Bielecki, „sie übernehmen die Lösung von Problemen und schaffen ein auf Vertrauen basierendes Engagement.

Zusammenfassung des ersten Tages der sogenannten Masterclass: „Führung in schwierigen Zeiten“ – der 35. Jahrestag des Vertrags bot eine hervorragende Gelegenheit, eine Bilanz der Errungenschaften und Herausforderungen der Gegenwart sowie der Entwicklungsperspektiven auf beiden Seiten der Grenze zu ziehen, die unvorhersehbar ist. Die Zukunft Polens und Europas wird derzeit als „Zeitalter der Unvorhersehbarkeit“ bezeichnet. Von grundlegender Bedeutung sind derzeit Fragen der Sicherheit, des wirtschaftlichen Wandels und der strategischen Unabhängigkeit, die durch die instabile internationale Lage beeinflusst werden. Am Abend sorgten die Organisatoren für Momente der Entspannung für die Konferenzteilnehmer – der deutsche Diplomat und Dichter Peter Reik trug Gedichte über Polen aus den Jahren 1980–1990 vor. Anschließend versüßte die Band „Ptak & Sławek“ den von der Reise und den Podiumsdiskussionen erschöpften Teilnehmern die Zeit mit fröhlichen Klängen bekannter polnischer Hits und traf damit genau den Geschmack der versammelten Polen.

Am zweiten Tag trat die große Politik in den Hintergrund – auch wenn sie sich immer und überall einmischt –, doch diesmal stand ein wichtiges Thema im Mittelpunkt, nämlich die polnische Sprache. Eines der wesentlichen Ziele des Vertrags von 1991 war die Festschreibung der Förderung der polnischen Kultur und Tradition als Grundlage für eine gute europäische Zusammenarbeit. Es wurde über die polnische Sprache, Identität, Bildung sowie die Herausforderungen und Chancen gesprochen, denen sich die in Deutschland lebenden Polen gegenübersehen. Auch darüber, wie man seine Wurzeln bewahren und gleichzeitig aktiv die Gesellschaft, in der wir leben, mitgestalten kann. In den letzten Jahren ist das Interesse an der polnischen Sprache gestiegen, auch in der deutschen Bevölkerung, insbesondere in Wirtschaftskreisen. Für viele Kinder der polnischen Diaspora ist die polnische Sprache ein wichtiger Teil ihrer kulturellen Identität; sie ist mehr als nur die Sprache ihrer Herkunft, sie wird zu einer Brücke zwischen zwei Nachbarländern. Polnisch als Fremdsprache zeigt Potenzial und eine europäische Dimension“, sagte Dr. Anna Mróz. Das Erlernen einer Sprache erfordert Zeit, die in der heutigen Welt Gold wert ist. Man sollte jedoch bedenken, dass die Zeit, die wir heute dem Lernen unserer Kinder widmen, eine Investition ist, die sich in Zukunft auszahlen kann. Diskussionen über die polnische Sprache im Ausland spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der nationalen Identität, tragen zum Aufbau einer lokalen Gemeinschaft bei und erleichtern zudem die Weitergabe des kulturellen Erbes an nachfolgende Generationen. Sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen und Methoden, wie man Kindern die polnische Sprache ohne Zwang beibringen kann, und verschaffen ihnen so einen besseren Start ins Leben sowie einen doppelten Nutzen. Es trägt dazu bei, die Korrektheit der polnischen Sprache zu wahren und das sogenannte „Ponglish“ (das unreflektierte Einfügen von Wörtern aus einer Fremdsprache) einzudämmen sowie den kulturellen Reichtum zu pflegen; es ermöglicht, über die Absurditäten und Herausforderungen des Alltags zwischen zwei Kulturen zu lachen und die Mechanismen zu verstehen, die in der Sprache der Emigranten ablaufen. In Berlin selbst, einem der größten Zentren der polnischen Diaspora in Europa, gibt es zahlreiche polnische Gruppen, Foren und kulturelle Einrichtungen, die ein natürliches Umfeld für solche Gespräche schaffen. Beispiele für lokale Initiativen, Selbsthilfegruppen und Veranstaltungen finden sich auf Portalen für die polnische Diaspora wie „Sprach Cafe Polnisch“, „Polki w Berlinie“ oder „Polonia Viva“ sowie in lokalen Nachrichtenportalen. Die Frage der polnischen Sprache im Exil ist ein zentrales Thema vieler interdisziplinärer Symposien und wissenschaftlicher Podiumsdiskussionen. Unabhängig davon, ob es sich um aktuelle Konferenzen zum Thema „Funktionsweise der polnischen Sprache im Ausland“ handelt, drehen sich die Schlussfolgerungen in der Regel um Identität und Bildung. Das Hauptproblem bleibt der Unterricht für im Ausland geborene Kinder und Jugendliche, für die die polnische Sprache oft eine Zweitsprache ist. Solche diplomatischen und politischen Debatten haben vor allem eine symbolische und imagebezogene Dimension. Häufig werden anlässlich solcher Jahrestage (z. B. des 35-jährigen Jubiläums des Vertrags über gute Nachbarschaft) Bündnisse und Kooperationspläne angesichts neuer Herausforderungen aufgefrischt.

An solchen Jahrestagen (z. B. zum 35-jährigen Jubiläum des Vertrags über gute Nachbarschaft) werden oft Bündnisse und Kooperationspläne angesichts neuer Herausforderungen neu belebt. Ihr Hauptwert liegt in der Verbesserung der Beziehungen, der Schaffung von Raum für den Dialog und der Bekundung von Absichten. Konkrete Ergebnisse hängen davon ab, ob den Worten Taten folgen.

Text und Fotos – Krystyna Koziewicz