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Vom 6. bis 8. November 2020 lud das EMiGRA-Festival zum achten Mal Polen in Polen und im Ausland zu einer Filmreise rund um die Welt ein, aber diesmal ist es die erste Online-Filmreise. Für unsere Landsleute im Ausland organisierten wir ausländische Sonderausgaben von 8 EMiGRA - 21.11.20 - EMiGRA Lviv, 28.11.20 - EMiGRA Chicago, 5.12.20 - EMiGRA Berlin, 12.12.20 - EMiGRA London und 13.12.20 - EMiGRA Vilnius.

Programm des 8. Festivals EMiGRA 2020 Berlin ONLINE

SprachCafe Polnisch Berlin - www.emigra.com.pl

5. Dezember 2020 - Samstag - 15.00 - 23.00

 

Willkommen zum Wochenende mit dem 8. EMiGRA 2020 Festival online -

12. Dezember in London und 13. Dezember

in  Wilno www.emigra.com.pl 

Direktor des Festivals

Agata Lewandowski

 

Deutsch-Polnischer Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis 2021 mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 25.000 Euro ausgelobt – Woiwodschaft Westpommern stiftet den Preis „Journalismus in der Grenzregion“ – Anmeldefrist: 31. Januar 2021

Der Wettbewerb um den Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis ist eröffnet. Erneut sind Preisgelder in Höhe von insgesamt 25.000 Euro ausgelobt. Beiträge können in den folgenden Kategorien eingereicht werden: Print, Hörfunk, Fernsehen, Multimedia und „Journalismus in der Grenzregion“. Die Sieger werden nach bisheriger Planung bei der Gala am 27. Mai 2021 in Stettin prämiert. Die Medientage finden, wenn die epidemische Lage es zulässt, am 27./28. Mai 2021 statt.

Die eingereichten Veröffentlichungen sollen das Zusammenleben in der Europäischen Union fördern. In den Beiträgen können sämtliche Aspekte des deutsch-polnischen Verhältnisses thematisiert werden. Besonders erwünscht sind Beiträge mit einem Bezug zur aktuellen Entwicklung im Nachbarland. Aber auch Artikel und Sendungen, die sich mit der schwierigen gemeinsamen Geschichte auseinandersetzen, haben eine Chance, prämiert zu werden. Die Organisatoren erinnern an die seit dem vorangegangenen Wettbewerb gegebene Möglichkeit, mehrere Beiträge für den Wettbewerb einzureichen – wie es die Teilnahmebedingungen vorsehen. Frist für die Einreichung von Wettbewerbsbeiträgen ist der 31. Januar 2021.

Olgierd Geblewicz, Marschall der gastgebenden Woiwodschaft Westpommern, erklärte heute anlässlich der Auslobung des Wettbewerbs: „In diesem Jahr war der Deutsch-Polnische Journalistenpreis sehr begehrt – 181 Werke wurden im Wettbewerb eingereicht. Schade, dass die epidemiologische Lage direkte Treffen zu den Medientagen durchkreuzte. Die Diskussionen, der Erfahrungsaustausch und die Workshops wurden in den virtuellen Raum übertragen. Wir wissen aber genau, dass dies die direkten Beziehungen nicht ersetzen kann. Deshalb hoffe ich sehr, dass die nächste Auflage des Wettbewerbs trotz aller Schwierigkeiten auf gleichermaßen große Resonanz stößt. Es gibt viele Themen – uns scheint sogar, dass diese schwierigen, anspruchsvollen Zeiten der Pandemie neue journalistischen Themen bieten. Die Medientage werden in Stettin stattfinden. Wenn das Coronavirus es zulässt, sehen wir uns in der wunderschönen Hauptstadt Westpommerns. Ich lade Sie zur Teilnahme herzlich ein!"

Stifter des Deutsch-Polnischen Journalistenpreises 2021 sind die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die sechs Partnerregionen: die drei Woiwodschaften – Westpommern, Lebus und Niederschlesien – und die drei Bundesländer – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Freistaat Sachsen. Der Sonderpreis „Journalismus in der Grenzregion“ wird durch die Woiwodschaft Westpommern gestiftet. Die Robert Bosch Stiftung unterstützte den Preis von 2007 bis 2019.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können ihre Beiträge in allen Kategorien über das Online-Registrierungssystem anmelden.

Die aktuellen Teilnahmebedingungen, das Online-Bewerbungsformular sowie weitere Möglichkeiten der Einreichung von Beiträgen finden Sie auf der Webseite des Preises: http://medientage.org/kategorie-teilnahmebedingungen-2021,523.html.

Kontaktdaten bezüglich der deutschen Beiträge:

Frieda Pirnbaum

Büro des Deutsch-Polnischen Journalistenpreises

Tadeusz-Mazowiecki

Sächsische Staatskanzlei

Archivstraße 1, 01097 Dresden
Tel.: + 49 351 81609-48

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Kontaktdaten bezüglich der polnischen Beiträge:

Magdalena Przedmojska

koordynatorka projektów
Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej

ul. Zielna 37, 00-108 Warszawa
Tel.: + 48 (22) 338 62 73
Fax: + 48 (22) 338 62 01
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Politische Meilensteine in den deutsch-polnischen Beziehungen Anlässlich des 50. Jahrestags blickt ein Online-Symposiumam 7. Dezember 2020 um 11:00 Uhr auf die historischeund aktuelle Bedeutung der beiden Ereignisse.

Das Bild vom knienden Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos ist als Ikone in das politische Gedächtnis eingegangen. Und auch der am gleichen Tag unterzeichnete Warschauer Vertrag markiert einen Meilenstein in den deutsch-polnischen Beziehungen, aber ebenso eine Kreuzung ganz unterschiedlicher Entwicklungspfade, ist Endpunkt und Neuauftakt zugleich.

Das Online-Symposium setzt sich mit den verschiedenen Perspektiven auf diese Ereignisse auseinander und fragt darüber hinaus nach ihrer Relevanz für aktuelle politische Herausforderungen: Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der westdeutschen, ostdeutschen und polnischen Perspektiven auf den Kniefall und auf den Warschauer Vertrag, und wie haben sich diese Perspektiven im Laufe der Zeit verändert? Welche Bedeutung kommt dem Kniefall heute noch für die deutsch-polnischen Beziehungen zu, auch im Hinblick auf aktuelle historische Streitfragen? Welchen Stellenwert besitzt der Warschauer Vertrag als wichtiger Bestandteil der Entspannungspolitik gegenwärtig als Modell für den Umgang mit Spannungen und Interessengegensätzen in Europa?

Das Symposium wird eröffnet vom ehemaligen polnischen Präsidenten Aleksander Kwaśniewski und vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Zu den weiteren Diskutanten zählen Nils Schmid MdB, der Sejm-Abgeordnete Andrzej Szejna, der ehemalige polnische Außenminister Adam Daniel Rotfeld sowie der ehemalige Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit und MdB Karsten Voigt. Die Veranstaltung wird gemeinsam organisiert von der Aleksander-Kwaśniewski-Stiftung „Amicus Europae“, der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, dem Deutschen Polen-Institut und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Polen.

Die Veranstaltung wird in deutscher und polnischer Sprache simultan gedolmetscht:

DEUTSCH: www.facebook.com/deutschespoleninstitut/

POLNISCH: www.facebook.com/FESWarschau

ORIGINAL (ohne Übersetzung): https://zoom.us/webinar/register/WN_A9DoauTwSwWvxIQSBHrThQ (Anmeldung erforderlich, begrenzte Teilnehmerzahl)

 

Weitere Informationen zum Online-Symposium finden Sie unter www.deutsches-polen-institut.de/willy-brandts-kniefall-und-der-warschauer-vertrag

Nordrhein-Westfalen ist eine Kulturlandschaft, in die, das Polnische seit dem 19. Jahrhundert eingeschrieben ist. Polinnen und Polen sind ein integraler Bestandteil von Nordrhein-Westfalen. Integration kommt vom lateinischen "Verschmelzen". Die polnischen Frauen haben ihre Kräfte und Ressourcen gebündelt und werden sich nun zum Wohle der Migrantinnen und Migranten in NRW einsetzen.

Joanna Szymanska:"Wir werden hier und jetzt arbeiten: in Aachen, Dorsten, Düsseldorf Essen, Köln, Münster und schließlich in Nordrhein-Westfalen. Hier leben wir, hier arbeiten wir, hier gründen wir Familien, hier gehen unsere Kinder in Kindergärten und Schulen, hier zahlen wir endlich Steuern – aus den u.a. die Integrationsräte finanziert werden. Integrationsräte denen wir seit dem 13.09 angehören!  Wir, Frauen, Migrantinnen polnischer Herkunft, jede aus einer anderen Stadt in Polen und jede aktiv in einer anderen Stadt in Deutschland. Scheinbar unbekannt und doch so nah zueinander, nahe beieinander durch das Prisma der kulturellen Identität und das Bedürfnis der bürgerlichen Partizipation" - Joanna Szymanska, neu gewähltes Mitglied des Aachener Integrationsrates, Liste: „Info-Point. Bürgerinnen und Bürger für Aachen“. Projektleiterin des Info-Points Polregio - Netzwerk Sozialer Strukturen in NRW - Maßnahme zur Stärkung der Kompetenzen von Auslands-Polen – ein Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe, Partizipation und Integration für Menschen mit polnischem Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen“. 

Partizipation und strukturelle Integration sind der Pfeiler, die Mission und das unbedingte "must have" dieses Projekts, das seit 2019 realisiert wird.  In der Tat legt dieses Projekt den Grundstein für das, was wir gemeinsam erreicht haben, der Info-Point war der Ausgangspunkt. Joanna Szymanska lebt seit Mitte 2017 in Aachen, Politikwissenschaftlerin und Sprachwissenschaftlerin, Trainerin und Coach, derzeit Doktorandin an der RWTH Aachen in der Fakultät für Politikwissenschaft, mit der Leidenschaft und dem Grundbedürfnis von Sozialpolitikern, Ioans Ehefrau, Mama von Zosia und Józefinka.

 Joanna Dziekan-Elies: "Integrationsratswahlen haben in Deutschland eine fast 50-jährige Tradition. In meiner Stadt Dorsten, fanden sie allerdings zum ersten Mal statt. Ich lebe seit über 22 Jahren in Dorsten, einer Stadt mit etwa 88.000 Einwohnern. Ich lebe in Dorsten lautlos. Die Informationen über die Projekte der Stadt für Migrantinnen und Migranten haben mich nie direkt beschäftigt; die Medien haben darüber kaum berichtet – somit war alles unsichtbar, auch ich war unsichtbar.

Ich arbeite seit 19 Jahren als Erzieherin, mit jungen Menschen. Seit 19 Jahren arbeitete ich interkulturell, ich weiß, dass wir Migrantinnen und Migranten ein großes Potenzial und eine große Kraft haben, um die Migrationspolitik, die Kultur- und Sozialpolitik der Städte, in denen wir leben, zu beeinflussen. Gerade diese Gelegenheit wollte ich nicht verpassen. Als unabhängige Kandidatin für den Dorstener Integrationsrat wollte ich uns Migrantinnen und Migranten als Ressourcen zeigen, und nicht die Problembereiche Deutschlands. Aus dem Schatten tretend, zeigen wir die vielen Facetten der Migrantinnen und Migranten, die seit Jahren in Deutschland leben. Sehr viele von uns sind in verantwortungsvollen Berufen tätig und tragen unermüdlich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Unsere Teilnahme an den Integrationsratswahlen zeigt unterschiedliche nationale Identitäten und spiegelt den multikulturellen Querschnitt der Gesellschaft wider. In Dorsten habe ich als einzige Vertreterin der EU-Länder die Ehre, das Gesicht Europas zu sein" - Joanna Dziekan-Elies, Mitglied des Dorstener Integrationsrates.

Karolina Chadzińska, neu gewähltes Mitglied des Düsseldorfer Integrationsrates für die Liste „Info-Point. Polen in Düsseldorf“. Sie ist ausgebildete und leidenschaftliche Deustchlehrerin und die Früh- und Vorschulpädagogin, seit September Koordinatorin des "Info-Point Polregio" in Düsseldorf. Privat eine glückliche Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern.

"Meine berufliche Laufbahn war immer mit der deutschen Sprache verbunden. Als 22-jähriges Mädchen begann ich im Ausland als Übersetzerin für Deutsch zu arbeiten. Im Juni 2019 sind wir mit der ganzen Familie nach Düsseldorf gezogen. Kurz bevor wir aufbrachen, wusste ich, dass ich hier auf eine Mission gehen würde - "Ich will helfen! Im Juli 2020 beendete ich die Arbeit an meinem ersten Buch "Nach Deutschland... Und wie geht es weiter?", das eine Sammlung meiner eigenen Gedanken und wertvoller Ratschläge ist und für diejenigen geschrieben wurde, die planen, nach Deutschland umzuziehen.

Für mich ist es besonders wichtig, dass Migrantinnen und Migranten ihre Rechte kennen, wissen, wo sie Hilfe bekommen können, Zugang zu Broschüren in ihrer Muttersprache haben und Zugang zu Sprachkursen haben. Auch das Thema Alleinerziehende, denen geholfen werden sollte, kann mir nicht gleichgültig sein. Um unser Leben hier besser zu machen!

