altEine poetische Begegnung des deutschen und polnischen Chansons - Interview mit Margaux Kier

Die aus Polen stammende Sängerin und Schauspielerin Margaux Kier stehen exzellente Jazz-Musiker zur Seite. Mit überraschenden Improvisationen und eindringlichen Partituren erschaffen sie eine phantasievolle Klangwelt, in die Margaux mit ihrer wandlungsfähigen Stimme hinein tritt: mal als Dame, mal als Vamp, mal als braves Mädchen erzählt sie Geschichten von diesseits und jenseits der Grenze.  Neben Liedern von Agnieszka Osiecka und Seweryn Krajewski finden sich eigene - voll Energie, Lebenslust, Melancholie und Traurigkeit, lassen sie keinen unberührt, gleich welche Sprache sie spricht.

Wer ist diese charmante Sängerin und wie ist es dazu gekommen, dass sie so fantastisch singt?  Margaux, erzähl uns mal bitte Deine Geschichte.

Oh, lieben Dank für das Kompliment! Ich muss zugeben, dass ich schon wahrhaftig im Sandkasten mit dem Griff des Springseils den Einsatz als Sängerin auf der Bühne geübt habe. Das war in Bydgoszcz, im Hinterhof meines Geburtshauses ganz nah am Flussufer der Brahe / Brda. Dabei stellte ich mir vor beim berühmten Festival in Sopot dabei zu sein. Das war wahrscheinlich der Traum von vielen kleinen Mädchen, die das legendäre Lied „Anna Maria“ auswendig trällerten.
Doch es kam anders. Mit der Übersiedlung meiner Eltern nach Deutschland  haben meine künstlerischen Träume eine Wende erfahren. Ich wurde auf ein naturwissenschaftliches Gymnasium geschickt und war von dem medizinischen Beruf begeistert. Das soziale Engagement habe ich nicht nur zu Hause von Mama und Oma vermittelt bekommen. Auch die Schule in Bydgoszcz hatte einen großen Anteil daran, dass ich einen „Helferberuf“ ergreifen wollte. Um zu glauben, dass man als Künstler leben kann und der Welt genug zu sagen hat, braucht man ein enormes Selbstbewusstsein. Ich glaube, dass nach so einer Übersiedlung einem zunächst diese Kraft fehlt.Auf jeden Fall habe ich das Medizinstudium abgeschlossen, hab als Chirurgin gearbeitet, bis ich eines Tages alles hinter mir ließ und wieder in die Schule gegangen bin. Neben dem Schauspiel habe ich Gesangsunterricht genommen. Nach einer Weile kam mir die Idee ein Programm aus meinen deutschen und polnischen Liedern zu gestalten und ich konnte drei polnische in Köln lebende Musiker davon überzeugen – den Gitarristen Arek Bleszynski, den Kontrabassisten Krzysztof Kozielski und den  Pianisten Chris Zukowski. So fing es an – 1999.  Die drei waren aber sehr beschäftigt, so dass sie nicht lange dabei blieben.

Deine Banditen - wer sind die und seit wann singst Du mit der Gruppe?

Im Mai 2000 hatten wir unsere erste Premiere im Theater am Sachsenring in Köln, seitdem haben wir in Deutschland und Polen reichlich konzertiert. Die Zusammensetzung der Band hat sich verändert, inzwischen spielen bei uns so sagenhafte Jazzmusiker, dass die Musik mit Soli und Improvisationen neben dem Wort immer mehr Platz bekommt. Von Beginn an dabei ist Kontrabassist Daniel Speer (u.a. Kulturförderpreisträger der Stadt Herford), dessen sensibles, nach allen Seiten hin offenes Spiel den roten Teppich ausrollt für alle übrigen Mitstreiter. Vertraut gewordene Begleiter sind auch Florian Weber, „der Jazzpiano Newcomer in Deutschland“ (DIE ZEIT) und Gewinner des „Piano Solo Competition des Montreux Jazz Festivals“, Gitarrist Frank Wingold, der u.a. den „Dutch Jazz Competition 2002“ für sich entschieden hat, sowie Komponist, Pianist und Akkordeonist Jura Wajda aus Tschechien. Im November spielen außerdem zwei Gäste aus den USA: Jeff Denson aus San Diego am Kontrabass und der Israeli Ziv Ravitz, der in New York lebt. Eine kurze Anreise – nämlich aus Herzogenrath kommt der Saxophonist, der auch die Bassklarinette spielen wird, Claudius Valk. Alle Musiker haben sich in der Jazzszene Deutschlands einen Namen gemacht und ich bin sehr glücklich darüber, dass sie ihr virtuoses Können meinen Chansoninterpretationen zur Verfügung stellen.

