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In ganz Deutschland wurde die Präsidentschaftswahl von Rafał Trzaskowski gewonnen. "Samo Życie" sprach mit Maciej Kowalski, Koordinator des Bürgerstabs von Rafał Trzaskowski in Deutschland und Treuhänder bei der Wahlkommission in Hamburg. (Auf dem Foto von links: Maciej Kowalski und der Europaabgeordnete Andrzej Halicki).

 

Warum haben Ihrer Meinung nach so viele im Ausland lebende Polen, vor allem in Deutschland, an den diesjährigen Wahlen zum Präsidenten Polens teilgenommen?

Mir scheint, dass der Hauptgrund für diese hohe Wahlbeteiligung die Bedeutung dieser Wahlen war. Die Tatsache, dass sie bestimmen, wie die Zukunft Polens in den nächsten Jahren aussehen wird. Ich denke auch, dass die Tätigkeit unseres Bürgerstabs Rafał Trzaskowski in Deutschland einen ziemlichen Einfluss hatte. Zu Beginn des Wahlkampfes riefen wir unpolitisch zur Teilnahme an diesen Wahlen auf, und wir erkannten, wie wichtig es ist, zu wählen. Das Wachstum war umwerfend - 241% mehr als bei den Präsidentschaftswahlen 2015, 64% mehr als bei den Parlamentswahlen 2019.

Warum hat Trzaskowski im Ausland so entschieden gewonnen, obwohl es z.B. in den polnischen Social Media so heftig knurrte?

Es hat gerumpelt und am Ende "zugeschlagen". (lacht). Im Ausland gewann Präsident Duda nur in den USA, Kanada, Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine. Rafał Trzaskowski gewann im Ausland, obwohl die polnische katholische Mission und die polnischen Zeitungsklubs und der Freundeskreis von Radio Maryja hier eine so starke Position haben. Ich habe den Eindruck, dass im Falle des Auslands die polnischen öffentlichen Medien nicht so viel Berichterstattung über die polnische Gemeinschaft haben, wie sie dachten. Die Mehrheit der polnischen Gemeinschaft ist sich jedoch Europas bewusst und möchte Polen näher an das gemeinsame Europa heranführen. Ich denke auch, dass ein großer Teil von ihnen Nachrichten über Polen aus deutschen Medien und dem Internet bezieht.

Wie sah Ihr Wahlkampf in Deutschland aus?

Von Anfang an war es hauptsächlich eine Online-Kampagne, hauptsächlich in sozialen Medien - Facebook, Twitter, Instagram und Online-Treffen und -Diskussionen. Die Idee war, den Wählern in Deutschland zu zeigen, dass es eine sehr aktive und zahlreiche Gruppe von Unterstützern der Präsidentschaft gibt, Rafał Trzaskowski. Trotz der Tatsache, dass es in Deutschland über 2 Millionen Menschen mit polnischen Wurzeln gibt, macht die Straßenkampagne nicht viel Sinn. Schon vor der Kampagne hatte ich an den im Internet angegebenen Stellen Unterschriften für Rafał Trzaskowski gesammelt. Mehrmals stand ich mit einer Informationstafel im Stadtzentrum, aber das Interesse war gering.

Sind Sie auf unangenehme Situationen gestoßen?

Ich gebe zu, dass ich das nicht getan habe. Manchmal gab es einen Meinungsaustausch mit Dudas Anhängern, aber das waren ganz normale Gespräche. Auf der anderen Seite war es im Internet sehr hart, wo selbst absolut unpolitische Postings, die einfach nur zur Teilnahme an Wahlen ermutigten, auf eine Welle von Hezytus stießen.

Hatten auch die übrigen Kandidaten ihren Sitz in Deutschland?

Szymon Hołownia, Robert Biedroń und Krzysztof Bosak hatten ihre Unterstützer und kleinere Bars. Sie hatten im ersten Wahlgang auch ihre Vertrauensleute in den Wahlkommissionen.

War dies Ihr erstes Engagement im Wahlkampf und bei den Wahlen in Deutschland?

Nein. Ich habe seit 2007 an den Wahlkämpfen der Bürgerplattform teilgenommen, als ich noch in Polen war. Allerdings war ich noch nie so aktiv beteiligt wie in diesem Jahr. Dies waren die ersten Wahlen, bei denen die ausländischen Stäbe so aktiv waren. Bei den Polen in Deutschland war das Interesse an Wahlen in Polen noch nie so groß wie in Deutschland.

Können die Stimmen der Polen im Ausland den Ausgang der Wahlen beeinflussen?

Die meiste Zeit. Bei dieser Wahl gewann Präsident Duda mit einer Differenz von etwa 420 Tausend Stimmen und etwa 500 Tausend im Ausland registrierten Wählern.

Haben Polen, die im Ausland leben, überhaupt ein moralisches Recht, sich zu polnischen Fragen zu äußern, und sollten sie trotzdem das Wahlrecht haben?

Die polnische Staatsbürgerschaft berechtigt Sie zur Teilnahme an Diskussionen über die Gestalt Polens und seine Politik. Viele von ihnen haben Familien, Häuser und Interessen in Polen. Viele planen, nach Polen zurückzukehren, und es ist für sie wichtig, in welche Art von Polen sie zurückkehren werden. Viele sind sehr emotional mit ihrem Herkunftsland verbunden, fahren mehrmals im Jahr nach Polen und geben das im Ausland verdiente Geld dort aus. Viele investieren auch in Unternehmen und Immobilien in Polen.

Sind die Konsulate in Deutschland mit der Korrespondenzform der Wahlen fertig geworden?

Im ersten Wahlgang bedauerten viele Menschen, dass sie ihre Stimmzettel zu spät erhielten und deshalb nicht abstimmen konnten. Auf unsere Initiative hin sind wir an alle Konsulate mit dem Vorschlag herangetreten, ihnen beim Packen und Versenden von Umschlägen mit Stimmzetteln für die zweite Runde zu helfen. Die Konsulate haben unsere Hilfe angenommen. Es war wirklich wenig Zeit, aber die Beteiligung der Menschen war großartig. Ich muss zugeben, dass die Konsulate dies zu schätzen wussten. Ich muss jedoch sagen, dass Mitglieder des Trzaskowski-Ausschusses an dieser Form der Hilfe teilgenommen haben.

Haben Ihre Mitarbeiter mit polnischen Organisationen zusammengearbeitet, z.B. mit dem Polnischen Kongress?

Wir haben nicht nach einer solchen Zusammenarbeit gesucht, weil wir der Meinung sind, dass allgemeine polnische Organisationen und Verbände unpolitisch sein sollten.

Gab es im Wahlkampf viele Aggressionen von Gegnern?

Im Internet war es eher die Norm. Wir versuchten, uns nicht auf Diskussionen einzulassen und nicht mit Aggression zu reagieren. Mit kleinen Ausnahmen ist uns das gelungen. Es erforderte viel Diplomatie (Gelächter). Mich verblüfft jedoch die Tatsache, dass falsche Informationen über die Existenz z.B. von Stimmzetteln ohne Siegel oder nur mit dem Namen Duda oder Unregelmäßigkeiten in der Arbeit der Konsulate regelmäßig in den sozialen Medien erscheinen. Es scheint mir, dass sie Verwirrung stiften, die Wähler demobilisieren und das Gefühl des Wählens untergraben sollte. Es schien eine Art organisierte Aktivität zu sein.

Und warum hat eine bestimmte Anzahl von Menschen ihre Stimmzettel nicht erhalten, obwohl sie sich früher registriert hatten?

Es ist keine große Zahl, und es scheint mir, dass sie im Rahmen der Statistik der nicht zugestellten Post liegt. Man sollte auch wissen, dass die Konsulate Pakete an den Namen schicken, der im polnischen Dokument erscheint, d.h. mit polnischer Schreibweise. Auf der anderen Seite steht manchmal der Nachname in deutscher Schreibweise auf dem Briefkasten, und dann liegt alles in der Verantwortung des Nachrichtendienstes des Postboten. Häufig gab es auch Fehler bei der Eingabe der Adresse bei der Registrierung. Nur eine kleine Anzahl von Mailings erreichte ihre Adressaten nicht.

Sie waren als Vertrauensmann bei der Wahlkommission in Hamburg tätig. Waren viele Ihrer Vertreter im Wahlausschuss?

Ja, wir hatten unsere Vertrauensleute in jedem Ausschuss, und in einigen Ausschüssen auch Mitglieder.

Hatte der Andrew Duda-Ausschuss auch Vertrauensleute?

Ich habe nur von einem Fall gehört.

Gab es Defizite in der Arbeit der Ausschüsse?

Im Allgemeinen nicht viel. Es gab Umschläge und Karten, die zwar mit dem Wohlwollen des Komitees als gültig angesehen werden konnten, aber wegen geringfügiger Fehler der Wählerinnen und Wähler (z.B. die Eintragung der Absenderadresse auf dem Umschlag mit der Stimmkarte) abgelehnt wurden. Leider mussten viele (ca. 1-2%) der Umschläge aufgrund von Fehlern der Wähler - keine Erklärung zur persönlichen und geheimen Abstimmung im Umschlag - abgelehnt werden. Unser Ausschuss versuchte, den Wählern zu helfen - wir führten eine Kampagne zur korrekten Abstimmung durch. Wir organisierten auch einen Kurierdienst, der am Sonntag Umschläge von Wählern abholte, die es nicht schafften, sie zu verschicken. Dieses Unternehmen lieferte die Umschläge am Abend an alle Wahllokale aus.

Könnte nicht eine Kiste oder eine Urne vor das Konsulat gestellt werden?

Wir boten es den Konsulaten an, erhielten aber eine negative Antwort, in der erklärt wurde, dass die deutschen Behörden und die geltenden Hygienevorschriften in Deutschland dies nicht zulassen. Dies steht nicht im Einklang mit der Antwort, die wir vom Auswärtigen Amt erhalten haben. Die deutschen Behörden gaben zu, dass sie am 8. April persönliche Wahlen verboten haben. Von einem Verbot von Mailboxen war jedoch nicht die Rede. Wie das Auswärtige Amt einräumte, war keine Zustimmung der deutschen Behörden erforderlich. Die Konsultationen vom 8. April betrafen jedoch die Wahlen vom 10. Mai. Die Form der Wahlen am 28. Juni und 12. Juli wurde nicht konsultiert. Am 21. Juni wählten die Serben und am 5. Juli die Kroaten ihre Parlamente persönlich in ihren Botschaften in Berlin.

Wie viele Mitglieder des Bürgerkomitees von Rafał Trzaskowski gab es in Deutschland?

Ich glaube, dass wir ein gewisses politisches Bewusstsein und eine gewisse Energie in den Menschen geweckt haben, und ich denke, es besteht die Chance, dass sich die in Deutschland lebenden Polen stärker politisch engagieren, z.B. durch die Kandidatur für die Integrationsräte, die es in jeder Stadt gibt.

Leonard Paszek

Andreas Hübsch, Herausgeber der Zeitschrift "Samo Życie" und Reporter von COSMO Radio in polnischer Sprache aus dem Rheinland, wurde vom Restaurant "Gdańska" ausgezeichnet.

Am ersten Augustwochenende konnten die Anhaenger des Kultrestaurants "Gdańska" an der nächsten Ausgabe der Preisverleihung der "Neptun-Statue" auf dem Marktplatz in Oberhausen teilnehmen. Die Auszeichnung für den besonderen Aufbau polnisch-deutscher Beziehungen wird seit 2002 von den Eigentümern des Restaurants "Gdańska" Maria und Czesław Golebiewski verliehen.

Die diesjährige Statuette ging an Andreas Hübsch, den langjährigen Herausgeber und Chefredakteur der populären deutsch-polnischen Zeitschrift "Samo Życie". In der Begründung für die Auszeichnung würdigte das Komitee "Gdańska" das Engagement des Journalisten für eine ehrliche und aufrichtige journalistische Arbeit und seinen Beitrag für die polnische Gemeinschaft. In der Laudatio Wiesław Lewicki dankte dem Preisträger für die zuverlässige Medienberichterstattung für Polonia und die Polen in Deutschland und für die langjährige Zusammenarbeit mit den örtlichen polnischen Medien.

Andreas Hübsch in seiner Danksagung betonte: "Lasst uns nicht blind jemandem vertrauen, nur weil er Millionen von Anhängern in den sozialen Medien hat, lasst uns kritisch sein, wenn - wie in Polen - das öffentliche Fernsehen und Radio in "nationales Fernsehen" und "nationales Radio" umbenannt worden sind. Heutzutage müssen wir die Informationsquellen ständig überprüfen, um nicht Opfer von Propaganda oder gefälschten Nachrichten zu werden".

Hören Sie ein Interview mit Andreas Hübsch von Radio COSMO an:

Quelle: WDR - Radio COSMO

Redaktion Polonia Viva

 

Bis vor kurzem haben uns Bilder von verlassenen Plätzen, Parks und wichtigen öffentlichen Orten in Europa erschreckt. Oft isoliert in den sprichwörtlichen "vier Wänden", wurden sie von der Unsicherheit von morgen und der Angst vor dem pandemischen COVID-19-Virus begleitet, das während des Karnevals wütete.

Nach den drastischen Behinderungen irgendwo in der Mitte des Jahres ließen die Politiker unter Beobachtung der fallenden Krankheitskurve zu, dass das "Home-Office" zugunsten echter Büroarbeit vorsichtig verlassen wurde und wichtige soziale Kontakte aufgetaut wurden. Masken, Distanz und Desinfektion sind zu unserem Alltag geworden.

Es kam jedoch ein kritischer Moment der Pandemiemüdigkeit, und die Mehrheit der Gesellschaft verkürzte, ungeachtet der Empfehlungen, die empfohlene Distanz erheblich. Menschen, die durstig nach Ruhe waren und das Unbehagen der Isolation vergessen wollten, hörten einigen Politikern zu, die für ihre unmittelbaren Zwecke die Pandemie einfach "abgesagt" haben. Gegenwärtig leiden wir alle unter den Folgen nicht nur durch den Verlust des eigenen Selbsterhaltungstriebs, sondern auch durch die Feststellung einer weit verbreiteten Zunahme der Krankheitskurve.

Als die Sommerzeit kam, kam die Hoffnung auf Normalität und ein unwiderstehlicher Wunsch nach Ruhe. Wir vergaßen schnell die gerade gestrichenen Flüge und den Verzicht auf Urlaubspläne. Viele haben jetzt beschlossen, ihren Urlaub ad hoc im eigenen Land zu verbringen, und nur wenige haben sich entschlossen, die offenen Grenzen zu nutzen und in die Welt hinauszugehen. So viele Auslands-Polen haben es glücklich geschafft, ihr Heimatland zu besuchen und haben sich unter die Menschenmengen gemischt, die sich entweder an der Ostsee oder in der Tatra erholen wollen. Bilder von touristischen Sehenswürdigkeiten sprechen für sich.

Hat das Coronavirus auch Feiertage? Nicht wirklich, oder sogar sicher nicht! In vielen Ländern warnen wissenschaftliche Experten davor, dass die Zahl der Infektionen mit der Bewegung einer großen Zahl von Touristen zusammenhängt, die keine soziale Distanz und keine ausreichenden Schutzmaßnahmen einhalten. Auch unsere Politiker in den Bundesländern sagen voraus, dass sich die Epidemie nach der Rückkehr der Touristen aus dem Urlaub wieder verschlimmern wird. Deshalb schlagen viele Entscheidungsträger Alarm und verschärfen die Vorschriften für das Tragen von Masken auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - in NRW beispielsweise müssen Sie in Ermangelung einer Maske den Transport sofort aufschieben und ein Bußgeld von 150 € zahlen!

Die Situation ist derzeit in vielen europäischen Ländern ähnlich. Die wiederkehrende Welle der Pandemie betrifft bestimmte Regionen, und dort wenden die lokalen Behörden Subventionsbeschränkungen und Präventivmaßnahmen an. Dies ist z.B. im Kreis Gütersloh bei der Fleischfabrik Tönnies, in den Bergwerken in Schlesien oder in der spanischen Region Katalonien und der belgischen Region Antwerpen der Fall.

Trotz des Wiederauftretens der Pandemie ist das Verhalten der Bürger besorgniserregend, die häufig die Vorschriften der lokalen Behörden ignorieren und sich sogar offen dagegen aussprechen. In vielen Städten gab es Massenproteste gegen alle Einschränkungen. Die größte Demonstration fand am vergangenen Wochenende in Berlin statt, wo Tausende von Unzufriedenen ihren Widerstand gegen die Politik der Behörden und ihrer Meinung nach unnötige Beschränkungen der Pandemie zum Ausdruck brachten.

Der Rückfall der bereits gedämpften COVID-19-Pandemie ist bereits eine Tatsache, und dennoch sagen Experten für Mitte September nach der Rückkehr der Urlauber eine deutliche Verschärfung der Epidemie in verschiedenen Regionen Europas voraus. Sowohl die Empfehlungen als auch die Anordnungen der Behörden können unterschiedlich bewertet werden, aber keiner von uns wird sich vom gesunden Menschenverstand und von der bürgerlichen Verantwortung befreien, uns selbst und unsere Lieben zu schützen. Halten wir also mitten in der zurückkehrenden Welle Abstand vom gesunden Menschenverstand und ein Höchstmaß an Hygiene - verlieren wir also nicht unsere gute Laune und die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

Wiesław Lewicki

Polonia Viva

Haupt-Foto: Łukasz Dejnarowicz / Forum

weitere Fotos - Internetquelle

 



Die Leute können sich nicht vorstellen, dass ein Mann zwei Wettkämpfe haben kann, zwei Leidenschaften, die genauso gut funktioniert. Ich liebe Medizin, aber ich liebe auch Theater und Musik, ich liebe Kunst ", sagt Margaux Kier.

DW: Margaux, wer bist du eigentlich – Ärztin, Sängerin oder vielleicht eine singende Ärztin?
Margaux Kier: „Die Frage ist schwierig, Menschen können sich kaum vorstellen, dass man zwei Berufe haben kann – zwei Leidenschaften, die ich genauso gut ausübe. Einerseits versucht man weiszumachen, dass ich eine Hobby-Urologin, andererseits sind einige Menschen davon überzeugt, dass ich eine Hobby-Schauspielerin bin. Ich empfinde es nicht so, den Arztberuf nehme ich sehr ernst, es ist kein Hobby. Ich liebe Medizin, gleichermaßen liebe ich auch das Theater, die Musik und die Kunst.
DW: Ist es für eine gebürtige Polin einfach, auf der deutschen Musikbühne Fuß zu fassen?
MK: Falls wir von dem polnischen Deutschtum sprechen, d. h. von einem Leben im Exil als Emigrant, so hat sich einiges seit der Zeit meiner musikalischen Anfänge geändert. Heute gibt es auf der Bühne einen großen Wettbewerb, vielleicht sogar Kampf, es passiert sehr viel. Finanzielle Mittel sind unerlässlich damit ein Sänger das Publikum überhaupt erreichen kann. Jemand, der bereit ist, in einen Sänger zu investieren denkt dabei nur daran, wie lange an einen Gewinn daraus erzielen kann. Man braucht großes Geld für die Werbung, die Billboards und die ersten Seiten von Zeitungen. Ich habe übrigens erfahren, dass der Manager eines Künstlers viel Geld an Journalisten zahlt um an den ersten Seiten zu erscheinen Einerseits findet so etwas statt, andererseits gibt es auch Journalisten, die es schaffen, einen Künstler z fördern, der mittellos ist; es ist allerdings schwierig und kommt selten vor.
Auch das fehlende Wissen über ein anderes Land, über dessen Geschichte, Kultur und Denkweise macht es für Menschen, die von woanders stammen und auf der Bühne auftreten möchten, schwer. Mir selbst ist erst vor sieben-acht Jahren klar geworden, wie wenig ich über Deutschland und die Deutschen, die Geschichte, Politik und das kulturelle Leben sowohl der Massen als auch der Eliten dort weiß.  Woher sollte ich es auch wissen,  ich bin doch in Bydgoszcz aufgewachsen. Nach Deutschland kam ich 2007, um an einem Stück über zwei Malerinnen der Avantgarde – Frieda Kahlo und Paula Modersohn-Becker mitzuwirken. Das Spektakel wurde in Worpswede aufgeführt. Bis dahin habe den Namen „Worpswede“ nicht gehört, dabei handelt es sich um eine relativ große Siedlung in der Nähe von Bremen, früher nannte man sie „Künstlerdorf“ - ein Dorf der Künstler, die dort kamen, lebten, wohnten und kreativ arbeiteten.
Die spezifischen Lichtverhältnisse, die Farben der Natur und eine einmalig interessante Landschaft zogen insbesondere viele Maler dorthin, so dass einzigartige Bilder entstehen konnten. Dort wohnten u. a. Rainer Maria Rilke und Heinrich Vogeler, die einen bedeutenden Einfluss auf die deutsche Kultur ausübten. Ich befand mich in Worpswede und dachte dabei: „Mein Gott, hinter diesem Dorf steht eine 100-jährige Geschichte, von der ich bis jetzt keine Ahnung hatte, niemand hat mir davon erzählt. Ich kam dorthin zwei Jahre hintereinander, wir spielten das Stück „Paula und Frida“ in Barkenhof, die Tickets waren täglich ausverkauft. Das Spielen in diesem Stück war für mich ein Erlebnis und eine weitere Etappe bei dem Eintauchen in die Tiefen der deutschen Kultur.
Wichtig war für mich auch das Kennenlernen der deutschen Sprache dank Karl Dedecius, der so hervorragend die Werke von Szymborska übersetzt hat, dass ich dabei dachte: „Wie hübsch die deutsche Sprache doch ist!“.  Es war eine höhere Einweihungsstufe in die deutsche Kultur. Selbstverständlich habe ich als junges,  14, 15-jähriges Mädchen Goethe, Schiller und weitere Schriftsteller gelesen, auch wenn es mir schwer gefallen ist. Ich versuchte „die Grundlagen“ der Literatur zu ergründen.
DW: Heute wanderst du mit Leichtigkeit durch verschiedene Stillrichtungen der Musik. Du singst Pop, Balladen, Jazzstandards - ein herausragendes, breit gefächertes musikalisches Programm
MK: Ich bin auch der Meinung, dass die Verbindung von diesen Gattungen toll ist. Es gibt etwas Interessantes, was ich von Seweryn Krajewski gehört habe. Er selbst hat in seiner Zeit bei „Czerwone Gitary“ auch Lieder auf Deutsch geschrieben, sie wurden für Amiga- die Plattenfirma der DDR aufgenommen. Die Bandmitglieder haben selbst die Worte für ihre Lieder geschrieben, da sie etwas Deutsch gesprochen haben, bei diesem Vorhaben wurden sie selbstverständlich von den Deutschen aus der DDR unterstützt. Krajewski sagte einmal in einem Interview etwas Wichtiges, nämlich dass die Polen und die Slawen Melodien in sich tragen.  An seinen Melodien, die häufig eingängig sind und das Herz berühren, arbeitet er sehr lange. Man kann sie auf viele musikalische Weisen spielen – als Jazzstücke oder sogar als Technomusik. Darin besteht diese slawische Macht, eine Musik, die diesen Reichtum besitzt kann auf viele Arten gespielt werden.
DW. Du hast ein sehr vielfältiges Repertoire und trittst auf verschiedenen Bühnen auf und von unterschiedlichem Publikum, hältst du dich für eine Künstlerin, die sich selbst verwirklicht hat?
MK. Ja, aber noch nicht ganz, da es mir bis jetzt nicht gelungen ist,  jemanden zu finden, der die organisatorische Seite meiner Auftritte übernehmen würde. Dadurch, dass ich weiterhin in meinem Arztberuf arbeite habe ich wenig Zeit, früher musste ich mich auch noch um die Erziehung meines Sohnes kümmern, es für mich schwierig, einen Manager zu finden. Es ist eine komplizierte Angelegenheit, Konzerte für die Art Musik, die wir machen, Musik von Menschen mit Ambitionen, zu organisieren. Die Chansons, die wir spielen und die Anfang des vergangenen Jahrhunderts populär in Deutschland waren, verschwanden fast komplett nach dem Krieg, die gesungene Poesie, von der Wislawa Szymborska sagte, dass zwei Tausend Menschen sie lesen, ist eine schwierige Poesie, selbst wenn sich immer mehr Leute für die polnische Kultur öffnen. Ich muss sagen, dass die Deutschen, die unser Konzert einmal besuchten, häufig überrascht sind, dass Polnisch sich so gut anhört, sie wollen es hören, ja sie schwärmen sogar davon. Wenn es um den Inhalt der Lieder geht, gefällt er den deutschen Zuhörern besonders gut - ich habe sogar neue, polnische Lieder im Programm,  die ich aktuell übersetze sowie die älteren Lieder. Die Lieder, die ich als Lieder mit Gefühl bezeichnen würde, gewinnen immer mehr an Popularität. Zusammenfassend, man kann sich mit diesem Repertoire behaupten, aber es ist nicht einfach.
DW: Wir haben bereits einmal über Musik gesprochen. Damals hast du mir ein Beispiel aus dem Leben genannt. Als in den 60-er Jahren solche Musik wie Pop entstanden ist, The Beatles oder Stones waren wie Bäume, die zu einem Wald wurden. Heute wachsen diese Bäume nicht  mehr oder nur selten, es gibt fast nur noch Wälder…
Ja, und deswegen ist es so schwierig. Du musst Geduld haben, musst die ganze Zeit etwas Neues, musikalisch neues erzählen, die ganze Zeit arbeiten, arbeiten, arbeiten und nur dann kannst du auftr