"Der Erfolg unserer Wahllisten ist der Beginn einer Politik von neuer Qualität und deutlicherer Präsenz polnischer Migrantinnen und Migranten in der Kommunalpolitik. In Essen haben alle 5 Listenmitglieder zu diesem Erfolg beigetragen - ohne den parteipolitischen Hintergrund und dementsprechend Parteibudget.  Es ist uns gelungen unabhängige Listen zu erstellen, bestehend aus dialogbereiten Menschen, die erfolgreich in die Integrationsräte eingetreten sind und werden Stimme aller Migrantinnen und Migranten sein.

Die Info-Point-Listen führten eine Kampagne unter dem Motto: "Wir wollen Ihre Stimme in unserer Stadt sein". Und dies fasst die Annahmen, die wir für diese Amtszeit haben, am besten zusammen.

Das Projekt "Info-Point" hat uns bewusst gemacht, mit wie vielen und vielfältigen Problemen unsere Landsleute konfrontiert sind. In jedem Fall stehen andere Einwanderergruppen vor ähnlichen Schwierigkeiten. Deshalb glauben wir fest daran, dass wir viele dieser Probleme durch Dialog lösen können, vor allem durch Mitgestaltung dieser Lösungen, durch Teilnahme hier und jetzt.

Magdalena Kowalska, neu gewähltes Mitglied des Integrationsrates für die Info-Point-Liste. Polinnen und Polen für Essen.

Magdalena Kowalska - Koordinatorin des Info-Point Polregio in Essen. Politikwissenschaftlerin von Ausbildung, Marketing- und Kommunikationsspezialistin von Beruf, mit über zehn Jahren Erfahrung im Bereich Marketing, Kommunikation und Social Media in vielen Branchen (u.a. FMCG, chemische Industrie, E-Commerce, Personalvermittlung, Marketing Service).

Privat eine Mutter und Ehefrau, eine Bewunderin von Antiquitäten und der Zero-Waste-Philosophie. "Ich kam aus Liebe nach Deutschland, als mein Mann ein lukratives Jobangebot in Essen bekam, um die Familie zusammenzuhalten. Aber ich habe hier ebenso meinen Platz gefunden".

Anna Klimaszewska-Golan, LL.M., polnisch-deutsche Juristin, seit 20 Jahren in Köln, Sozialaktivistin, Koordinatorin des "Info-Point- Köln", neu gewähltes Mitglied des Integrationsrates der Stadt Köln im Namen der Polnisch-Deutschen Liste.

"Was wir gemeinsam in nur 6 Wochen des Informations- und Wahlkampfes erreicht haben, ist ein großer Erfolg, der dem gesamten Team des Info-Point Polregio zu verdanken ist. Das Ziel unseres Projekts ist es, ein Pilotunterstützungsangebot zu schaffen, das auf dem Fachwissen von Experten aus den Bereichen z.B. Recht, Linguistik, Psychologie, Sozialpädagogik usw. basiert. Wir helfen Polinnen und  Polen in vielen Bereichen, hier in Nordrhein-Westfalen sind es rund 800.000. Soziale Probleme betreffen uns alle und betreffen alle Bereiche des täglichen Lebens, von mangelnden Deutschkenntnissen, Arbeitsfragen, Behördenangelegenheiten, Arbeitslosigkeit, Problemen bei der Ausbildung von Kindern, Versicherungen, mangelnder Anerkennung von Diplomen bis hin zu Problemen im Alter - mangelnde medizinische und soziale Versorgung und viele andere. Hinzu kommt, dass Frauen, die nicht erwerbstätig sind, in einer schrecklichen Lage sind und es ihnen an Kenntnissen der deutschen Sprache mangelt, wenn auch nur in geringem Maße. Man muss uns endlich zuhören, aber es ist harte soziale und freiwillige Arbeit, Schritt für Schritt, aber sicherlich auf den Punkt gebracht" - Anna Klimaszewska-Golan.

"Mein Name ist Beata Arabasz und ich komme aus Bydgoszcz. Vor 20 Jahren habe ich Münster für meine neue Heimat gewählt. Dort wurde ich zum zweiten Mal im Namen der Liste „Gemeinsam“ für den Integrationsrat der Stadt Münster gewählt. Ich habe mich entschieden, zur Wahl zu kandidieren, weil es für mich wichtig ist, dass Polinnen und Polen im Ausland wieder positiv wahrgenommen werden. Ich möchte auch Frauen vertreten.

Es ist eine Priorität, dass Einwandererfamilien die gleichen Bildungschancen haben und der Stadtrat mehr gut ausgebildete Migranten beschäftigt.

Ich möchte, dass Münster eine offenere Stadt ist, ohne Rassismus und Ausländerhass. Ich werde mein Bestes tun, um sicherzustellen, dass jeder, der Münster für seine neue Heimat wählt, sich im obigen Sinn fühlt.

Ich vertrete alle Migrantinnen und Migranten in Münster, aber das Wohl der Polinnen und Polen liegt mir am meisten am Herzen. Ich möchte, dass in den nächsten 5 Jahren meiner Amtszeit mehr polnische Kulturveranstaltungen und Treffen im Sinne politischer Bildung in der Stadt stattfinden. Ich hoffe, dass es in den beratenden Ausschüssen auch Polinnen und Polen geben wird! - Beata Arabasz, Mitglied des Integrationsrates von Münster im Namen der Liste „Gemeinsam“.

Fwpn termin2020

Die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit schätzt die deutschen und polnischen Journalisten und Journalistinnen, die insbesondere heute zur besseren Kondition unserer Gesellschaft beitragen. Das Ziel der Ausschreibung ist die Förderung von Journalisten und Journalistinnen, deren Arbeiten die Deutschen und Polen auf neue Herausforderungen vorbereiten und einen Beitrag zur Qualität der deutsch-polnischen Beziehungen leisten.

Bewerbungsfrist: 20. November 2020

Die Einladung richtet sich an deutsche und polnische Journalisten und Journalistinnen, die Artikel oder Reportagen (in Presse, Radio, Internet, Fernsehen), Fotoreportagen oder Bücher insbesondere zu folgenden Themenbereichen vorbereiten:

  • neue Herausforderungen für deutsch-polnische Zusammenarbeit in der neuen politisch-gesellschaftlichen Situation in Europa und in der Welt;
  • Zivilgesellschaft in Europa;
  • Alltag der Zusammenarbeit in Grenzgebieten;
  • ökologisches Bewusstsein, auch im Kontext der europäischen Energiepolitik

Die finanzielle Unterstützung kann Recherchekosten zu Zeitungsartikeln, Büchern, Radio- oder Fernsehreportagen sowie Internetpublikationen in Deutschland, Polen oder deren Nachbarländern decken.

Am Wettbewerb können Journalisten und Journalistinnen mit Berufserfahrung, die ihren festen Wohnsitz in Deutschland oder Polen haben, teilnehmen.

Das Stipendium beträgt maximal 2 500,-€ (die Höhe ist abhängig von der Art der Recherche).

Erforderliche Dokumente für einen Stipendienantrag:

  • Lebenslauf und eine prägnante Publikation;
  • Konzeption des geplanten Vorhabens (max. 4 000 Zeichen);
  • Rechercheplan (max. 2 000 Zeichen);
  • Kostenplan

Die Unterlagen können in deutscher oder polnischer Sprache eingereicht werden. 

Unterlagen sind – ausschließlich in elektronischer Form – bis zum 20. November 2020 an folgende Adresse zu richten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frau Joanna Czudec: Tel.: +48 22 338 62 65, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

"Journalismus in der Krise. Online-Kommunikation als Weg zur Stärkung von Polonia?" ist das Thema eines Workshops, den Polregio e.V. aus Aachen, am ersten Oktoberwochenende dieses Jahres am GSI in Bonn organisiert hat. Gast des Workshops war Thorsten Klute, der Beauftragte für Polonia im Land Nordrhein Westfalen.

Ziel des diesjährigen Workshops war es, die soziale und mediale Situation der polnischen Gemeinschaft vorzustellen und die Forderungen des Kongresses der jungen polnischen Gemeinschaft 2019 zu evaluieren. Im Hinblick auf die Pandemieeinschränkungen wurde das Online-Medienangebot und seine Nutzung für die Partizipation und Vernetzung der polnischen Gemeinschaft diskutiert.

Die aktuellen Möglichkeiten des Polnischunterrichts an den Schulen im Rahmen der so genannten HSU wurden von Anieszka Siemasz-Kałuża und Grażyna Schuffker-Kamień vorgestellt und der Aktionsplan der "Konferenz d.s.Języka Polskiego" für die einzelnen Bundesländer diskutiert.

Am Beispiel der Initiative "Info-Point-Polregio in NRW" stellte Joanna Szymańska das Thema Bürgerbeteiligung in öffentlichen Gremien und die Einbindung der polnischen Gemeinschaft in das politische Leben in Deutschland vor. Barbara Lange von der Frankfurter Initiative "Give a Sign" skizzierte das Programm des Wahlkampfes zur hessischen Landtagswahl 2021.

Während des Workshops wurden die Teilnehmerinnen mit einer Frage zu Social Media konfrontiert. Sie lernten die Kommunikationsformen und -strategien von Dr. Adrianna Tomaczak in ihrem Blog "Emigration for Success" kennen, in dem sie die Profile polnischer Frauen im Exil präsentiert und versucht, eine Definition zu erstellen, wer die Empfängerinnen der Blogs sind.

Im Rahmen des Workshops wurden zwei Medienprojekte vorgestellt, die aus der Vereinbarung "Runder Tisch" vom 10. Juni 2014 hervorgegangen sind: Das von Dr. Jacek Barski gegründete Portal "Porta Polonica", das die historische Präsenz der Polen in Deutschland dokumentiert, wurde von Dr. Katarzyna Salski vorgestellt. Dann stellten der Präsident von "Polregio" und der Herausgeber von "Polonia Viva" Wiesław Lewicki eine Bewertung des Internetauftritts der polnischen Gemeinschaft in Deutschland vor.

Magdalena Kowalska führte die Teilnehmer in die Geheimnisse von Facebook für Fortgeschrittene ein und wies auf die Vorteile der Kommunikation von FB-Gruppen und die Risiken des Datenmissbrauchs für kommerzielle Zwecke hin.

An beiden Abenden des Workshops gab es lebhafte Diskussionen zum Thema gefälschte Nachrichten, geleitet von Jacek Tyblewski, Chefredakteur von COSMO "Radio auf Polnisch", und Dr. Kamila Scholl-Mazurek vom polnischen Sozialrat in Berlin stellte soziale und gesellschaftliche Projekte auf Bundesebene vor.

Anna Golan, LL.M. Prawnik polsko-niemiecki / Köln, 02.11.2020

Projekt wurde gefördert durch:

 

Der November ist ein besonderer Monat, in dem wir nicht nur der Angehörigen der Verstorbenen gedenken, sondern auch während der Spaziergänge durch die Friedhofsgassen werden wir von den Reflexionen über unseren eigenen Tod überwältigt. Nachstehend ein Interview mit Claudia Daniel, Sozialarbeiterin in einem Altersheim, Absolventin des Ausbildungskurses "Begleitung des Todes".

Was hat Sie dazu bewogen, einen solchen Kurs zu belegen?

Meine Betreuten sind Menschen, die den letzten Abschnitt ihres Lebens in einem Pflegeheim verbringen. Es ist sehr schwierig, sich in einer Situation wiederzufinden, die mit dem Tod eines Menschen zusammenhängt. Ich erwartete, dass mir die Ausbildung dabei helfen würde.

Wofür ist das aus dieser Schulung gewonnene Wissen nützlich? Sind Sie ein professioneller "Schrei" danach geworden?

Weinend ist eine Frau, die früher eingestellt wurde, um Verzweiflung zu zeigen und den Tod eines anderen zu betrauern. Meine Arbeit hat offensichtlich nichts mit diesem Verhalten zu tun. Seit achtzehn Jahren begleite ich ältere Menschen, die sich mehr oder weniger bewusst auf den Tod vorbereiten. Oft, wenn der Tod über sie hereinbricht, spüre ich ihr Dahinscheiden, und manchmal vergieße ich eine Träne, aber das ist nicht meine "berufliche Pflicht". Die Ausbildung, an der ich teilgenommen habe, hat mir in der Tat geholfen, die Theorie und die Denkphasen eines auf den Tod wartenden Menschen kennen zu lernen, aber vor allem hat sie mich gelehrt, zwischen dem Wunsch zu helfen und dem Wunsch zu begleiten zu unterscheiden. Heute weiß ich, dass ein Betreuer nicht in der Lage ist, "die Last zu übernehmen", aber er kann mit seiner Anwesenheit helfen.

Was ist diese Präsenz?

Ein Sterbender ist sich selten des Fortschritts der in ihm stattfindenden Veränderungen bewusst und überträgt die einzigen kodierten Botschaften an die Umwelt. Die Begleitperson sollte in der Lage sein, diese Botschaft zu lesen und auf ihr Verhalten anzuwenden. Menschen wollen im Kreise ihrer Lieben sterben, sei es ein Familienmitglied oder jemand, der stark genug ist, diesen letzten Lebensabschnitt gemeinsam mit ihnen zu überwinden. Viele haben Angst vor möglichen körperlichen Schmerzen. Meine Rolle besteht oft darin, seine Hand zu halten, seinen Kopf zu streicheln, sein Gesicht sanft zu berühren, still oder leise zu beten. Manchmal lese ich, manchmal mache ich die Musik. Ich versuche, die Prozesse der Pubertät bis zum Tod zu respektieren.

