
Großes Interesse erweckte eine Fotografie Ausstellung in der Residenz des Generalkonsuls in Hamburg zum Thema Kirchen des Friedens in Niederschlesien von Barbara Górniak. Sie ist Absolventin der Fakultät für Kunst an der Universität Grünberg und der Hochschule für AFA Fotografie in Wroclaw. Seit 2002 stellt sie ihre Arbeiten in Einzel-und Gruppenausstellungen im In-und Ausland aus.
Die Kirchen des Friedens, die in den Fotografien im Hamburger Konsulat ausgestellt sind, verblüffen mit einem unglaublichen Charme des künstlerischen Blicks, entfalten Gefühle der Freude, regen die Phantasie an und wecken Demut gegenüber den nicht veränderten Eigenschaften der unglaublichen sakralen Kunst. Die Ausstellung bietet nicht nur ein geistliches Erlebnis, sondern erweckt auch ein großes Interesse an der Geschichte, inspiriert zu Explorationen, Erklärungen, intellektuellen Spekulationen und Diskussionen.
Es stellen sich auch beunruhigende Fragen, welche durch die in Deutschland lebenden Polen und auch viele Deutsche, nicht leicht zu beantworten sind. Es ist kein Wunder, dass viele Personen, nachdem sie die Fotografien gesehen haben, sich entscheiden nach Niederschlesien zu fahren, um die Kirchen des Friedens in Jawor und Świdnica zu sehen, diese besser kennenzulernen und im Gedächtnis abzuspeichern. Nicht ohne Grund wurden die aus dem XVII Jahrhundert stammenden Tempel im Jahre 2001 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Darüber hinaus hat die Kirche in Świdnica eine symbolische Bedeutung für deutsch-polnischer Versöhnung und Bündnisses erlangt, da im Jahre 1989 auf einer Kreuzwegandacht der Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl gemeinsam für Frieden und Versöhnung zwischen unseren beiden Völkern gebeten haben. Sowohl für Deutsche als auch für Polen sind beide Kirchen nicht nur wertvolle Kulturgüter, denn sie stellen eine gemeinsame Erinnerung aus der über Jahrhunderte komplizierten Vergangenheit dar und sind Zeugnisse von zeitlosen, universellen Werten und des Wandels. Die Faszination an diese Objekte muss einen historischen Kontext auslösen. Ohne diesen gibt es keine Möglichkeit das Phänomen des Gebäudes, sein Wesen und Bedeutung zu erklären. Lasst uns somit in das Jahr 1648 gehen, zu dem Westfälischen Frieden, welcher in den Rathäusern in Münster und Osnabrück unterzeichnet wurde und den langen, dramatischen Dreißigjährigen Krieg beendet hat. Ein Krieg zwischen Protestanten und Katholiken, den mächtigen Habsburger und den rebellischen deutschen Fürsten.
Man kann sagen, dass auch Polen daran beteiligt war. Deswegen stationierte Sigismund III. Wasa seine Militärflotte in Wismar in Mecklenburg. Der Polnische König, Sohn eines schwedischen Königs und in Schweden geboren, stand auf der Seite der Habsburger katholischen Liga. Nicht nur er selbst war in diesem riesigen Konflikt beteiligt, welcher an der Ostsee ausbrach und sich durch Frankreich bis nach Spanien hinzog. Hat der Westfälische Frieden all seine Probleme effektiv gelöst? Eines ist sicher; er gab eine neue territoriale Ordnung und es entstand die Geburtsstunde des modernen Europa – ein Kontinent mit souveränen Staaten. Katholiken, Lutheranern und Calvinisten standen die gleichen Rechte zu, leider wurden sie nicht immer gebührend respektiert. Das Bemühen der niederschlesischen Lutheraner um Respekt, Gleichheit, Gerechtigkeit und Bau von Gotteshäusern wurde eindeutig ignoriert und im schlimmsten Fall als ein Zeichen des Widerstandes gegen die Monarchie angesehen.