Du bist eine geheimnisvolle Chansonistin. Wovon kommt die eigentliche Inspiration für Deine Lieder, die so fantastisch deutsche und polnische Tradition mit französischem Akzent verbindet?

Ich möchte Geschichten erzählen, berühren, bewegen, Gefühle entstehen lassen. Die Zuschauer und Zuhörer sollen in meine Welt eintauchen, oder ihre Welt wieder finden. Sie sollen lächeln und durchaus auch weinen. Mein Gesang und Spiel und meine Wahrhaftigkeit zum einen und die Musik zum anderen sollen die Menschen dazu bringen, dass sie vor allem mit dem Herzen hören. Die Poesie gibt uns nicht nur Schönheit, sondern häufig eine Erkenntnis. Die Lieder, ob deutsch, ob polnisch oder französisch sind voll davon... Die Programme stelle ich intuitiv und assoziativ zusammen. Die grundsätzlichen Fragen des Lebens tauchen natürlich überall auf, die Liebe ein unerschöpfliches Thema, aber auch die Vergänglichkeit, der Zeitgeist. Wir Polen und Deutsche haben viele Gemeinsamkeiten, doch ist es interessant zu merken, welche Nation, ihre Akzente wo setzt. Die Vielfalt macht den Reichtum aus, der uns zuteil wird.

Margaux, eine graziöse Sängerin, die auch eine ausgebildete Schauspielerin ist, kann auf der Bühne hervorragend spielen. Welche Rolle spielen Showeinlagen in Deinen Programmen?

Es gibt kleine Moderationen, die immer wieder auftauchen, Fragen, die ich dem Publikum oder den Banditen stelle... doch das Meiste ist spontan, ergibt sich aus Reaktionen der Zuschauer, oder Eindrücken, die ich vor Ort erhasche. Es gibt auch einzelne Lieder, wo ich eine bestimmte Figur spiele, wo ich mit 1 - 2 Requisiten meinen Charakter festlege oder mich sogar auf der Bühne verkleide.

Dein neuestes Musikspektakel mit dem Titel Herzsplitternackt... nagie serce haben wir in der Jazz-Schmiede in Düsseldorf bewundert. Wie ist zu dem Projekt gekommen?


Wir führen in diesem Herbst unterstützt von Cultura e.V. Düsseldorf und der DPG Köln Bonn e.V. ein Projekt durch, welches vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Auch der WDR wird bei einem Konzert dabei sein. Wir haben uns seit 4 Jahren immer wieder mit dem Werk von zwei polnischen Legenden - der Autorin Agnieszka Osiecka und dem Komponisten Seweryn Krajewski beschäftigt. Das ist der Ausgangspunkt eines Programms in dem ich zuletzt auf den polnischen Chansonnier und Liedermacher Miroslaw Czyzykiewicz treffe. Wir werden den Werken dieser Künstler aber auch eigene zusammen mit hervorragenden Kölner Jazzmusikern interpretieren. Außerdem leite ich mit Jura Wajda einen theatermusikalischen Workshop für polnisch sprechende Jugendliche in Köln, welcher sich ebenfalls den Liedern der Beiden großen Künstler beschäftigt.

Wo können unsere Leser demnächst Dein Kunsthandwerk sehen und hören?


Wir spielen in Würselen am 8. September beim Festival POLREGIONALE 2012 in wunderbarem Ampfitheater Burg-Wilhelmstein. Ich habe mich sehr gefreut Polregio und seine „Macher“ kennen zu lernen. Als ich von der neuen und dazu so großen Initiative im Sommer gehört hatte, war ich sehr froh, dass sich wieder engagierte Menschen zusammengefunden haben, die hier die polnische Kultur bekannt machen und damit zum Dialog und zur Integration der Migranten aus Polen beitragen. Wenn man sich mit seinen Wurzeln auseinandersetzt, das Beste daraus schöpft, fühlt man sich wohl und stark im Einwanderungsland und die neue Heimat hat dann eine Ecke mit einem schönen, alten Sofa, wo sich dein Herz immer mal wieder ausruhen kann. Vielen Dank dafür! i do widzenia!

Mit Margaux Kier sprach Wieslaw Lewicki

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