Auch in diesem Jahr lädt das größte Festival des polnischen Films außerhalb Polens dazu ein, die Vielfalt des polnischen Kinos zu entdecken – mit aktuellen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, Filmgesprächen mit internationalen Gästen, spannenden Sonderprogrammen sowie zahlreichen Begegnungen rund um den polnischen Film. In den kommenden Wochen werden nach und nach erste Einblicke in das Festivalprogramm gegeben.
Das vollständige Programm finden Sie auf der Website - https://instytutpolski.pl/berlin/21-filmpolska/
Eintrittskarten sind ausschließlich in den jeweiligen Festival-Kinos vor Ort oder online auf den Websites der Kinos erhältlich. Die Eintrittspreise richten sich nach den jeweiligen Spielstätten.
⇒ Eröffnung: Chopin. Eine Sonate in Paris
⇒ filmPOLSKA Award für Volker Schlöndorff
⇒ Retrospektive: Mr. X – Andrzej Wajda und seine Produktionsgruppe
Eröffnung
09.09. / 18:30 / Filmtheater Colosseum / zu Gast: Michał Kwieciński
Chopin, Chopin! / Chopin, a Sonata in Paris / Chopin. Eine Sonate in Paris
PL 2025
Das Festival beginnt international und musikalisch – mit der Deutschland-Premiere des opulenten Biopics „Chopin. Eine Sonate in Paris“ von Michał Kwieciński in Anwesenheit des Regisseurs.
Paris in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts. Fryderyk bzw. Frédéric Chopin spielt im Salon Pleyel vor der gehobenen Gesellschaft und gibt pausenlos Klavierstunden, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die adeligen Damen himmeln ihn an, selbst der König gehört zu seinen Bewunderern. Aber richtig wohl fühlt sich der Pole nur in seinem engsten Freundeskreis, in dem er regelrecht aufblüht.
Wie der polnische Originaltitel „Chopin, Chopin!“ andeutet, geht es in dem opulenten Ausstattungsfilm um zwei Seiten einer historischen Person – die gefeierte öffentliche und im Kontrast dazu die private, deren Liebesbeziehungen scheitern, die vom Verlust der Heimat geplagt ist und deren tödliche Krankheit sich wie ein Schatten über das rauschhafte Leben in den Salons Europas legt.
Michał Kwieciński möchte weder ein Denkmal vergolden noch eine Ikone vom Sockel stoßen. Er pfeift auf millimetergenaue historische Rekonstruktion und biografische Langzeitstudien, sondern greift sich eine Phase aus Chopins Leben heraus, die er in einer der teuersten polnischen Filmproduktionen aller Zeiten rauschhaft vor uns ausbreitet. Dabei schreckt er vor elektronischen Sounds ebenso wenig zurück wie vor rasanten Szenenwechseln und ausufernden Kamerafahrten. Sein wertvollstes Ass im Ärmel ist aber Hauptdarsteller Eryk Kulm, der sich nicht nur mit Schwung in die Stimmungsschwankungen seines Vorbilds wirft, sondern für die Aufnahmen auch selbst in die Tasten gegriffen hat. [Rainer Mende]
filmPOLSKA Award für Volker Schlöndorff
13.09. / 18:30 / Filmtheater Colosseum / zu Gast: Volker Schlöndorff
Im Rahmen der Eröffnung wird traditionell wieder der filmPOLSKA Award verliehen. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören u. a. goEAST, das Neiße Filmfestival, das Nipkow-Programm, Coco Spezial, Jan Schulz-Ojala, Knut Elstermann, Erika & Ulrich Gregor, Margarete Wach, Artur Brauner, Antoni Komasa-Łazarkiewicz & Mary Komasa sowie das Festival DOK Leipzig.
Volker Schlöndorff
Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an den Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten Volker Schlöndorff, der sich u. a. mit seinen Filmen „Die Blechtrommel“ (1979), „Der Unhold“ (1996) und „Strajk. Die Heldin von Danzig“ (2006) um die deutsch-polnischen Beziehungen verdient gemacht hat. Darüber hinaus wird ihm im Andrzej-Wajda-Jahr 2026 auch für sein Engagement für die deutsch-polnischen kulturellen Beziehungen gedankt – u. a. durch seine langjährige Freundschaft mit dem polnischen Star-Regisseur, seine Lehrtätigkeit an der Wajda School in Warschau sowie seine Einführungen zu Vorführungen von Wajdas Filmen in Deutschland.