MK: eten, dich entwickeln und Platten aufnehmen. Es ist sehr schwer. Ich würde sogar sagen – es ist einfacher, sich in die Arbeit des Krankenhauses zu engagieren, an einem Ort, wo du Geld für Leben verdienst und in Ruhe gelassen wirst. Im Gegensatz dazu ist es schwer, heute, in der Zeit der Medien ein Künstler zu sein.  
Zum Schluss erzähle ich dir etwas, was aus meiner Erfahrung resultiert. Die Deutschen sind offen für die polnische Kultur und sie öffnen sich immer mehr. Die letzten Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung in Polen sind auch der langjährigen Arbeit der deutschen Regierung zu verdanken und sie trugen wesentlich dazu bei, dass man diese Kultur hier schaffen kann. Sei es durch den kulturellen Austausch. Dazu kommt noch die Arbeit von unzähligen deutsch-polnischen Vereinen, Städtepartnerschaften, Aktivitäten von Deutschen, Polen und Exil-Polen, die gemeinsam einen Dialog bilden,  der stattfindet. Die deutschen Bürger haben Aktionen an Schulen gestartet, die Polen zeigen und wie sich Polen entwickelt. Es gibt die Bosch-Stiftung, die diese Projekte nicht nur mit Wort unterstützt. Dank den engagierten Deutschen war Polen im Jahre 2000 der Ehrengast der Buchmesse in Frankfurt/Main. Diese Zusammenarbeit – ich wiederhole es erneut – ist immer intensiver und deswegen können alle, die hierhin kommen und die polnische Kultur zeigen wollen, eine Chance erhalten, auf der musikalischen Bühne Platz zu finden. Andererseits sind es dieselben Chancen, die die hiesigen Künstler haben, wie ich bereits sagte auch sie haben Fehler und müssen selbst Sorge dafür tragen, sich ständig zu verbessern. Sie haben allerdings auch den Schatz der polnischen Wurzel und sollen Nutzen daraus ziehen.
Gesprochen Wieslaw Kutz

Margaux Kier – eine deutsche Sängerin mit polnischem Migrationshintergrund, von Beruf Ärztin. Sie lebt in der Nähe von Köln

 

 

 

12.Juli, am vergangenen Sonntag haben die Pol*innen ihren künftigen Präsidenten gewählt. Nachdem keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen konnte, hat sich voraussichtlich, nach Auszählung von 99,97 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Andrzej Duda mit 51,21 Prozent gegen seinen Herausforderer Rafał Trzaskowski mit 48,79 Prozent knapp durchgesetzt. Was hat letzten Endes den Ausschlag gegeben? Wer sind die Wähler*innen von Andrzej Duda? Und welche Folgen hat das Ergebnis für die polnische Innenpolitik und die Beziehungen des Landes zu Deutschland und der Europäischen Union?

Diese und weitere Fragen werden Dr. Agnieszka Łada und Bastian Sendhardt vom Deutschen Polen-Institut diskutieren. Dabei werden sie auch einen Blick auf das Polen jenseits des Warschauer Politikbetriebs werfen und Expert*innen mit ihren Einschätzungen aus anderen Teilen des Landes zu Wort kommen lassen.

Die Veranstaltung wird morgen, den 14. Juli 2020, ab 14 Uhr live auf der Facebook-Seite des Deutschen Polen-Instituts www.facebook.com/deutschespoleninstitut übertragen, wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen im Live-Chat.

Dr. Andrzej Kaluza
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Polen-Institut

 

Dialogbereitschaft, Neutralität und Gleichbehandlung polnischer Organisationen, unabhängig vom Umfeld, das sie vertreten. Das sind die häufigsten Erwartungen der Vertreter der deutsch-polnischen Gemeinschaft an den künftigen Präsidenten der Republik Polen", resümiert Radio-Cosmo-Journalistin Monika Stefanek nach Gesprächen mit Vertretern der deutsch-polnischen Gemeinschaft.

An diesem Sonntag werden die Polen im In- und Ausland einen Präsidenten für die nächsten 5 Jahre wählen. Der Kampf in den letzten Tagen des Wahlkampfes ist sehr heftig und die Ergebnisse in den Umfragen sind zur Hälfte verteilt, so dass jede Stimme zählt. Monika Stefanek berichtet, dass die Stimmen aus dem Ausland wichtiger sein werden als sonst, zumal alles darauf hindeutet, dass die über die ganze Welt verstreute polnische Gemeinschaft bei dieser Wahl eine Rekordzahl von über 500.000 Stimmen abgeben wird. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei den vorangegangenen Wahlen. Was für einen Präsidenten wünschen sich polnische Frauen und Männer, die in Deutschland leben? Hören wir uns die Sendung von Monika Stefanek an.

Deutschland hat zum 1. Juli 2020 turnusgemäß für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, zum ersten Mal seit 2007. Während dieser Zeit führt Deutschland den Vorsitz im Rat der Europäischen Union und leitet alle Ratssitzungen. Mit dem Motto "Gemeinsam. Europa wieder stark machen." stellt die deutsche Bundesregierung die Bewältigung der Corona-Pandemie und die Beantwortung aktueller Zukunftsfragen in den Mittelpunkt ihrer Präsidentschaft. Sie formuliert zugleich ihr Ziel: Europa soll stärker, gerechter und nachhaltiger werden.

Wichtige Grundlage für das deutsche Programm bilden die Strategische Agenda des Europäischen Rates von Juni 2019 und das inzwischen angepasste Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission. Leitgedanken der Ratspräsidentschaft Deutschlands sind:

  • Überwindung der Covid-19-Pandemie und wirtschaftliche und soziale Erholung;
  • ein stärkeres und innovativeres Europa
  • ein gerechtes Europa
  • ein nachhaltiges Europa
  • ein Europa der Sicherheit und der gemeinsamen Werte
  • ein starkes Europa in der Welt

Mehr Infos

Jacek Cosmo

Die polnische Redaktion von Radio Cosmo analysiert die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom 28. Juni dieses Jahres in Polen und stellt fest, dass die Polonia und Auslandspolen in Deutschland bereits in der ersten Runde ihren Präsidenten gewählt haben. Der Chefredakteur betont, dass Rafał Trzaskowski, der in der politischen Realität nicht chancenlos ist, sondern gewinnen will, um jede Stimme kämpfen muss. Er berichtet weiter, dass Trzaskowski in Deutschland seinen größten Konkurrenten in allen Wahlbezirken geschlagen habe und zwei oder, wie in Berlin, sogar viermal so viele Stimmen wie Andrzej Duda gewonnen habe.

Analysiert man die Ergebnisse, so scheint es zunächst einmal, dass nur wenige Nutznießer der Sozialpolitik der Regierung der letzten fünf Jahre in Deutschland gewählt haben, und unter den Wählern vor Ort herrscht eine tiefe Abscheu vor der Strategie der Regierung, die Gerichte nur der richtigen Parteilinie zu unterwerfen. Zusammenfassend kann man ferner feststellen, dass sich die Polen in Deutschland nicht dazu bewegen lassen, gegen Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung vorzugehen, wenn sie es wissen, dass dies das Thema ist. Weiterhin der Chefredakteur von Radio Cosmo stellt zudem fest, dass die Wähler in Deutschland durch ein weiteres wichtiges Thema mobilisiert werden, so dass die Machthaber keine Chance haben, Polen weiter von der Europäischen Union zu lösen und auf Kosten der europäischen Verständigung nach Amerika zu reisen.

Polonia Viva - WL

Quelle: Radio Cosmo 

Link: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/sendungen/radio-po-polsku/standpunktwidzenia/wybory-polonia-standpunktwidzenia-jacek-tyblewski-100.html

 

Der zweite Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Deutschland findet am 12. Juli 2020 ausschließlich auf dem Korrespondenzweg statt. Diejenigen Auslandspolen, die sich am 28. Juni für die erste Runde angemeldet haben, brauchen sich nicht mehr anzumelden, eine weitere neue Anmeldung ist erst am 29. Juni erforderlich: https://ewybory.msz.gov.pl/

Im zweiten Wahlgang qualifizierten sich der Präsident der Republik Polen Andrzej Duda, der 43,5 % der Stimmen erhielt, und der Präsident von Warschau Rafał Trzaskowski, für den 30,46 % der Wähler stimmten.

Im ersten Wahlgang waren die Ergebnisse der Wahlen im Land nach Angaben der staatlichen Wahlkommission wie folgt:

Die staatliche Wahlkommission berichtete über die Abstimmungsergebnisse der Polonia und der Polen im Ausland, bei denen trotz vieler Schwierigkeiten mit der rechtzeitigen Zustellung der Stimmzettel per Post Rafał Trzaskowski mit 48,13% der abgegebenen Stimmen der Favorit war:

Bericht von Wieslaw Lewicki

Quelle:  Die staatliche Wahlkommission (PKW)

https://wybory.gov.pl/prezydent2020

 

 

 

 

 

Pater Ryszard Mroziuk, ein langjähriger Pfarrer der Polnischen Katholischen Mission in Dortmund, hat uns verlassen. Er starb wenige Tage nach dem 50. Jahrestag seines Priestertums. Vor einigen Jahren willigte er ein, seinen Lesern über seine Jugend, sein Elternhaus, sein Priestertum, seine Zweifel und die Freuden und Sorgen des Alltags zu erzählen.

Erinnern wir P. Ryszard Mroziuk an sein Gespräch mit Leonard Paszek:

Wo haben Sie das Priestertum begonnen? Wusste der 15-jährige Rysiu, dass er Priester werden würde?

Der 15-jährige Rysiu wollte Eisenbahner werden. So wurde es in der Familie entschieden. Wir waren nicht reich, also ging ich in die Technische Eisenbahnschule, weil Sie dort einen Anzug bekamen. In der zweiten Klasse der Technischen Schule hatte mein Katechet einen schweren Unfall. Ich besuchte ihn und er sagte dann zu mir: "Ich gehe weg, und du ersetzt mich". Der Katechet erholte sich, und seitdem begann der Gedanke an das Priestertum in mir zu reifen.

Wie hat die Familie auf die Entscheidung, dem Seminar beizutreten, reagiert?

Ich habe niemandem von meiner Entscheidung erzählt, bis ich meine Bewerbung für das Seminar angenommen habe. Die Familie erfuhr es erst zwei Wochen nach Einreichung der Dokumente. Ehrlich gesagt, waren sie nicht erfreut. Sie dachten, ich würde arbeiten gehen und helfen, die Familie zu erhalten. Mein Bruder hat diese Worte sogar gesagt: "Der einzige Bruder und der Clog." Später leugnete er es. Niemand verurteilte sie jedoch, noch versuchte man, von ihr abzulenken.

Wie war Ihre Familie? Welchen Platz hatte die Religion darin?

Eine normale, katholische Familie. Sie zeichnete sich nicht durch eine besondere Frömmigkeit aus. Wir alle gingen sonn- und feiertags in die Kirche, in der Adventszeit ging ich jeden Tag um 6 Uhr morgens zu den Ratten, ich war auch Messdiener, seit ich 15 Jahre alt war. Seit ich anfing, über das Priestertum nachzudenken, fuhr ich früher mit dem Bus zur Schule, um vor dem Unterricht zur Kirche zu gehen.

Sind Sie während der technischen Schule zum Spielen gegangen?

Sehr selten, vielleicht zweimal, habe ich Schulspiele besucht. Früher bin ich jeden Tag von Olesnica nach Wroclaw zur Schule gefahren, so dass ich nach dem Unterricht meistens nach Hause ging.

Gab es während des Seminars irgendwelche Zweifel oder Versuchungen, das Seminar zu verlassen?

Ja, zweimal. Das erste Mal war ich im vierten Jahr besorgt. Damals traf ich einen ehemaligen Priester. Ich dachte mir, da er es nicht ertragen konnte und nach 17 Jahren seine Soutane ausgezogen hat, komme ich vielleicht jetzt raus, um später keine Sauerei zu machen. Ich teilte meine Zweifel mit meinem Geistlichen, dem derzeitigen Bischof Pazdura. Er sagte mir damals: Warum das Priestertum durch das Prisma derer betrachten, die versagt haben? Schauen Sie sich die Priester an, die im Alter ehrlich und glücklich leben. Es ist, als betrachte man die Ehe nur durch das Prisma derer, die gescheitert sind. Zum zweiten Mal kam der Gedanke auf, kurz vor der Ordination aufzugeben. Ich war besorgt, ob ich es schaffen oder ein guter Priester sein könnte. Damals sagte man mir: "Du legst deine Hand auf den Pflug, damit du mit Gottes Hilfe aufstehen kannst".

Und dann, während des Priestertums?

Nein. Die 40 Jahre meines Priestertums sind vergangen, und bis jetzt habe ich nicht einen Moment gezögert. Die Jugendfreizeit und die Gemeindearbeit haben mir sehr geholfen. Wie könnte ich an Rücktritt denken, wenn ich Menschen sehe, die jeden Tag einen Priester brauchen.

Was haben Sie nach dem Seminar gemacht?

Ich wurde an die Gemeindearbeit verwiesen. Zuerst war ich 3 Jahre lang in Strzelin, dann wies mich der Bischof in die Pfarrei in Wroclaw, Wolow, Bukow, ein. Ich leitete einen akademischen Dienst, ging auf Pilgerreisen und erfüllte alle Pflichten eines Vikars oder eines Pastors. Und so sind fast 17 Jahre meines Priestertums vergangen.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Wessen Entscheidung war das?

Seit der Seminaristenzeit hatte ich Kontakt zu einem Priester aus der DDR. Ich ging manchmal zu ihm und lernte auf diese Weise die deutsche Sprache kennen. Später, während der Ferien, ging ich als Priester manchmal nach Deutschland. Als ich Pfarrer in Bukow war, kam Kardinal Gulbinowicz zu uns. Während des Gesprächs fragte er mich, was ich als Nächstes tun wolle. Ich dachte, ich würde bis zum Ende in Bukow bleiben, ich habe ein Pfarrhaus gebaut und vor allem hatte ich wunderbare Gemeindemitglieder. Der Kardinal gab mir jedoch einige Anregungen. Er fragte, ob ich bleiben wolle, ob ich eine Stadtgemeinde wollte oder ob ich vielleicht nach Deutschland gehen wolle. Ich wusste nicht, dass es in Deutschland polnische Kirchengemeinden gibt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber der Bischof erwartete eine Antwort. Zur gleichen Zeit erhielt ich einen Brief aus Dortmund von meinen ehemaligen Gemeindemitgliedern. Sie schrieben darin, dass ihr derzeitiger polnischer Pfarrer, Pater Tokarek, krank ist. Ich habe lange über die Vorschläge des Kardinals nachgedacht, ich habe gezögert, aber schließlich, nach zwei Monaten, habe ich meine Bereitschaft erklärt, nach Deutschland zu gehen. 1987 kam ich nach Ewing, einem Stadtteil von Dortmund, wo die Amerikaner nach dem Krieg eine Siedlung für Polen bauten. Nach 10 Jahren wurde die polnische Pastoral in die St. Anna-Kirche verlegt, wo wir heute stehen.

Wie war die Konfrontation mit der lokalen Realität. Gab es irgendwelche Bedenken?

Nein, es gab keine Befürchtungen. Mir war sogar bewusst, dass es sich um die gleiche pastorale Arbeit wie in Polen handelte. Vielleicht mit dem Unterschied, dass viele Gläubige ihre Heimat vermissten. Messen für das Vaterland hatten einen spezifischen Charakter.

Und haben Sie Polen nicht vermisst?

Nein, habe ich nicht, ich hatte mein Polen hier. Ich bin mit großer Euphorie an die Arbeit gegangen. Ich wusste, dass meine Landsleute mich brauchen. Oft behandelten sie das Pfarrhaus als ihre zweite Heimat. Die Arbeit hier hat mir immer viel Freude bereitet. Manchmal habe ich nur darum gebeten, dass mir polnischer Schinken gebracht wird. Aber das waren alte Zeiten.

Mit welchen Problemen haben die Gemeindemitglieder heute zu kämpfen?

In letzter Zeit sind immer mehr junge Menschen zu Sekten, okkulten Gruppen oder anderen kirchenfeindlichen Gruppen übergegangen. Persönlich lege ich auch großen Wert darauf, Polnisch für Kinder und Deutsch für Erwachsene zu lernen. Leider treffe ich viele Polen, die seit etwa einem Dutzend Jahren in Deutschland leben und kein Deutsch sprechen. Dies wiederum führt zu einem Gefühl der Entfremdung und Unerfüllung im Leben. Auch Menschen, die in nicht-sakramentalen Beziehungen leben, kommen oft zu mir. Ich versuche, ihnen bei der Durchführung von Verfahren zur Annullierung ihrer ersten Ehe zu helfen.

Hat Pfarrer Prälat Dr. Ryszard Mroziuk irgendwelche Hobbys?

Ich liebe es, der Musik von Chopin, Schubert, Beethoven oder Mozart zuzuhören. Ich habe auch eine Schwäche für Kakteen, aber jetzt gebe ich sie immer öfter weg.

Welcher Heilige steht Ihnen am nächsten?

Der Heilige Andreas Bobola liegt mir am meisten am Herzen. Ich spüre die Dynamik des Pfarrlebens in Dortmund, seit ich seine Reliquien erhalten habe.

Während eines Vorstellungsgesprächs konnte man nicht nach dem Zölibat fragen. Vermissen Sie nicht Ihre Familie?

Da ich allein bin, bin ich bereit, Gott dem Herrn und den Menschen zu dienen, zu denen er mich gesandt hat. Meine Familie sind Gemeindemitglieder, ich möchte für sie leben und das Gemeindeleben gestalten.

Waren Sie verliebt?

Ich bin, so könnte man sagen, die ganze Zeit verliebt - in Gott, den Herrn, und in die Menschen. Und in der High School gab es natürlich Schulsympathien, ich mochte die Mädchen auch. Es fällt mir sehr schwer, über etwas zu sprechen, das für einen Menschen ein natürliches Recht ist, aber ich habe mich mein ganzes Leben lang bewusst für den Weg des Priestertums entschieden, was bedeutet, die Familie oder die Nähe zu einer anderen Person aufzugeben. Ich hatte Angst vor der Einsamkeit, wahrscheinlich wie jeder Priester, aber nach 40 Jahren des Priestertums muss ich zugeben, dass ich ein glücklicher Priester bin.

Leonard Paszek

Zdjęcia Robert Widera

Das polnisch-deutsche Rockmusikfestival "Czadowa Westfalia" hatte seine Editionen an drei Orten. Die "Schlesische Schänke" war das "Landhaus Glüder" in Solingen und kürzlich die "Trabrenbahn" in Essen. Die siebte Ausgabe wird ungewöhnlich sein, sie wird in einer Online-Version stattfinden. Polnische und polnisch-deutsche Musiker werden dank der direkten Übertragung im Internet die ganze Welt sehen können. Das diesjährige Festival findet unter Studiobedingungen, mit allen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen und ohne Publikum, im PEPE-TV-Studio in Essen statt. Eine Rekordzahl von 14 Interpreten wird dort auftreten.

Czadowa Westfalia ist ein Festival, das polnische und deutsch-polnische Musik präsentiert. Initiiert wurde sie von der damals aktiven Vereinigung Polnischer Musiker in Deutschland OKTAWA. Die Organisation löste sich vor einigen Jahren auf, aber Czadowa Westfalia überlebte dank solcher Personen wie: Krzysztof "Ptak" Wróbel, Roman Szklarski, Mirosław Góralski und Piotr Plonka von PEPE TV. Bei früheren Ausgaben versuchten die Organisatoren, besondere Gäste einzuladen. So hatten wir unter anderem die Gelegenheit, die Band Kreon zu sehen - eine Legende der Metal-Trash-Szene in Polen und die United Forces of Nature "Mech" und das Blues-Duo Jan Błędowski / Arek Bleszyski. Jedes Mal richteten die Festivalgäste warme Worte in Richtung der polnischen Musikszene und behaupteten, dass sie mutig dem Niveau der nationalen Szene entspricht.

Die diesjährige siebte Ausgabe wird am Sonntag, den 28. Juni ab 16.00 Uhr von einem Sessel oder Sofa aus beobachtet. Es wird keinen verrückten Spaß, keinen Applaus und kein gemeinsames Singen mit den Musikern geben. Es wird auch kein großes Finale geben, bei dem sich alle Musiker auf der Bühne treffen. Hoffen wir jedoch, dass die nächsten Ausgaben beim Biertrinken mit Freunden in einem richtigen Club beobachtet werden und die Musiker auf einer richtigen Bühne zu sehen sein werden.

Leonard Paszek

Am 16. und 30.01.2020 fand in Düsseldorf und Essen eine Regionalkonferenz statt, die von Thorsten Klute organisiert wurde. Thorsten Klute ist im deutschen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration als Polonia-Beauftragter des Landes NRW eine Person, die sich stark für die polnische Gemeinde in Nordrhein-Westfalen einsetzt.

