Leiterin Liliana Andrzejewski muss das Kulturzentrum Ignis aufgeben. Foto: Bause - Kölner Stadt-Anzeiger

 

Leiterin Liliana Andrzejewski sieht sich nach 29 Jahren gezwungen, das Kulturzentrum Ignis in der denkmalgeschützten Villa an der Elsa-Brändström-Straße aufzugeben - die Essigfabrik ist als neuer Betreiber der Villa im Gespräch.  
 
Köln. Eine Institution steht vor dem Aus. Nachdem das Europäische Kulturzentrum Ignis Mitte 2010 schon einmal auf der Kippe stand, jedoch dank Spenden gerettet werden konnte, scheint sein Schicksal besiegelt. Leiterin Liliana Andrzejewski, die es vor 29 Jahren gegründet und zumal in schwierigen Zeiten mit viel Engagement betrieben hat, will aufgeben. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Trägervereins wird die 67-jährige Geschäftsführerin die Auflösung des Trägervereins vorschlagen.

Anlass ist die fristlose Kündigung durch den neuen Eigentümer der denkmalgeschützten Villa an der Elsa-Brändström-Straße. Rund 100 Leute, darunter Architekten, Statiker und Bauingenieure, halfen seinerzeit auf Initiative der Gründerin mit, das marode Gebäude zu sanieren. Es entstand ein Kulturzentrum, dessen Zweck anfangs war, Zuwanderern aus den mittel- und osteuropäischen Ländern wie auch Deutschen eine Anlaufstelle zu bieten. In Kooperation mit Sozialarbeitern wurden Spätaussiedler und andere Neuankömmlinge betreut. Andrzejewski, in Kirgisien geboren, hat einen Teil ihrer Kindheit in Polen verbracht, in Griechenland Abitur gemacht und in Paris studiert. Vor 45 Jahren kam sie nach Deutschland; nachdem sie ihre Arbeit als Systementwicklerin aufgegeben hatte, widmete sie sich unermüdlich dem Projekt Ignis.

Erbitterter Streit

Die Lage wurde ungefähr seit dem Jahr 2000 schwieriger, Zuschüsse des Bundes fielen weg, ein Teil des zweistöckigen Hauses musste vermietet werden. Es blieb der Veranstaltungssaal im Parterre mit Tresen, Marmortischen und Flügel. Das Programm reichte von der Vorführung russischer Dokumentarfilme über internationale Jazznachmittage bis zu polnischer Rockmusik, von Gedichtlesungen über klassische Konzerte bis zu interreligiösen Gesprächstreffen. Mithilfe zusätzlicher Einnahmen aus der Vermietung an Festgesellschaften wurde der größte Teil der Mietkosten gedeckt. Trotz aller Probleme bemüht sich Andrzejewski um Tapferkeit: "Ich bin kein Opfertyp, keine tragische Figur." Ihr tun vor allem die vielen Leute leid, die die traditionsreiche Einrichtung nicht missen möchten. Die Schuld sieht sie beim Vermieter: "Der will uns raushaben"; er habe ihr das Leben schwergemacht. Geschäftsmann Josef Bünger, der das Haus im November 2012 erworben hat, weist die Vorwürfe zurück. In vielem sei er Andrzejewski entgegengekommen, sagt er. So habe er schon vor anderthalb Jahren den Mietvertrag, abgeschlossen zwischen ihr und den Vorbesitzern, um fünf Jahre verlängert und versucht, sich mit ihr den Veranstaltungssaal zu teilen - einer Nutzungsregelung gemäß, die er sich nach den Worten der Ignis-Vorsitzenden aber geweigert habe zu unterschreiben. Ein Auskommen war offenbar nicht möglich. Beide Parteien können Aktenordner mit Schriftstücken vorweisen, die von dem zähen, erbitterten Streit zeugen. Inzwischen ist der Mietvertrag fristlos gekündigt. Das sei in gegenseitigem Einvernehmen geschehen, so Bünger. Andrzejewski, die spätestens Ende des Jahres ausziehen soll, sieht das anders: "Er lässt uns nicht leben." Doch sie sieht keinen Sinn darin, "drei Jahre zu prozessieren. Ich habe so lange gekämpft, wie es für mich vertretbar war. Ich möchte nicht zu einer verbissen-traurigen Figur werden, der es um Erfolg um jeden Preis geht, und verschwinde erst einmal aus Köln", sagt sie. "Ich brauche Abstand zu dem Ganzen."

Bünger betont, er habe Andrzejewski vorgeschlagen, der Verein könne weiter "Veranstaltungen aller Art" anbieten, auch wenn er nicht mehr Betreiber der Stätte sei. Ihm liege daran, das Erdgeschoss als Raum für "Kunst und Kultur" zu erhalten. Als neuer Betreiber im Gespräch sei die Essigfabrik in Deutz. Tagsüber könne ein Schuldnerverein den Raum nutzen. Zurzeit ist die Villa eingerüstet, es laufen Sanierungsarbeiten, denen manche sorgsam gehegten Pflanzen zum Opfer gefallen sind. Mitte des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.


Quelle: http://www.ksta.de/koeln/kuendigung-kulturzentrum-ignis-steht-vor-dem-aus,15187530,22650796.html

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