Retrospektive: Mr. X – Andrzej Wajda und seine Produktionsgruppe
Wenn ein Staat, etwa aus Angst vor Kritik, darüber entscheidet, welche Kunst entstehen und gezeigt werden darf, bleiben den Künstler*innen nur wenige Überlebensstrategien. Sie können Rädchen der Propagandamaschinerie werden oder im Verborgenen arbeiten und auf bessere Zeiten hoffen. Oder sie setzen ihre Karriere aufs Spiel und wehren sich gegen die Zumutungen der politischen Realität. Andrzej Wajda, einer der wichtigsten polnischen Regisseure, entschied sich für diesen dritten Weg. Er war nicht nur kritischer Film- und Theaterregisseur, sondern engagierte sich auch als künstlerischer Leiter der Produktionsgruppe „X“ – und wurde so Mentor für Künstler*innen der nächsten Generation.
Die Idee, die polnische Filmbranche in Produktionsgruppen (zespoły filmowe) aufzuteilen, entstand 1957 nach Stalins Tod während einer politischen Tauwetterperiode. Die Arbeit in Teams sollte die Kreativität der Filmemacher*innen und den Austausch untereinander fördern. Absolvent*innen der Filmhochschule trafen hier auf erfahrene, ältere Filmemacher*innen, die sie dabei unterstützten, eine eigene künstlerische Sprache zu entwickeln. Unter diesen Arbeitsgemeinschaften besaß die 1972 gegründete Produktionsgruppe „X“ ein besonderes Profil. Ihr künstlerischer Leiter war Andrzej Wajda, Barbara Pec-Ślesicka arbeitete als Produktionsleiterin, die dramaturgische Leitung oblag Bolesław Michałek. Unter ihrer Ägide entstanden die ersten Filme von Regisseur*innen wie Agnieszka Holland, Feliks Falk, Janusz Zaorski, Ryszard Bugajski oder Jerzy Domaradzki, die ein soziale wie politische Verhältnisse kritisierendes „Kino der moralischen Unruhe“ mitprägten. Ihr politisches Engagement sowie sich verschärfende soziale Krisen und der Erfolg der Solidarność-Bewegung führten allerdings dazu, dass die Produktionsgruppe „X“ bereits 1983 aufgelöst wurde.
Die Retrospektive widmet sich neben dem Regisseur Wajda vor allem dem künstlerischen Leiter von „X“, der in elf Jahren über 80 Filmprojekte mitproduziert und teils gegen erheblichen politischen Widerstand durchgesetzt hat. Von psychedelischen Literaturverfilmungen über metaphorische Historiendramen bis hin zu Moralstücken: Wajda beschritt mit „X“ ganz unterschiedliche Wege, die seismografisch die polnische Gegenwart erfassten und sie so festhielten, dass sowohl Pol*innen als auch das Ausland ihre Brisanz erkannten. [Bartek Tesarz / Übersetzung: Rainer Mende)
Programm:
11.09.2026 / 19:00
Gorączka / Fever
R: Agnieszka Holland, PL 1981, 122 min, OmeU, mit Einführung
12.09.2026 / 20:00
Człowiek z marmuru / Man of Marble
R: Andrzej Wajda, PL 1977, 156 min, OmeU
13.09.2026 / 15:30
Przesłuchanie / Verhör einer Frau
R: Ryszard Bugajski, PL 1982/1989, 111 min, OmdU
13.09.2026 / 18:00
Człowiek z żelaza / Der Mann aus Eisen
R: Andrzej Wajda, PL 1981, 147 min, OmdU
14.09.2026 / 19:00
Kobieta samotna / A Woman Alone
R: Agnieszka Holland, PL 1981, 92 min, OmeU
18.09.2026 / 20:00
Danton
R: Andrzej Wajda, FRA/PL/D 1983, 136 min, OmdU
19.09.2026 / 17:30
Matka Królów / The Mother of Kings
R/B: Janusz Zaorski, PL 1982, 127 min, OmeU
20.09.2026 / 18:00
Wesele / Die Hochzeit
R: Andrzej Wajda, PL 1973, 102 min, OmdU
21.09.2026 / 19:00
Dyrygent / Der Dirigent
R: Andrzej Wajda, PL 1980, 97 min, OmdU
26.09.2026 / 20:00
Diabeł / The Devil
R/B: Andrzej Żuławski, PL 1972, 119 min, OmeU
27.09.2026 / 18:00
Przesłuchanie / Verhör einer Frau
R: Ryszard Bugajski, PL 1982/1989, 111 min, OmdU
28.09.2026 / 19:00
Człowiek z żelaza / Der Mann aus Eisen
R: Andrzej Wajda, PL 1981, 147 min, OmdU
29.09.2026 / 19:00
Danton
R: Andrzej Wajda, FRA/PL/D 1983, 136 min, OmdU
Info & Tickets: dhm.de/zeughauskino/filmreihe/mr-x-andrzej-wajda-und-seine-produktionsgruppe
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Quelle: https://instytutpolski.pl/berlin/21-filmpolska/