Und wie war es vor der Teilnahme an dem Kurs? Haben Sie sich schon einmal in den Tod begleitet?

Ich habe sehr unangenehme Erinnerungen daran. Es war ein paar Monate, nachdem ich zu arbeiten begann. Ich ging in das Zimmer, in dem sie im Sterben lag, an Krebs erkrankt. Ich war unvorbereitet und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ich sprach mit ihr über ihre schönen Augen, aber etwas sagte mir, dass sie nicht zuhören wollte. Ich hatte schreckliche Angst vor meiner Hilflosigkeit. Ich verabschiedete mich recht schnell und verließ den Raum. Einige Zeit später unterrichtete ich mit anderen auf derselben Etage, und ich dachte immer wieder an sie, ich wollte immer noch dorthin zurückgehen.... Ich habe es nicht geschafft, sie starb, bevor ich den Unterricht beendet hatte.

Ist sie allein gestorben?

Ja.

Sind Sie jetzt immer mit dem Sterben bis zum Ende dabei?

Meine anderen beruflichen Pflichten lassen das nicht immer zu. Ich kann die anderen Bewohner nicht auf den Unterricht warten lassen und zu der sterbenden Person gehen und bei ihr bleiben. Manchmal ist ein Familienmitglied anwesend. Ich versuche jedoch jeden Tag, in ihr Zimmer zu gehen, und begleite sie wenigstens ein paar Minuten.

Können Sie nach einer solchen Erfahrung normal nach Hause gehen, Abendessen kochen, aufräumen, fernsehen, mit Ihren Haushaltsmitgliedern sprechen?

Das Training, an dem ich teilgenommen habe, hat mir geholfen, mich nicht emotional zu engagieren. Es funktioniert jedoch nicht immer, vor allem dann nicht, wenn jemand stirbt, der mir besonders am Herzen lag. Ich versuche, die Besonderheiten des Altersheims und dieser natürlichen Rotation zu verstehen. Abgesehen von der sterbenden Person warten auch mehrere Dutzend Menschen auf ein Gespräch, Unterricht, ein Lächeln, Trost. Ich habe jedoch oft die Gesichter von Menschen vor Augen, die ich im Sterben begleitete. Dies darf nicht vergessen werden. Dennoch ist es eine starke psychische Belastung.

Sprechen Ihre über achtzigjährigen Bewohner oft über den Tod? Bereiten sie sich darauf vor?

Viele Häftlinge leiden an Demenz. Daher ist der Kontakt mit ihnen schwierig. Diejenigen, die sich dessen voll bewusst sind, sprechen natürlich darüber, wer gestorben ist und wer "noch" um sie herum lebt. Sie beziehen sich jedoch selten auf den Tod in Bezug auf sich selbst. Sie sprechen oft davon, dass diese 80 Jahre wie ein Wimpernschlag vergangen sind. Sie erinnern sich daran und reflektieren darüber.

Sagen sie, wie sie gerne sterben würden?

Manchmal äußern sie nur den Wunsch, der Tod möge in einem Traum zu ihnen kommen, ohne Schmerz, ohne Bewusstsein und ohne Leiden.

Halten Sie sich für eine starke Person im Angesicht des Todes eines anderen? Können Sie spüren, wenn er sich nähert?

Bei älteren Menschen können Sie einige Symptome des nahenden Todes sehen. Ich arbeite in einem Altersheim, deshalb begleite ich immer wieder Menschen, die ihr Leben bereits erfüllt haben. Ich spüre die Kraft, sie in diesem letzten Akt zu unterstützen.

Unterscheidet sich das Sterben voneinander? Ist Ihr Verhalten bei verschiedenen Menschen unterschiedlich?

Das Sterben ist fast immer dasselbe. Es ist ein Akt des langsamen Dahinscheidens. Auch meine Begleitschaft ist immer die gleiche. Ich bin anwesend und versuche, die Kraft zu haben, an diesem Punkt zu schweigen und die Sterbenden nicht zu stören. Ein Mann in den letzten Geistesblitzen fühlt meine Hand und drückt sie zusammen... als ob diese Berührung oder diese Anwesenheit seine letzte Hoffnung wäre. Ich bin ihm in diesem Augenblick am nächsten.

Denken Sie auch an Ihren Tod?

Ich weiß, dass ich nicht allein weggehen will.

 

Interview von Leonard Paszek

Wenn Tausende von Frauen und Männern auf die Straße gehen und die Medien über die Proteste in Polen schreiben, wollen wir unsere Empörung mit der ganzen Welt teilen. Aber wie können wir unseren Freunden aus dem Ausland erklären, was in Polen tatsächlich geschieht? Wenn Ausländer uns fragen, was los ist? Bis zu welchem Punkt in der Geschichte müssen wir in unserer Erzählung zurückgehen, um die Gefahr zu erklären, in der sich die polnischen Frauen befinden?

Wahrscheinlich lohnt es sich, mit der Lösung von 1993 zu beginnen, die unter Schmerzen, inmitten der Protestschreie und Streitigkeiten erreicht wurde, als der so genannte Abtreibungskompromiss erreicht wurde. In einem Land, in dem sich eine große Mehrheit zum Katholizismus bekennt, war diese Lösung schwer zu erreichen. Aber es hat funktioniert. Und so hatten polnische Frauen mehrere Dutzend Jahre lang in 3 Fällen die Möglichkeit, ihre Schwangerschaft abzubrechen:

   -  wenn die Schwangerschaft eine Bedrohung für das Leben oder die Gesundheit der Frau darstellt (ohne jegliche Einschränkungen aufgrund des Alters des Fötus)

   -  wenn Forschungsergebnisse oder andere medizinische Indikationen auf eine hohe Wahrscheinlichkeit einer schweren und irreversiblen Beeinträchtigung des Fötus oder einer unheilbaren lebensbedrohlichen Krankheit hinweisen (bis der Fötus in der Lage ist, außerhalb des Körpers der schwangeren Frau selbständig zu leben),

   -  wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass die Schwangerschaft das Ergebnis einer kriminellen Handlung ist (bis zu 12 Wochen ab Beginn der Schwangerschaft)

Es ist erwähnenswert, dass sich die medizinische Diagnostik im Laufe der Jahre sehr weiterentwickelt hat und wir heute mit 100%iger Sicherheit sagen können, ob der Fötus geschädigt ist und schwere genetische Defekte hat.

Im Laufe der Jahre haben verschiedene Regierungen versucht, entweder das Gesetz  zu verschärfen, oder auch  das Gesetz zu liberalisieren. Aber keiner der beiden Seiten ist es gelungen. Bis dato. Die Regierungspartei und ihre Anhänger nach erfolglosen Versuchen, das Abtreibungsgesetz in Polen zu verschärfen, beschlossen, den parlamentarischen Weg zu umgehen und statt der gesetzgebenden Gewalt die Justiz einzusetzen.

Nach der umstrittenen und von den Verfassungsrechtlern angefochtenen Änderung der Zusammensetzung der Richter im Verfassungsgerichtshof und nachdem im Verfassungsgericht u.a. die umstrittene Abgeordnete Pawłowicz oder die Ehefrau des polnischen Botschafters in Berlin, Richterin Przyłębska (vielen polnischen Aktivisten und Organisationen bekannt), vertreten waren, sollte der Erfolg dieses Verfahrens gewährleistet werden.

So gelang es der Regierungspartei am 22. Oktober 2020, ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes (TK) herbeizuführen, in dem festgestellt wird, dass die Bestimmungen über den so genannten Schwangerschaftsabbruch bei Verdacht auf Krankheit oder Behinderung eines Kindes (Gesetz von 1993) mit der polnischen Verfassung von 1997 unvereinbar sind. Der Antrag, sie für illegal zu erklären, wurde dem TK von einer Gruppe von Mitgliedern von PiS vorgelegt. Das Urteil wurde von einer Mehrheit der Richter des TK gefällt.

Wir kennen den allgemeinen Kontext. Und was bedeutet das Urteil der TK für Frauen (und nicht nur)?  Dass Frauen auf subjektive Weise behandelt wurden, dass ihnen das Recht auf Entscheidung, auf Selbstbestimmung auch in den dramatischsten Fällen schwerer und irreversibler Beeinträchtigung des Fötus vorenthalten wurde. Frauen werden zur Geburt gezwungen, auch wenn es keine Chance auf einen deformierten, schwer kranken Fötus gibt.

Und hier kommt der im Internet kursierende Begriff: "Die Hölle der Frauen.“  Die Frauen werden zu einer heroischen Haltung gezwungen - unabhängig vom Zustand des Fötus (Hirn- und Schädellosigkeit, Vegetation, Mangel an grundlegenden inneren Organen usw.); die Schwangerschaft soll mit einer Geburt beendet werden, die Schwangerschaft     ist auszutragen, egal was. Selbst wenn das Baby schon lange tot ist oder nicht in der Lage ist, die Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten, stirbt es (oft unter Schmerzen!) innerhalb von Minuten, Stunden, vielleicht Tage nach der Geburt…

Die öffentliche Meinung wird durch die Propaganda der Regierung genährt, den Kampf gegen eugenische Abtreibung zu gewinnen (def. Eugenik: Verbesserung nachfolgender Generationen und Ausschluss "schwacher" Gene durch Artenselektion), und es geht um den Abbruch der Schwangerschaft aus embryologischen Gründen - wegen schwerer, irreversibler Defekte des Fötus oder einer lebensbedrohlichen Krankheit.

Und Achtung! - Eine Behinderung kann, wie u.a. von der Föderation für Frauen und Familienplanung hervorgehoben wurde, eine Folge einer irreversiblen Schädigung des Fötus sein, ist aber nach dem Gesetz keine eigenständige Abtreibungsprämisse.

Gemäß der Verfassung hat jeder Mensch das Recht auf Gesundheitsschutz, einschließlich der psychischen Gesundheit. Frauen zu zwingen, eine Schwangerschaft auszutragen und ein Kind zur Welt zu bringen, das keine oder nur geringe Überlebenschancen hat und oft Schmerzen hat, verursacht Traumata und langfristiges psychisches Leiden. Die Verfassung sieht auch das Verbot von Folter und erniedrigender unmenschlicher Behandlung vor. Darüber hinaus ist Polen Unterzeichner internationaler Abkommen, darunter der Europäischen Menschenrechtskonvention, so dass es seine eigenen Vorschriften nicht in einer Weise gestalten kann, die der anerkannten Rechtsordnung widerspricht. Der polnische Staat untersteht der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und ist verpflichtet, die Urteile des Gerichtshofs zu vollstrecken.

Trotzdem werden die Polinnen durch das Urteil des Gerichtshofs dieser Rechte beraubt. Und die Perspektive von Frauen (und Vätern und Familien) wird vernachlässigt. Die so genannten "Verteidiger des Lebens" feiern Erfolge, obwohl man sie allenfalls als "Verteidiger der Geburt" bezeichnen könnte, denn die Proteste der Eltern behinderter Kinder, die 2018 die Parlamentskorridore besetzten, zeigten deutlich, dass sich keiner der Machthaber um ihr Schicksal nach der Geburt kümmert.

Und in Wirklichkeit geht es darum, ein Kind zu bekommen, egal wie deformiert und lebensunfähig es auch sein mag. Wie geht es weiter? Das ist es, womit sich diese "Verteidiger des Lebens“ sich nicht weiter beschäftigen wollen“.

Infolgedessen rollt eine Welle von Protesten gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes durch Polen und die Welt. In Groß- und Kleinstädten, auf der Straße und im Internet äußern empörte Frauen und Männer ihren Widerstand gegen die Handlungen der Machthaber.

Die Top-Ideen, die pro-life Milieus  zu vermitteln versuchen, nehmen den Frauen tatsächlich eine Menge Rechte in Bezug auf ihre Gesundheit und ihr Leben, und den Schwangerschaftsabbruch,  Föten, die kein Gehirn, keine Nieren, keinen Kopf und keine Überlebenschance haben, nennt man im Endeffekt: Eugenik und Töten.

Konservative und das polnische Episkopat bringen ihre Zufriedenheit mit der Entscheidung des Gerichts zum Ausdruck. Sie vergessen völlig, dass es in Polen auch Menschen mit anderen Weltanschauungen oder Überzeugungen gibt, die das Recht haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Die Regierungspropaganda, die derzeit von den öffentlichen Medien in Polen betrieben wird, vergisst, dass es um das Recht auf Wahl geht. Es gab und gibt keinen Zwang zum Schwangerschaftsabbruch. Es gibt eine Wahl, die eine Frau (manchmal mit der Unterstützung ihrer Lieben, manchmal ohne) nach ihrem Gewissen trifft. Und das war's. Oder so viel:

W-A-H-L

Und es ist diese Wahl, die den polnischen Frauen vorenthalten wird. Die Protestaktionen dauern immer noch an. Die Polonia  protestiert in Berlin und vielen europäischen Städten.

Magdalena Kowalska

„Burtscheider Halbwahrheiten. Erforschte und erfundene Geschichten aus über eintausend Jahren.“ Moja najnowsza  książka to zbiór sześciu opowiadań osadzonych w historii ciekawego miejsce –opactwa Burtscheid, które należało do najważniejszych opactw Świętego Cesarstwa Rzymskiego (potem Narodu Niemieckiego).