Die Konferenz zielte darauf ab, die politische und integrative Stärkung der Polinnen und Polen in NRW bei den anstehenden Wahlen zu den Integrationsräten am 13. September 2020 zu unterstützen. Viele von uns haben, obwohl wir seit Jahren in NRW leben und arbeiten, noch nie etwas von Integrationsräten und ihren Aufgaben gehört. Jetzt ist die Gelegenheit, herauszufinden, was solche Räte tun, was sie in ihrem Interesse tun, und auch sich persönlich zu engagieren, indem Sie sich aktiv an diesen Wahlen im September beteiligen und einen polnischen Kommunalkandidaten auswählen, der Sie vertritt. 

Die polnischen Bürger, die einst nach NRW kamen, waren die bedeutendste Gruppe in Bezug auf ihr Wachstum, die inzwischen die zweitgrößte Gruppe der Migranten in diesem Land (über 600.000) ist, nach der türkischen Gemeinschaft. Die Zahl der Neuankömmlinge ist nach wie vor sehr hoch, so dass NRW nach Berlin die größte Einwohnerzahl von Polen hat. Die Regionalkonferenzen sollen dazu beitragen, das politische Bewusstsein der polnischen Gemeinschaft zu stärken, um an den bevorstehenden Wahlen für die Integrationsräte im September dieses Jahres teilnehmen zu können. Viele Polen interessieren sich für Politik, aber nicht viele interessieren sich für die Regionalpolitik ihrer Region, d.h. für die Region, in der sie derzeit leben, arbeiten und wohnen. Diese Kampagne soll Mitglieder der polnischen Gemeinschaft dazu motivieren, für Integrationsräte und Stadträte zu kandidieren und an der Abstimmung am 13. September 2020 teilzunehmen.

Dies ist ein sehr wichtiges Element der Regionalpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen, damit Migranten polnischer Herkunft ihre politischen Bedürfnisse selbst artikulieren können, damit sie diese später umsetzen und an der politischen Willensbildung mitwirken können. Die türkische Gemeinschaft zum Beispiel ist seit Jahren durch ihre Mitglieder in diesen Räten vertreten und hat so ihre politische Stimme. Die polnische Gemeinde ist trotz ihrer hohen Einwohnerzahl in Nordrhein-Westfalen nicht sehr bereit, sich in das lokale politische Leben einzubringen. Sie ist daher auf der politischen Szene kaum sichtbar, was durch demokratische Wahlen der polnischen Gemeinschaft die Teilnahme in den Entscheidungsprozessen ermöglichen würde. Der Mangel an eigenen Mitgliedern der polnischen Gemeinschaft in den Integrationsräten wirkt sich negativ auf die Formulierung und Umsetzung der Ziele der polnischen Gemeinschaft aus.  

Die polnische Gemeinschaft ist im Bereich der polnischen Vereine und Organisationen, Clubs, Treffen und Veranstaltungen der polnischen Gemeinschaft sehr aktiv. Ein Sitz in den Integrationsräten würde die Unterstützung der Aktivitäten der Organisation eindeutig ergänzen, z.B. im Bereich des Sprachenlernens und der Anerkennung von Qualifikationen, der Sorge um die Entstehung und Erhaltung der kulturellen Identität oder der Chancengleichheit in der Gesellschaft. Im Rahmen dieser Kampagne schlug das Ministerium auch die Möglichkeit vor, dass polnische Staatsbürger die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben können. Zu diesem Zweck muss ein polnischer Staatsbürger die entsprechenden Bedingungen erfüllen, z.B. mindestens 8 Jahre in Deutschland leben und arbeiten, und als Bürger der Europäischen Union hat er den Luxus, dass er das Recht hat, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, ohne die polnische Staatsangehörigkeit aufgeben zu müssen. 

Die Wahl steht vor der Tür, am 13. September 2020. Dank unserer Teilnahme an den Integrationsräten können wir tatsächlich Einfluss auf die Integration nehmen und viele lokale polnische Projekte für uns Polen in NRW umsetzen. Jeder von uns, der in Deutschland arbeitet, zahlt seine Steuern, und von diesen Steuern werden wir endlich profitieren können, indem wir an den Integrationsräten teilnehmen und so direkt auf die Umsetzung der für uns notwendigen Angelegenheiten und Projekte einwirken können, wie es die türkische Gemeinschaft seit langem tut. Wir ermutigen Sie, nach Ihrem Wohnort, die Wahllisten der örtlichen Kandidaten zu unterschreiben, an diesen Wahlen teilzunehmen und zur Wahl zu gehen am 13. September 2020, oder die Absicht zur Stimmabgabe im Voraus per Post mitzuteilen.

Anna Golan, LL.M., Polnisch-deutsche Juristin / Köln, 07.06.2020.

„Twoje Miasto“, Ausgabe 15.08. 2020, https://www.twojemiasto.eu/ 

Text copyright by autor / Alle Textrecht vorbehalten beim Autor.

Fotos: Landesintegrationsrat NRW

In Deutschland werden die Wahlen am 28. Juni 2020 nur auf dem Korrespondenzweg durchgeführt. Sie können sich elektronisch anmelden - siehe unten auf dieser Seite: https://ewybory.msz.gov.pl/.

Personen, die sich für die Wahlen am 10. Mai 2020 in das Wählerverzeichnis eingetragen haben und an den Wahlen am 28. Juni 2020 teilnehmen wollen, müssen sich bis zum 16. Juni 2020 schriftlich bereit erklären, an den Wahlen teilzunehmen.

Sie können Ihren Wunsch zur Stimmabgabe selbst über das System www.ewybory.msz.gov.pl (Funktion: Änderung der Stimmabgabe), über den Briefwahlschein oder auf jede andere verfügbare Weise beim zuständigen Konsul in Deutschland, d.h. beim polnischen Konsul in Berlin, Hamburg, Köln oder München, anmelden. Der Antrag muss bis zum 16. Juni 2020 gestellt werden.

Personen, die die Meldung nicht oder nach dem 16. Juni machen, können nicht an den Wahlen teilnehmen, und es wird ihnen kein Paket zugesandt.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

 

Quelle: https://www.gov.pl/web/niemcy/wybory-2020

 

Das war Donnerstag, der 23. Juli 1987. Stefan Lorenz, der als Zulieferer in einem großen Werk in Tychy arbeitet, wurde mit einer Delegation nach Warschau entsandt, um eine weitere Charge der für die Produktion benötigten Elemente zu bestellen. Statt in die Hauptstadt ging er jedoch in den Westen. Er erhielt von einem Insider einen lang gepackten Koffer und fuhr in seinem neuen Fiat 126p nach Deutschland, für den er 8 Jahre bezahlte. Enttäuscht von der beruflichen Situation und dem grauen Alltag wollte er im Alter von 43 Jahren ein völlig neues Leben beginnen, und da er von Natur aus optimistisch war, hatte er keine Angst vor Widrigkeiten und Problemen, die auf ihn zukommen würden. Er war es nicht müde, in einem kleinen "Baby" zu reiten. Er passierte Gliwice, Opole, Wrocław und Görlitz, er lag bereits 1/3 des Weges zurück. Dann kamen Dresden, Chemnitz (damals Karl Marx Stadt), und nach 15 Stunden Fahrt beschloss er, im Auto ein Nickerchen zu machen. Deutschland kannte es von Reisen zu den sogenannten Sachsen. Jedes Jahr kam er zur Weinlese, um das bescheidene Gehalt eines Physiklehrers und später eines Lieferanten aufzubessern. Am nächsten Tag ging er ausgeruht und verschlafen nach Nürnberg, wo er einen Freund "Bauer" hatte, von dem er eine Wohnung mieten konnte.

Die nächsten Tage, Monate und Jahre waren die Zeit der Auseinandersetzung mit Auswanderungsfragen, die jeder der Leser wahrscheinlich auch verging. Eine Zeit der Briefe, die Freude und Optimismus, aber auch Momente der Erniedrigung durch Beamte und andere weckte. Sein angeborener Optimismus und seine langjährige Lehrerfahrung in Polen ließen ihn jedoch nicht zusammenbrechen. Die Sprach-, Integrations- und Lehrlingskurse dauerten mehrere Jahre, und in der Zwischenzeit wurden einige "schwarze" Arbeiten und unzählige "Bewerbungen" eingesandt. Wer von den Lesern hat diesen Weg noch nicht beschritten?

Anfang 1994 las die Ehefrau eine Ankündigung, dass sie auf dem evangelischen Friedhof St. Johannis in Nürnberg einen qualifizierten Grabsteinrestaurator suche. Sie boten auch an, in einem kleinen Geschäftshaus zu wohnen, einem historischen Haus... ...auf dem Friedhof. Letzteres war für Herrn Stefan von besonderem Interesse. Er ging zu einem ersten Gespräch, bei dem ihm die Art seiner Arbeit vorgestellt wurde, und ihm wurde mitgeteilt, dass seine mögliche Bewerbung von 8 Pastoren aus benachbarten evangelikalen Gemeinden geprüft würde. Am nächsten Tag begann er mit der Vorbereitung einer Akte mit den erforderlichen Dokumenten. Er fand auch heraus, dass die Arbeit des Konservators von historischen Grabsteinen mit einem häufigen Wechsel des Friedhofsverwalters verbunden ist. Damals wusste er noch nicht, dass er einer von 78 Kandidaten war, von denen 77 Lutheraner waren. Es war ein langer Weg, der mit der Auswahl von Januar bis Ende März verbunden war, als Stefan und seine Familie zu einem letzten Gespräch eingeladen wurden. Das Treffen endete in einer optimistischen Atmosphäre mit der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags. Am nächsten Tag, am April, dem Narrentag, begann für Herrn Stefan der erste offizielle Arbeitstag. Wie sehr freute er sich, als er in den ersten Wochen seine "lebenden" Mitarbeiter und seine verstorbenen Nachbarn traf, die bereits ständig an seinem Arbeitsplatz waren. Oft waren sie keine gewöhnlichen Menschen.

Seither steht Herr Stefan u.a. mit dem Autor des Marienaltars, Wit Stwosz, dem Maler Albrecht Dürer, dem Philosophen Ludwig Feuerbach und dem ersten Lokführer der Deutschen Bahn, William Wilson, in täglichem Kontakt.

Der erste Spaziergang über den Friedhof machte einen erstaunlichen Eindruck auf ihn. Er führte an Hunderten von Steinsandsteinblöcken vorbei, die Grabsteine mit schönen Wappen und Familienzeichen waren.

Und so vergingen 15 Jahre wunderbarer Arbeit, in denen er sich um die Grabsteine, die so genannten Epitaphien, sowohl der Großen dieser Welt als auch der einfachen Bäcker, Tischler, Anwälte und Beamten kümmerte. Das Leben in einem historischen Friedhofshaus weit weg von anderen Gebäuden gab ihnen viel Freude und Freiheit. Die "Nachbarn" wurden nicht durch laute Musik oder Partys gestört, die mehrmals im Jahr bis spät in die Nacht für Freunde organisiert wurden. Kein "Nachbar" klopfte an die Wände oder beschwerte sich. Sie hatten auch keine Angst davor, dort zu leben, und die Geräusche knisternder Sommerbalken aus dem Jahr 1682 wurden durch gewöhnliche Gesetze der Physik erklärt.

Im Jahr 2009 erreichte er das Rentenalter und ging nach Erledigung der Formalitäten in den so genannten "Ruhezustand". Seitdem begann für ihn ein neues Abenteuer. Im Jahr 2008 hat sich Herr Stefan auf dem Portal "Nasza Klasa" registriert. Da er ein beliebter Lehrer war, wurde er sofort von vielen seiner ehemaligen Schüler kontaktiert, mit denen er eine Korrespondenz begann. Die Studenten waren neugierig auf seine Auswanderung. Er erzählte ihnen sowohl virtuell als auch bei mehreren Klassentreffen, zu denen er eingeladen war. Natürlich sagten viele Schülerinnen und Schüler - "Herr Professor, Sie sollten ein Buch über Ihre Auswanderungsabenteuer schreiben". Die Zeit der beruflichen Ruhe war diesem Ruf förderlich, und so beendete er 2013 seine Auswanderung und andere Erinnerungen. Die redaktionelle Arbeit, die Suche nach einem Verleger und das Sammeln von Geldern sowie zahlreiche Korrekturen nahmen jedoch mehrere Jahre in Anspruch. Im Jahr 2019 veröffentlichte der Poligraf-Verlag eine 250-seitige, reich illustrierte Biografie von Stefan Lorenz mit dem Titel "Die Auswanderung der polnischen Sprache". "Darin beschreibt er seine Abenteuer mit Präzision, wie es sich für die Physik gehört, und teilt seine Emigrationserfahrungen mit seinen Lesern.

Das Schreiben war nicht leicht für ihn. In der Schule war er kein Adler in den Geisteswissenschaften. Als er einmal seine Phantasie verblassen liess und einen schönen Aufsatz über einen Naturfilm schrieb, den er einige Tage zuvor gesehen hatte, war die einzige Reaktion des Lehrers die Frage "woher hat er ihn geschrieben". Er versuchte, einen solchen pädagogischen Fehler in seiner Lehrtätigkeit zu vermeiden. Er gab seinen Schülern immer das Gefühl, an ihre Fähigkeiten zu glauben, und hat sie nie davon abgehalten, unabhängig zu denken, auch nicht im Falle der Physik. Als Ergebnis eines solchen Ansatzes nahmen viele seiner Schüler führende Positionen bei physischen Olympischen Spielen ein, sogar auf Provinzebene.

Er behandelte das Schreiben des Buches sehr gewissenhaft wie eine "Hausaufgabe", die ihm von seinen ehemaligen Schülern aufgetragen wurde. Sie finden auch, dass er das sehr gut gemacht hat!

Leonard Paszek

Text und Fotos

Vor 31 Jahren, am 04. Juni 1989 fanden in Polen Wahlen zu den zwei Kammern des Polnischen Parlaments (dem Sejm und dem wiedererrichteten Senat), die mit einem großartigen Sieg von „Solidarność“ endeten.  Die Konsequenz waren der Niedergang des Kommunismus und politische Transformationen, die nicht nur in Polen, sondern im gesamten Mittel-Ost-Europa stattfanden und im Fall der Berliner Mauer im November 1989 gipfelten.

Die Wahlen kamen als Ergebnis einer Vereinbarung zwischen den kommunistischen Machthabern und Vertretern eines Teils der Opposition und der Kirche während der Verhandlungen am Runden Tisch zustande. Die Politikwissenschaftler sind sich einig, dass am 04. Juni 1989 keine vollkommen freie Wahlen, sondern eher ein Plebiszit für die Freiheit stattgefunden hat.

Nach langen Verhandlungen am Runden Tisch wurde vereinbart, dass unabhängige Kandidaten sich zur Wahl für sämtliche Plätze im Senat und 35 Prozent der Plätze in Sejm stellen werden,  die übrigen 65 Prozent waren für die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei und ihre Blockparteien (PRON, davon 35 aus der Landesliste) reserviert. Man glaubte, dass die Kommunisten eine Anzahl von Mandaten behielten, die ihnen das Weiterregieren ermöglicht hätte. Gleichzeitig machte diese Lösung einseitige Verfassungsänderungen unmöglich, da dafür eine 2/3 Mehrheit der Stimmen benötigt wurde.

Die Bestimmungen in Bezug auf die Wahlen hatten einen einmaligen Charakter, sie verhinderten eine harte Konfrontation und sorgten dafür, dass die Wahlkampagne friedlich verlief. Die darauffolgenden Wahlen sollten vollkommen demokratisch durchgeführt werden.

Am 07. April 1989 hat der Sejm ein „Gesetz über die Änderung der Verfassung der Volksrepublik Polen“ verabschiedet. Dieses Gesetz änderte die  Verfassungsbestimmungen bezüglich des Senats, des Amtes des Präsidenten und der Wahlordnung für Sejm und Senat.  Am 13. April hat der Staatsrat Termine für die Wahlen – 04. Und 18. Juni 1989 - festgelegt.

In Übereinstimmung mit den Beschlüssen des Runden Tisches kam es zur Legalisierung von „Solidarność” (17. April 1989) und der „Solidarność der individuellen Bauern“ (20. April 1989). Entsprechend dem Willen des Landesexekutivausschusses von „Solidarność” wurde die Leitung der Wahlkampagne dem Bürgerkomitee „S” übertragen. Am 23. April wurden während seines ersten Treffens mit den Vertretern der regionalen  Bürgerkomitees die Wahllisten für Sejm und Senat bestätigt und das Wahlprogramm angenommen.

Die Wahlen am 04. Juni 1989 bedeuteten einen Weg zur Freiheit, Prof. Antoni Dudek stellte fest: „Die durch das Bürgerkomitee geführte Wahlkampagne zeichnete sich durch große Dynamik aus. Eine hervorragende Idee waren die Wahlplakate, die „Solidarność” Kandidaten gemeinsam mit Lech Wałęsa zeigten. Unterstützung erhielten die Bürgerkomitees nicht nur von bekannten polnischen Künstlern und Kulturvertretern, auch westliche Stars (u. a. Jane Fonda, Yves Montand und Stevie Wonder) unterstützen sie. Während der Treffen mit den Wählern verteilte man zahlreiche „Spickzettel“, die den Wählern die Wahl erleichtern sollten. Auf den Spickzetteln hat man die Namen der „Solidarność“-Kandidaten angekreuzt, man riet den Wählern dazu, alle anderen Namen, darunter auch die aus der Landesliste, zu streichen.

Ein wesentliches Hindernis für die Arbeit des Bürgerkomitees war der eingeschränkte Zugang zu den Massenmedien. Man löste dieses Problem sehr geschickt. Die Fernsehsendungen von „Solidarność“, die zum ersten Mal erst am 09. Mai ausgestrahlt wurden, waren professionell vorbereitet und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Am Sonntag, den 04. Juni 1989 fand die erste Wahlrunde statt. 62 Prozent der stimmberechtigten Wähler nahmen daran teil. Bei den Wahlen zum Senat erhielten die Kandidaten des Bürgerkomitees „Solidarność“ 92 Mandate, die Regierungskoalition erhielt kein Mandat.

Bei den Wahlen zum Sejm erhielt „Solidarność” 160 aus 161 möglichen Plätzen. Die Koalitionskandidaten erhielten lediglich drei Plätze. Nur zwei Kandidaten aus der Landesliste, auf der Vertreter der Regierungskoalition standen, (Mikołaj Kozakiewicz und Adam Zieliński) erhielten über 50 % der Stimmen, was entsprechend der Wahlordnung bedeutete, dass die übrigen Kandidaten eliminiert wurden und 33 Abgeordnetensitze nicht belegt wurden. Die Wahlen endeten mit einem großen Sieg von „Solidarność“. Dessen Dimension überraschte sowohl die Kommunisten als auch die Pro Solidarność-Opposition. Jan Olszewski stellte fest, dass die Wahlen am 04. Juni durch das polnische Volk gewonnen wurden.

Timothy Garton Ash  beschrieb in seinem Buch "Der Frühling der Bürger. Revolution 1989 betrachtet in Warschau, Budapest, Berlin und Prag“ /Rewolucja 1989 widziana w Warszawie, Budapeszcie, Berlinie i Pradze" die Atmosphäre nach den Wahlen so: „Sonntag, 04. Juni war der Wendepunkt nicht nur in der Nachkriegsgeschichte Polens, nicht nur in der Geschichte Osteuropas, sondern in der Geschichte der gesamten kommunistischen Welt.“

Über die Situation nach dem Sieg in der ersten Wahlrunde schrieb Lech Wałęsa so: „Am ersten Sonntag im Juni 1989 änderte sich vieles. Am 04. Juni „um zwölf Uhr mittags” haben wir ein neues Polen gewählt”. (Lech Wałęsa "Droga do prawdy. Autobiografia")

 
Zusammenfassung von Wieslaw Lewicki
Plakat wyborczy Solidarności z 1989 rokuFoto: Wistula, lic.CC / wikipedia

„Er war ein Glücksfall für die Geschichte von uns allen” - Honorarkonsul & langjähriger Abgeordnetee, Polonicus-Preisträger, Herr Werner Jostmeier hat zum 100. Geburtstag von Papst Johanes-Paul II einen Beitrag für eine Doku verffast. Er hat es beim Twitter und auch bei Facebook veröffentlicht.

Hinweise:

ccNRWdoyen (@ccNRWdoyen) hat getwittert: 🇧🇬Honorarkonsul & langjähriger Abgeordneter @CDUNRW_Fraktion @Landtag_NRW @KreisCoesfeld Werner Jostmeier über Papst Johannes Paul II.:

„Er war ein Glücksfall für die Geschichte von uns allen”.

#ThankYouJohnPaul2 #JP2forOthers @ChurchInPoland @PolandMFA @MBEI_NRW https://t.co/Vy8CpQyMrH https://twitter.com/ccNRWdoyen/status/1264534344594489346?s=20

 

 

 

Es ist nicht bekannt, wie Historiker die Zeiten bestimmen werden, in denen wir in der Zukunft aktive Teilnehmer sind, weder in der Zeit vor der Krone noch seit der Krone. Niemand wird die Königskrone meinen, die z.B. Königin Elisabeth von England gehört, sondern Covid 19. Eines ist sicher: Im "Kronenzeitalter" hat sich unser Leben verändert, und solange es keinen Impfstoff gibt oder Wissenschaftler nicht das wirksamste Heilmittel finden, werden wir viele Menschen meiden und uns in der Natur oder Kultur verstecken.

Das Internet, als weltgrößter Müllcontainer, überschwemmt uns mit seinen geschulten Algorithmen ständig mit verschiedenen Einkaufs- oder Freizeitangeboten. Und abends schalten wir oft traditionell den Fernseher ein und "rennen" durch die Kanäle, um spontan etwas Interessantes zum Anschauen zu finden. Die Film- und Fernsehproduktion wurde in der ganzen Welt bis "man weiß nicht, wann" eingestellt. Gelangweilt von der Fernsehwiederholung, die uns noch einige Zeit begleiten wird, können wir uns thematische Portale ansehen, die uns mehr visuelle Reize bieten als die 17. Folge von "Die Krone der Könige" oder "Kir Royal", die gezeigt wird.

Das Portal, das einen Blick wert ist, ist NINATEKA - betrieben von Filmoteka Narodowa - Audiovisuelles Institut. Sie enthält über 7000 kostenlose Audio- und Videodateien. Sie müssen sich nirgends anmelden, und alle Materialien sind werbefrei und werden kostenlos zur Verfügung gestellt. NINATEKA ist eine visuelle Quelle des Wissens über die polnische Kultur, und jeder findet darin etwas Interessantes unter vielen Dokumentar- und Spielfilmen, Animationen, Konzerten, Theater- und Opernaufführungen, Radiosendungen sowie Interviews mit Persönlichkeiten der polnischen Kultur.