Durch Schweden mit Königin Christina an der Spitze, wurden sie in ihren Bemühungen unterstützt. Sobald jedoch Schweden nachgegeben hatte, initiierte man die Rekatholisierung. Endlich bekamen die niederschlesischen Protestanten, nach vielen Versuchen und Verfahren, ein Reskript des römischen Kaisers und des Königs von Deutschland für den Bau von drei Gotteshäusern, die fortan als die Kirchen des Friedens (Głogów, Świdnica, Jawor) genannt wurden. Rigoristische Bedingungen wurden auferlegt; belastet auf Kosten Andersgläubiger, die Gebäude mussten am Rande der Stadt mit verderblichen Materialien gebaut werden; Holz ohne die Verwendung von Nägeln, Lehm, Stroh und Sand markieren ihren provisorischen Charakter. Die Bauzeit wurde auf zwölf Monate begrenzt. Des Weiteren wurde das Bauen von Türmen und aufhängen von Glocken nicht erlaubt. Die bestehenden architektonischen Konzepte - typische sakralische Architekturen, durften nicht nachgebaut werden. Es bestand ebenso keine Möglichkeit für die Einrichtung von kirchlichen Schulen.
Und was hat das alles gebracht? Was war die Wirkung dieser bösartigen Distriktion und demütigenden Bedingungen? Wer verlor und wer stieg empor?
Es stellte sich heraus, dass trotz des ganzen Hasses, der Unerbittlichkeit und Streitigkeiten unübertreffbare Kunstwerke entstanden sind! Die großartigsten Architekten, Künstler und Meister des Handwerks arbeiteten für die Ehre Gottes und für den eifrigen menschlichen Glauben. Mit einem Sinn für Würde und Ehre, aus Hartnäckigkeit, Liebe und Hoffnung entstanden phänomenale Fachwerkhäuser, deren sorgfältige Kunstfertigkeit seid mehr als 350 Jahren verzaubern.
Die Konstruktion der Kirchen in Jawor und Świdnica (Glogauer Kirche, im Jahre 1651 erbaut, verbrannte 106 Jahre nach dem Bau durch einen großen Stadtbrand) überlebten und sind somit ein Beleg für solide Arbeit, erstaunliche Fähigkeiten ihrer Auftragnehmer und innovative Lösungen ihren Ideengeber. Die Innenräume der Kirchen: Altäre, Galerien, Kanzeln, Decken, Gemälde, Organe und vor allem der Raum - ein wohlgesinnter Raum für Kontemplation und Gebet (fast siebentausend Gläubigern), sind einzigartig, einmalig und wunderbar.
Diese Schönheit mit einer Aura von Spiritualität, zugehörig den Häusern Gottes, mit ihrer ganzen Persönlichkeit und Charme, brach Barbara Górniak mithilfe der Kamera hervor. Sie faszinierte und führte zur Reflexion. Sie tat etwas, das in Hamburg zu Nachdenklichkeit über die Geschichte der benachbarten Völker geführt hat. Zudem erleichtert Die Kenntnis über den geschichtlichen Lauf die Interaktion und Versöhnung. Wann also fragen wir uns; wer sind wir, wohin gehen wir? – suchen wir Antworten im Umgang mit Kunst und ferner Geschichte.
Lasst uns glauben, dass das gegenseitige Kennenlernen die Erkundung der Verschwägerung zwischen der Seele und dem Herzen ist. Danach kommt die Toleranz und das einfache, alltägliche Verständnis, gemeinsame Erlebnisse, sich zu freuen, wenn man es braucht - zu helfen. Diese Hilfe haben in letzter Zeit beide Kirchen erhalten. Dank der Unterstützung unseres Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe, der deutschen Regierung, des Ministeriums für Forschung und Technologie in Bonn, des Bundesministeriums für Kultur und Medien, der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, Großzügigkeit von Sponsoren und Institutionen hinter der Oder, war es möglich, die notwendigen Renovierungen der Gotteshäuser durchzuführen. Jetzt nur noch zum Reisen ermutigen, Kirchenbesichtigungen und das Kennenlernen aller gemeinsamen Räume unserer europäischen Kultur.
Sława Ratajczak
Fotos - Quelle : Wikipedia - Kirchen in Swidnica und Jawor (Niederschlesien)