Opactwo przetrwało do sekularyzacji w 1802 roku nakazem Napoleona, a więc przeszło 800 lat. Obok niego urosło miasteczko Burtscheid, które dopiero w 1897 roku zostało przyłączone do Akwizgranu – o którym to fakcie jeszcze wiele lat jego mieszkańcy informowali z niejakim niesmakiem. Burtscheid było również, podobnie jak Akwizgran kurortem, do którego zjeżdżali możni tamtych czasów, że tylko Giacomo Casanovę wspomnę.

Opactwo i miasteczko z ich niezmiernie ciekawą przeszłością zachęciły mnie do napisania tej książki – a mieszkańcy hojnie obdarowali informacjami. Co z tego powstało? – Przekonajcie się sami. Zapraszam do lektury!

Książka ukazała się w Eifeler Literaturverlag w Aachen czyli w naszym Akwizgranie.

https://eifeler-literaturverlag.de/produkt/burtscheider-halbwahrheiten/

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) ermöglicht die Begegnung und Zusammenarbeit junger Deutscher und Polen. Es finanziert und initiiert deutsch-polnische Jugendbegegnungen und unterstützt sie inhaltlich.

Das DPJW fördert Jugendbegegnungen, die so vielfältig sind wie die Interessen der Jugendlichen – von Theaterworkshops über gemeinsame Umweltschutzprojekte von Schulen bis zu Rasenhockeyturnieren. Für Organisatorinnen und Organisatoren von Jugendbegegnungen – Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen und das gesamte Leitungsteam – bietet das DPJW außerdem Fortbildungen, Konferenzen Seminare und Publikationen.

Das DPJW wurde am 17. Juni 1991 als internationale Organisation von den Regierungen der Bundesrepublik und der Republik Polen gegründet, zeitgleich mit der Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Seit Bestehen des Jugendwerks wurden rund 80.000 Projekte realisiert, an denen mehr als 3 Millionen junge Menschen teilgenommen haben.

Aktuell:

Von diesem Jahr an wird für die nächsten 3 Jahre ein neues Thema unserer Tätigkeit "Bei mir und bei Ihnen. Lokaler Jugendaustausch", der sich der Jugendbegegnung im Rahmen der Kommunalzusammenarbeit widmet - mehr dazu erfahren Sie hier: https://pnwm.org/pnwm/temat-przewodni-pnwm/, und über das Programm, zu dem hier die Pressemitteilung erscheinen wird: https://pnwm.org/program-spotkania-mlodziezy-w-ramach-polsko-niemieckich-partnerstw-gmin-i-powiatow/.

Die neuesten Nachrichten vom PNWM:

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„Burtscheider Halbwahrheiten. Erforschte und erfundene Geschichten aus über eintausend Jahren.“  In sechs spannenden Episoden zwischen damals und heute, zwischen Fiktion und historischer Wirklichkeit, erkunde ich Geschichte der Reichsabtei und Stadt Burtscheid – oder »Botscheds« auf Öcher Platt.

Hier begegnen Sie geheimnisvollen Wolkenschleiern, die nachts durch die Flure des Abteitors huschen und lüsterne Gedanken verursachen, entdecken das heute als Musikbunker genutzte Bauwerk als dunklen, zwielichtigen und mitunter lebensgefährlichen Ort, lehnen sich gemeinsam mit der Äbtissin der einst mächtigen Reichsabtei Burtscheid gegen den brutalen Grafen der Frankenburg auf und schauen den Erbauern des Viadukts zwischen Burtscheid und Frankenberger Viertel über die staubigen Schultern.

Mein neuestes Buch erschien gerade im Eifeler Literaturverlag in Aachen.

https://eifeler-literaturverlag.de/produkt/burtscheider-halbwahrheiten/

 

Zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung haben zwei Polinnen Sophie Delest und Beata Cholewa-Mazurowska ein Theaterstück über die deutsch- deutsche Teilung und Deutschland als Zuwanderungsland heutzutage erarbeitet.

Als 1989 Tausende DDR-Bürger über Prag und Ungarn in die BRD fliehen, fährt Ellen Schernikau in die Gegenrichtung und kommt nach 23 Jahren aus der BRD in ihre Heimat zurück. Sie beantragt die DDR-Staatsbürgerschaft, die sie im Oktober 1989 bekommt. Fünf Wochen später bricht das Land ihrer Sehnsucht zusammen.

Diese unglaubliche Geschichte nahm Sophie Delest als Ausgangspunkt für ihren Text, dass Basis für das Theaterstück „Zwischen den Welten“ diente. Der Koautor ist Andreas Moser, der u.a. bei der Übersetzung der auf Polnisch verfassten poetischen Teile des Gesamtwerkes half. Es war jedoch Beata Cholewa – Mazurowska, die Delest dazu überzeugte, zum Füller zu greifen und die von ihr in Deutschland erlebten, wie auch die in Gesprächen mit anderen Migranten gesammelten Geschichten zu beschreiben. Als die Idee reif war, den entstandenen Text über die Bühne mit der deutschen Gesellschaft zu konfrontieren, lud Delest Cholewa – Mazurowska als die 1. Regisseurin zur Mitarbeit ein. So entstand ein Theaterstück, das sich mit der Frage auseinandersetzt, was es bedeutet, Grenzen zu überschreiten, was es für den Einzelnen heißt, seine Heimat zu verlassen und in der Fremde neu zu beginnen, warum Menschen, die theoretisch die besten Voraussetzungen haben, sich in ihre neue Heimat einzuleben, dort nie so richtig ankommen und schlussendlich, warum sich manchmal Polen und Ostdeutsche besser als „Ossis“ und „Wessis“ verstehen. Unter die Lupe wurden vor allem die Menschen genommen, die oft die Sprache und die Kultur des Landes kennen. Es reicht schon, sich selbst Deutsche anzuschauen, die stellenweise beim Wechsel in ein anderes Bundesland Probleme mit dem Einleben haben. Dazu kommen die Ost–West und die Nord-Süd-Schwellen. Wie soll hier noch ein Ausländer klarkommen? Manchmal sind es nicht die Grenzen eines Staates, die gewisse Denkweisen voneinander unterscheiden. Man kann die Sprache und die Kultur des Landes gut kennen und trotzdem rennt man gegen Mauern. In diesem Stück wird der Fokus genau auf die West–Ost Problematik gelegt. Mit welchen Denkmustern werden Menschen aus diesen zwei Polen bei einem Treffen trotz der neuen politischen und ökonomischen Situation konfrontiert?

Delest interessiert vor allem, wie „unsichtbare Mauern“ in der deutschen Gesellschaft entstehen. Nach verschiedenen künstlerischen Projekten beschloss sie, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Zuwanderer heutzutage in einem offenen Europa stellenweise mit ähnlichen Aussagen und Beurteilungen konfrontiert werden wie Ellen Schernikau vor über 50 Jahren in einem geteilten Europa. Ellens Geschichte ist auch der Ausgangspunkt für das Theaterstück, das jedoch keine traditionelle Aufteilung in Akte hat. Zwei Frauen erzählen parallel ihre Geschichten, die auf zwei Zeitebenen stattfinden. Die Geschichte der zweiten Protagonistin beginnt im Hier und Jetzt und endet im Jahr 2001, als sie sich als junges Mädchen vorstellt, was eine Auswanderung bedeuten könnte. In dieser Geschichte werden viele Situationen dargestellt, die sowohl die Textautorin selbst wie auch viele osteuropäische Migranten in Deutschland in den Jahren 2013-2019 erlebten.

Delest provoziert mit dem Blick, den sie für die thematisierte Problematik wählte. Sie enthüllt den Dreck unter den schön sanierten Fassaden. Sie gibt auch das Wort den Menschen, die oft nicht erhört werden. Sie präsentiert ein eher nicht akzeptiertes Narrativ über die DDR und die deutsch-deutsche Teilung. Gleichzeitig zwingt sie die Zuschauer zu einer Überlegung, ob die gegenwärtige Welt sich tatsächlich so sehr von der alten, mit einer grauen Mauer geteilten Welt unterscheidet. Weiter stellt sie die Fragen, ob wir in der jetzigen Welt wirklich frei sind und warum viele Migranten nach vielen Jahren oftmals sagen, dass Deutschland für sie keine neue Heimat geworden sei. Zum Schluss widerlegen Delest und Moser Klischees über Zuwanderer aus dem Osten, die nach Deutschland nur aus den ökonomischen Gründen kommen sollen.

Deutschland hat zweifellos in den letzten 70 Jahren unglaublich viel dafür getan, sich in ein Zuwanderungsland zu verwandeln. Und dennoch scheint es, dass irgendetwas nicht so ganz richtig funktioniert, dass etwas offenbar an der Basis nicht stimmt. Bestimmte Denkweisen scheinen sich seit Jahren nicht verändert zu haben. Woran liegt das? Jeder Migrant steht zwischen den Welten. Sein Herz wird die Welt wählen, in der er sich wie zu Hause fühlen kann. Was muss geschehen, damit man an fremden Orten sein Zuhause findet? Und letztendlich: Was für eine Gesellschaft sind Deutsche aus der Sicht anderer?

Delest will jedoch nicht nur mit dem Finger auf gewisse Probleme zeigen. In Diskussionen nach den Aufführungen und im Rahmen der Begleitevents wie Theaterworkshops oder Textanalyse beim Kaffee und Kuchen will zusammen mit dem Publikum überlegen, ob die unsichtbaren Mauern nur eine Einbildung der Zugekommenen seien und wenn nicht, dann, was man machen muss, um sie abzuschaffen. Schon die Arbeitsweise an dem Theaterstück zeigt, dass manchmal Grenzen zu überschreiten einfacher ist als gedacht. Das Stück über unsichtbare Grenzen entstand nämlich über den europäischen Grenzen. Die ersten Proben fanden in der letzten Lockdown Phase statt, als die Grenzen einiger Länder noch zu waren. Es gab einen Moment, als die Autorin, die Regisseurin und die Schauspielerinnen sich zu einem Moment in drei verschiedenen Ländern befanden und trotzdem gingen die Vorbereitungen rasch vorwärts. Die außergewöhnliche Determination des Produktionsteams und seine Kreativität in Finden der Lösungen in der neuen Epidemie-Realität lohnten sich. Die erfolgreiche Premiere mit der Diskussion mit Ellen Schernikau fand am 19.09.2020 in Braunschweig in Brunsviga statt. Den weiteren Spielplan kann man auf der Webseite des Veranstalters, des Deutsch – Polnischen Hilfsverein POLDEH e.V. in Braunschweig sehen: www.poldeh.de (die Registerkarte unten „Zwischen den Welten“)

Das Projekt wird von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, Sanddorf Stiftung und demokratie leben gefördert. Mittlerweile dauern auch Arbeiten an einem Kurzdokufilm über das Projekt. Die Filmvorführungen werden für den Anfang 2021 geplant. Realisierung dieses Teils des Projekts ist wieder dank der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, und weiter dank dem Kulturinstitut Braunschweig möglich.

Fotos: Rainer Strzolka

Besetzung: Jessica Hermann i Anne-Kathrin Ternité

 

Die 70. Berlinale war das letzte kulturelle Massenereignis in Deutschland vor dem Ausbruch der Pandemie im Februar 2020. Langsam versuchen wir, zum normalen Leben zurückzukehren, und die Zuschauer kehren in die Kinos zurück, nachdem sie die Antivirus-Einschränkungen befolgt haben. Es lohnt sich, an die polnischen Akzente bei der letzten und einzigartigen Berlinale zu erinnern. Außergewöhnlich, weil nach 18 Jahren der Leitung des Festivals durch seinen Direktor Dieter Kosslick, das von den Berliner Behörden an zwei Ausländer übergeben wurde - an die Niederländerin Mariette Rissenbeek, die viele Jahre lang German Films leitete, eine Institution, die sich mit der internationalen Förderung des deutschen Films befasst, und an den Italiener Carlo Chatrian, den ehemaligen Direktor des Filmfestivals von Locarno. Während der letzten Berlinale wurde eine Reihe von Neuerungen eingeführt - darunter eine neue Sektion - Encouters, in der Originalfilme gezeigt wurden, die bei den großen Filmfestspielen keine Chance gehabt hätten, aber der Gesamtcharakter der Berlinale als politisch engagiertes Festival blieb unverändert.

Auf der Website von Carlo Chatrian betreibt er als künstlerischer Leiter des Festivals seinen eigenen Blog, eine Art künstlerisches Tagebuch - Artistic Director's Blog. Es stellt sich heraus, dass einer der Regisseure, die einen großen Einfluss auf seine Wahrnehmung des zeitgenössischen Kinos hatten, Lech Kowalski war - ein Filmemacher polnischer Herkunft, der im Ausland lebte und in Polen völlig unterschätzt wurde. Lech Kowalski wurde in London als Sohn einer Familie polnischer Nachkriegsemigranten geboren. Seine Eltern in England fühlten sich als Außenseiter und zogen deshalb in die USA weiter. Lech sprach bis zu seiner Einschulung hauptsächlich Polnisch. Nach einer turbulenten Jugend und einem Studium in New York drehte Kowalski 1981 den Film Dead On the Arrival, der die letzte Amerika-Tournee der britischen Kultpunkband Sex Pistols zeigt.