Was wir an den im Ausland lebenden Polen am meisten vermissen, abgesehen von den neuesten Spielfilmen, ist das polnische Theater. Die polnische Kultur hat ein einzigartiges Genre der bildenden Kunst geschaffen, nämlich das Fernsehtheater. Die Uraufführung des Fernsehtheaters wurde 1953 ausgestrahlt, und bis heute wurden über 4.000 davon aufgeführt. Die etwas ältere Generation erinnert sich, wie wir am Montagabend ungeduldig auf ihre nächsten Aufführungen warteten. Und gerade auf dem NINATEKA-Portal können wir sowohl die noch älteren Schwarz-Weiß-Inszenierungen mit Andrzej Łapicki und Gustaw Holoubek sehen, als auch neue Theaterproduktionen mit der Beteiligung herausragender Schauspieler der polnischen Szene - Die Angst vor dem Leben mit Anna Seniuk und Janusz Gajos, Der Rezensent mit Jerzy Stuhr oder Prawiek und andere Male - eine Verfilmung des Romans von Olga Tokarczuk.

NINATEKA hat eine breite Palette von Filmvorschlägen - angefangen mit Vorkriegsfilmen wie Ada! Es ist nicht richtig!, durch Vorführungen von Sienkiewicz' Trilogie - Pan Wołodyjowski mit Jan Łomnicki und Potop, mit Daniel Olbrychski in der Hauptrolle, Kultkomödien der 1970er Jahre - ich mag Montags nicht, und endend mit der kürzlich produzierten Spanierin mit Patrycja Ziółkowska, einer deutschen Schauspielerin polnischer Herkunft. Sie können nicht nur die Werke (z.B. den Film Wszystko na sprzedaż / Alles zu verkaufen) der Oscar-prämierten Künstler wie Andrzej Wajda, Roman Polański oder Agnieszka Holland sehen, sondern auch Interviews mit ihnen verfolgen. Jeder kann thematisch nach etwas Interessantem für sich selbst suchen. Wenn man also den deutschen Slogan in die Suchmaschine eingibt, stellt sich heraus, dass wir einen Film sehen können, der einem der bekanntesten Maler der Welt, Gerhard Richter, gewidmet ist.

Im Rahmen von NINATEKI wurden speziell für Kinder animierte Märchen vorbereitet, wie z.B. Die Abenteuer des Teddybären Uszatek oder Der verzauberte Bleistift und eine unvergessliche Reihe von Filmen der Mr. Kleks Academy. Und wenn wir der bildenden Kunst überdrüssig werden, lohnt es sich, den Teil von NINATEKI zu besuchen, der den Tonwerken gewidmet ist, unter denen ich die Musik von Wojciech Kilar - dem Autor des weltberühmten Orava und Komponist von Filmmusik für mehrere Dutzend Filme, darunter das Gelobte Land von Andrzej Wajda - wärmstens empfehle.

Agata Lewandowski, Berlin

NINATEKA - https://ninateka.pl/

Die diesjährige Ausgabe des "Thanks Jimi"-Weltrekords für Gitarre fand zum ersten Mal überhaupt online statt. Die Gitarristen versammelten sich weder auf dem Breslauer Marktplatz noch auf dem Altmarkt vor dem Restaurant "Danzig" in Oberhuasen oder sonstwo auf der Welt.

Zum ersten Mal spielten Tausende von Gitarristen traditionell am 1. Mai um 16 Uhr online in ihrer eigenen Wohnung, auf dem Balkon oder bei einem Freund im Garten. Außergewöhnliche Umstände machten es notwendig, das eigentliche Spiel abzusagen und nach einer alternativen Lösung zu suchen.

Das polnische Finale wurde traditionell aus dem Restaurant "Gdańska" in Obehausen übertragen, wo Elo Badura, Adam Prynda und Gienek Hanusek auf der Bühne nach Hygienevorschriften auftraten. Die Akkorde "Hey Joe" von Jimi Hendrix erklangen pünktlich um 16 Uhr. Die direkte Übertragung erfolgte über PEPE TV auf YouTube, Facebook und auf der Website. Online. Jeder konnte online mitmachen und gemeinsam spielen.

Weiterhin um 17, 18 und 19 Uhr spielten polnische und deutsche Bands (darunter Communa) online im Rahmen des Benefizkonzerts von Gdańsk Freunde

Leonard Paszek

AgataL

Der Muttertag ist ein schöner Feiertag, aber wenn man im Exil lebt, ist das nicht ganz einfach. Unsere in Deutschland geborenen Kinder feiern es mit uns "polnischen Müttern" am zweiten Sonntag im Mai, und wir, die in Polen geboren sind, wünschen oder schicken am 26. Mai Blumen an unsere in Polen lebenden Mütter. Es stellt sich heraus, dass Polen das einzige Land der Welt ist, das diesen Feiertag am 26. Mai feiert, was die Theorie bestätigt, dass Polen immer etwas Besonderes sind.

Aber leider waren wir nicht die Ersten in der Weltgeschichte, die mit der Feier des Muttertags begannen. Schon die alten Griechen und Römer umgaben den Kult der Muttergöttin - Symbole der Fruchtbarkeit und Fruchtbarkeit. Dieser Brauch kehrte im England des 17. Jahrhunderts unter dem Namen "Mother's Sunday" zurück. Am vierten Fastensonntag fanden in den Kirchen besondere Messen statt, und die Kinder schenkten ihren Müttern Blumen und Süßigkeiten. Der Muttertag wird in der ganzen Welt praktisch das ganze Jahr über gefeiert, am häufigsten wird er jedoch im Mai begangen. In mehr als 70 Ländern auf der ganzen Welt fällt der Muttertag auf den zweiten Sonntag im Mai, und das winterlichste Datum dieses Feiertags ist in Indonesien, das am 22. Dezember gefeiert wird. In Ägypten und Jordanien geben Kinder am 21. März ihren Müttern Geschenke.

Interessanterweise feiern orthodoxe Muslime diesen Feiertag nicht, weil sie glauben, dass Anerkennung und Respekt den Müttern immer gehört, und nicht nur einmal im Jahr. Der Muttertag wird in Serbien auf einzigartige Weise gefeiert, wo Kinder das so genannte Schlafgefängnis für ihre Mütter nutzen. Sie lassen sie nicht aus dem Bett, bis sie ihnen Süßigkeiten geben. Im Gegenzug kümmern sich die Kinder um die täglichen Pflichten der Mutter, damit diese so lange wie möglich ausruhen kann. In Italien erlauben Kinder ihren Müttern nicht, ihre Hausaufgaben zu machen, daher wird das Weihnachtsessen normalerweise in einem Restaurant eingenommen, und zum Nachtisch bestellen sie Kaffee und italienischen Käsekuchen in Herzform. Der Muttertag wird in Deutschland seit etwa 80 Jahren gefeiert. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 geht hervor, dass die deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr rund 850 Millionen Euro für Geschenke für diesen Urlaub ausgegeben haben.

Für die meisten Mütter zählen an diesem Tag nicht die Geschenke, sondern die besondere Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen. Wichtig sind Gesten in Form von handgemachten Lorbeeren von jüngeren Kindern, die wir später als Souvenir jahrelang sorgfältig aufbewahren, oder ein Tag, den wir ohne Eile gemeinsam mit bereits erwachsenen Kindern verbringen, die wir selten sehen, weil sie bereits ausgezogen sind. Als Töchter und Mütter wissen wir, dass wir nicht in der Lage sind, unseren Eltern ihre harte Arbeit bei der Erziehung zu vergelten, und unsere Kinder sind nicht in der Lage, uns zu vergelten, was wir für sie getan haben. Sie werden all dies an unsere Kinder weitergeben. Ein Kind in einer Kultur aufzuziehen, ist nicht einfach, geschweige denn im Exil in zwei Kulturen. Als Elternteil müssen Sie dafür Ihre goldene Mitte finden. Mein goldener Mittelweg für meine nun erwachsenen Kinder war der Rat, den ich ihnen regelmäßig gab: Nehmt das Beste aus beiden Kulturen. Mütter, die ihre Kinder für zusätzlichen Polnischunterricht angemeldet haben, wissen, wie viel Mühe es kostet, ein Kind davon zu überzeugen, zum Unterricht in der "Sprache der in Polen lebenden Großeltern" zu gehen, für die es mehr Ausnahmen als Regeln gibt. Wir können Mutter Polnisch-Deutsche oder Deutsch-Polnische beglückwünschen, wenn es uns gelungen ist, eine neue junge Generation von polnisch-deutschen oder deutsch-polnischen Menschen heranzuziehen, die beide Sprachen gut beherrschen, beide Heimatländer mögen und alles tun werden, um künftige Konflikte zu verhindern, die in der Geschichte Europas im 20.

Da unsere deutschen Kinder am zweiten Sonntag im Mai mit uns feiern, haben wir unsere eigene Art, den polnischen Muttertag mit unseren Berliner Freunden zu begehen - wir treffen uns am Abend des 26. Mai und feiern unseren eigenen Muttertag. Vor einigen Jahren war ich am 26. Mai in Litauen unter Polen, die dort seit Generationen leben. Ich habe gefragt, wann sie den Muttertag feiern? Die meisten antworteten, dass sie zweimal feiern, und zwar am ersten Sonntag im Mai, wenn der litauische Muttertag ist, und am 26. Mai, der wahrscheinlich die schönste Lösung für eine Auswanderung ist, den multikulturellen Muttertag.

Am 10. Mai dieses Jahres hat die deutsche Regierung eine schöne Geste gegenüber multinationalen Familien gemacht und einen Besuch bei einer Mutter, die an diesem Sonntag in Deutschland lebt, als "ausreichenden Grund" für den Grenzübertritt behandelt, trotz der vorherrschenden restriktiven Restriktionen der Pandemie, die von Innenminister Horst Seehofer speziell gebilligt wurden. Als Geschenk an die betroffenen Mütter gaben die Grenzschutzbeamten Masken zum Schutz von Nase und Mund ab. Ausnahmsweise durften am 10. Mai auch im Ausland lebende Mütter, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und ihre Kinder in Deutschland besuchen wollen, dies ausnahmsweise tun. Sie mussten am selben Tag zurückkehren. Ich frage mich, ob die polnische Regierung am 26. Mai ähnlich auf die Quarantänepflicht reagieren wird?

Agata Lewandowski

Es scheint, dass wir mit dem enormen technologischen Fortschritt in den Bereichen Gesundheitsversorgung und Verkehr begonnen haben zu glauben, dass wir gegen alle Bedrohungen und unvorhersehbaren Ereignisse geschützt sind. All diese Überzeugungen zerfallen nun allmählich und unausweichlich. Was haben wir entfernt oder verdrängt, und was kommt in Zeiten von Epidemien mit all dem Schrecken zurück? Womit müssen wir uns heute befassen? Werden wir noch gemeinsam rudern?

Zweimal im Jahr zirkuliert in den sozialen Medien eine Welle von Fotos all derer, die per Flugzeug, Auto oder Zug nach Polen reisen. Dies ist die Zeit vor Weihnachten und Ostern. Dieser Frühling war anders. Diesmal mussten wir zu Hause bleiben und die Ferien fern von unserer Familie in Polen verbringen. Für viele von uns war es eine schwierige Zeit.

Wir haben uns an die Freiheit gewöhnt, uns frei zu bewegen, zu reisen, zu arbeiten, Zeit nach unserem Willen zu verbringen. Heute ist das anders.

Unternehmen mussten ihre Aktivitäten einstellen oder an das Netzwerk übertragen, und nicht immer - und nicht alle, auf solch einen solchen Schritt vorbereitet waren. Kinder und Jugendliche bleiben seit mehreren Wochen zu Hause, gelernt wird übers Internet, von zu Hause. Das Gesundheitswesen steht vor einer enormen Herausforderung. Nervosität ist in unser Leben eingedrängt. Tag für Tag veranlassten aufeinander folgende Ereignisse die Regierungen, Entscheidungen zu treffen und uns weitere Einschränkungen aufzuerlegen.

Das Virus traf Kultur und Kunst, Gastronomie, Tourismus, Gastgewerbe, Ausbildungs- und Veranstaltungsunternehmen, Saisonarbeiter und das gesamte System des zusammenhängenden Gewebes. Sie ist in Kirchen eingebrochen. Die Fotos von Papst Franziskus, der auf dem leeren Petersplatz betete, werden in die Geschichte eingehen, genau wie seine Worte, die zum gemeinsamen Rudern in einem tobenden Sturm aufriefen.

Solidarität in Zeiten einer Pandemie   

Natürlich hat sich für viele nichts geändert, denn was auch immer geschieht, wird es viele so wie so nicht zu tieferem Nachdenken veranlassen.

Einige Menschen betrachteten diese Zeit als eine Gelegenheit, innezuhalten, in sich selbst zu schauen. Einsamkeit und Isolation sind für manch eine gut. Einige haben sich jedoch stärker als je zuvor anderen Menschen zugewandt und damit Altruismus, Solidarität und Verantwortung für andere geweckt. Es wurden Selbsthilfegruppen gebildet, Aktionen der gegenseitigen Unterstützung.

Gastwirte, die trotz ihrer eigenen schwierigen Situation die Krankenhäuser in kostenlose Mahlzeiten beliefern.

In den Treppenhäusern hängen Listen mit Angeboten für selbstlose Hilfe beim Einkaufen oder bei anderen „kleinen Dingen, Beschaffungen“.  Wohnungseigentümer stellen ihre Räumlichkeiten kostenlos denjenigen zur Verfügung, die die Möglichkeit verloren haben, von Geschäftsreisen nach Hause zurückzukehren. Auf den Balkonen kann man Musik und Gesang hören, um andere während der Quarantäne aufzumuntern.

Es besteht jedoch kein Zweifel, dass sich unsere Realität dramatisch verändert hat und ins Netzt verlagert wurde.

Menschliche Zerbrechlichkeit angesichts des Wandels

Was geschieht, ist aufbauend. Wir haben mit großer Macht erfahren, wie sich die Handlungen Einzelner auf das Leben vieler Menschen auswirken. Aber die Frage wird immer lauter und lauter, wie lange werden wir gemeinsam paddeln?

Wird das Coronavirus unsere Mentalität ändern, uns vom Konsumdenken wegbewegen, uns sensibler machen und uns gegenseitigen Respekt lehren?

Wir stehen vor Veränderungen, vor einer Zeit der Unsicherheit und der lernenden Demut. Geert Noels schrieb in seinem Buch "Gigantisme", dass unsere Zukunft kleiner, langsamer und menschlicher sein wird. Wir stehen vor Entscheidungen, vielleicht vor einigen der schwierigsten. Lasst uns diese Entscheidungen weise treffen

Dr. Adriana Tomczak

Trainerin, Bloggerin, Spezialistin für social Media, Expert Info-Point-Polregio

Fotos: Image by Pixabay

Die Covid-19-Pandemie weckte zuvor schlummernde Probleme und Mängel auf bis hin zur Ängsten über "diese sonst banale" Alltagsexistenz. Seit 2018 arbeitet der Verein Polregio e.V. an der Schaffung eines professionellen Unterstützungskonzepts für Zuwanderer in Nordrhein-Westfalen, eines nachhaltigen Modells echter gesellschaftlicher Teilhabe und  Fürsprache für die Interessen ausgegrenzter oder von Ausgrenzung bedrohter Gruppen nicht - nur im Sinne sozialer-, sondern auch Systemausgrenzung. Im Rahmen eines vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen in Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts wird in NRW ein Unterstützungskonzept für Zuwanderer, vornehmlich polnischer Herkunft, entwickelt, das jedoch offen ist und auch andere in Nordrhein-Westfalen lebende Zuwanderergruppen einbezieht.

In den vier NRW-Städten Aachen, Essen, Wuppertal und Köln gibt es seit Januar spezielle Anlaufstellen, in denen u.a. polnische Migranten fachübergreifend fachlich betreut werden können (ab Mitte März nur noch online und telefonisch). In jedem dieser Punkte können Sie sich persönlich oder telefonisch zu einem Thema beraten lassen, das Sie nicht vollständig selbst bearbeiten können.

In der jetzigen Situation erreichen wir unsere Zielgruppe über alternative Kanäle vor allem Online, wie Webinare, Video-Spots, verstärkte Aktivitäten in sozialen Medien und auf der Website, die wir zu einem regelmäßigen Besuch empfehlen! Wir ermutigen Sie ebenso Ihre Kommentare und Ideen, Themenvorschläge mit uns zu teilen, indem Sie unsere Funpage auf Facebook besuchen und einen Kommentar hinterlegen.  Das Projektkonzept ist partizipatorisch und zielt darauf ab, "maßgeschneidert" zu sein - einerseits auf die Bedürfnisse der Polen in NRW und andererseits auf den gesellschaftlichen Rahmen, in den die Projektaktivitäten eingebettet sind, d.h. NRW.

Es gibt viele Beratungsthemen und Bedürfnisse,  im Bezug auf die Zielgruppe, eines einzelnen Empfängers, aber auch der ganzen Gruppe - der Polinnen und Polen in NRW.  Die Covid-19-Pandemie weckte zuvor schlummernde Probleme und Mängel auf bis hin zur Ängsten über "diese sonst banale" Alltagsexistenz. Im „Home-Office" und am Telefon erhalten wir Anrufe und E-Mails mit der Bitte um sofortige Unterstützung. Der Fallkatalog ist umfangreich und umfasst u.a. Rechtsfragen, Verbraucherinsolvenz, Versicherungen, Gesundheitsfragen, Arbeitnehmer (Kurzarbeit, Kündigung), psychische Probleme - Krisen und Ängste, Menschen mit Behinderungen, Alleinerziehende, Minderjährige, Gewalt in der Familie; des Weiteren   Existenzprobleme eines Unternehmers (Soforthilfe II), bis hin  Menschen ohne Existenz- und Arbeitsmittel, - vor allem aber die Bereitstellung zuverlässiger und verifizierter Informationen in polnischer Sprache (! )  bezugnehmend auf Regelungen im Zusammenhang mit COVID-19. Daraus resultiert die Interessenvertretung o.g. Gruppen vor Behörden, bei Ämtern, Anwaltskanzleien und Büros, Jobcenter, Gesundheitsbehörden und vielen anderen.

"Aufgrund der COVID-19-Pandemie haben viele Menschen über Nacht ihre bisherige Arbeit verloren, fristlose Kündigungen, ohne Arbeitszeugnis und ohne Anweisungen wo und wie das deutsche Arbeitslosengeld zu beantragen sei. Diese Menschen sprechen in der Regel schlecht oder gar nicht Deutsch, sie haben Angst, ihre Rechte vor dem Arbeitsgericht geltend zu machen, Info-Points beraten solche Menschen; es wurden ggf. Arbeitsklagen online zur Verfügung gestellt. Auch Selbständige haben über Nacht ihre Arbeit und damit ihr Geld für das schlichte Überleben verloren", informiert Anna Golan, polnisch-deutsche Juristin und Koordinatorin des Info-Point - Köln.

Im Laufe der Jahre haben die Polen in Deutschland das Prädikat "unsichtbar" erhalten, eine buchstäblich problemlose und autarke Gruppe. Unmittelbare Folge dieser Prozesse ist eine Anhäufung von Anpassungsproblemen, z.B. aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, die zu einer systemischen sozialen Ausgrenzung und zur Abhängigkeit engster familiärer Existenz von den Leistungen Dritter.

Das alles führt in eine Abhängigkeitskreislauf hin, aus dem man meist und paradoxerweise nicht mehr herauskommt. Die oben beschriebene Situation erreichte ihren Höhepunkt während der COVID-19-Pandemie. Viele so genannte Besorgungen konnten früher in einem Sprachtandem arrangiert werden, es gab immer jemanden aus dem engsten Kreis, der bei der Anordnung half: Kindergeld, Wohngeld,  usw. 

In der Situation, mit der wir in den letzten Wochen konfrontiert wurden, stellt sich heraus, dass in einem Telefongespräch selbst der beste Online-Übersetzer nicht mitmacht, und die Melodie der offiziellen deutschen Sprache und das passive Niveau des Einfühlungsvermögens ist für viele ein Hindernis an sich, die Angst vor Missverständnissen - missverstehen werden.

In solchen Momenten sind die sozialen Gegensätze am offensichtlichsten, und das ganze Ausmaß des Problems liegt in der offensichtlichen Vernachlässigung der Integration, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern vor allem auf dem sozialen Feld!

Wir plädieren dafür, dass alle gesellschaftlichen Gruppen gleichberechtigten Zugang zu Informationen haben, was die Grundlage für ein gleichberechtigtes Funktionieren in einem bestimmten sozialen Umfeld ist. Ein weiterer äußerst wichtiger Aspekt ist die Bürgerbeteiligung, Ausschuss-und Gremienarbeit. Das Schlagwort lautet: Partizipation. Seien wir sichtbar, nicht unsichtbar! Sichtbar durch das Prisma, in sozialen und politischen Foren zu sitzen, wo immer wir für uns selbst das Wort ergreifen können - Einwanderer polnischer Herkunft in NRW und in Deutschland!  Eine einzige, wenn auch sehr vernünftige und wichtige Stimme, des Poloniabeauftragten in NRW Thorsten Klute, reicht nicht aus. Bauen wir Strukturen und Repräsentation in einem der Situation angemessenen Maßstab auf!

Joanna Szymanska

Projektleitung Info-Point-Polregio

„Polnische Wirtschaft“ war lange Zeit im deutschen Sprachgebrauch ein Ausdruck für Schlamperei, Unordnung, auch Rückständigkeit und Armut. Die Ursachen dafür waren vielfältig: die Schwäche der Städte, die Politik der Teilungsmächte, die Kriegsfolgen und die kommunistische Misswirtschaft. Noch vor dem EU-Beitritt des Landes 2004 zeigten westeuropäische Medien ein Pferdefuhrwerk auf dem Lande, das allgemein für die ökonomischen Verhältnisse in Polen wie für die gesamte ökonomische (Un)Ordnung in der osteuropäischen Peripherie stand. Und dennoch…

Unter hohen sozialen Kosten, in einer Zeit der politischen Veränderungen nach 1989, geschah ein kleines Wunder an der Weichsel – das Wachstum kehrte ein! Das Wachstum, das seit 1992 ununterbrochen fortdauert und Polen heute – nach mehr als 30 Jahren – zu einem der wichtigsten europäischen Wirtschaftsstandorte aufsteigen ließ.

Heute steht Polen vor neuen Herausforderungen – und es steht viel auf dem Spiel, denn „Made in Poland“ ist zu einer Marke geworden. Dank einem enormen Qualitäts- und Technologieschub war das Land imstande, zu den größten Gewinnern der Globalisierung zu werden: Polens Exportquote liegt heute höher als die des deutschen Nachbarn. Beide Länder sind heute in Wahrheit ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Über Vorzüge und Nachteile dieser Beziehung, sowie über zahlreiche weitere, nicht nur strikt wirtschaftliche Themen, berichtet das aktuelle Jahrbuch Polen 2020 Polnische Wirtschaft.

Unsere Autoren schreiben u.a. über die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen (Sebastian Płóciennik), Polens erfolgreiche Rolle in der Globalisierung (Grzegorz Siemiończyk), die regionalen Unterschiede (Grzegorz Masik), aber auch Probleme wie ausbleibende Innovationen (Edwin Bendyk), die problematische demografische Entwicklung (Bogusław Chrabota) und die notwendige Immigration (Piotr Arak). Dass Polen zum Musterknaben der europäischen Wirtschaft wird, war lange Zeit nicht absehbar, die Situation am Anfang der Transformation beleuchten deswegen u.a. Reinhold Vetter, Jakub Szumski und Leszek Balcerowicz. Schließlich beschäftigt sich Jan Sowa mit dem sozialen und psychologischen Preis der polnischen Konsumgesellschaft, während Karol Modzelewski nach dem politischen Preis der Einführung des Kapitalismus in Polen gefragt wird. Und Kacper Pobłocki und Krzysztof Jasiecki geben Einsichten in das Leben polnischer (Geld-)Eliten.

