Heutige MasterClass – organisiert vom Polonia-Büro in Berlin und KoKopol – ist bereits eine weitere von vielen Veranstaltungen unserer Polonia hier im GSI; ich möchte unter anderem an die Journalismus-Workshops sowie an die Kongresse der deutschen Polonia in den Jahren (V und VII) 2019 und 2023 erinnern. Das heutige Treffen ist aufgrund der Anwesenheit namhafter Gäste etwas Besonderes: des polnischen Ministerpräsidenten Jan Krzysztof Bielecki und des Präsidenten des Europäischen Parlaments Hans-Gert Potterig. Bei uns sind Gregor Schaaf-Schuchardt, Vorstandsvorsitzender des IBZ St. Marienthal und verantwortlich für das KoKoPol-Projekt, sowie Józef Malinowski, Vorsitzender des Verbandes der Polen in Deutschland, und Andrzej Holm, Vorsitzender des Christlichen Zentrums zur Förderung der polnischen Kultur, Tradition und Sprache. Ebenfalls mit uns hier wäre Alexander Zając, Vorsitzender des Polnischen Rates – Bundesverband in Deutschland und zugleich Vorsitzender des Konvents der Polnischen Organisationen, der für das Projekt des Polonia-Büros in Berlin verantwortlich ist.
Solidarność unter der Führung des legendären Lech Wałęsa sowie die Wahlen vom 4. Juni 1989, die ersten teilweise freien Parlamentswahlen im Nachkriegs-Polen, waren ein Wendepunkt auf dem Weg zum Aufbau eines gemeinsamen Europas und zur Normalisierung der polnischen Außenbeziehungen.
Der Vertrag zwischen der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17.06.1991 war für Polen und für die in Deutschland lebenden Polen ein äußerst wichtiges Ereignis. Der Vertrag weckte die Hoffnung auf eine Gleichbehandlung der in Polen lebenden Deutschen und der hier in Deutschland lebenden Polen. Neue Organisationsstrukturen der Polonia in Deutschland entstanden erst nach der Unterzeichnung des Vertrags. Neben den bereits bestehenden historischen Verbänden der Polen unter den Namen „Rodło“ und „Zgoda“ entstanden Dachverbände wie der Kongress der polnischen Diaspora in Deutschland, das Christliche Zentrum zur Förderung der polnischen Kultur, Tradition und Sprache sowie der Polnische Rat, d. h. der Verband der polnischen Räte in Deutschland. Genau diese Dachverbände gründeten 1998 den Konvent der Polnischen Organisationen in Deutschland als einzige Vertretung der Polonia gegenüber den polnischen und deutschen Behörden.
Der Runde Tisch 2011 wurde zum 20. Jahrestag des Vertrags ins Leben gerufen und war von großer Bedeutung für die weitere Konsolidierung der Polonia in Deutschland. Die uns inzwischen bekannten Rechte der in Polen lebenden deutschen Minderheit unterscheiden sich erheblich von der Betreuung der Polonia und der Polen in Deutschland, und das trotz der im Vertrag versprochenen Gleichbehandlung beider Minderheitengruppen. Erst die Vereinbarung am Runden Tisch vom Juni 2011 gab uns erneut Hoffnung auf die Wiederherstellung einer gewissen Symmetrie. Für die Polonia endete dies jedoch mit den sprichwörtlichen Krümeln, die vom Tisch fallen. Unter anderem wurde das Polonia-Büro in Berlin gegründet, das jedoch von Jahr zu Jahr nicht nur in einer prekären finanziellen Lage ist, sondern auch einen schwer zugänglichen Sitz im BMI-Gebäude hat, was den täglichen Kontakt zur Polonia nicht gerade erleichtert. Als Erfolg erwies sich das eingerichtete Dokumentationsportal „Porta Polonica“. Mit Hoffnung unterstützen wir den mühsam wiederaufgebauten Polnischen Haus in Bochum und das gerade entstehende neue Konzept für das Denkmal in Berlin.
Der diesjährige 35. Jahrestag des Vertrags wird wohl nicht den von beiden Seiten angekündigten nächsten Runden Tisch erleben; ich denke, schon allein deshalb, weil noch nicht alle Punkte der gemeinsamen Erklärung vom Juni 2011 umgesetzt wurden. Abschließend möchte ich die Einheit unserer Dachverbände betonen, und unsere Ständige Konferenz der Vorsitzenden ist weiterhin aktiv und unterstützt die bereits erwähnten gemeinsamen Projekte, die von beiden Seiten vorangetrieben werden. Sowohl der Konvent als auch das Bündnis der Polnischen Organisationen werden weiterhin an der Schaffung eines gemeinsamen Gremiums arbeiten, z. B. eines Zentralrats der Polen in Deutschland, in dem viele Organisationen der polnischen Diaspora ihren Platz finden werden.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem vom Konvent der Polnischen Organisationen geleiteten Team des Polonia-Büros in Berlin für die Vorbereitung dieser heutigen außergewöhnlichen Veranstaltung danken und lade bereits heute zur europäischen Polonicus-Gala am 4. September in die Hauptstadt der Polonia im Herzen Europas, nach Aachen, sowie zum Europäischen Kongress der Polonia im nächsten Jahr zugunsten der Demokratie in Europa, der für Juni 2027 im ehemaligen Bundestag, dem heutigen Weltkonferenzzentrum in Bonn, geplant ist.
Präsident des Konvents und Vorsitzender des Polnischen Kongresses in Deutschland
Wiesław Lewicki
Erklärung anlässlich des Treffens des Polonia-Büros „MasterClass“ am 13. Juni 2026 – GSI Bonn


Runder Tisch Warschau 2011 – Gemeinsame Erklärung zum 20. Jahrestag des Vertrags von 1991 – von links: A. Wójcicki (ZPwN), W. Lewicki (Konvent), Minister Ch. Bergner, Minister T. Siemoniak, B.Gajda (VDG)