In Gringo, 1984 gedreht, dokumentiert er seine Drogen-Selbstzerstörung in der Kälte so deutlich, dass der Film Teil der Anti-Drogen-Kampagne wird. Für seinen Film East of Paradise - Östlich des Paradieses, der die Geschichte des Überlebens seiner Mutter erzählt, die in sowjetische Gulags geschickt wurde, im Vergleich zum zeitgenössischen dekadenten New Yorker Untergrund, erhielt er 2005 einen der Hauptpreise der Filmfestspiele von Venedig. Carlo Chatrian gesteht - seit 2002 bin ich mit den Filmen von Lech Kowalski gewachsen und älter geworden - von 2002 bis heute bin ich mit den Filmen von Lech Kowalski gewachsen und älter geworden. Der neue Berlinale-Direktor hält Lech Kowalski für einen großen Regisseur, der mit seinen Filmen emotionale Brücken baut - er kennt alle großen Regisseure versteht sich Lech Kowalski als Bruckenbauer.

Tschechisch-Slowakisch-Polnischer Scharlatan

Die größte Spielfilmproduktion, die in Zusammenarbeit mit Polen entstand, war ein Film unter der Regie von Agnieszka Holland Szarlatan auf der 70. Berlinale. Ihr Protagonist ist der zwischen 1887 und 1973 lebende tschechische Heiler Jan Mikolášek, der die Krankheit anhand von Urinproben diagnostizierte und die Patienten dann erfolgreich mit selbst zubereiteten Kräutermischungen behandelte. Er war in der ganzen Tschechoslowakei bekannt, aber er betonte immer, dass er weder Arzt noch Wundertäter sei. Zu seinen Patienten gehörten der englische König Georg VI. und Antonín Zápotocky, der Präsident der Tschechoslowakei, den Mikolášek vor einer Beinamputation bewahrte. Holland zeigt Mikolášek einerseits als ein Genie mit einem so entwickelten intuitiven Kontakt zur Natur, dass er Menschen mit Kräutern heilen kann, und andererseits als einen in seinen gewöhnlichen menschlichen Schwächen verlorenen Menschen. Der Scharlatan zeigt, dass selbst diejenigen, die Genies sind, kämpferische Widersprüche in sich haben, und manchmal wird die wunderbare Gabe zu einem Fluch im Leben.

Auf der Pressekonferenz des Berlinale-Festivals konnte man sehen, wie gut Agnieszka Holland ihre tschechisch-slowakischen Schauspieler verstand und die Atmosphäre des Landes spürte, in dem sie als Studentin der Prager Akademie der Darstellenden Künste FAMU aufwuchs. Die Hauptrolle des charismatischen Heilers spielt der bekannte tschechische Schauspieler Ivan Trojan und die Rolle seines treuen und hingebungsvollen Helfers - des Slowaken Juraj Loj. Die Musik für den Film wurde von Antoni Komasa-Łazakiewicz komponiert, der derzeit in Berlin lebt.

Szarlatan erhielt auf der Berlinale sehr positive Rückmeldungen von Kritikern aus aller Welt, die seine ausgezeichnete Regie und Schauspielerei hervorhoben. Der künstlerische Leiter des Festivals, Carlo Chatrian, schätzte unsere polnische Regisseurin so sehr, dass er sie mit Minamata mit Johnny Depp in der Hauptrolle verglich: - Agnieszka Holland und Johnny Depp - zwei Kinomodelle treffen aufeinander und sprechen nicht nur über die Vergangenheit, sondern interpretieren auch die Gegenwart.

Töte es und verlasse diese Stadt - Mariusz Wilczyński

Zu den 15 Titeln der neuen Sektion 70 Berlinale gehörte eine Animation von Mariusz Wilczyński mit dem Titel Kill It and Leave This City, die einen autobiografischen Eindruck vermittelt, eine Reminiszenz an Kindheitsbilder, die die Erinnerung an seine verstorbenen Eltern und seine Heimatstadt Łódź wieder aufleben lässt.

Wilczyński arbeitete 14 Jahre lang an der Vorbereitung seines 85-minütigen Debüts, das eine Parallele zum visuellen Bild hat, eine zweite musikalische Welt, basierend auf der Musik von Tadeusz Nalepa, der auch einer der Protagonisten dieser Zeichengeschichte ist. In der Synchronisation hören wir die Stimmen so berühmter Persönlichkeiten wie Andrzej Wajda, Barbara Krafftówna oder Krystyna Janda, was dem ganzen Film eine interessante schauspielerische Oberfläche verleiht.

Zahlen, Seezunge, Golda Maria

Von den 340 Filmen, die auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurden, hatten mehrere polnische Themen oder wurden vom PISF (Nationales Filminstitut) mitfinanziert. Die Weltpremiere von Oleg Sencovs ukrainisch-polnisch-tschechisch-französischer Koproduktion Numera Sencowa fand statt. Zahlen ist eine Dystopie und eine Parabel, die auf Sencovs Kunst beruht und die Geschichte einer streng geordneten Welt aus zehn Zahlen erzählt, in der ein unerwarteter Fehler auftritt, der zur Entstehung einer unbekannten oder besseren neuen Welt führt. Sencow schrieb das Drehbuch zu diesem Film im Gefängnis und schickte es mit nachfolgenden Briefen ein. Dieser ukrainische Regisseur und Dokumentarfilmer war ein aktiver Teilnehmer am Euromaydan, für den er von den russischen Sicherheitsdiensten der Vorbereitung eines Terroranschlags beschuldigt, gefoltert und zu 20 Jahren in einem sibirischen Gulag verurteilt wurde. Sein 145-tägiger Hungerstreik und die Stärke der internationalen öffentlichen Meinung zwangen Wladimir Putin zu Zugeständnissen und nach 5 Jahren stimmte Russland der Freilassung Sentsovs zu. Die Vorführung dieses Films auf der Berlinale war also nicht nur kulturell, sondern auch politisch.

"Sole" von Carlo Sironis italienisch-polnisches Spielfilmdebüt erzählt die Geschichte von Lena, die im siebten Monat ihrer Schwangerschaft von Polen nach Italien kommt, um ihr Baby zu verkaufen. Der junge Ermanno aus der italienischen Halbwelt ist ihr falscher Partner und der Vater des Kindes, so dass sie es nach den Regeln des italienischen Adoptionsrechts zurückgeben können. Lenas Tochter Lena wird als Frühchen geboren und muss gestillt werden, was Lena unbedingt vermeiden wollte, damit sich ihre Beziehung zu dem Baby nicht entwickelt. Plötzlich fängt Ermanno an, sich wie der echte Vater und das Familienoberhaupt des Kindes zu fühlen und sich so zu verhalten. Die jungen Menschen stehen vor einer schwierigen Entscheidung für ihr künftiges gemeinsames Leben.

Die Liste der polnischen Reminiszenzen auf der 70. Berlinale endet mit einem französischen Dokumentarfilm unter der Regie von Patrick und Hugo Sobelman. 1994 sprach Patrick Sobelman drei Tage lang mit seiner damals 84-jährigen Großmutter Golda Maria Tandowska, die ihm zum ersten Mal von ihren dramatischen Erfahrungen aus dem Konzentrationslager erzählte, in das sie als Jüdin polnischer Herkunft während des Krieges geschickt wurde. Der Regisseur nahm dieses intime Familiengespräch mit einer 8-Millimeter-Kamera auf. Nach dem Tod von Golda Maryja im Jahr 2010 bearbeiteten er und sein Sohn Hugo die 8-stündige Aufnahme einer fast 2-stündigen, zeitlosen Rede seiner Großmutter, die uns alle als Weltbürger unabhängig von Nationalität und Religion bewegt.

Und vor uns liegt eine weitere 71 Berlinale im Februar 2021, für die ab Anfang September Filme eingereicht werden können. Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, das Regieduo, das die Berliner Festspiele leitet, ist der Meinung, dass eine sehr wichtige Funktion der Festivals der direkte Kontakt der Filmemacher mit dem Publikum ist, weshalb das kommende Festival weitgehend in der traditionellen analogen oder physischen Form stattfinden wird. Die Verleihung des Silbernen Alfred-Bauer-Bären wurde aufgrund neuer Tatsachen im Zusammenhang mit der früheren Tätigkeit des ersten Berlinale-Direktors - wie sich herausstellte - einst Mitglied der SA-Miliz der NSDAP - abgeschafft. Weder die Pandemie noch die überraschend dramatischen Informationen über die Organisatoren können das Bedürfnis des Publikums, mit Kultur in Berührung zu kommen, und die Faszination des Kinos, das unsere Aufmerksamkeit auf die Probleme der modernen Welt lenkt und so versucht, sie zu verbessern, zerstören.

Agata Lewandowski

TREFFPUNKT: WEIMARER DREIECK – DANS LE TRIANGLE – IM HERZEN EUROPAS ❤ Vor weniger als 30 Jahren (1991) entwickelten die Außenminister Hans Dietrich Genscher, Roland Dumas, Krzysztof Skubiszewski und andere in Weimar eine Idee, bei der Deutschland, Frankreich und Polen eine führende Rolle in der europäischen Integration spielen sollten. In der Anfangszeit war die Kraft dieser politischen Initiative zu spüren. Seit Jahren hat man nichts Neues über das Weimarer Dreieck gehört. Es scheint, dass in Berlin, Paris und Warschau unterschiedliche Stimmen über neue politische Ideen in Europa zu hören sind.

Im Gegenteil, die Situation ist in verschiedenen Bereichen der kulturellen Zusammenarbeit, der Begegnungen von Mensch zu Mensch, anders. Vor allem bei der jüngeren Generation können wir ein kreatives Gären beobachten. Kann diese Energie die Wahrnehmung der Ideen des Weimarer Dreiecks wiederbeleben? Margaux Kier denkt so - ja!

Eine Veranstaltungsreihe, die von der Stadt Köln, dem Beauftragten für Kultur und Medien und dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln unterstützt wird, wurde vom Französischen Institut Margaux Kier - einer in Bydgoszcz geborenen und seit ihrer Kindheit in Köln lebenden Sängerin, Schauspielerin und Ärztin - konzipiert und organisiert. Offenbar liegt ihr deshalb der Brückenbau am Herzen, zunächst zwischen ihrer Heimat Polen und Deutschland, und jetzt hat sich der Kreis auf Frankreich ausgedehnt - kein Wunder! Margaux hat einen französischen Namen und wurde am wichtigsten Feiertag Frankreichs geboren - denn am 14. Juli - wie sie scherzhaft sagt, glaubt aber auch einfach an die Idee Europas!

Bei dem Projekt geht es um die Möglichkeit der Begegnung (in jeder Veranstaltung gibt es Künstler aus 3 Ländern, es werden 3 Sprachen gesprochen!), um die Möglichkeit des Dialogs - für die Künstler und für das Publikum, um die Möglichkeit, sich von Kunst, Musik und Poesie, aber auch vom unumkehrbaren Moment der Freude und der Schaffung einer europäischen Gemeinschaft inspirieren zu lassen. Das Programm ist vielfältig und umfasst Veranstaltungen für Kinder und ältere Menschen, für Jazzfans und Chansonkenner, für Interessierte an Philosophie, Politik und Geschichte, Literatur, Poesie und Theater. In Margaux geht es aber auch darum, in Köln einen ständigen Treffpunkt für die polnische Gemeinschaft zu schaffen. Vielleicht wird es möglich sein, an diesem freundschaftlichen Ort, dem Institut français, unter der Leitung von Ahmed Ahouani eine dauerhafte Zusammenarbeit zu etablieren, zumal der 30. Jahrestag des Weimarer Vertrags im Jahr 2021 näher rückt.

Wir laden Sie zu den nächsten Veranstaltungen ein. Informationen finden Sie unter

www.institutfrancais.de und  www.margauxunddiebanditen.de

 TREFFPUNKT: WEIMARER DREIECK – DANS LE TRIANGLE – IM HERZEN EUROPAS ❤ ein Projekt von Margaux Kier in Kooperation mit dem Institut Français Köln und LABSA e.V. unterstützt von der Stadt Köln, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Konsulat der Republik Polen.
Im Sinne des Weimarer Dreiecks hat das Institut seine Pforten für die Polonia und deutsche Künstler geöffnet hat, zusammen wurde ein vielseitiges Kulturprogramm gestaltet, welches zum Austausch und Annäherung der drei Nachbarn beitragen soll. Das Programm ist sehr umfassend, für alte und junge Teilnehmer konzipiert und führt darüberhinaus zur Zusammenarbeit von Künstlern aus den drei Ländern. Gleichzeitig soll auf lange Sicht ein neuer Ort der Begegnung ffdie Polonia in Köln entstehen.