Jahrbuch Polen 2020 Polnische Wirtschaft

Herausgegeben vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt, Wiesbaden 2020, 200 S., zahlreiche Abb. Preis: 15 € (Abo 13,50 €), ISSN 1863-0278, ISBN 978-3-447-11404-2

Bestellung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.deutsches-polen-institut.de

Lockdown  und Obdachlosigkeit - Zeit ist ein relativer Begriff. Wir geben zu, dass dieser Einsteinsche Gedanke im alltäglichen Gebrauch sentimental und banal klingt. Das Coronavirus hat jedoch die Uhren anders ticken lassen, und nicht nur wir haben den Eindruck, dass wir bereits seit einer Ewigkeit unter dem Diktat der aktuellen Pandemie leben. 

Mitte März schlug in Hannover im Minutentakt eine Tür nach der anderen zu: Geschäfte, Restaurants, Theater, Kinos, Museen, Büros, Gemeindezentren. Der lockdown ("zu Hause bleiben") beherrschte unser Leben. Aber was sollte ein Obdachloser tun? Als die Beratungsstellen und Tagestreffs geschlossen wurden, waren die Schwächsten unter uns über Nacht fast vollständig von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Und es war eine Zeit der letzten Wintertage und leichter Fröste. Als erstes hat das Team vom Tagestreff Nordbahnhof, in dem Sylwia Jasion arbeitet, die Barriere der Ohnmacht und – geben wir zu – der Angst, zwei Wochen vor Ostern durchbrochen.

Was nicht verboten ist, ist erlaubt, und so fingen sie an, Obdachlose in abgezählten Grüppchen einzulassen, damit sie sich aufwärmen, waschen und essen konnten. Am ersten Sonntag konnten jedoch nur acht Personen pro Stunde eintreten, während die anderen draußen fröstelnd warteten, bis sie an der Reihe waren. Und das Schlimmste war, dass für viele von ihnen es keine Mahlzeit mehr gab. Die Ressourcen des Tagestreffs waren bereits erschöpft, da die Stadt nur bis Samstag Mittagessen zur Verfügung stellte. Sylvia erlebte einen Moment des Schreckens und ... verschickte die Nachrichten in die polnische Gemeinde. Die Antwort kam sofort. Bereits am folgenden Sonntag wurde für die gesamte internationale Gruppe von Obdachlosen, die den Tagestreff Nordbahnhof besuchte, privat eine warme Mahlzeit organisiert. Als nächstes schlossen sich neben Privatpersonen auch polnische Geschäfte an, die regelmäßig Lebensmittel anbieten, und der "Kreis der Familien" bei der Polnischen Katholischen Mission begann, einmal pro Woche Mittagessen zu bringen.  Für "unsere" Obdachlosen wurde, ebenfalls auf Initiative von Sylwia und mit Unterstützung der polnischen Gemeinschaft (z. B. Edyta Druck Point), ein Plakat entworfen und gedruckt, das auf Polnisch über die Verhaltensregeln während des lockdowns informierte. Dieses Plakat wurde auch weiteren polnischen Hilfsorganisationen in anderen Bundesländern zur Verfügung gestellt. 

"Koszyczek" ("Das Körbchen")

Die erwähnte Aktion war ein gutes Aufwärmen für das diesjährige "Koszyczek", das die hannoversche polnische Gemeinde seit zwei Jahren zu Ostern den Obdachlosen anbietet. Wenn jemand befürchtete, dass die eingeführten Pandemiebeschränkungen unsere Ostertradition in Frage stellen könnten, unterschätzte er den Erfindungsreichtum der hannoverschen Polonia. Dank einer starken Gruppe von Helferinnen und Helfern, die sich um Sylvia versammelt hatten, war es möglich, sowohl Lebensmittel als auch Kleidung zu sammeln. Alles fand diesmal "mobil" (und sicher) statt, nach dem Motto "vor die Tür stellen, wir holen ab".  SEWO (Selbsthilfe für Obdachlose) hat Geldspenden auch von polnischen Spendern erhalten. Wie Sylwia Jasion hervorhebt, ist diese Initiative, die "jenseits aller Trennungen" durchgeführt wurde, ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass ... wo ein Wille ist, finden sich die Mittel.

Auch in diesem Jahr hat sich der Pfarrer der Polnischen Katholischen Mission in Hannover, Priester Tadeusz Kluba vorbildlich der Herausforderung gestellt, indem er die Gläubigen zu Spenden aufgerufen und Räume zum Sammeln und Verpacken der Spenden zur Verfügung gestellt hat. Ihm ist es zu verdanken, dass die PMK die verdienstvollste polnische Institution ist, die den Obdachlosen in Hannover hilft. In diesem Jahr hat sich auch die hannoversche Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG), motiviert durch die letztjährigen Erfolge von "Koszyczek", zum ersten Mal der Aktion angeschlossen.

Unter vielen deutschen Hilfsorganisationen ist das von Sylwia Jasion initiierte polnische Gemeinschaftsnetzwerk für Obdachlose ein bemerkenswertes Beispiel für das soziale Engagement einer nationalen community. Neben sozialen Plattformen und privater Mundpropaganda (WhatsApp, Facebook) spielten auch unser Radio PolenflugNeo und die Informationskanäle des Verbindungsbüros der polnischen Organisationen in Hannover und Niedersachsen eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der polnischen Gemeinschaft. Die Ergebnisse der Sammlung haben unsere kühnsten Erwartungen übertroffen, und bis zum heutigen Tag bieten immer noch Menschen ihre Hilfe an. Dieses Engagement für die Obdachlosen ist umso wertvoller, als die Spender und Helfer selbst von den Einschränkungen und Bedrohungen der Pandemie betroffen sind. 

Wie kommen wir zurecht?

Wissen schützt. Aldona Głowacka-Silberner, die das Verbindungsbüro leitet, informiert unsere community regelmäßig über neue Vorschriften sowie über Hilfsangebote des Staates, der Region oder der Stadt. PolenflugNeo hingegen hilft in den wöchentlichen Radiosendungen, das Coronavirus kennenzulernen und die Einschränkungen zu akzeptieren, bietet Informationen und Unterhaltung und beantwortet Fragen, die die Hörer beunruhigen. Die Sendung fördert auch interessante Ideen, wie z. B. die von Edward Dewucki, Präsident des Sportclubs Polonia Hannover, der "individuelle, gemeinsame Trainingseinheiten" organisiert. Gemeinsam (über das Internet) werden Aufgaben gestellt und ausgewertet, die individuelle Umsetzung erfolgt unter Beachtung aller Verbote und Anordnungen, die sich aus den geltenden Vorschriften ergeben. Das polnische Redaktionsteam unterstützt auch die Medienaktivitäten der in Hannover ansässigen Gruppe der Anonymen Alkoholiker und stellt ihnen Sendezeit und Know-how zur Verfügung. Auch diese AA Initiative ist während der Coronavirus-Zeit online gegangen. 

Ein flüchtiger Moment der Normalität – und wie geht es weiter? 

Kehren wir zu den hannoverschen Obdachlosen zurück. Die Stadt Hannover reagierte auf die Appelle von Hilfsorganisationen und quartierte nach vier Wochen lockdown Obdachlose, Sozialhilfeempfänger und Menschen ohne Einkommensquellen in Hotels und in der Jugendherberge ein. Während sich die Mehrheit der Bevölkerung in einem Ausnahmezustand befand, brachte die Pandemie dieser Gruppe eine gewisse Normalität: Dach über dem Kopf, eigenes Bett, regelmäßige Mahlzeiten. Aber diese Idylle wird nicht lange währen. Die Mittel für die Essenausgabe sind bereits ausgeschöpft und Hotels und Jugendherbergen in Niedersachsen kehren bald zum normalen Marktbetrieb zurück. Die Obdachlosen werden wieder auf die Straße gehen, und die Sozialarbeiter sind nach wie vor auf die Hilfe von Menschen guten Willens angewiesen. Die polnische Gemeinschaft steht vor einer weiteren Aufgabe: den Obdachlosen – zusätzlich zu Nahrung und Kleidung – Gesichtsmasken zur Verfügung zu stellen, die in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln obligatorisch sind. Eine entsprechende Bitte wurde bereits herumgeschickt.

Teresa Czaniecka-Kufer und Grażyna Kamień-Söffker

PS. Inzwischen hat sich auch das Generalkonsulat der RP in Hamburg an der Sammelaktion beteiligt – die ersten Gesichtsmasken sind am 18.05.2020 in Hannover eingetroffen.

Auf dem Foto: Sylwia Jasion (4. links) und eine Gruppe von Obdachlosen aus Hannover mit dem Konsul Mariusz Pindl (3. rechts) aus Hamburg

Die Idee, Online-Konzerte vom Pepe-TV-Studio in Essen aus zu veranstalten, wurde an einem Tag geboren. Von der Idee bis zur Realisierung dauerte es 1,5 Wochen. Piotr Plonka, der Besitzer von PEPE TV und der Urheber der Konzerte, arbeitete sehr schnell. Innerhalb einer Stunde rief er befreundete polnische Musiker an und teilte ihnen seine Idee mit. Alle Musiker begrüßten die Idee als brillant. Noch am selben Tag wurde ein Plan mit 10 Samstagskonzerten unter dem gemeinsamen Titel "Frühlingskonzerte online" erstellt.

Das erste Konzert fand am Samstag, dem 25. April, statt. Im Fernsehstudio von PEPE TV in Essen spielte die Band Communa mit Sławomir Olszamowski am Klavier. Die Musiker spielten zum ersten Mal ohne lebhaftes Publikum, ohne Applaus und ohne gemeinsam mit dem Publikum zu singen. Manchmal schlossen sie jedoch die Augen und versuchten, ihre Fans zu entdecken, die wegen des Virus bequem zu Hause saßen und sie beobachteten.

Nach dem Konzert sagte der Sänger der Band Krzysztof "Ptak" Wrobel, er sei glücklich über diese Möglichkeit, denn als Künstler fühle er sich einfach entspannt. Er vermisste das gemeinsame Spiel und diese musikalische Atmosphäre und nahm die Einladung von PEPE TV ohne zu zögern an. In ähnlicher Weise sagte Róża Frąckiewicz, Sängerin des Benrose-Duos, das am 2. Mai auftrat. Es fehlte ihnen an Live-Konzerten, am Kontakt mit dem Publikum und an Musik. Ohne diese befindet sich jeder Künstler in einer Krise, deshalb haben sie den Vorschlag auch sofort angenommen.

Am kommenden Samstag werden die Online-Konzerte aus dem PEPE-TV-Studio gespielt von: PolTon, 3R12, Nadia, Andy&Lucia, Laura Pinski, Janusz Łuczak, Bo-Ja, Oxforduo. Die Konzerte werden auf der Fanpage Pepe TV auf Facebook, YouTube und auf www.pepetv.eu übertragen.

Text: Leonard Paszek

ZFotos: Pepe Studio

Vor ein paar Wochen sah unser Leben noch ganz anders aus, wir hatten alles selbst arrangiert und geplant. Es war nicht immer einfach, aber unsere Welt hatte ihren eigenen Rhythmus. Das Virus, das sich blitzschnell über die ganze Welt verbreitete, hat unsere Realität völlig verändert. Es beeinflusst die einfachen Tätigkeiten, wie beim Einkaufen in der Drogerie wenn mit angezogene Maske der Duft von Creme oder Duschgel gewählt werden muss, bis hin zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Betreuung von Kunden, Fernlernen, oder der Umsetzung von Hygieneempfehlungen und der Sorge um die eigene Gesundheit. Die Pandemie hat uns jedoch gezeigt, wie abhängig wir voneinander sind, wie sehr wir einander brauchen geschäftlich, kulturell und privat. Heutzutage versuchen die Menschen in Hessen, zu ihrem Alltag zurückzukehren. Wie gehen die Polen in Hessen mit den Auswirkungen von COVID-19 um? Wie versuchen sie,  eigene Jobs  zu organisieren, Polnischunterricht für die Kinder zu organisieren, wie versuchen sie, anderen zu helfen?

Sławomir Heller (Ingenieur, Unternehmer)

Als wir vor zwei Jahren über die HELLER Ingenieurgesellschaft mbH und  ihrer innovativen Oberflächenüberwachungstechnologie gesprochen haben, waren Sie begeistert. Die Niederlassungen in Darmstadt und Polen entwickelten sich gut. Sogar die Zusammenarbeit mit China war in Vorbereitung, ganz zu schweigen von Ihrer Teilnahme an zahlreichen internationalen Konferenzen. Welche Veränderungen musste Ihr Unternehmen einführen, um weiterarbeiten zu können? Wie führen Sie internationale Projekte durch, solange sie laufen?

Ich bin weniger enthusiastisch, obwohl es nicht schlecht ist... Meine gesamte Besatzung in Deutschland und Polen arbeitet aus der Ferne, was die Effizienz der Projekte nicht beeinträchtigt. Das verdanken wir der seit Jahren bewährten vollständigen Digitalisierung meiner Unternehmen und Kommunikationskanäle. Wir erhalten auch neue Aufträge im In- und Ausland. Gerade heute hat der österreichische Autobahnverwalter ASFINAG zwei virtuelle Vorträge bei mir bestellt. Bald werde ich meine Wuppertaler Studenten testen, auch virtuell. Wir setzen unsere Zusammenarbeit mit China fort. Als sich die Situation bei ihnen stabilisierte, informierten sie uns "aus erster Hand" über das weitere Vorgehen. In einer Zeit der Desorientierung in Europa war ihr Rat äußerst wertvoll. Die Lieferung von Schutzmasken, die wir von ihnen erhielten, hat uns sehr bewegt.

Iwona Sterlter (Inhaberin der Darmstädter Schneiderei)

Iwona, so scheint es, hängt der Erfolg in Ihrer Branche nur von Ihren Fähigkeiten ab. Und doch stellt sich heraus, dass es nicht so offensichtlich ist? Was ist jetzt Ihre Aufgabe? Abstand zu Ihren Kunden zu halten ist unwahrscheinlich?

Während dieser 15 Jahre habe ich meine beruflichen Pläne langsam und konsequent verfolgt. Es gab Höhen und Tiefen, aber ich habe immer mein Ziel verfolgt. In den letzten sechs Jahren hat mein Unternehmen an Dynamik gewonnen, und mein Dienstleistungsangebot ist vielfältiger und reichhaltiger geworden. Früher hatte ich nur Privatkunden, und jetzt habe ich angefangen, Aufträge von Firmen und Institutionen zu erhalten. Die Pandemie hat unser privates und berufliches Leben plötzlich gebremst. In meiner Firma, die in letzter Zeit jeden Tag voller Menschen war, wurde es plötzlich leer und still. Heute, nach etwa 8 Wochen ständiger Pause, die mir Zeit zum Nachdenken gegeben hat, weiß ich, dass das Unternehmen, das ich von Grund auf aufgebaut habe, dank vieler Elemente entstanden ist. Die wichtigsten sind harte Arbeit, aufgewendete Zeit und eine familiäre Beziehung zu meinen Klienten. Jetzt hat sich plötzlich alles geändert, und ich glaube, es wird nicht mehr so sein wie früher. Ich weiß nicht, ob ich das alles irgendwie zusammensetzen kann? Vielleicht muss ich mir etwas Neues einfallen lassen und viel verändern... Vielleicht werde ich mein Geschäft um die Internet-Verkäufe erweitern. Eine Menge Fragen... Nicht viele fertige und konkrete Antworten. Ich bin immer noch gut in Form!

Aleksandra Mikulska (Pianistin, Chopin-Gesellschaft in Darmstadt)

Aleksandra, Dein Leben als herausragender Pianistin, bestand praktisch aus ständigen Konzerten. Die derzeitigen Verbote haben sicherlich enorme Auswirkungen, nicht nur auf Ihre wirtschaftliche Situation, sondern auch auf Ihr tägliches Leben. Wie sahen Deine  letzten Wochen aus? War es eine Zeit der Ruhe? Oder vielleicht einige Ideen, Pläne für neue Projekte?

Dieses letzte Mal in meinem Leben nahm wirklich neue Farben an und brachte Momente der Besinnung und neue Motivation. Es ist, als hätten wir die Uhr angehalten. Der Moment ist gekommen, um zur Ruhe zu kommen und unsere Augen auf die wichtigsten Dinge zu richten, die über das wahre Glück und die Erfüllung eines Menschen entscheiden. Zurzeit lese ich neue Werke, erweitere mein Repertoire und veröffentliche ein neues Album mit Werken von Chopin und Liszt. Auf dem Facebook-Kanal und auf You Tube versuche ich alle drei Tage, einen neuen kurzen Auszug aus meinen Konzerten zu posten. Ich wünsche allen Lesern Gesundheit und Gottes Segen und lade sie zu meinem Kanal und zum Kennenlernen meines neuen Albums ein: "Reflexionen".

Ela Heller (Verein SALONIK e.V.)

Wir wissen bereits, dass es zum ersten Mal seit 16 Jahren kein jährliches Grillfest des Vereins SALONIK geben wird. Planen Sie immer noch ein Herbstkonzert mit klassischer Musik?

Wird das Konzert im Herbst 2020 am 25. Oktober, stattfinden? Diese Frage können wir heute nicht beantworten. Die Pandemie hat unsere Pläne durchkreuzt. Aber wir geben dieses Projekt nicht auf. Das für diesen Tag geplante Konzert mit dem hervorragenden Tenor Szymon Komasa wäre zweifellos ein großes musikalisches Ereignis für Musikliebhaber. Wir glauben, dass im Herbst die kulturellen Veranstaltungen wieder auf die Bühnen zurückkehren werden und das nach Live-Kultur durstige Publikum die Konzert- und Theatersäle füllen wird. Früher oder später wird Szymon Komasa in Darmstadt singen! Wir sind Optimisten.

Anna Pieniuta-Szymkowiak (Lehrerin, Johannes-Paul-II-Schule, Frankfurt)

Die Schließung von Schulen in Hessen schloss auch das Erlernen der polnischen Sprache ein. Ist es der Schule, die sich in der polnischen Gemeinde in Frankfurt befindet, gelungen, den Unterricht so zu organisieren, dass die Kinder weiterhin Polnisch lernen?

Nach der Schließung der Schule beschlossen wir sofort, online zu unterrichten. Jede Klasse erhält wöchentlich eine Reihe von Materialien um das Lernen zu Hause zu ermöglichen. Die Aufgabenlösungen werden direkt an die E-Mails der Lehrerinnen und Lehrer geschickt. Darüber hinaus veröffentlichen wir auf dem Facebook-Profil der Schule tägliche Spiele, Sprachaufgaben, Kunstübungen, Links zu interessanten polnischsprachigen Websites, Filme und Radiosendungen, um den Kindern einen umfassenden Zugang zur polnischen Sprache und Kultur zu ermöglichen. Unsere Studenten finden sich in dieser Form des Unterrichts sehr gut zurecht. Sie schicken uns gerne die Ergebnisse ihrer Arbeit (einige davon können auf unserer Website eingesehen werden) und sogar, worüber wir uns am meisten freuen, fragen sie selbst nach den nächsten Aufgaben.

Łukasz Nowicz (WOŚP, Mitarbeiter in Darmstadt-Frankfurt)

Das große Orchester der Weihnachtshilfe engagiert sich oft und reagiert auf die aktuellen Bedürfnisse der Menschen. Soweit ich weiß, haben die Volontäre in Darmstadt-Frankfurt auch Ideen, um Bedürftige zu unterstützen. Was sind das für Aktivitäten und an wen richten sie sich?

Viele unserer Pläne für dieses Jahr wurden ausgesetzt oder gestrichen. Das Personal des GOCC Darmstadt-Frankfurt besteht aus jungen Menschen, sowohl geistig als auch körperlich, deren Engagement in der Sozialarbeit ein breites Echo in unserer polnischen Gemeinschaft hat. Seit März 2020 bieten wir in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln Bedürftigen, die in Quarantäne geraten sind, Hilfe an. Uns berichteten etwa 50 Freiwillige, die Hilfe beim Einkaufen, in der Apotheke, beim Verlassen des Hundes oder beim Abholen der Post anboten. Darüber hinaus boten die Mitarbeiter des GOCC Darmstadt-Frankfurt Unterstützung und Ideen wie z.B. kostenlose Interventionscoaching-Betreuung, pädagogische Hilfe für Eltern oder Rezepte für gesunde Mahlzeiten. Wenn Sie Fragen haben, können Sie uns via FB kontaktieren: https://www.facebook.com/Wosp.Sztab.Darmstadt.Frankfurt/ und WWW: http://wosp.darmstadt.pl/ . Langsam werden die Beschränkungen aufgehoben, aber unser Angebot ist immer noch gültig. Siema! (Hallo!)

Gespräche mit Michał Kochanski

Polnische Publikumszeitung: Twoje Miasto

Eine Pandemie ist eine Katastrophe für Musiker. Einige Menschen suchen nach anderen Aktivitäten, andere holen auf, und wieder andere sind deprimiert. Roman Szklarski von der PolTon-Band aus Gelsenkirchen streichte seine Wohnung, reinigte und reparierte sein Auto für sich und seine Nachbarn und überprüfte seine gesamte Musikausrüstung.

Ihm wird nicht beigebracht, seine Zeit fruchtlos zu verbringen, deshalb holte er viele Jahre lang eine unbenutzte "Singer"-Nähmaschine aus dem Keller und begann, Masken für seine engen und weiteren Freunde zu nähen.

Je mehr er sie nähte, desto mehr Menschen wandten sich an ihn, um sich an ihn zu erinnern. Er nehme kein Geld für seine Masken, sagt er: "Er liebt seine Freunde, und er weiß, dass es eine gegenseitige Liebe ist. Er ist froh, dass er ihnen mit dieser bescheidenen Geste ein wenig helfen kann".

Es ist erwähnenswert, dass das Nähen einer Maske etwa 40 Minuten dauert.

Leonard Paszek

Die Entsendung ist eine der beliebtesten Arbeitsweisen polnischer Arbeitnehmer in Deutschland und eine der kompliziertesten. Heute werde ich versuchen, einige sehr wichtige Fragen zu beantworten, nämlich:

1) Welches System der sozialen Sicherheit gilt für Arbeitnehmer, die vorübergehend in einen anderen Mitgliedstaat entsandt werden?

Manchmal möchte ein Arbeitgeber aus einem Mitgliedstaat ("Entsendeland") einen Arbeitnehmer zur Arbeit in einen anderen Mitgliedstaat ("Beschäftigungsland") entsenden. Solche Arbeitnehmer werden als entsandte Arbeitnehmer bezeichnet. Nach den EU-Vorschriften unterliegen Arbeitnehmer, die innerhalb der Europäischen Union arbeiten wollen, der Sozialversicherungsgesetzgebung des Landes, in das sie gegangen sind. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. Die wichtigste Ausnahme ist die Entsendung eines Arbeitnehmers, d.h. die Fälle, in denen ein Unternehmen einen Arbeitnehmer z.B. für einen im Voraus begrenzten Zeitraum (auf maximal 24 Monate) nach Deutschland entsendet. Dann untersteht der Arbeitnehmer z.B. weiterhin der polnischen Sozialversicherungsanstalt und muss nicht dem deutschen Gesetzgeber unterstellt werden.

