altJola Wolters. wird bei Polregionale 2012 ian 8. September in Amphitheater Burg-Wilhelmstein singen. 

Von jeder Sängerin erwartet man eine Geschichte, dass sie schon im zarten Alter mit dem Gesang angefangen hat und ihre Zukunft schon früh vorbestimmt war. Wie war es bei dir? Hast du die Zeit gehabt, mit anderen Kindern zu spielen?

Ich hatte eine ganz normale Kindheit, kletterte mit Jungs in Zielona Góra (Grünberg) auf die Bäume, mit einem Stein wurde mir ein Zahn ausgeschlagen – beim Spielen mit Streichhölzern verbrannte ich mir oft die Haare ... Aber meistens war ich in meiner Bühnenwelt. Solange ich zurückdenken kann, wollte ich singen. Alle anderen Mädchen spielten Hausfrau, Mutter oder Verkäuferin. Ich sah mich immer auf der Bühne in einem langen Kleid stehen und singen. Also stand ich vor dem Spiegel mit einem Bleistift in der Hand und sang. Dabei hatten wir zu Hause kein Radio, keinen Plattenspieler und keinen Fernseher. Die einzige Musik gab es, wenn meine Mama Lieder sang.

Ich habe mich riesig gefreut, als die Eltern meiner Freundin einmal einen Plattenspieler gekauft hatten. Das war eines der größten Ereignisse in meinem Leben. Seit dem holte ich Ania immer zur Schule ab. Ich war immer extra früher bei ihr, denn ich wusste, dass ihre Mutter schon morgens den Plattenspieler eingeschaltet hat. Sie hatten nur zwei Platten, „Tercet egzotyczny“ und ... ja, eine von Udo Jürgens. Es war einfach wundervoll, sie hören zu können.

Erzähl uns etwas von deinen künstlerischen Anfängen und wie sich deine Karriere dann entwickelt hat.

Ich tanzte bei verschiedenen Ballett- und Volkstanz-Gruppen, aber nach ein paar Monaten begeisterte mich wieder etwas Neues. Also fang ich an, Gitarre zu spielen – und auch das nicht lange. Dagegen trat ich auf Schulveranstaltungen nie brav in weiße Bluse gekleidet auf. Im Schulchor wollte ich auch nie singen. Ich bekam dafür sogar eine schlechte Note im Musikunterricht. Fast niemand wusste, dass ich überhaupt singen kann, bis auf einige meiner Klassenkameradinnen. Für sie spielte ich immer eine Show, zum Beispiel in der Umkleidekabine vor dem Sportunterricht. Die Mädchen klatschten kräftig und mir kam es vor, als ob ich auf einer richtigen Bühne stehen würde.

Wer und wann hat deine samtene Stimme entdeckt?

Oh, danke. Das nehme ich jetzt als ein besonderes Kompliment an. Der Samt gehört sowieso zu meinen Lieblingsstoffen. Doch zurück zu meiner Stimme. Mit 25 Jahren wurde ich einmal von dem musikalischen Leiter des Teater Lubuski, Jerzy Bechyne angesprochen und er hat mich dann auf das Festival für russiche Lieder vorbereitet. Und ich habe alle Etappen gewonnen und es bis zum Finale geschafft. Das Finale leider nicht. Und es kam so: Das Orchester hat das schon an sich schnelles Lied doppelt so schnell angespielt. Ich habe also meine Hand gehoben und ins Mikrophon laut Stopp! gesagt. Das war natürlich eine „Frechheit“, und ich wurde selbstverständlich disqualifiziert.

Jerzy Bechyne hat mich besonders für die Texte in den Liedern sensibilisiert. Er gehörte zu den wenigen Menschen, zu denen ich immer Kontakt gehalten habe. Er war mein musikalischer Berater und ein guter Freund. Noch vor vier Monaten sollte er mich bei einigen Auftritten in Deutschland begleiten, doch ist er leider vor kurzem verstorben.