 

Das Programm:

2.02.2020  Zaungeschichten auch in Polen sagen Katzen miau – il ne faut pas revéiller les petits chats qui dorment“ 

Pimpuś Sadełko i inne bajki z muzyką - po polsku, niemiecku i francusku 

14.02.2020  Bonjour Barbara...   Dzień dobry smutku - Guten Morgen Sonnenschein!  

mit Marion & Sobo, Margaux & Band - Chansony po polsku, niemiecku i francusku 

3.03.2020  GEOMETRIA TRÓJKĄTA WEIMARSKIEGO

Idea fix czy inspiracja dla Europy ? Dyskusja z ekspertami

Prof. Dr. Dieter Bingen Historiker / Politikwissenschaftler / ehem. Direktor  des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt

Prof. Dr. Pierre-Frédéric Weber Historiker Politikwissenschaftler Universität Stettin / Paris

Prof. Dr. Marta Bucholc Soziologin  Universität  Bonn / Warschau

Dr. Marek Zmiejewski Philosoph Köln / Białystok

Adelheid Feilcke Szefowa redakcji EUROPA Deutsche Welle

25.09.2020  Porwana Europa  - próba uratownia pięknej idei przed wewnętrznymi i zewnętrznymi wrogami 

Wykład filozoficzny, dyskusja & jazz,  Yann Kerninon (F), Dr. Marek Zmiejewski (PL/D)

Frank Wingold, g

Henning Brand, perc

Stefan Rey, db

9.10.2020  8 kobiet / 8 Frauen / 8 Femmes 

Być kwiatem.... être une fleur - eine Blume sein ? 

- Collage teatralno-muzyczny, poezja i literatura kobiet z Polski, Niemiec i Francji 

6.11.2020  Danse le poème // Das getanzte Gedicht // Zatańcz wierszem

Poezja i Taniec współczesny, muzyka live 

Isabelle Dufau (Paris)

Chrystel Guillebeaud (Wuppertal)

Kasia Ustowska (Sopot)

30.11.2020 Wystawa: „Kobiety"  Prace Rosy Juchniewicz (PL) i Martine Metzing Peyre (F/D)

13.12. 2020 Concert - La Chanson française & Jazz  –  Gość z Francji spotyka polskich i niemieckich muzyków z Kolonii

Luty 2021 Concert   MAGDA UMER 50 LAT NA SCENIE  - spotkanie muzyczne z Margaux & BAND

Koncepcja i organizacja: M. Kier

 

Seit 20 Jahren, jeweils im September, trifft sich die Berliner Polonia auf den Wiesen im Norden der Stadt zu einem Volksfest für polnische und deutsche Familien, um polnische Kultur und Bräuche zu pflegen sowie Kultur und Tradition der polnischen Nachbarn besser kennen zu lernen. Dieses herbstliche Treffen fand nun schon zum dritten Mal statt und war dem unabhängigen Polen gewidmet, um den hundertsten Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit unseres Vaterlandes zu begehen. Im Jahre 2020 gedachte die Polonia auf besondere Weise des 100. Jahrestages der Schlacht um Warschau. Am Sonntagnachmittag feierte die „alte“ und „neue“ Polonia gemeinsam, um zu zeigen, dass in Berlin alte Organisationstrukturen vorzüglich funktionieren, die allen dienen: sowohl den jungen Leuten wie den Älteren.

Die Veranstalter – „die alte Polonia“ und der Polnische Rat Landesverband Berlin, legen großen Wert darauf, dass das Fest eine familiäre Prägung hat, deshalb ist das Programm auf Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern zugeschnitten, es wendet sich eben an die „junge Polonia“. Wegen der Bekämpfung des Coronavirus fand das Volksfest unter Einhaltung strenger sanitärer Auflagen statt: Gesichtsmasken, Desinfektionen, Wahrung der Abstände, Überprüfung der Namen der Teilnehmer usw. Zum Glück gab es auf den Wiesen in Lübars genügend Platz, um alles in Übereinstimmung mit den Vorgaben durchzuführen.

Die bunten Verkaufsstände waren den sanitären Regeln entsprechend in den richtigen Abständen von einander aufgestellt, und sie waren, wie immer, in den weiß – roten Farben geschmückt. Auf einer improvisierten Bühne eines Traktors traten neue und alte Polonia – Musikgruppen auf: „New Voice System, Bloody Kishka“ sowie Małgorzata Sitek boten den zahlreich erschienenen Polen und Deutschen eine Auswahl der besten polnischen Lieder des letzten Jahrhunderts an.

Das Volksfest begann morgens wie immer mit Spielen und zahlreichen kulturellen und sportlichen Attraktionen für Erwachsene und Kinder. Außer den traditionellen, in Deutschland gut bekannten Wettbewerben, wie Kartoffellaufen oder Reifenrollen, hatten die Veranstalter auch an zahlreiche Spiele und Disziplinen gedacht, die beiderseits der Grenze von Erwachsenen und Kindern geschätzt werden. Zum Schluss überreichten Lehrer des Vereins „Oświata“ jenen, die alle Disziplinen bestanden hatten, besondere Preise. Die Kleinsten konnten unter der Leitung der Zirkusakademie Bühnentricks kennen lernen oder voller Freude in einem aufgeblasenen Schloss hüpfen, das regelmäßig desinfiziert wurde.

Großer Begeisterung erfreuten sich richtige sportliche Wettkämpfe. Veranstaltet wurden für alle Altersgruppen Fußballspiele, Badmintonwettbewerbe, Tischtennisspiele und Korbball. Die Krönung bildete das Drachensteigen. Unter Anleitung von Fachleuten mussten diese selbständig an eigenen Ständen gebastelt werden. Der Wind war gut, und es war eine Freude zuzuschauen, wie sich die bunten Drachen in die Luft über der Wiese erhoben. Die sportlichen Vergnügungen wurden, wie immer, durch Workshops für Graffiti, Malen und Basten für Kinder, oder auch Kochen von Pierogen ergänzt.

Die Pokale und Preise wurden den Gewinnern durch den neuen Konsul der Republik Polen für Poloniafragen, Herrn Adam Borkowski, sowie Herrn Burkhard Dregger, den CDU – Vorsitzenden im Berliner Senat, überreicht.

Der schon dritte „Lauf für die Unabhängigkeit“ wurde von Herrn Marek Radoch, dem verdienten Poloniaaktivisten angeführt. Die vielen Teilnehmer liefen zuvor die Strecke durch Wiesen und Felder entlang und eroberten Erinnerungsmedaillen und Diplome. Am Lauf für die Unabhängigkeit beteiligten sich gerne die jungen Sportler des Clubs FC „Polonia“, Schüler Berliner Schulen, aber auch Mütter und Väter sowie neue Einwohner von Berlin.

Beim Wettbewerb über Geschichte mussten Erwachsene und Kinder um den Titel des besten Geschichtskenners kämpfen und Fragen zur polnischen Unabhängigkeitsgeschichte und die Schlacht um Warschau beantworten, die „Wunder an der Weichsel“ genannt wird. Die Sieger in beiden Altersgruppen erhielten schöne Preise. Die medizinische Versorgung gewährleisteten die Berliner „Malteser“, die außer einem qualifizierten medizinischen Rettungspersonal auch Süßigkeiten für die Kinder zur Verfügung gestellt hatten.

Für gute Laune sorgten außer dem Vorstand des Polnischen Rates des Landesverbands Berlin alte und junge polnische Gastwirte, die polnische Speisen für Erwachsene und Kinder vorbereitet hatten. Alte und junge Leute vergnügten sich gemeinsam unter dem Motto „Spiel ohne Grenzen“ und über alle trennenden Unterschiede hinweg. Viele Gäste hatten eigene Decken mitgebracht, wodurch es einfach war, eine Picknickatmosphäre aufkommen zu lassen, was sich als breiter bunter Teppich durch die grünen Wiesen hinzog. Die Einhaltung der sanitären Vorgaben wurde vorbildlich erfüllt. Das gute Wetter regte viele Berliner zur Teilnahme an, wodurch auch die „junge Polonia“ Gelegenheit bekam, die Erfahrungen der „alten“ kennen zu lernen. Erfreulich ist die Tatsache, dass das Fest von zahlreichen früheren Aktivisten der Polonia - Organisationen besucht wurde, die mit ihren Kindern gekommen waren, so dass drei Generationen der Berliner Polonia gemeinsam des Fest der Unabhängigkeit begehen konnten.

Es wäre nicht gelungen, ein so schönes Fest zu feiern, wenn es nicht die Erfahrung und Hingabe der ehrenamtlichen Helfer von Mitgliedern und Sympathisanten des Polnischen Rates gegeben hätte, wofür wir allen an dieser Stelle herzlich danken.

Die Veranstaltung wurde aus Mitteln des Bevollmächtigten der Bundesregierung zur Förderung von Kultur und Medien sowie der Sparkasse Berlin finanziert.

Małgorzata Tuszyńska

 

 

Wie schreiben Frauen aus unterschiedlichen Epochen, was haben sie gemeinsam, was trennt sie, welche großen Themen beschäftigen sie? Jasnorzewska-Pawlikowska, Lasker-Schüler, Szymborska, Gretkowska, Poswiatowska, Keun, Duras, Hahn, Tokarczuk, Estelle Meyer.
Schreiben sie über ihre Rolle als Frau und wenn dann wie? Und hilft es der Frau von heute bei der ewigen Suche nach dem ich? Ein eindrucksvolles Kollektiv von 8 Schauspielerinnen, Sängerinnen, Autorinnen und Komponistinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen spricht, singt und spielt mit Gedichten und Texten, die ihnen am Herzen liegen.

Mit: Chrystel Guillebeaud  (F), Verena Guido (D), Anikò Kanthak (D/H), Margaux Kier (PL/D), Vanessa Radmann (HR/D), Hanna Werth (D), Julia Wolff  (D), Marta Wryk (PL) 

Ausstellung Rosa Juchniewicz  (PL/D)   WOMEN" 

Wg. Corona-Beschränkungen und geringer Zuschauerkapazität - Doppelvorstellung und erforderliche Reservierung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Idee/Konzeption: Margaux Kier

Kooperation: Institut français Köln

LABSA e.V.

Eintritt: 20.- €  ermäßigt 13.-€

Das Projekt "Treffpunkt Weimarer Dreieck - Dans le triangle - W sercu Europy“ wird unterstützt von der Stadt Köln, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln.

 

Das Leitthema des kommenden Semesters lautet:: Populismus in den Medien und in der sozialen Kommunikation – wohin Europa sich bewegt. Wir laden unsere Zuhörer zum Antrittsvortrag ein: 18. September 2020 um 18.00 Uhr. Es wird ein virtuelles Treffen Dorota Maslowska mit Olaf Kühl sein.
(Wir werden das Passwort und den Link auf ZOOM bereitstellen) Thema: „Andere Leute“. Ein Roman über die Verzweiflung der jungen Generation von Polen in Smog und Sprache.
Ausgangspunkt des Gesprächs zwischen Dorota Masłowska und ihrem deutschen Übersetzer Olaf Kühl soll die literarisch funkelnde, gleichwohl bedrückende Diagnose der gesellschaftlichen Situation
in Polen sein, die sie in ihrem Roman "Andere Menschen" (Rowohlt Berlin 2019) liefert. Masłowska hat sich immer gern als „Medium” definiert, das nicht mit eigener Stimme spricht, sondern nur hellhörig
Stimmungen und Stimmen aus der Umgebung aufnimmt. Im Roman lässt sie ihre Figuren sprechen. Der arrogante Yuppie und PiS-Sympathisant Maciej bekommt ebenso viel Freiheit zur Selbstdarstellung
wie der scheiternde Rapper Kamil. Wo aber spricht die Autorin selbst? Gemäß alter romantischer Tradition erwarten die Leser von ihrer „Dichterweisen“ doch Rat und Erbauung, Haltung zur politischen Situation.
Über die Rolle der Schriftstellerin in Zeiten wachsenden Populismus und einer immer tieferen Spaltung der Gesellschaft, nicht nur in Polen, wird Masłowska mit Kühl diskutieren, „einem der wenigen deutschen Intellektuellen, die nicht blind sind für Polen“

Moderation: Dr. Piotr Olszowka

Für die Teilnahme an unserem Treffen installieren Sie bitte das ZOOM-Programm: https://us04web.zoom.us/j/945711291?pwd=bFAzYWJzeC9tNGNCY0R1aWdrYW1VZz09#success

Die Bedienung ist sehr einfach und sie wird uns für die nächste Veranstaltungen nützlich sein. Der entsprechende Link samt Zugangscode wird auf unsere Webseite veröffentlicht
(https://utp.berlin/aktuell) und in der nächsten Mail angehängt.
Mit herzlichen Grüßen,
Der Programmbeirat der UDG

40 Jahre Deutches-Institut für Polnische Angelegenheiten

Prof. dr Peter Oliver Loew - deutscher Historiker, Übersetzer und Dozent, sowie Autor zahlreicher Bücher über polnische Geschichte. Loew berichtet, wie er sich bei seinem Besuch in Polen in eine Polin, ebenso wie in das Land verliebt, und wie dies seinen weiteren Bildungsweg bestimmt hätte. Seit 18 Jahren ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut (DPI) tätig. Er beschäftigt sich mit der Geschichte der polnisch-deutschen Beziehungen in der Neuzeit, insbesondere mit der Geschichte Danzigs, Pommerns und Pomerellens, sowie mit der Geschichte nationaler Minderheiten und der kulturellen Aspekten der Geschichte Mittel- und Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert. Im Herbst 2019 übernahm er die Leitung des Instituts und löste damit Dieter Bingen ab.

Twoje Miasto:
Zunächst einmal möchte ich eine Frage stellen, die mich schon vor langer Zeit fasziniert hat. Woher kam Ihre Liebe zu Polen und den Menschen und wie sind Sie an das Deutsche-Polen Institut in Darmstadt gekommen?