Die nächste Frage betrifft das Thema:

2) Wie wird die Entsendung von Arbeitnehmern im EU-Recht definiert?

Eine Person, die als Arbeitnehmer z.B. in Polen im Auftrag eines normalerweise in Polen tätigen Arbeitgebers arbeitet und von diesem Arbeitgeber z.B. nach Deutschland entsandt wird, um für diesen Arbeitgeber Arbeit zu verrichten, unterliegt weiterhin der polnischen Gesetzgebung, wenn die voraussichtliche Dauer dieser Arbeit 24 Monate nicht überschreitet und diese Person nicht entsandt wird, um eine andere entsandte Person zu ersetzen. Diese Bestimmungen dürfen nicht zur Beschäftigung von Arbeitnehmern verwendet werden in Unternehmen oder auf der Grundlage von Verträgen auf kontinuierlicher Basis durch die wiederholte Entsendung verschiedener Arbeitnehmer an dieselben Stellen und für die gleichen Zwecke. Abgesehen von dem vorübergehenden Charakter der Entsendung und der Tatsache, dass sie nicht dazu bestimmt ist, einen anderen Arbeitnehmer zu ersetzen, gibt es eine Reihe wichtiger Punkte, die im Zusammenhang mit dieser Sonderregelung hervorgehoben werden müssen. Erstens muss der Arbeitgeber seine Tätigkeit normalerweise in Polen ausüben. Darüber hinaus bedeutet der Grundsatz, dass ein Arbeitnehmer "Arbeit im Namen des Arbeitgebers ausführt", dass während der gesamten Entsendungszeit eine direkte Verbindung zwischen dem entsendenden Arbeitgeber und dem entsandten Arbeitnehmer bestehen muss.

(3) Welche Kriterien gelten, um festzustellen, ob der Arbeitgeber seine Tätigkeit normalerweise im Entsendestaat ausübt?

Der Ausdruck "der seine Tätigkeit gewöhnlich dort ausübt" bezieht sich auf ein Unternehmen, das gewöhnlich einen wesentlichen Teil seiner Tätigkeit im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaates ausübt, in dem es ansässig ist, z.B. in Polen. Wenn sich die Aktivitäten des Unternehmens auf die interne Verwaltung beschränken, wird das Unternehmen nicht als normal in Polen tätig angesehen. Bei der Feststellung, ob ein Unternehmen einen wesentlichen Teil seiner Tätigkeiten ausübt, sollten alle Kriterien berücksichtigt werden, die die von diesem Unternehmen ausgeübten Tätigkeiten charakterisieren, wie z.B. der Ort, an dem sich der Sitz und die Verwaltung des entsendenden Unternehmens befinden; die Zahl der im Entsendungsland und im Beschäftigungsland anwesenden Verwaltungsangestellten des entsendenden Unternehmens - wenn nur Verwaltungsangestellte im Entsendungsland arbeiten, schließt dies die Möglichkeit aus, die Vorschriften über die Entsendung auf dieses Unternehmen anzuwenden; der Ort, an dem die entsandten Arbeitnehmer eingestellt werden; und andere. Bei der Beurteilung eines wesentlichen Teils der im Entsendeland ausgeübten Tätigkeiten müssen die Institutionen auch prüfen, ob der Arbeitgeber, der die Entsendung beantragt, der tatsächliche Arbeitgeber des betreffenden Arbeitnehmers ist. Dies ist besonders wichtig in einer Situation, in der der Arbeitgeber sowohl Festangestellte als auch Leiharbeitnehmer einsetzt.

Beispiel: Die Firma A aus Polen wurde mit Malerarbeiten in Deutschland beauftragt. Diese Arbeit wird voraussichtlich zwei Monate dauern. Zusätzlich zu den sieben Festangestellten benötigt das Unternehmen A drei weitere Zeitarbeitskräfte des Zeitarbeitsunternehmens B, um sie nach Deutschland zu entsenden; diese Zeitarbeitskräfte haben bereits für das Unternehmen A gearbeitet. Unternehmen A bittet die Zeitarbeitsfirma B, diese drei Leiharbeitnehmer zusammen mit sieben Festangestellten nach Deutschland zu entsenden. Unter der Voraussetzung, dass alle anderen Bedingungen für die Entsendung erfüllt sind, gilt die polnische Gesetzgebung weiterhin sowohl für Leiharbeitnehmer als auch für Festangestellte. Der Arbeitgeber der Leiharbeitnehmer ist natürlich das Zeitarbeitsunternehmen B.

  1. Wann kann es eine direkte Verbindung zwischen dem entsendenden Unternehmen und dem entsandten Arbeitnehmer geben?

Wenn die folgenden Grundsätze erfüllt sind: Verantwortung für die Rekrutierung; es muss klar sein, dass während der gesamten Entsendungszeit der Vertrag für die beteiligten Parteien in Kraft war und weiterhin in Kraft ist und dass er sich ergibt aus den Verhandlungen, die zur Einstellung führten; Recht zur Kündigung des Vertrags (Entlassung) muss ausschließlich dem "entsendenden" Unternehmen obliegen; das "entsendende" Unternehmen muss das Recht behalten, die "Art" der von dem entsandten Arbeitnehmer geleisteten Arbeit zu bestimmen, die Verpflichtung zur Bezahlung des Arbeitnehmers obliegt dem Unternehmen, das den Arbeitsvertrag abgeschlossen hat. Dieser Grundsatz gilt unbeschadet einer möglichen Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber im Entsendeland und das Unternehmen im Beschäftigungsland darüber, wie die tatsächlichen Zahlungen an den Arbeitnehmer geleistet werden; das Recht auf Disziplinarmaßnahmen gegen den Arbeitnehmer verbleibt beim entsendenden Unternehmen.

Ein paar Beispiele:

(a) Unternehmen A, das in Polen ansässig ist, entsendet vorübergehend einen Arbeitnehmer nach Deutschland, um für Unternehmen B zu arbeiten. Der Mitarbeiter hat noch einen Vertrag mit Unternehmen A, und nur von Unternehmen A hat das Recht, eine Entschädigung zu fordern. In diesem Fall ist das Unternehmen A der Arbeitgeber des entsandten Arbeitnehmers, da der Vergütungsanspruch ausschließlich auf das Unternehmen A gerichtet ist. Dies ist auch dann der Fall, wenn das Unternehmen B dem Unternehmen A diese Vergütung ganz oder teilweise in Form eines Betriebsausgabenabzugs von der Steuer in Deutschland erstattet.

(b) Unternehmen A, das in Polen ansässig ist, entsendet vorübergehend einen Mitarbeiter ins Ausland, um in Deutschland für Unternehmen B zu arbeiten. Der Mitarbeiter hat nach wie vor einen Vertrag mit Unternehmen A und seine Lohnforderungen richten sich ebenfalls an Unternehmen A. Der Mitarbeiter schließt jedoch einen zusätzlichen Arbeitsvertrag mit Unternehmen B ab und wird ebenfalls von Unternehmen B bezahlt.

Was wenn während der Beschäftigungszeit in Deutschland hat ein Arbeitnehmer zwei Arbeitgeber. Wenn er ausschließlich arbeitet in Deutschland gilt für sie die deutsche Gesetzgebung. Dies bedeutet, dass die von Unternehmen A gezahlte Vergütung bei der Ermittlung der in Deutschland gezahlten Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt wird. Zweite Situation: Wenn dieser Arbeitnehmer von Zeit zu Zeit auch in Polen arbeitet, müssen die Regeln geprüft werden, um zu beurteilen, ob polnisches oder deutsches Recht anwendbar ist.

(c) Unternehmen A, das in Polen ansässig ist, entsendet vorübergehend einen Arbeitnehmer ins Ausland, um in Deutschland für Unternehmen B zu arbeiten. Arbeitsvertrag bei Unternehmen A wird für die Dauer der Tätigkeit des Arbeitnehmers ausgesetzt in Deutschland. Der Arbeitnehmer schließt einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen B für die Dauer seiner Tätigkeit in Deutschland ab und wird von diesem Unternehmen bezahlt.

Es handelt sich hier nicht um eine Entsendung, da das ruhende Arbeitsverhältnis keine ausreichenden arbeitsrechtlichen Bindungen schafft, die die weitere Anwendung der Gesetzgebung des Entsendelandes, d.h. der polnischen Vorschriften, garantieren würden. Der Arbeitnehmer unterliegt in diesem Fall der deutschen Gesetzgebung. Ich hoffe, dass ich Sie auf die Entsendung polnischer Arbeitnehmer nach Deutschland aufmerksam gemacht habe, wenn auch nur in geringem Maße. Bitte zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie Fragen haben.

Anna Golan, LL.M. Deutsch-polnischer Juristin

S&G Inkasso Köln/Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Redaktion „Twoje Miasto“, Ausgabe 15.08. 2020

https://www.twojemiasto.eu/ 

WG Rechtsberatung/Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Köln, 02.04.2020.

Im Jahre 1791, am 3. Mai vor 229 Jahren, verabschiedete der vierjährige Sejm im Königlichen Schloss in Warschau per Akklamation einen Regierungsakt mit dem Namen "Verfassung vom 3. Mai". Es war das zweite in der Welt (nach dem amerikanischen von 1787) und das erste moderne Gesetz in Europa, das die Organisation der staatlichen Behörden sowie die Rechte und Pflichten der Bürger regelte.

Die Verfasser der Verfassung vom 3. Mai waren König Stanisław August Poniatowski, Ignacy Potocki und Hugo Kołłątaj. Die Verfassung wurde verabschiedet, um die Republik Polen zu retten, deren Territorium nach der ersten Teilung Polens 1772 von Preußen, Österreich und Russland abgeschnitten wurde.

Die Verfassung vom 3. Mai, deren Einführung weitreichende Auswirkungen auf ganz Europa hatte, wandelte das Staatssystem in eine konstitutionelle Monarchie um, führte eine dreifache Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative ein und schränkte die Adelsdemokratie ein, indem das Liberum-Veto formell abgeschafft wurde. Mit dem Regierungsgesetz wurde auch eine permanente Armee eingeführt, die 100.000 Soldaten erreichen sollte.

Die Verfassung trat am 24. Juli 1792 für etwas mehr als 14 Monate außer Kraft, als König Stanisław August Poniatowski dem Gewerkschaftsbund von Targówek beitrat.

Am 29. April 1919 erkannte der Legislativsejm den Jahrestag der Annahme der Verfassung am 3. Mai als Nationalfeiertag des wiedergeborenen Staates an.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

 

Redaktion: Polonia Viva, Wikipedia

Jan Matejko, Konstytucja 3 Maja 1791 roku, Gemälde vom 1891

 

"Klinikum Herrn B." ist eine Lesung, die versehentlich auf die Hand des Lesers trifft. Ihre Autorin, Sara Leiss, ist noch keine bekannte Schriftstellerin, deren Bücher aus den Regalen der Buchhandlungen verschwinden. Vielleicht ist dies nicht das Werk, auf das Dutzende von Fans des Werkes des Schriftstellers warten. Das Buch ist jedoch sicherlich eine Pause und Aufmerksamkeit wert.

M. - die Hauptfigur des Romans kämpft mit seinen Schwächen. Da er nicht weiss, wer er ist, wohin er geht und was er will, setzt er sich einer Reihe von überraschenden Fällen aus, in deren Folge er in einer psychiatrischen Klinik landet.
Beim Durchschreiten seiner Pforten begegnet er einnehmenden Charakteren, die seine inneren Emotionen und unbewussten Bilder zum Ausdruck bringen.
Der Zwerg, der ihn durch dunkle Gänge führt, eine symbolisch in den Inhalt integrierte Spinne oder in dieser surrealistischen Welt suggestiv dargestellte andere Wesen sind Wegweiser einer facettenreichen Therapie.
Sorgfältig ausgewählt in Bezug auf die dargestellte Persönlichkeit, das äußere Erscheinungsbild der Figur, Sorgfalt bei der detaillierten Beschreibung von Orten, sichtbare Kenntnisse der Psychologie und Soziologie führen den Betrachter in eine Welt, die an der Grenze zwischen Realität und Phantasie existiert. Die Welt, deren Wege der Bibliophile beschreitet, hat die Möglichkeit, eine in vielen Aspekten verstandene Analyse der menschlichen Natur vorzunehmen.
Auf der Grundlage der Gedanken, des Verhaltens und der Erfahrungen des Protagonisten des Romans wird der Leser dazu angeregt, zu versuchen, die Frage zu beantworten, welchen Weg er geht, wohin er geht und welche Realitäten er mit einem anderen Menschen hat. Der Autor stellt die Frage, inwieweit ein Mensch in der Lage ist, über sich selbst zu entscheiden, inwieweit er von Süchten abhängig ist, die ihn degenerieren und die Welt zerstören, in der er das Glück hat zu leben. Haben die Dämonen im menschlichen Individuum, die schlummern, die Möglichkeit zu entkommen, ihr eigenes Bild zu sehen? Die wiederholte Verwendung freier, manchmal komischer Ausdrucksmittel lockert die Ernsthaftigkeit des Themas auf, entlastet den Leser und macht diese hervorragend konstruierte Publikation zu einer interessanten und humorvollen Lektüre.
Die "Klinik des Herrn B." ist eine ausgezeichnete Beschreibung der Konfrontation eines Mannes mit seiner eigenen Personifizierung.

Claudia Daniel

 

Sara Leiss, geboren in Polen, lebt dauerhaft in Deutschland, in der Nähe von Düsseldorf. Sie studierte an der Universität Szczecin mit dem Schwerpunkt Meeresbiologie. Anschließend absolvierte sie ein Studium an einer privaten Universität, der Fakultät für Rehabilitation und Physiotherapie und der Akademie für Leibeserziehung in Wrocław. Während ihres Studiums arbeitete sie mehrere Jahre lang mit dem Zentrum für Suchttherapie und Suchtkooperation in Szklarska Poreba zusammen und nahm an Kursen, Schulungen und Seminaren über Psychologie und Psychotherapie teil. Schließlich gab sie jedoch die Arbeit als Therapeutin auf und entschied sich für die Rehabilitation. Seit mehreren Jahren arbeitet sie in einer orthopädischen Privatklinik. Sie ist geistig und familiär mit Polen, Irland und Deutschland verbunden, daher spricht sie täglich Polnisch, Englisch und Deutsch. Außerdem spricht sie fließend Russisch und beherrscht die polnische Gebärdensprache. Sie übersetzte mehrere Übersetzungen aus dem Englischen ins Polnische, hauptsächlich Literatur aus dem Bereich der Psychologie, darunter ein Buch mit dem Titel "The Polish Language". "Opfer nicht mehr", übersetzt für Patienten. Ihr Debütroman "Victims no longer" wurde 2015 veröffentlicht. "Klinik von Herrn B.".
Privat interessiert sie sich für Philosophie, Anthropologie und Religionswissenschaften. Sie praktiziert Kampfsportarten (Muay Thai, Boxen, Kali), Schwimmen und alle Arten von Wassersport. Liebt Reisen, Kino, Fotografie und Literatur, insbesondere russische Schriftsteller. Er glaubt an UFOs. Er spielt gerne Schach. Sie ist Vegetarierin, sie zieht Teodors Katze auf.

 

AgataL

Jeder von uns hat seine eigene Art, Lebenskrisen zu überleben. Eine davon ist, sich Filme anzusehen, um das Problem für einen Moment zu vergessen, die Stimmung zu verbessern, Energie zu tanken. Das Modewort lautet "neu entdeckt". - Filmtherapie. Das Schaffen und Wahrnehmen von Kunst hat seit jeher therapeutische Elemente, ähnlich wie das Ansehen von Filmen - es kann Mut machen, indem es die Identifikation mit dem Protagonisten fördert, oder die Spannung lindern, indem es Verbrecher, Gräuel oder Filme ansieht, die den "Kampfkünsten des Ostens" gewidmet sind. Man sagt, dass wir gerne Angst haben, und deshalb sind Filme, die uns Angst machen, so beliebt.

Wir sind jetzt von einer uns völlig unbekannten Pandemieąngste umgeben, die wir durcharbeiten müssen, um zu unserem alten, guten Gefühl der Sicherheit zurückzukehren. In solchen Krisenzeiten bin ich dagegen, mir zusätzlichen Stress zu machen, indem ich mir jetzt Filme anschaue, die "Angst vor der Angst" haben.

In "Kronzeiten" empfehle ich, sich schöne, leichte und angenehme Filme anzusehen, die uns allen durch diese schwierige Zeit helfen werden.

Es wird einige Zeit dauern, bis wir vollständig zum normalen Leben zurückkehren können, und wir können nichts anderes tun, als den Abend vor dem Fernseher zu verbringen. Vielleicht lohnt es sich, den Mangel an polnischen Filmen auszugleichen, die wir bisher nicht gesehen haben.

Auf der Netflix-Plattform haben wir die Möglichkeit, sogar die neuesten Filme der letzten Spielfilmfestivals von Gdynia zu sehen. Allen in Deutschland lebenden Polen aus Pommern empfehle ich den Film Camerdiner unter der Regie von Filip Bajon - so malerisch wie die Landschaft der kaschubischen Schweiz eine Kostümgeschichte der dort lebenden Menschen, angeführt von einer sensationellen Rolle der Hauptfigur Janusz Gajos.

Denjenigen, die sich an die polnische Geschichte erinnern möchten, schlagen wir einen Film vor - Piłsudski unter der Regie von Michał Rosa, dank dem wir den von Borys Szyc gespielten Marschall als einen gewöhnlichen Mann, einen apodiktischen Politiker, einen tapferen Kämpfer, aber auch einen Abenteurer und Frauenhelden sehen können, der zwischen seiner Frau und seiner Geliebten lebt.

Der jüngere Teil des Publikums wird den Film Proceder unter der Regie von Michał Węgrzyn genießen - eine berührende Geschichte des Rappers Tomasz Chada - ein Junge aus den Wohnblöcken mit der Seele des Dichters. Wenn Sie in Ihre Schulzeit in Polen zurückkehren möchten, lade ich Sie zu einer Reise in das Land der Kindheit ein, wo uns leider niemand gelehrt hat, unsere Gefühle zu nennen, was wir dank Marek Koterskis Film 7 Gefühle wieder gutmachen können.

Für diejenigen, die sich an die schockierende Erstausgabe der "Kunst des Liebens" der sozialistischen Gesellschaft erinnern, empfehle ich den Film mit dem gleichen Titel. Maria Sadowska - Regisseurin und Sängerin zugleich, zeigte in nostalgischen Interieurs und Kostümen der 70er Jahre die Geschichte von Michalina Wisłocka - einer berühmten Sexologin der kommunistischen Zeit, die für die Veröffentlichung ihres Buches kämpfte, das das Sexualleben der Polen veränderte.

In Zeiten, in denen wir nicht in Museen gehen können, haben wir dank Netflix die einmalige Gelegenheit, die Lebensgeschichte von Vincent van Gogh kennen zu lernen. In der Tat, dank der polnischen Malerin Dorota Kobieli und dem britischen Produzenten Hugh Welchman, die 2018 den Oscar-nominierten Film Your Vincent mit dem Titel Loving Vincent produzierten. Loving Vincent ist die weltweit erste abendfüllende Bildanimation, bestehend aus fast 65.000 Ölgemälden auf Leinwand, die in 7 Jahren von über 100 polnischen und ausländischen Malern mit einer Technik, die das Werk van Goghs imitiert, geschaffen wurden.

Auf Netflix finden Sie auch viele schöne polnische Komödien vom Typ Planet-Singles, in denen berühmte polnische Schauspieler wie Maciej Stuhr mitspielen. Ich stieß zufällig auf eine Komödie, die zu einem großen Teil in meinem Lieblingspark in Warschau spielt, wo ich Fahrrad fahren lernte und den größten Teil meiner Kindheit verbrachte. Jetzt schaue ich sie mir also von Zeit zu Zeit an, in der Hoffnung, dass sie bald in der Lage sein werden, auf der Weichsel zu laufen.

Abschließend empfehle ich den Film Ekscentriccy czyli po słonecznej stronie ulicy Janusza Majewskiego (Eksentrics, oder Auf der Sonnenseite der Janusz Majewskistraße), eine Swing-Komödie über das Schicksal eines Jazzmanns in den 1950er Jahren in Ciechocinek, die im Hollywood-Maßstab gedreht wurde. Als Janusz Majewski (geboren 1931 in Lemberg) vor einigen Jahren auf dem Filmfestival in Gdynia den Silbernen Löwen für Eksentrics erhielt, forderte er seine jüngeren Filmkollegen auf, in ihren Filmen nicht nur große Probleme aufzuwerfen, sondern auch "auf der Sonnenseite der Straße zu laufen".

Ich denke, die Botschaft von Janusz Majewski kommt jetzt zur rechten Zeit - gehen wir auf der Sonnenseite der Straße!

Agata Lewandowski, Berlin

 

Ich lade Sie ein, in der geheimnisvollen Welt umherzuwandern, die neben dem gewöhnlichen Alltagsleben existiert, aber gleichzeitig weit entfernt ist. Sie können darin Personen und Veranstaltungen sehen, an denen sie teilnehmen. Sie können die Geräusche von Musik und einem brennenden Feuer hören. Sie können tanzenden Frauen in langen bunten Röcken begegnen. Man spürt den Geschmack von Tränen oder Lächeln, hört das Rauschen des Windes und damit Worte und Töne von außerordentlicher Kraft.

Welcher Begriff sollte verwendet werden, um die ethnische Minderheit zu charakterisieren, der wir täglich begegnen. Menschen, die unsere Bekannten, Nachbarn und gleichzeitig Helden der farbenfrohen Geschichten sind, und oft ein Symbol für die Angst der Menschen. Zigeuner, Roma, Nomaden? "Zigeuner!" - antwortet Arthur Szewczyk: "Ich fühle mich wie ein Zigeuner, genau wie Lena, meine Frau, oder Damian, mein Sohn. Darauf sind wir stolz".

Arthur wurde in Lublin geboren. Seit seiner Kindheit blieb er unter den Zigeunern und lernte deren Sprache, Kultur und Bräuche kennen. Trotz der Verbote seiner Eltern floh er in die Zigeunerwelt, die ihn mehr und mehr faszinierte. Schon damals wusste er, dass dies zum Inhalt seines Lebens werden würde. Sein perfektes musikalisches Gehör und sein Rhythmusgefühl, vor allem aber seine Liebe zum Singen und Tanzen gaben ihm das Gefühl, mit der Musik verbunden zu sein. Im Alter von 18 Jahren begann er, in der Zigeunerband "Roma" aufzutreten, und er erwarb die Fähigkeit, so weit zu tanzen, dass ihm die Möglichkeit geboten wurde, Choreographien zu kreieren. Nach der Auflösung von "Roma" ging er nach Deutschland. Derzeit lebt er in Grevenbroich. Hier gründete er die Thagar-Gruppe, in der u.a. sein Sohn Damian und seine Enkelin Patrinka spielen. Sie spielen die wahrhaftigste Zigeunermusik. Lena näht farbenfrohe Röcke, reich an Rüschen und schimmernden Pailletten.