Anfang der 90er Jahre bin ich im Theater in Zielona Góra aufgetreten. Zuletzt die Gesangs-Hauptrolle im Stück „Transfuzja“ unter dem Regisseur Tomasz Dudkiewicz. Dabei habe ich mit vielen großen polnischen Fernsehstars, wie Barbara Wrzesinska, Roman Klosowski, Wojciech Pokora oder Krzysztof Gordon gearbeitet. Außerdem bin ich mit meinem eigenen Recital aufgetreten. Das war mein eigener Abend mit Theaterliedern und Chansons.

1996 bis du nach Deutschland gezogen. Wie ist es dazu gekommen, was hat sich dadurch für dich geändert?

Neben Engagements in Dubai und Jordanien bekam ich 1996 ein paar Angebote in Deutschland. Ich wusste damals noch nicht, dass diese Zeit mein ganzes Leben ändern würde: Hier lernte ich die Liebe meines Lebens, meinen Mann Thomas, kennen. Er begleitete mich zu meinen Konzerten, unterstützte mich bei allen Entscheidungen, häufig machte er mir Mut. Er ist meine gute Seele, ihm verdanke ich unheimlich viel, auch das, dass ich in Polnisch singe. Er war und ist immer für mich da, auch wenn seine Arbeit ihn sehr stark beansprucht. Über seine Rolle in meiner künstlerischen Entwicklung könnte ich stundenlang erzählen.

Einige Jahre lang sang ich in verschiedenen deutschen Rock- und Soulbands im gesamten Ruhrgebiet. Dann aber fing ich wieder an, Theaterlieder zu singen. Seit 2003 arbeite ich deshalb nur noch mit Pianisten. Die Kombination Piano plus Stimme ist mir immer am liebsten.

Was ist dir bei deiner Bühnenarbeit wichtig?

Wichtig sind für mich vor allem Texte. Es sind  immer Texte über Frauen – Frauen und ihre Lebensgeschichten. Die Verlassenen, die Betrogenen, die Liebenden, die Sanften und die Zickigen. Alle diese Lieder werden für mich nie langweilig sein, weil ich immer etwas Neues in den Texten entdecke, etwas, was dann meine Interpretationen aufs Neue beeinflusst. Sie sind alle wie eine Liebeserklärung ans Leben, die man immer wieder wiederholen möchte.

Woran arbeitest du zurzeit?

Gemeinsam mit einer deutschen Kollegin, einer Ausdrucks-Tänzerin, und zwei glänzenden Instrumentalisten, arbeite ich an einem Projekt, welches Musik, Gesang, Tanz und Poesie umfasst. Es sind Lieder von... ach, nein, das möchte ich jetzt noch nicht verraten! Auf jeden Fall werde ich auch einige bedeutende polnische Kompositionen singen. Vielleicht werde ich wieder in einem Film spielen. Die Rolle der Tante Agate im Kinofilm „Hochzeitspolka“ hat mir viel Spaß gemacht. Der Film kommt erst im nächsten Jahr in die Kinos. Doch Sie dürfen nicht erwarten, dass Tante Agate gut singen kann...

Vor kurzem haben wir dich in Aachener Erholungsgesellschaft sowie im Berlin beim Event „Polonia Viva“ mit deinem Programm „eine Frau bin ich“ bewundert. Worauf dürfen wir uns in der kommenden Saison freuen?

„Eine Frau bin ich“, „Jestem kobieta“ ist noch sehr neu. Sogar der Pianist Slawek Olszamowski ist gerade jetzt dazu gekommen. Ich möchte das Programm noch einige Zeit spielen. Ich hänge an so vielen Liedern, die ich in diesem Programm präsentiere, es fiele mir schwer, mich von ihnen zu trennen. Sie sollen die Zuhörer zum Nachdenken bewegen, sowohl Frauen als auch Männer. Na, vielleicht vor allem die Männer. Ich möchte noch eine Zeit lang ihre Reaktionen auf meine Lieder genießen. Noch haben das Programm nicht alle gehört und gesehen. Und Deutschland ist groß ... J

Vielen Dank für das Gespräch.

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