Peter Oliver Loew:
Die ersten 22 Jahre meines Lebens wusste ich so gut wie nichts über Polen, abgesehen von den Informationen, die ich in der Schule und beim Schauen und Hören der Nachrichten erhielt. Ich hörte von der Solidarność, vom Mangel an Fleisch in polnischen Geschäften. Als kleiner Junge war ich eher in der deutsch-französischen Zusammenarbeit aktiv. Als ich begann, Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg zu studieren, stellte sich das für mich als sehr eintönig heraus. 1989 beschloss ich, im Urlaub etwas Verrücktes zu tun und ging nach Polen. Der Reichtum der polnischen Kultur sowie die Schönheit sowohl Posens, als auch die des Landes, haben mich sofort fasziniert. Ich traf Menschen, lernte ein fantastisches Mädchen kennen und beschloss, Polnisch zu lernen. Ich interessierte mich für die polnische Geschichte als Gegengewicht zu Deutschland. Ich habe festgestellt, dass sich diese Länder perfekt ergänzen. Es begann also alles mit Neugierde und einer positiven Überraschung für dieses Land. Ich arbeite seit 18 Jahren am Deutschen-Polen Institut in Darmstadt. Als promovierter Historiker beschloss ich, mich für die Stelle des wissenschaftlichen Mitarbeiters an unserem Institut und des stellvertretenden Direktors für wissenschaftliche Angelegenheiten zu bewerben. Am Tag des Bewerbungsgespräches beim DPI war ich sehr abgelenkt, weil genau in dieser Nacht mein Sohn geboren wurde.  Zu wissen, dass ich meine Frau in Leipzig, wo wir damals gelebt haben, alleine lassen musste, gab mir keine Ruhe. Ich glaube jedoch, dass das Gespräch gut verlaufen ist, denn ich wurde eingestellt.

Was waren damals Ihre Aufgaben?

Ich übernahm die Aufgaben des Dr. Andreas Lawaty, der für die Publikationsreihen des Instituts verantwortlich war. Ich war für die nächste geplante Buchreihe mit dem Titel „Polnische Bibliothek - Denken und Wissen“ zuständig. Letztendlich wurden 15 Bände veröffentlicht. Des Weiteren war ich auch an der Herausgabe anderer Bücher und Publikationen beteiligt, sowie an der Planung wissenschaftlicher Konferenzen und Übersetzungen. Mit der Zeit organisierten wir auch verschiedene Konzerte, Kulturfestivals, wie zum Beispiel über die Arbeit von Stanisław Lem. Ich habe unter anderem auch mehrere Bücher über Danzig und die Polen in Deutschland geschrieben: "Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland". Das alles hat meine wissenschaftliche Arbeit extrem vielseitig geprägt.  

Was hat das Institut Ihrer Meinung nach bisher erreicht? Was ist Ihrer Meinung nach der größte Erfolg der letzten Jahre?

Das Institut ist ein sehr wichtiges Element in den deutsch-polnischen Beziehungen und bemüht sich von Anfang an, das Wissen über Polen in Deutschland zu erweitern und gleichzeitig das Bild Polens in Deutschland näher heranzuführen. Wir sind ein sehr kleines Team, weswegen wir eher ein begrenztes Publikum haben. Mit einigen größeren Projekten erreichen wir jedoch auch einen größeren Personenkreis. Unsere Bücher aus der Reihe „Polnische Bibliothek“ waren in den meisten Buchhandlungen erhältlich. Wir führen auch Schulprojekte durch, die das Wissen über Polen im deutschen Bildungswesen verbreiten. Es fällt mir schwer, über persönliche Erfolge zu sprechen, da ich lieber von den Projekten erzähle, die mich am meisten zufrieden stellen. Dazu gehörte ein Projekt, das wir erst kürzlich ins Leben gerufen haben, die "Lebenspfade / Ścieżki życia". Es war ein Projekt, von dem ich selbst viel gelernt habe, denn es berichtet über das Leben der Polen, die im Rhein-Main Gebiet leben.   

Vor weniger als einem Jahr wurden Sie Direktor des DPI. Was möchten Sie an der Arbeit des Instituts ändern? Welche neuen Projekte können wir erwarten?

Wir haben schon viel verändert. Natürlich wollen wir keine Revolution einführen, jedoch eine gewisse Entwicklung machen. Wir wollen unsere Tätigkeit modernisieren und auffrischen, um Polen noch näher an Deutschland heranzuführen. Leider mussten wir aufgrund der Pandemie viele der von uns geplanten Veranstaltungen absagen, sowohl in Darmstadt als auch in Berlin. Unter anderem beabsichtigen wir auch, im Internet immer sichtbarer zu werden. Wir haben vor kurzem ein Twitter-Konto eingerichtet, in dem wir genau, wie auf Facebook präsent sein wollen. Auf diese Weise erreichen wir ein noch breiteres Publikum, insbesondere während der Pandemie. 

Haben Sie auch vor, mit der lokalen polnischen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten?

Ich möchte darauf hinweisen, dass sich das Institut aufgrund seiner Satzung sich eher nicht mit der polnischen community befasst. Unser Programmangebot richtet sich vor allem an das deutsche Publikum. Wir wollen überzeugend auf Deutsche zugehen, die Polen kennen lernen wollen und daran interessiert sind, Brücken zwischen unseren Nationen zu bauen. Natürlich ist die polnische community bei unseren Veranstaltungen sehr willkommen. Wir haben auch viele Kontakte miteinander, sowohl in Darmstadt als auch in ganz Deutschland. Wir sind uns bewusst, dass die deutsch-polnischen Kreise, in denen wir verkehren, manchmal eng mit der Polonia verbunden sind. In polnisch-deutschen Vereinigungen gibt es viele Polen und Polinnen auf verschiedenen Ebenen, sei es auf wissenschaftlicher oder kultureller Ebene. Obwohl sie sich nicht immer als Teil der polnischen Gemeinschaft fühlen und Polen nicht immer vertreten wollen, aber für uns sind alle wichtig. Ich denke, dass die Polonia in gewisser Weise ein Bindeglied zwischen Polen und Deutschland ist.

Das Thema Ihres aktuellen Vorzeigeprojekts - Jahrbuch Polen - ist die polnische Wirtschaft. Was möchten Sie in diesem Buch präsentieren?

Sie ist in gewisser Weise auch Teil des neuen Profils des Instituts. Das Thema unserer Reihe „Jahrbuch Polen“ wird das ganze Jahr über auch das Thema des Instituts sein. Wir planen, in ganz Deutschland Veranstaltungen zu diesem Thema, zu organisieren. Diesmal wollten wir die Aufmerksamkeit auf ein sehr positives Thema lenken, denn gerade im wirtschaftlichen Bereich überschneiden sich Polen und Deutschland sehr intensiv und beide Länder profitieren davon.  Polen ist zum fünftgrößten Handelspartner Deutschlands geworden. Unglücklicherweise erschien unser Jahrbuch jedoch Anfang März, als die Coronavirus-Krise begann, was unsere Tätigkeit erheblich einschränkte, und wir wissen noch nicht viel über die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise. Ich freue mich auch auf das Thema des nächsten Jahres, das Oberschlesien sein wird. Das Thema ist, zumindest dem Namen nach, bei den Deutschen gut bekannt. Wir wollen den ganzen Reichtum dieser Region und ihre kulturelle Vielfalt darstellen, aber auch die deutsch-polnischen Beziehungen zusammenfassen.

In diesem Jahr feiert das Institut sein 40-jähriges Bestehen. Haben Sie eine Idee, wie Sie trotz der Pandemie den Geburtstag des Instituts feiern können?

Wir hatten viele Veranstaltungen geplant, aber das Coronavirus hat unsere Pläne durchkreuzt. Wir wollten eine größere Feier organisieren. Aber ich sehe diese Möglichkeit im Moment nicht, weil die Situation nicht sicher ist. Wir werden eine Ausstellung vorbereiten. Wir wissen noch nicht, ob wir es im Institut oder anderswo in Darmstadt präsentieren werden. Sicherlich wird unsere Ausstellung auch im Internet erscheinen.  Wenn es funktioniert, werden wir nächstes Jahr eine größere Geburtstagsparty feiern. Es wird das hundertjährige Jubiläum unseres Gründers Karl Dedecius sein. Wir planen ein Treffen in Łódź, dem Geburtsort von Dedecius, sowie in Darmstadt, und dort werden wir dann auch unser Jubiläum feiern. 

Soweit ich weiß, setzen Sie sich sehr stark für die Errichtung des Polendenkmals zum Gedenken an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung 1939-1945 ein. Können Sie uns sagen, was die Vision dieser Initiative ist? Was ist Ihre Aufgabe in diesem Projekt?

Das Projekt Denkmal für die polnischen Opfer im Zweiten Weltkrieg wurde vor langer Zeit ins Leben gerufen. Władysław Bartoszewski hat sich bereits um diese Form der Erinnerung an die Opfer bemüht. Die Initiative gewann vor drei Jahren an Bedeutung. Damals beteiligten wir uns an der öffentlichen Diskussion zu diesem Thema und unterstützten die Idee, ein solches Denkmal in Berlin zu errichten. Die Initiative ging an den Deutschen Bundestag. Dort fand das Projekt auch seine Gegner, die es wegen der „Nationalisierung des Erinnerns“ kritisierten. Sie fragten, warum nur die Deutschen das Leid der Polen und nicht aller Opfer des Zweiten Weltkriegs darstellen sollten. Die Kritiker forderten die Einrichtung eines Dokumentationszentrums über den Zweiten Weltkrieg, um die Auswirkungen des Krieges in allen besetzten Gebieten zu zeigen. Wir bemühen uns um eine Einigung mit der Stiftung, die sich um das Denkmal für die ermordeten Juden in Europa kümmert. Gemeinsam ist es uns gelungen, ein Projekt zu schaffen, das beide Ideen verbindet, ein Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse und Opfer des Krieges, aber auch ein Dokumentationszentrum und eine "fliegende Universität", die das Wissen und das Gedenken an die Kriegsopfer auf polnischem Boden verbreitet. Es wäre in gewisser Weise ein lebendiges Denkmal. Die Angelegenheit muss jedoch zurück ins Parlament und dort entschieden werden. Ich hoffe, dass es positiv sein wird...

Da wir gerade über die polnisch-deutsche Zusammenarbeit sprechen, werde ich Sie nach Ihrer Meinung zu aktuellen politischen Differenzen und Themen, wie Kriegsreparationen oder Nordstream 2 fragen: Wie wirken sich diese auf die polnisch-deutsche Zusammenarbeit aus?

Ich denke, dass die polnisch-deutsche Zusammenarbeit insgesamt so reichhaltig und vielschichtig ist, dass diese Themen unsere guten Beziehungen nicht völlig hemmen können. Was die Gaspipeline betrifft, so wird Polen ohnehin immer unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland, so dass das Erpressungspotential gegenüber dem östlichen Nachbarn abnimmt. Das Problem der Wiedergutmachung hingegen wird von der Regierung in Polen künstlich aufgeworfen. Es ist eine Art Show für die eigene Wählerschaft, die man nicht zu beenden weiß. Es gibt keine rechtliche Möglichkeit, Schadensersatz zu fordern, da dieser Fall vor langer Zeit durch zwischenstaatliche Vereinbarungen abgeschlossen wurde. Vielleicht sollten wir nach einer anderen Form der Kompensation durch symbolträchtigere Projekte suchen, wie zum Beispiel den Wiederaufbau des Sächsischen Palais´ in Warschau. Es könnten einige Fonds geschaffen werden, um polnisch-deutsche Initiativen zu entwickeln. Solche Ideen sind realistischer und drohen unsere gegenseitigen Beziehungen nicht zu vergiften.

Was können wir, die Polonia in Deutschland, zum Aufbau guter Beziehungen zwischen Polen und Deutschland beitragen?

Meiner Meinung nach ist die Polonia dann wichtig, wenn sie über ihre eigenen Kreise hinausgeht und zeigt, was sie in die Gesellschaft einbringt, und auch den Kontakt zur deutschen Gesellschaft sucht. Wenn sie sich nur auf ihre eigenen Kreise konzentriert, hat sie keinen wirklichen Einfluss auf die Verbesserung der polnisch-deutschen Beziehungen. Außerdem kann man, indem man Polen und seine Familien besucht, über das Leben in Deutschland sprechen und so einige Stereotypen, die noch immer existieren, aufbrechen.

Mit Peter Oliver Loew sprach Michał Kochanski.

Übersetzt von Natalie Drost und Andrzej Kaluza.

Gespräch in Polnisch  im Zeitschrift  "Twoje Miasto"

        

Mit Wirkung vom 1. Juli 2020 ist das Kompetenz- und Koordinationszentrum Polnisch, KoKoPol, ins Leben gerufen worden. Gefördert vom Auswärtigen Amt und von der Staatskanzlei Dresden, arbeitet KoKoPol zunächst an der Erfassung und Unterstützung vorhandener Initiativen zur Förderung der polnischen Sprache in Deutschland.

Die zusätzlich gestarteten Projekte zielen zudem auf eine Bewusstseinsbildung im Sprachenbereich sowie auf die Verbesserung der praktischen Ausbildung und die Schaffung fachbezogener Netzwerke.

Das Ziel der Beteiligten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist es, das Interesse an Kultur und Sprache unserer östlichen Nachbarn zu fördern und somit zu einem innereuropäischen Dialog auf Augenhöhe beizutragen. KoKoPol steht unter der Trägerschaft der Stiftung Internationales Begegnungszentrum (IBZ) St. Marienthal in Ostritz.