In Arthurs Familie wird die Zigeunertradition seit dem Tag, an dem er Lena gestohlen hat, gemäß den Bräuchen gepflegt. Nach ihrer Rückkehr von der Flucht nach ein paar Tagen zwang ihnen das älteste Mitglied der Familie ein rotes Tuch auf, und so heirateten sie. So wurde Arthur in die Gemeinschaft der Zigeuner aufgenommen.
In seinem Heimatarchiv gibt es viele Souvenirs aus dem Leben der Zigeuner.
An den Wänden hängen viele Gemälde, darunter ein Porträt seiner Mutter mit slawischen Gesichtszügen und Lenas Mutter, eine Zigeunerin mit dicken Zöpfen. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch der Lebensstil der Zigeuner stand schon immer in scharfem Kontrast zum Leben der meisten Europäer.

Die Zigeuner kommen aus Indien. Es ist nicht genau bekannt, wann und warum sie aus ihrer ursprünglichen Heimat emigrierten. Es ist auch unbekannt, wer sie waren, bevor sie aus dem Ganges kamen. Das Einzige, was sicher ist, ist ihre indische Herkunft und die Tatsache, dass sie seit ihrem ersten Auftreten in Europa durch die Länder Europas gewandert sind. In den 1970er Jahren begann die Aktion, die sie zwang, ihre nomadische Lebensweise in eine sesshafte umzuwandeln. Infolgedessen verfügen nur noch wenige Länder über Zigeuner-Rollmaterial. Zigeuner hingegen pflegen bis heute ihre eigene Sprache, Sitten und gesellschaftlichen Strukturen.

Das Auftreten der Zigeuner in Europa hat viele Beschreibungen dieser Menschen mit sich gebracht. Dabei wurde auf ihre Kleidung und eine große Anzahl von Dekorationen, insbesondere für Frauen und Kinder, geachtet. Von Anfang an wurden sie gefürchtet und des Diebstahls und der Hexerei beschuldigt.
Die nomadische Lebensweise war eines der wichtigsten Elemente, die die Zigeuner auszeichneten. Sie benutzten Pferdefuhrwerke als Transportmittel. Sie ermöglichten nicht nur die Fortbewegung, sondern waren auch flach auf Rädern. Die reiche Dekoration des rollenden Materials, insbesondere seiner Außenwände, erregte Bewunderung. Im Inneren war es bescheiden und einfarbig, obwohl es vorkam, dass in einigen Wagen auf dem Gewölbe ein Sternenhimmel gemalt war.

Zigeuner assimilieren sich in der Regel nicht, sondern passen sich der lokalen Kultur an. Aus diesem Grund sprechen die meisten Menschen zwei Sprachen. Die Sprache des Landes, in dem sie leben, und die Sprache der Roma mit einem für ihre eigene Gruppe charakteristischen Dialekt.
Eine unbestreitbare Tatsache, die die Zigeunergemeinschaft charakterisiert, ist, dass sie immer miteinander sympathisieren, und das grundlegende Element, aus dem sich ihre Struktur zusammensetzt, ist die Familie. Für sie ist die Familie der höchste Wert, der die Weitergabe von Tradition, Bräuchen, Kultur und Sprache garantiert.

Die Trauung ist in der Regel sehr einfach. Das junge Paar umarmt sich in einer Umarmung vor dem ältesten Familienmitglied und spricht eine Formel aus, die an die Pflicht zur gegenseitigen Achtung erinnert. Die Hochzeit wird getanzt und gesungen.

Das Leben der Zigeuner - von der Geburt bis zum Tod - wird von einer Sammlung von Ritualen und Praktiken bestimmt. Viele Aspekte des Lebens werden nach den von der Tradition festgelegten ewigen Prinzipien ausgeführt. Eines der charakteristischen Merkmale der Roma-Kultur ist das begrenzte Spektrum möglicher Berufe. Zum Beispiel kann ein Zigeuner kein Metzger sein, weil der Metzger Pferde tötet, die von Zigeunern auf eine besondere Art und Weise behandelt werden. Er sollte kein Arzt sein, denn die Zigeunerin kann die Leiche nicht berühren. Ein Zigeuner kann auch kein Polizist oder Richter sein. Auf der anderen Seite sind sie meisterhaft in Wettbewerben wie ein Zigeuner, der Töpfe, Kessel und Pfannen herstellt, ein Büchsenmacher oder Spengler. Eine weitere Tätigkeit, die häufig mit Zigeunern in Verbindung gebracht wird, ist die Wahrsagerei, die ausschließlich von Frauen ausgeübt wird.

In der Vergangenheit riefen Zigeuner keine positiven Gefühle hervor, was es für sie schwierig machte, eine Beschäftigung zu finden. Dies schränkte die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ein und verurteilte sie oft zum Diebstahl. Infolgedessen wurden sie in Europa viele Jahre lang unterdrückt und verfolgt.

Artur Szewczyk spricht viele Stunden lang über das Leben der Zigeuner. Manchmal wird er von seinem Stuhl genommen, um einen Zigeunertanz vorzuführen. Zu dieser Zeit serviert Lena köstlichen und reich gewürzten Borschtsch. Während man bei ihnen bleibt, bewegt sich der Zuhörer in die bunte Zigeunerwelt.

Claudia Daniel

 

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde, um die Kontinuität zu wahren, setzt die UTP die vor einem Monat begonnene Reihe von "Corona-Vorträgen" fort.
Der erste war ein Vortrag von Dr. Piotr Olszówka "Witkacy, Strzemiński und Ingarden: Drei ästhetische Theorien. Versuch einer Synthese"
Im April haben wir einen Vortrag von Karol Borsuk, einem Musiker: Geiger, Dirigenten und Komponisten vorbereitet. Das Thema des Vortrags lautet:
"Die Entstehungsgeschichte von zwei großen Musikwerken vor dem Hintergrund der Epoche von Alexander Newski S. Prokofjew und Carmin Buran C. Orff."

Beide Vorträge sind auf unserem Portal zu sehen und zu hören: https://utp.berlin/aktuell  

Und Sie können dazu die Übersetzung ins Deutsche im Pdf-Format.lesen.

Mit herzlichen Grüßen, Der Programmbeirat der UDG





          

 

Soziale Beiträge – wo entsteht die Zahlungspflicht, wenn wir in zwei Ländern arbeiten wollen. Es gibt keine einheitliche Antwort auf diese Frage, wenn wir in Polen und in Deutschland tätig werden und arbeiten wollen. Ich werde versuchen, es Ihnen anhand des folgenden, in der Praxis oft vorkommenden Beispiels näher zu bringen.

Ich habe ein Einzelunternehmen in Polen. Ich arbeite in Deutschland als entsandte Arbeitnehmer auf der Grundlage der Bescheinigung A1, die bescheinigt, dass ich die polnische Sozialversicherungsanstalt (ZUS) bezahle, d.h. ich bezahle die Sozialversicherung in Polen. Steuerlich gesehen habe ich nicht mehr als 183 Arbeitstage in Deutschland gearbeitet. Ich möchte auch in Deutschland ein Geschäft eröffnen, das so genannte Gewerbe, und in beiden Ländern arbeiten. Ist es aufgrund von der Entsendung auf A1 möglich?  

Im Allgemeinen gibt es das Prinzip von einem Rechtssystem. Wenn Sie in mehreren Mitgliedsstaaten beruflich tätig sind, können Sie für den gleichen Zeitraum nur in einem Land sozialversichert sein.

Die zweite Regel ist das Prinzip des Arbeitsortes. Wenn Sie in einem Mitgliedstaat selbstständig sind, sollten Sie durch die Sozialversicherungsgesetzgebung dieses Staates abgedeckt sein. In diesem Fall ist es unerheblich, in welchem Land Sie leben und in welchem Land Sie Ihr Unternehmen registriert haben.

Die Ausnahme vom Prinzip des Niederlassungsortes ist die Verlegung der selbständigen Tätigkeit in ein anderes Land. Wenn Sie seit einiger Zeit in Polen selbstständig tätig sind und Sie beschließen, dass Sie für einen Zeitraum von höchstens 24 Monaten auf dem Gebiet eines anderen Mitgliedstaates beruflich tätig werden, können Sie weiterhin in Polen versichert werden. Damit Sie davon profitieren können, müssen Sie vor der Verlegung dieser Tätigkeit ins Ausland mindestens 2 Monate lang in Polen selbständig gewesen sein (kürzere Zeiträume erfordern in bestimmten Fällen eine individuelle Beurteilung) und die Geschäftsabwicklung mit Rechnungen, Abrechnungen oder Verträgen zu dokumentieren, sowie die Infrastruktur im Land zu unterhalten, die zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit nach der Rückkehr ins Land für die gesamte Dauer der Auslandsgeschäfte notwendig ist.

Wenn eine vorübergehende Verlegung einer Tätigkeit in einen der Mitgliedstaaten geplant ist, sollte die verlegte Tätigkeit in ihrer Art der in Polen durchgeführten Tätigkeit ähneln.

Wenn die Bedingungen erfüllt sind, um während der Tätigkeit in einem anderen Mitgliedstaat weiterhin durch die polnische Sozialversicherungsgesetzgebung abgedeckt zu sein, sollte ein Antrag auf eine Bescheinigung A1 gestellt werden. Der Antrag ist bei einer Zweigstelle der Sozialversicherungsanstalt (ZUS) einzureichen, die für den eingetragenen Sitz oder die Betriebsstätte in Polen zuständig ist. Diese Bescheinigung bestätigt, dass Sie in Polen weiterhin sozialversichert sind.

Muster der Bescheinigung A1 und des Antrags auf Ausstellung der Bescheinigung sind auf der Website www.zus.pl zu finden. Dies ist das A1-Zertifikat im Zusammenhang mit der vorübergehenden Niederlassung in Deutschland. Rechtsgrundlage: Artikel 11 Absatz 3 Buchstabe a der Verordnung des Europäischen Parlaments.

Eine weitere Frage stellt sich, wenn Sie sich selbstständig machen wollen in zwei oder mehr Ländern. Wenn Sie in Polen wohnen und gleichzeitig in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine selbständige Tätigkeit ausüben, sind Sie in Ihrem Wohnland sozialversichert, wenn Sie einen wesentlichen Teil dieser Tätigkeit in diesem Land ausüben. Um festzustellen, ob ein wesentlicher Teil der selbständigen Tätigkeit im Wohnsitzland ausgeübt wird, sollten Kriterien wie Umsatz, Arbeitszeit, Anzahl der erbrachten Dienstleistungen oder Einkommen berücksichtigt werden. Wenn im Rahmen einer Gesamtbewertung festgestellt wird, dass im Wohnsitzland mindestens 25 % dieser Kriterien erfüllt sind, wird es von der Sozialversicherung dieses Landes abgedeckt.

Die Einbeziehung dieser Kriterien ist obligatorisch, um einen wesentlichen Teil der Arbeit zu bestimmen in einem bestimmten Land, aber diese Liste ist nicht erschöpfend. Es können auch andere Kriterien berücksichtigt werden.

Zum Beispiel: Wenn Sie in Polen selbstständig sind und in Deutschland. Sie leben in Polen. Sie arbeiten 3 Tage pro Woche in Polen und 2 Tage pro Woche in Deutschland. Da Sie in Polen, Ihrem Wohnsitzland, tätig sind, gelten für Sie die polnischen Vorschriften in Bezug auf die soziale Sicherheit. Rechtsgrundlage: Artikel 13 Absatz 2 Buchstabe a der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates.

Wenn Sie in Polen leben und in zwei oder mehr Ländern selbstständig sind in mehreren Mitgliedstaaten gleichzeitig, aber Sie üben keinen wesentlichen Teil Ihrer Tätigkeit in Polen aus, sind Sie in dem Land sozialversichert, in dem sich der Schwerpunkt dieser Tätigkeit befindet. Bei der Bestimmung des Interessenschwerpunkts sind alle Aspekte der Tätigkeit zu berücksichtigen, insbesondere: der ständige Geschäftssitz, die übliche Art der Tätigkeit, die Dauer der Tätigkeit, die Anzahl der erbrachten Dienstleistungen, Ihre Absicht, die sich aus allen berücksichtigten Umständen ergibt.

Beispiel: Sie sind selbstständig in Polen und Deutschland tätig. Sie leben in Polen. Sie arbeiten 1 Tag pro Woche in Polen und 4 Tage pro Woche in Deutschland. Sie üben keinen wesentlichen Teil Ihrer Tätigkeit in Polen, Ihrem Wohnsitzland, aus. Liegt der Schwerpunkt Ihrer Geschäftstätigkeit jedoch in Polen, sind Sie durch die polnischen Sozialversicherungsvorschriften abgedeckt. Rechtsgrundlage: Artikel 13 Absatz 2 Buchstabe b der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates.

Bei der Festlegung, in welchem Mitgliedstaat Sie versichert sein werden, sollte auch die Situation berücksichtigt werden, in der Sie in den nächsten 12 Monaten voraussichtlich versichert sein werden. Vergangene Aktivitäten können ebenfalls berücksichtigt werden, sofern sie ein ausreichend zuverlässiges Bild der aktuellen Aktivitäten vermitteln. Wenn die Bedingungen erfüllt sind, dass während sie in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassen sind immer noch durch die polnischen Sozialversicherungsvorschriften gedeckt sind, sollten sie das A1-Zertifikat beantragen.

Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, dass sie weiterhin durch die polnische Sozialversicherungsgesetzgebung abgedeckt sind, wenn sie in einem anderen Mitgliedstaat tätig sind im Bereich der sozialen Sicherheit, sollten die Versicherungen gelten in dem Mitgliedstaat, in dem sich der Schwerpunkt dieser Aktivitäten befindet. In diesem Mitgliedstaat muss die Bescheinigung A1 erworben werden. Sie bestätigt, dass in Polen keine Sozialversicherungsbeiträge und keine Krankenversicherung gezahlt werden sollten.

Ein weiteres Beispiel ist die Selbständigkeit in einem Land und die Beschäftigung in einem anderen Land.

Wenn Sie in einem Mitgliedstaat selbstständig sind und Sie gleichzeitig in einem anderen Mitgliedstaat beschäftigt sind, sind Sie in dem Land, in dem Sie beschäftigt sind, sozialversichert.

Wenn Sie in Polen arbeiten und in einem anderen Mitgliedsstaat selbstständig sind, sollten Sie bei der ZUS das Zertifikat A1 beantragen. Wenn Sie in einem anderen Mitgliedsstaat beschäftigt sind und in Polen eine selbständige Tätigkeit ausüben, sollten Sie eine Bescheinigung A1 von der Versicherungsanstalt des Landes, in dem Sie beschäftigt sind, erhalten.

Beispiel: Sie sind in Polen selbstständig und gleichzeitig bei einem deutschen Arbeitgeber in Deutschland beschäftigt. Sie leben in Polen. Da Sie in Deutschland arbeiten, gelten für Sie die deutschen Vorschriften.

Sie sollten sich jedoch an die für Ihren Wohnort in Polen zuständige Stelle der Sozialversicherungsanstalt (ZUS) wenden. Sie bestimmen, in welchem Land Sie versichert werden sollen und informieren sowohl Sie als auch den deutschen Träger über ihre Entscheidung. Nach Erhalt dieser Informationen sollte der deutsche Träger auf Ihren Antrag hin die Bescheinigung A1 bestätigen.

Ihr Arbeitgeber sollte alle Sozialversicherungs- und Krankenversicherungsbeiträge aus einer Erwerbstätigkeit in Deutschland an das deutsche Sozialversicherungssystem abführen.

Wenn ZUS bestätigt die geltende Gesetzgebung die Sozialversicherungsanstalt: Die Sozialversicherungsanstalt bestätigt weiterhin, dass alle Arbeitnehmer und Personen, die außer Landwirten nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten ausüben, der polnischen Gesetzgebung unterliegen.

Anna Golan, LL.M.

Deutsch-polnischer Juristin

Köln, 14.04.2020

Dank des Engagements der Sozialarbeiterinnen unter der Leitung von Nicole Kurek war das diesjährige Osterfest im Altenpflegeheim St. Elisabeth in Dortmund trotz der Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie ein freudiges Fest für die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung. Am zweiten Ostertag wurden alle Gäste von den Sozialarbeitern in ihren Zimmern besucht. Die Arbeiterinnen und Arbeiter verkleideten sich mit Osterhasen, auf die Schutzmasken mit Schnurrbart und Hasenzähnen gezeichnet waren und auf deren Köpfen eigens zu diesem Zweck gekaufte Wollohren angebracht waren, und verteilten Ostergeschenke. Die Päckchen mit Schokoladenhasen und -eiern wurden präsentiert, Osterrätsel gelöst, witzige Sprichwörter ergänzt, Ostergeschichten vorgelesen und Frühlingslieder gesungen. Den Rentnern und ihren Familien wurde die Möglichkeit gegeben, mittels einer Videokonferenz Sichtkontakt herzustellen. Überraschend viele Menschen nutzten diese Gelegenheit.

Die Arbeit eines Sozialarbeiters in einem Pflegeheim erfordert es, sich in die Psyche und Mentalität des anderen Menschen zu vertiefen, mit ihm in Kontakt zu treten und Möglichkeiten für sinnvolle Aktivitäten zu schaffen, insbesondere für Menschen mit Demenz. In der gegenwärtigen Pandemiekrise, in der der menschliche Kontakt auf ein Minimum reduziert werden sollte, hat der Sozialbetreuer eine zusätzliche, nicht einfache Rolle als Vermittler mit der Realität.

Nicole Kurek, Leiterin einer Gruppe von zwölf Sozialbetreuern in der St. Elisabeth Altenpflege, wurde in Deutschland geboren, aber ihre Eltern sind Aussiedler aus Polen, die 1988 nach Dortmund kamen. Die Sorge um die Ausbildung ihrer Tochter, ihre Fähigkeit, Polnisch zu sprechen, und ihre charakteristische Verantwortung für einen anderen Menschen haben dazu beigetragen, einen sensiblen Charakter zu formen, der seit vielen Jahren in jedem Augenblick ihres Berufslebens von dieser jungen Frau voller Enthusiasmus und neuer beruflicher Ideen bestätigt wird.

Text und Fotos: Claudia Daniel

Für mich schon seit langem, war diese Welt zu viel.

Zu viel, zu schnell, zu laut. Ich habe also kein „Rückzugstrauma" und ich leide nicht darunter, die Menschen nicht zu treffen.  Ich bedaure nicht, dass sie die Kinos geschlossen sind und es ist mir auch egal, dass die Einkaufszentren geschlossen sind. Ich mache mir nur Sorgen, wenn ich an all jene denke, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Artikel in Frankfurter Allgemeinezeitung: Jetzt kommen neue Zeiten!

Aus meinem Fenster sehe ich eine Weiße Maulbeere, einen Baum, der mich fasziniert; er war einer der Gründe, warum ich hier eingezogen bin. Der Maulbeerbaum ist ein freigiebiges Gewächs: den ganzen Frühling und den ganzen Sommer über ernährt er Dutzende Vogelfamilien mit seinen süßen, gesunden Früchten. Jetzt aber trägt der Baum keine Blätter; so sehe ich ein ruhiges Stück Straße, die nur selten jemand entlanggeht, um in den Park zu gelangen. Das Wetter ist in Breslau fast sommerlich, die Sonne blendet, der Himmel ist blau und die Luft ist rein. Heute sah ich, als ich mit meinem Hund spazieren ging, wie zwei Elstern eine Eule von ihrem Nest vertrieben. Die Eule und ich, wir sahen uns aus kaum einem Meter Entfernung in die Augen. Mir scheint, auch die Tiere warten auf das, was auf uns zukommt.  .....

Weiter vollen Text aus dem Polnischen von Gerhard Gnauck lesen Sie in Frankfurter Allgemeinezeitung:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/reihe-mein-fenster-zur-welt-jetzt-kommen-neue-zeiten-16703455.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Foto: Olga Tokarczuk, 2019, fot. Basso Cannarsa/Leemage/East News

 

Nicht jeder wird als großer Redner und Führer geboren, aber laut den Mitgliedern der Toastmasters-Clubs kann jeder einer werden. Alles, was Sie tun müssen, ist an sich selbst arbeiten zu wollen. Der erste polnischsprachige Toastmasters Club in Deutschland wurde im Januar in Essen gegründet. Ihr Urheber ist Dariusz Tetelewski, Vertreter der jüngsten polnischen Auswanderungswelle. Eine Zeitlang besuchte er Treffen eines ähnlichen Clubs in Dortmund. Sprachprobleme veranlassten ihn jedoch zu der Entscheidung, etwas Ähnliches für die polnische Gemeinschaft aus NRW zu schaffen.

Die Idee der Toastmasters-Clubs wurde 1924 in Kalifornien geboren. Da ist er, Ralph C. Smedley entdeckte die Notwendigkeit, einen Ort zu schaffen, an dem die Fähigkeiten des öffentlichen Sprechens geübt werden können. Um die Organisation jedoch entspannt und gesellig zu halten, gab er ihr den Namen Toastmasters, was soviel bedeutet wie die Person, die bei offiziellen Feiern zuerst spricht, einen Toast ausbringt und wichtige Gäste und Redner vorstellt. Der Bedarf an einer solchen Ausbildung war und ist groß, denn es gibt inzwischen fast 16.000 Clubs in 140 Ländern weltweit und es gibt mehr als 345.000 Mitglieder.

Die Aufgabe des Clubs ist es, Menschen dabei zu helfen, die Kunst des öffentlichen Sprechens zu verbessern. Die Clubs haben ein zweigleisiges Kommunikations- und Führungsprogramm.

Die Treffen der Clubs finden in der Regel einmal pro Woche statt. Jedes Treffen hat seine eigene Struktur und sein eigenes Programm. Ihre Teilnehmer nehmen eine angemessene Rolle und Aufgabe wahr. An erster Stelle steht der Toastmaster des Abends, der die Redner ankündigt und für Ordnung sorgt. Die Personen, von denen berichtet wurde, dass sie sprechen. Andere achten auf Zeit, Sprachgewandtheit und Gestik. Jede Rede wird sorgfältig bewertet, d.h. auf flüssige Aussprache, Zeitkontrolle, Körpersprache und Wortschatzreichtum geprüft. Um ein kompetenter Redner zu werden, müssen mindestens 10 Reden gehalten werden.

Dariusz Tetelewski, der Gründer des polnischen Klubs Dariusz Tetelewski, hatte sein Debüt in Essen - "Ich sollte mich besser auf meine Rede vorbereiten. Leider habe ich mit dieser Rede gezeigt, wie Stress eine Rede aushalten kann. Ich bin in der polnischen Gemeinde in Deutschland sehr aktiv. Ich nehme unter anderem an Geschäftstreffen teil, ich arbeite im Großen Orchester der Weihnachtshilfe und in den sozialen Medien. Ich weiß, wie wichtig die Fähigkeit ist, richtig zu kommunizieren und auszusprechen. Sie können zu Hause vor dem Spiegel üben, aber es wird keine Bewertung vorgenommen. Sie brauchen Menschen, die ein ähnliches Ziel haben". Dariusz wurde von Maciej Kowalski bewertet, der lange Zeit an solchen Treffen in Toruń teilnahm.

