Herzliches Osterfest!

Herzliches Osterfest!

Im Ausland sind es die Feiertage, die unsere Kultur am unmittelbarsten zum Ausdruck bringen. Wenn ich am Ostersamstag auf einer Berliner Straße jemanden mit einem bunt geschmückten Osterkorb sehe, lächle ich und weiß, dass es nur ein Pole sein kann. Sicherlich haben Sie überall in Deutschland ähnliche Gefühle. Unser Pfarrer einer nahe gelegenen deutschen katholischen Gemeinde bittet mich immer im März: "Frau Lewandowski, bitte erinnern Sie mich daran, für unsere polnischen Gemeindemitglieder die Speisensegnung zu organisieren". Es ist sehr schön, dass er versucht, unsere Traditionen zu pflegen. Andererseits, wenn ich den Deutschen erkläre, dass der Karfreitag bei uns ein Arbeitstag ist, geht es ihnen nicht aus dem Kopf, warum in einem so sehr katholischen Land dieser Tag, der für sie so besonders ist, kein Feiertag ist. Vor vielen Jahren, an meinem ersten deutschen Karfreitag, haben wir das traditionelle polnische Frühjahrsputz gemacht und...mit einer Bohrmaschine Löcher in die Wände gehämmert, um ein neu gekauftes Bücherregal zu befestigen. Plötzlich hörte ich ein schrilles, energisches Klingeln und sah zwei Polizisten im Guckloch, die sehr kultiviert fragten, ob wir die Renovierungsarbeiten gerade durchführen. Überrascht nickte ich in meinem damals noch sehr schülerhaften Erstsemester-Deutsch. Mit Verständnis und Sympathie erklärten mir die Polizisten, dass der Karfreitag einer der meist beachteten sogenannten Ruhetage in Deutschland ist. Unser Gespräch mit den Polizeibeamten endete in freundschaftlichem Gelächter, und wir wünschten uns gegenseitig auf amüsante Weise ein schönes Osterfest, während wir das Schweigen unserer Mitbewohner respektierten. Dies war eine meiner ersten Lektionen in interkultureller Kommunikation. Meine in Deutschland geborenen Kinder, die inzwischen erwachsen sind, können sich die Osteratmosphäre ohne die polnischen Bräuche, den Geschmack und den Geruch von żurek ("traditionelle polnische Suppe"), Hering unter einer Steppdecke, Mazurken und die Aufforderung - "warum probierst du nicht noch etwas Salatschen?" - nicht vorstellen. Als die Kinder klein waren, musste ich zwei Osterkörbchen vorbereiten, denn jedes von ihnen wollte sein eigenes tragen und sich in der Kirche direkt an den Tisch stellen, um vom Priester bei der Segnung wenigstens ein bisschen "beregnet zu werden". Noch heute sehe ich gerne zu Ostern die freudigen Gesichter und leuchtenden Augen der Kinder, die ihre Körbchen wie die größten Schätze hüten. Und dieses Gefühl ist unbezahlbar. Wir wünschen allen - polnischen, deutschen, polnisch-deutschen, deutsch-polnischen und ausländischen Lesern - ein gutes, warmherziges Osterfest, denn gegenseitige Herzlichkeit ist das Wichtigste.

Die Redaktion von Polonia Viva