Der zweite Redner des Abends war Tobias Zwadlo, der dem deutschen Club täglich angehört, weil er besser Deutsch spricht. Polnisch zu sprechen war sein Debüt. Seine Rede "Wie habe ich meine Toastmaster-Karriere begonnen?" wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die dritte Rede auf Deutsch wurde von Katharina Banczyk gehalten. Toastmaster des Abends war Bożena Banczyk, die zusammen mit ihrem Mann seit vielen Jahren an Clubtreffen in Dortmund teilnimmt.

Die polnischen Ruhrpott Toastmasters laden alle ein, die lernen wollen, wie man in der Öffentlichkeit auftritt, sich auf dem Forum auf originelle Weise ausdrückt, eine Führungsrolle übernimmt und Treffen, Debatten und Diskussionen leitet und vor allem die Nervosität und den Stress einer öffentlichen Präsentation bewältigen und beseitigen will. Der Erwerb dieser Fähigkeiten führt zu besseren Beziehungen zu Familie, Freunden oder Kunden.

Wir werden im Veranstaltungskalender über die Treffen informieren.

Leonard Paszek / Samo Życie

 

„Berlin - du bist so wunderbar“ - seit 2011 singt Robert Philip in der beliebten Pilsner Bierwerbung "Kasierbase". Ein Riegel für die Wahrheit - Berlin ist einzigartig und wunderbar, was ich als Einwohner seit fast 30 Jahren bestätige. Genau wie die Hauptstadt Deutschlands sind die dort lebenden Polen wunderbar, und offiziell gibt es etwa 150 Tausend von ihnen. Die Geschichte zeigt deutlich, dass sich die Polen als Nation in Krisenzeiten am besten vereinen können. Das passiert jetzt. Es ist verboten, mehr als zwei Personen zu vereinen (es sei denn, es handelt sich um eine zusammenlebende Familie), also hat sich das Leben ins Internet verlagert, und insbesondere auf Facebook, das heute eine wichtige Informationsquelle ist. Und hier können Sie sehen, wie hilfreich und aufopferungsvoll die Mitglieder unserer polnischen Gemeinschaft in Deutschland sind.

Radio Cosmo sendet täglich Nachrichtensendungen, das Berliner Monatsmagazin Contacts "zaposta" Informationen über das Berliner Krisenzentrum www.berliner-krisendienst.de . Der Polnische Rat in Berlin hat die polnischen Berliner über die Änderung des Datums des jährlichen Polonia-Tages, der im Mai in Berlin gefeiert wird, informiert.

Katarina Niewiedzial - Beauftragte für Integration und Migration stellt auf ihrer Facebook-Seite regelmäßig neue Beschlüsse des Berliner Senats in die Sprachen unserer Berliner Ko-Präsidenten übersetzt.

Ähnlich informierte Kamila Schöll-Mazurek vom Polnischen Sozialrat e.V. auf ihrer Facebook-Seite über unsere Rechte im Falle des Arbeitsplatzverlustes, Marzena Nowak vom Verein - Polnische Frauen in Berlin veröffentlichte Anträge auf Förderung durch den Senat.

Seit einigen Wochen sind wir nun schon teilweise zu Hause eingesperrt, und es beginnt langsam, uns "psychisch aufzubringen". Adriana Tomczak, die einen "Blog, für diejenigen, die es gewagt haben, im Ausland zu leben", betreibt. - Emigration für den Erfolg und die Gruppe "Polnische Frauen geht es gut" - organisierte eine Live-Unterstützerin - Wohin soll man die Kraft nehmen, um der Krise zu begegnen?

Die Person, die ich für ihre täglichen sachlichen Beiträge in Verbindung mit einer großen Dosis guter Energie bewundere, ist die Administratorin der Gruppe Berliners PL - Elżbieta Natalia Kotłowska. Sie beginnt ihre PORANNE CORONA-Beiträge mit den Worten - "Guten Morgen, wunderbare Berliner"- und informiert uns dann über Veränderungen, die oft über Nacht von der Regierung oder den Berliner Behörden eingeführt werden, wie z.B. den Bußgeldkatalog - ein Mandatskatalog, über gesundheitsfördernde Neuerungen und vor allem über eine so große Selbsthilfekampagne der polnischen Berliner und ermutigt alle, sich daran zu beteiligen (sie zitiert) :

"Die deutsche Regierung will sich gegen die finanziellen Risiken eines Unternehmens in Deutschland schützen, das aufgrund der Coronavirus-Krise kurzfristig die Produktion von Schutzmasken einführen wird. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte in Muenchen, das Land brauche eine eigene Produktion, die zumindest voruebergehend auf den Weg gebracht werden muesse. Das Interesse ist groß, und es gibt viele bereitwillige Hersteller, die bereit sind, ihre Produktion und die Herstellung von Masken umzustellen".

Das Robert-Koch-Institut hat seine bisherige Position zum Tragen von Schutzmasken geändert und erklärt, dass durch das präventive Tragen einer Maske das Risiko einer Virusübertragung reduziert werden kann.

 

KOSTENLOSE HILFE-AKTIONEN für die Gruppe Berliners PL:

Kostenlose psychologische Beratung:

Wir möchten Sie daran erinnern, dass jeder, der aufgrund der durch das Coronavirus verursachten schwierigen Situation Schwierigkeiten hat, sich an die aktuelle Situation anzupassen, Angstzustände empfindet, seine mentale Stärke verliert oder einfach nur psychologische Unterstützung oder Beratung bei anderen Problemen, die nicht nur mit der Viruspandemie zusammenhängen, benötigt, von einer KOSTENLOSEN psychologischen Beratung in polnischer Sprache über Skype oder WhatsApp mit Alicja Grezlikowski, die klinische Psychologin in Berlin ist, profitieren kann. Frau Alicia steht Ihnen jeden Tag von 12:00 bis 16:00 Uhr zur Verfügung. Wenn Sie einen Termin für eine kostenlose Beratung mit Frau Alicia vereinbaren möchten, senden Sie bitte hier eine Nachricht: https://m.facebook.com/pg/Psychologberlin/posts/

Die Mannschaft für den Papierkram:

Liebe Anwesende, wenn jemand einen Antrag ausfüllen, eine Benefizveranstaltung beantragen, einen Brief schreiben, eine Stornierung vornehmen, etwas in Raten zahlen muss usw. Wenn er irgendwo telefonieren muss und die deutsche Sprache nicht beherrscht, dann berichten Sie bitte in Ihren Kommentaren, dass es Menschen gibt, die ebenfalls ihr wunderbares Herz geöffnet und für das sprichwörtliche Lächeln und Danksagung Hilfe in der deutschen Paprologie und sprachliche Hilfe erklärt haben. Sie können auch eine Nachricht an mich, an Frau Kasia Szalowicz oder an Frau Gosia Malysz schicken, wir helfen gerne all jenen, die Hilfe beim Ausfüllen der Dokumente benötigen oder aufgrund fehlender Sprachkenntnisse Probleme haben, sich irgendwo anzurufen, um ihren Fall zu regeln.

Fax-Versandstelle:

Unsere liebe, immer fröhliche und humorvolle Ewa Fricke bot ihre Hilfe allen Gruppenmitgliedern an, die einen Brief, ein Dokument oder irgendetwas anderes per Fax an irgendein Büro oder eine Firma schicken und eine Bestätigung über die Zustellung der Dokumente erhalten möchten, die sie an ihre E-Mail-Adresse nach Ewani schicken können: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, geben Sie Ewani im Inhalt der E-Mail die Angaben zum Unternehmen/Büro und deren Faxnummer an. Viele Büros, Firmen und Institutionen sind derzeit für Besucher geschlossen, aber es ist möglich, Dokumente per Post, E-Mail oder Fax zu versenden. Das Fax gibt Ihnen eine Bestätigung über die Zustellung des Briefes, und diese Bestätigung wird Ihnen per E-Mail zugestellt.

Meine Lieben, wenn einer von Ihnen eine eigene Idee hat, wie er den Gruppenmitgliedern helfen kann, und bereit ist, etwas für andere zu tun, dann schreiben Sie mutig, jede Hilfe, jede Unterstützung, jede gute Tat für andere macht die Welt schöner, besonders in einem so schwierigen Moment, wie wir uns jetzt alle durch den Koronavirus befinden. Vielleicht möchte einer von Ihnen dem Papierkram-Team beitreten, oder ist Buchhalter und kann bei der Jahresabrechnung helfen, vielleicht möchte einer von Ihnen unseren Hochrisikoberlinern beim Einkaufen oder beim Verlassen des Hundes helfen, vielleicht hat einer von Ihnen eine Maschine zu Hause und Zeit, um Masken speziell für die Bedürftigsten aus der Hochrisikogruppe, Schwangere, alte oder kranke Menschen zu nähen, vielleicht möchte jemand seine Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache Menschen anbieten, die damit Probleme haben usw...

Je mehr gute Herzen, desto besser. Und die in das Universum gesandte Güte kommt immer wieder zu uns zurück, und das ist mehr als genug!

Alle Ängste, Befürchtungen, Orientierungslosigkeit sind in der gegenwärtigen Situation normal, schämen Sie sich also nicht, darüber zu sprechen, suchen Sie Unterstützung und Hilfe, unterdrücken Sie diese Ängste nicht in sich selbst, sich um das geistige Gleichgewicht zu kümmern ist jetzt sehr real für unser Immunsystem und unser Wohlbefinden, Immunität ist in der gegenwärtigen Situation für uns extrem notwendig, je stärker der Organismus, desto größer die Chance, das Virus zu besiegen.

Deshalb sind wir hier, um gemeinsam durch diese schwierige Zeit zu gehen!

Ich erinnere Sie an Orte, an denen Sie in der aktuellen Situation mit dem Koronavirus kostenlose professionelle Beratung in polnischer Sprache zum Arbeitsrecht erhalten können:

- Faire Mobilität, kostenlose Hotline aktiv:

  von Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr - Telefon: 0800 0005780

- Willkommenszentrum Berlin , Telefon: (030) 9017 2326/ Fax: (030) 9017-2320 l

  und E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

- Informationen auf Polnisch: www.berlin.de/willkommenszentrum/pl

Ich empfehle Ihnen auch, einen Blick auf die Website zu werfen:

- Berliner Beratungszentrum für Migration und Gute Arbeit, polnischsprachige Beratung im Arbeitsrecht:

  Monika Fijarczyk tel. (030) 513019279, Mittwoch 9.00 - 15.00 Uhr und Donnerstag 9.00 - 15.00 Uhr,

  und E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

- Polnischer Sozialrat e.V. Kontaktaufnahme über:

  https://polskarada.de/faqs-die-koronakrise-der-epidemie-und-das-arbeitsrecht.

In den letzten zwei Wochen habe ich gesehen, wie viel gute Energie und Hilfsbereitschaft in uns steckt. Gesten sind jetzt wichtig, und dass wir kaum eine unterstützende Geste annehmen können, so ist eine wichtige Geste der Freundlichkeit die Bereitstellung unterstützender Informationen geworden, wofür ich allen oben genannten Personen aus Berlin danken und sie begrüßen möchte.

Agata Lewandowski

 

Wir sind plötzlich, im wörtlichen Sinne des Wortes, Herr über unser eigenes Zuhause geworden - „my home is my castle"!  Wir erleben Momente, die nicht nur besondere Lösungen, sondern auch viele Opfer erfordern. Auf der anderen Seite haben wir für einen Moment angehalten. Wahrscheinlich nicht ohne Grund. Aber möge dieser Moment bald enden, wie ein Spaziergang im Wald, interessant und unbekannt am Anfang, dunkel in der Mitte und am Ende einfach belebend und frisch! Die Herausforderung ist auf die gesamte Gesellschaft geworfen worden, und nur als Gesellschaft sind wir in der Lage, mit den neuen Realität umzugehen. Lasst uns vereint sein! 

Nachstehend finden Sie Informationen über die Vorgehensweise in den nächsten Wochen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Die Informationen werden in polnischer Sprache bereitgestellt. Das Faltblatt enthält eine Notrufnummer, die auf Polnisch, Deutsch, Englisch, Russisch und Rumänisch geführt wird. Das Faltblatt ist druckfertig. Es kann daher sowohl in gedruckter Form als auch online eingereicht und verteilt werden. 

Wir werden sukzessiv Informationen über neue oder besondere Regelungen im Zusammenhang mit unserer Existenz veröffentlichen: familiäre, arbeitsrechtliche, soziale, materielle, psychologische und alle anderen während und nach der Quarantäne, alles in polnischer und/oder deutscher Sprache mit Übersetzung. 

Wir wünschen Ihnen Gesundheit und Fröhlichkeit! Folgen Sie und auf Facebook Info-Point-Polregio.

Joanna Szymanska

 

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In Polish / Po polsku

 

Vatican 3

Aktivitäten unserer Gesellschaft mussten wegen Pandemie soeben stark abbremsen. Wir waren alle davon überzeugt, dass solche Scenario nur in Science-Fiction-Filmen zu finden ist, und jetzt müssen wir leider feststellen, dass der Horror auch uns trifft. Nach dem chinesischen Schock, bei dem Tausende von mit dem Coronavirus infizierten Menschen gewaltsam von ihren Angehörigen isoliert wurden, folgte ein weiterer überraschender Pandemieausbruch. Europa wurde durch Pandemie in Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland betroffen. Je nach Art der Bekämpfung und der medizinischen Bedingungen zeigen auch andere europäische Länder einen Anstieg der bisherigen Covid-19-Infektionen. Der Schrecken der Pandemie verschont auch andere Kontinente nicht und droht menschlicher Bevölkerung.

Das Schreckgespenst der wirtschaftlichen Verlangsamung mobilisiert die Kräfte der einzelnen Regierungen, um Hilfspakete für Unternehmen, Arbeitnehmer und ihre Familien vorzubereiten. Unsere gewohnten Alltagsstraßen, Plätze, Parks und Stadien sind über Nacht verwaist. Man hört keine Kinder auf Spielplätzen und es gibt keine Kunden in Einkaufszentren. Der Petersplatz im Vatikan glänzt mit einer beredten Leere, die einsame Osterferien in Trennung von den Familien ankündigt.

Die sozialen Kontakte sind zwar nicht abgebrochen, aber wir müssen vorgeschriebenen Abstand halten. Wir können zurzeit unsere nationalen Grenzen, auf die wir mit dem Schengener Abkommen stolz sind, nicht überschreiten. Die umsichtigen Regierungen unserer EU-Länder sehen eine Gefahr in der Organisation von kollektiven Spielen, Treffen und politischen Wahlen in Hinsicht auf demokratischen Regeln.

Pustkas Berlin

Die Zeit des Nachdenkens ist daher für uns alle gekommen. Es ist höchste Zeit für einen Gedanken über das bisherige übermäßige Tempo des Lebens, ... eine Zeit des Nachdenkens über den übermäßigen Konsum, der unsere Umwelt zerstört, ... eine Zeit, in der man die Einstellung zu sich selbst und zu den geliebten Menschen überdenken muss. Eine Zeit des Mitgefühls und der gegenseitigen Hilfe. Es wird nie wieder so sein ... aber schließlich wird die Pandemie vorbei sein, und vielleicht ist das die Chance für ein besseres Morgen?

Lassen Sie uns die notwendigen Schlussfolgerungen für uns selbst ziehen, was die Zivilgesellschaft um uns herum betrifft. Lasst uns gegenseitigen Respekt lernen, lasst uns unsere natürlichen Ressourcen respektieren, lasst uns neue Techniken der weisen Kommunikation durch Sozialmedien zugunsten von Fernunterricht in der Bildung oder von universellen Fernwahlen in der Politik erlernen. Lernen wir, bereit zu sein und uns nicht mehr zu überraschen.

Die Zeit ist gerade gekommen, dass alle unsere Nationen, Minderheiten-, politischen und religiösen Gemeinschaften ..., die heute gezwungen sind, sich zu verlangsamen und nachzudenken, ihre eigenen Schlussfolgerungen in der Stille einer gefährlichen Pandemie zu ziehen. Wie nie zuvor haben wir gesehen, wie sehr wir in schwierigen Momenten der Isolation auf die Hilfe guter Dienste und die Unterstützung unserer Freunde angewiesen sind. Wie in dem Lied von Aachen,  die Sonne wird wieder immer aufgehen, und unser Leben wird wieder in seinen Rhythmus zurückkehren, aber es wird sicher nicht mehr so sein, wie es war.

Wiesław Lewicki

Hören wir uns das hoffnungsvolle Botschafts-Lied der Aachener Stadtdienste an:

Der kulturelle Vorfrühling war für die Einwohner Braunschweigs großzügig. Obwohl das Wetter selbst nicht immer mitspielte, haben die Organisatoren vieler Events interessante Freizeitangebote vorbereitet. Zu ihnen gehörte das Kunstprojekt „Gemeinsam im Tanzschritt“, das vom Deutsch-Polnischen Hilfsverein POLDEH in Kooperation mit frauenBunt e.V. und der finanziellen Unterstützung der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung durchgeführt wurde. Gerichtet war es an alle Kunst- und Tanzliebhaber, besonders jedoch an alle Personen mit körperlichen Einschränkungen.

Man könnte denken, dass es nicht möglich ist, den Tanz mit einer körperlichen Einschränkung zu verbinden. Dies ist völlig irreführend, wie dieses Projekt zeigte. Seine Leiterin hatte selbst einen Unfall und trotz ihrer daraus resultierenden Knieprobleme tanzt sie immer noch. Zum Projekt lud sie eine polnische Tänzerin ein, die auch eine ähnliche Geschichte hat und trotz ihrer gesundheitlichen Probleme nicht nur professionell tanzt, sondern auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu Tanzaktivitäten motiviert. Die organisierten Events waren an Menschen verschiedenen Alters gerichtet. Das beste Beispiel dafür waren Flamencoworkshops, während derer man den Tanz lernte, für die ein reiferes Alter von Vorteil ist.

Das Projekt „Gemeinsam im Tanzschritt“ wurde flankiert von einer Ausstellung mit Bildern von Sophie Delest: „Tanzende Bilder“. Anders als für viele Künstler steht für sie nicht ein Moment im Zentrum ihres Interesses, sondern eine Bewegung. „Panta rei“ bringt die Idee der Veränderung der Welt zum Ausdruck, so wie die Bewegung im Tanz. Ihre Gemälde zeigen nicht einen bestimmten Moment, sondern sie beginnen quasi selbst zu tanzen, weil sie aufgrund ihrer Mehrteiligkeit in unterschiedlichen Konstellationen aufgehängt werden können. Sie drücken die Sehnsucht der Künstlerin nach dem Tanz aus, dessen Ausbildung sie nach ihrem Unfall unterbrechen musste. Mit Hilfe einer gewissen Metapher zeigen sie, dass es nicht immer möglich ist, alle gewünschten Figuren zu erreichen, sei es aufgrund eines gesundheitlichen Problems oder einer natürlichen Einschränkung des Körpers. Wie das Skelett den menschlichen Körper beschränkt, so spielen hier Leinwände eine solche Rolle und ermöglichen den Figuren nicht alle Bewegungen. Interessant ist, dass das Ziel der Bilder nicht ist, die Realität widerzuspiegeln, obwohl die Künstlerin sich für eine realistische Art des Malens entschieden hat, sondern eine neue Tanzdimension, die aus der Welt der Malerei entsteht.

Diese Idee, nach neuen Tanzformen zu suchen, die zugänglich für jeden sind, unabhängig von seinem Gesundheitszustand, war das Motto aller Begleitevents. Alle Tanzworkshops mit Małgorzata Wilczyńska wie auch die Tanztreffen mit Sophie Delest, die in Form eines zwischenkulturellen Tanzaustausches organisiert worden sind, wurden so vorbereitet, dass jeder, sogar Personen in Rollstühlen oder mit Krücken, daran teilnehmen konnten. Gleichzeitig waren diese Workshops eine wunderbare Reise durch verschiedene Länder und ihre Kulturen. Die Projektteilnehmer kamen aus fünf Kontinenten und die angebotenen Veranstaltungen zeigten sich als eine wunderbare Form der multikulturellen Integration. Die Teilnehmer begannen, ein größeres Verständnis für die Körpersprache in verschiedenen Kulturkreisen wie auch für die durch den Tanz mitteilten Informationen zu bekommen. Als Zusammenfassung des Gesamtprojekts hielt die Künstlerin eine Vorlesung mit anschließender Diskussion zum Thema „Tanzgeschichte und ihre unterschiedlichen Definitionen in verschiedenen Tanzkreisen wie auch in der Kunstwelt“. Um die tatsächlichen Möglichkeiten dieser tlw. unkonventionellen Tanzideen zu zeigen, haben die Zuhörer zum Schluss gemeinsam eine Choreografie erarbeitet, die auf diesen Ideen basierte.

Der Tanz ist neben der Performance eine der lebendigsten Kunstformen. Er ist eine Verwirklichung des Dialogs zwischen Körper und Geist. „Der Tanz ist eine flüchtige, in der Zeit beschränkte Ausdrucksform, die in einer gegebenen Form und in einem gegebenen Stil durch den menschlichen Körper in einem bestimmten Raum ausgeübt wird” (Świadomość ruchu. Teksty o tańcu współczesnym, red. Jadwiga Majewska, Kraków 2013).

Der Mensch kann sich dank seines kinästhetischen Systems bewegen, dessen Funktionsweise viele Elemente beinhaltet: Skelett, Gewebe, zirkulierende Flüssigkeiten und Rezeptoren an der Haut. Die kinästhetischen Möglichkeiten hängen zum großen Teil von der bewussten Wahrnehmung des eigenen Körpers ab und nicht, wie man vermuten könnte, von der Geschicklichkeit. Der Tänzer bewegt sich nach seinen Emotionen bzw. nach einer Intention.

Aus diesem Grund ist der Tanz in seiner Natur jedem Menschen nah, weil jeder zu irgendeiner Zeit seines Lebens eine gewisse Form des Tanzes erfahren hat, seien es spontane Bewegungen als Kind, der Tanz in der Disco als Jugendlicher oder erlernte Tänze im Rahmen der eigenen Kultur.

Sophie Delest präsentierte nicht nur den Tanz als zentrales Element der menschlichen Kultur, sondern eröffnete für jeden diese Aktivität neu. Die angebotenen Workshops entsprachen der die individuelle Menschenentwicklung inspirierende Maxime von Johann Wolfgang von Goethe: „Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“ Wenn man die Komplexität des Projekts von Sophie Delest betrachtet, so erkennt man, dass seine Teilnehmer diese Idee vollkommen verwirklicht haben.

                                                                                               

Agnieszka Kompanicka Dyczko

Übersetzt von: K. und A. Moser

Fotos: R. Sadłowska

Małgorzata Wilczyńska – polnische Tänzerin, Tanzinstruktorin, Organisatorin des Internationalen Festivals der spanischen Kultur „Viva Flamenco”, Model und Ärztin von Beruf.

Sophie Delest – polnische Künstlerin, Germanistin. Leidenschaftliche Kulturbildnerin. Übersetzerin und Expertin in interkultureller Kommunikation.

pecjalistka w komunikacji międzynarodowej.

 

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