Die Stiftung organisiert seit fast 30 Jahren Begegnungen zwischen Polen und Deutschen und die hier vorhandene Infrastruktur ist eine ausgezeichnete Basis für Veranstaltungen aller Größe in der reizvollen Umgebung des Dreiländerecks. In St. Marienthal ist auch die Geschäftsstelle von KoKoPol angesiedelt.

Als Auftaktveranstaltung für KoKoPol wird ein wissenschaftliches Symposium am 10./11. September im IBZ St. Marienthal durchgeführt. Am Nachmittag des 11.9. wird es eine Eröffnungsfeier geben, zu der sich Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, der polnische Botschafter und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen und wissenschaftlich-zivilgesellschaftlichen Lebens angesagt haben.

Das IBZ St. Marienthal und das KoKoPol wären Ihnen als Vertreter der Medien sehr dankbar für entsprechende Veröffentlichungen bzw. Hinweise zum neugegründeten Kompetenzzentrum Polnisch. Förderhinweis: Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushalts sowie von Mitteln des Auswärtigen Amtes.

 

Während in Berlin Anti-Pandemie-Demonstrationen stattfinden, höre und lese ich in den letzten zwei Monaten in Warschau oft, dass wir "nach der Pandemie" sind. Auch ältere Menschen raten mir, es nicht zu übertreiben. Es gibt eine spezifische polnische Mode, eine Maske unter der Nase zu tragen. Mein Freund, der in einem großen Berliner Krankenhaus für die Hygiene zuständig ist, ist derweil der Meinung, dass diese Art des Tragens der Maske äußerst schädlich ist, da wir alle Viren einatmen, die sich auf ihrer feuchten Außenseite, die den Mund bedeckt, angesammelt haben. Obwohl es in polnischen Geschäften eine Maskenpflicht gibt, halten sich die meisten nicht daran. Wenn ich auf Menschen achte, die sich nicht auf Distanz halten, sehen sie mich wie eine seltsame Unverschämtheit an. Durch die Schließung der Grenzen ist Polen viele Ausländer losgeworden. Die wenigen verbliebenen Ausländer sind Bürger der ehemaligen UdSSR - Ukraine, Weißrussland, die unermüdlich und ohne Angst vor einem Virus auf Baustellen, in Geschäften und Restaurants arbeiten, wobei sie oft symbolisch ihren Mund mit Halbschalen bedecken, was praktisch keine Schutzwirkung hat. Die Polen kehrten in das normale Berufsleben zurück, weil sie nicht über das finanzielle Polster verfügen, das ihnen der deutsche Sozialstaat bietet. "Der Mangel an Geld für Lebensmittel und Rechnungen wird uns schneller töten als ein Virus", sagen sie.

Das Leben auf den Straßen Warschaus sieht aus, als sei die Pandemie vorbei. Wieder einmal stellt sich heraus, dass das Sein vom Bewusstsein bestimmt wird.

In Deutschland werden Informationen über den Ausnahmezustand Covid 19 durch das Koch-Institut oder die Berliner Charite bereitgestellt. In Polen sprechen viele Experten zu diesem Thema, weshalb es ein Informationschaos gibt, das durch den Rücktritt des Gesundheitsministers Łukasz Szumowski im August noch vertieft wurde und das die Polen, wie sie selbst sagen, niemandem mehr glauben lässt: Die Polen tragen lässig Masken, weil sie keine Angst haben, "mit dem Virus" krank zu werden, die Deutschen tragen Masken, um andere nicht anzustecken, wenn sie zufällig asymptomatische Träger des Virus waren. Die Grundstrafe für das Nichttragen einer Maske beträgt in Polen 500 Zloty, in Berlin 50 Euro, im Rheinland und in Bayern 150 Euro.

Im Juli waren Hochzeiten und Beerdigungen die größten Ausbrüche der Virusausbreitung in Polen. Während bei Beerdigungen, die im Freien abgehalten werden, die Sicherheitsregeln noch eingehalten werden können, indem man die Maske trägt und nicht die Hände schüttelt, ist es bei typisch polnischen Hochzeiten mit bis zu 150 Personen, die bis zum Morgengrauen tanzen, schwierig, einen Abstand von zwei Metern einzuhalten. In letzter Zeit wurde in den deutschen Medien betont, dass die Familien den größten Schwerpunkt bei der Verbreitung des Virus bilden. Damals, glaube ich, "ganz privat", hat man uns durch die Online-Arbeit von unseren direkten beruflichen Kontakten entfernt, man hat uns bereits vor Kontakten mit Freunden gewarnt, und am Ende sollen wir uns immer noch vor unserer eigenen Familie fürchten. Was sollen wir in dieser Situation tun - allein in einer isolierten Wohnung arbeiten, nur online zwischenmenschlichen Kontakt und Angst vor jeder Person haben, die wir auf der Straße treffen? Schließlich hat uns die Pandemie sowohl in Deutschland als auch in Polen bereits die Möglichkeit genommen, zu reisen und Zugang zur Kultur zu erhalten, hoffentlich für die längsten zwei Jahre.

Covid 19 und die Einstellung, ihn zu bekämpfen, hat die Tiefe der Oder vergrößert und unsere beiden Länder mental bis zur Tiefe des Mariengrabens geteilt. In Polen tröstet es viele Menschen, dass wir im Osten "dank" des seit langem bestehenden sozialistischen Gesundheitswesens, dessen Fehlen unseren Organismus am besten gestärkt hat, widerstandsfähiger sind. Das hoffe ich, denn die meisten Ärzte hier akzeptieren nach wie vor nur online, und die Unterschiede in der Versorgung innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme sind noch drastischer. 

Wenn ich die Mahnung aus den Megahupen polnischer Einkaufszentren höre, Masken zu tragen, und Nachrichten darüber höre, wie sich das Management des Einkaufszentrums um die Gesundheit seiner Kunden kümmert, und wenn ich Menschen in durchsichtigen Visieren sehe, fühle ich mich wie in einem Science-Fiction-Film. Ich empfehle jedem meinen Lieblings-Fantasy-Film Das fünfte Element unter der Regie von Luc Besson, in dem die Menschen in verschiedene Zonen eingeteilt wurden - so wie wir jetzt eine rote oder gelbe Zone haben, wurden zum Wohle der übrigen Gemeinschaft alle kontrolliert und voneinander isoliert. Das fünfte Element ist ein Film mit einem Happy End, in dem Güte und Liebe vorherrschen. Hoffen wir, dass er, so wie sein Protagonist die Welt vor dem Bösen gerettet hat, uns durch die Erfindung eines Impfstoffs für Covid 19 oder durch die Erreichung einer kollektiven Immunität vor der Angst bewahrt und dass wir Polen, Deutsche und Menschen der Erde (Erdenbürger?) zum normalen Leben zurückkehren.

Die Psychologen beider Länder schlagen Alarm und haben alle Hände voll zu tun, und die Büros sind voller ängstlicher, traumatisierter Menschen, die unabhängig von Nationalität, Hautfarbe oder Religion nach einem Ersatz für die Gewissheit suchen, sich in der heutigen Welt sicherer zu fühlen. Oft sind Witz und Humor ein Mittel, um die Angst zu zähmen, und das ist sicherlich der Grund, warum wir uns jetzt so viele Memos schicken, die unsere zittrige Stimmung unterstützen. Leszek Żądło - unser polnischer Jazzmann in München scherzt, dass er eine neue Dame hat, mit der er ins Bett geht und aufsteht - Frau Demia. Während eine der Nonnen aus dem Erwachsenen-Wohlfahrtsheim in Nowy Sacz, wo 38 Menschen infiziert waren, eine offizielle Mitteilung an das FB schrieb, dass sie Freiwillige suchten, die sich um sie kümmern, und "eine besondere Einladung für diejenigen, die glauben, dass das Virus nicht existiert... Zumindest werden sie nicht unter dem Tragen von Masken und unbequemen Anzügen leiden. Ihre Hilfe wird sicherlich effektiver sein, ohne Stress".

In der Zwischenzeit stellte sich heraus, dass Berlin am vergangenen August-Wochenende dank der Anti-Pandemie-Demonstrationen, an denen Bürger aus ganz Europa teilnahmen - wie die sozialen Medien berichteten - zur europäischen Hauptstadt der Freiheit wurde. Es ist eine gute Sache, dass wir im Gegensatz zu Weißrussland, das von allen verlassen wurde, das Recht haben zu demonstrieren. Es ist wichtig, dass diese friedlichen Demonstrationen nicht von streng antidemokratischen Gruppen genutzt werden, die auf der anderen Seite regierungsfeindliche Stimmungen nutzen wollen, um die Macht an sich zu reißen - genau wie radikale Nationalisten, und es spielt keine Rolle, in welchem Land.

Ich gehöre zur alten Sorte von Schriftstellern, denen es während ihres Journalistikstudiums kategorisch verboten war, ihre subjektiven Vorschläge in Artikeln zu deaktivieren oder gar zu veröffentlichen, aber es wurde empfohlen, dem Leser die objektivsten bilateralen Meinungen für und gegen zu präsentieren. Sicher ist, dass wir seit der Zeit der Pandemie in einem völligen Informationschaos leben und jeder von uns seine eigene goldene Mitte für ein neues Pop-Pandemie-Leben finden muss. Kürzlich ist eine Aussage des herausragenden Schauspielers Gustaw Holoubek in den polnischen Medien in Mode gekommen - "Ich verhalte mich seltsam, weil wir in seltsamen Zeiten leben". Etwas früher kam der griechische Philosoph Sokrates vor 25 Jahrhunderten zu dem Schluss: "Ich weiss, dass ich nichts weiss". Eines ist sicher: Lassen wir uns nicht verrückt machen, vor allem nicht die Medien, denn, wie man mir einst beibrachte, ist ein ängstlicher Mann am leichtesten zu manipulieren.

Agata Lewandowski

 

  

Bei einer Wanderung durch das Siebengebirge oder einer Fahrt entlang des Rheins lohnt sich ein Halt im malerischen Dorf Königswinter. Die überwiegende Mehrheit der Touristen, die diesen Ort besuchen, zieht es vor allem auf den Drachenfels mit seiner berühmten Burg und einer der schönsten Promenaden entlang des Rheins. Sein Tal und die umliegenden Hügel bilden die perfekte Verbindung zwischen der Landschaft.

Weicht man jedoch ein wenig von der Hauptroute ab und fährt in den Stadtteil Königswinter-Heisterbacherrott, gelangt man zum Haus Schlesien, einem Ort, an dem die Umsiedler aus Schlesien sentimental sind, sowohl diejenigen, die direkt nach dem Krieg nach Deutschland kamen, als auch diejenigen, die in den 80er und 90er Jahren kamen.

Die Älteren kommen für ein paar Tage, während derer sie die Sammlungen des Museums, Karten sowie Bücher und Alben über Schlesien eingehend begutachten. Sie sehen sich die Fotos sehr genau an. Ab und zu halten sie an und sagen: "Hier gibt es keinen Schneider mehr, und in dieser Konditorei gibt es jetzt einen Zeitungskiosk. Dieses Gebäude ist bereits abgerissen worden, und das andere steht immer noch. Oh, und hier hat Tante Heidel gewohnt." Manchmal kommen einem die eine oder andere Träne aus dem Auge.

Elisabeth Winkler kennt Königswinter seit vielen Jahren. Einmal im Jahr gönnt sie sich einen kurzen Tagesausflug, eine Bootsfahrt auf dem Rhein und einen Spaziergang in diesem historischen Ort. In diesem Jahr unternahm sie ihre erste Reise ins Haus Schlesien. Die 5-tägige Reise wurde von ihren beiden jugendlichen Enkelkindern begleitet. Sie wohnte im Zimmer Striegau (Strzegom) im Riesengebirge, das zum Komplex Haus Schlesien gehört. Nach der Unterkunft machte sie einen Spaziergang durch die Gegend und ging dann zum Abendessen. Am nächsten Tag beschloss sie, das gesamte Zentrum zu besichtigen, insbesondere das Museum, wo es viele Souvenirs aus Schlesien gibt. Sie wusste, dass es nicht leicht sein würde. Schließlich ist Schlesien ihre Heimat. Sie wurde dort geboren, sie überlebte den Krieg, dort lernte sie, wie das Leben ist. Natürlich war es nicht einfach, aber jeder kleine Erfolg brachte eine Menge Freude. "Das waren andere Zeiten", pflegte sie zu sagen.

Sie verbrachte einige Stunden mit ihren Enkelkindern im Museum. Sie betrachtete die Sammlungen, sah Bücher, Karten, Alben durch, und hin und wieder kamen ihr Tränen in die Augen. Und mit dieser ständig begleitenden Träne erzählte sie ihren begleitenden Enkelkindern, wie der Baum früher einmal war. Fünf Tage vergingen wie ein Wimpernschlag auf ihre Erinnerungen und Spaziergänge in der Gegend.

Haus Schlesien und das dazugehörige Schlesische Landschaftsmuseum wurde 1978 in den Gebäuden des alten Herrenhauses eingerichtet. Von Anfang an ging man davon aus, dass es mehrere Funktionen in sich vereinen würde. Vor allem wird sie dazu beitragen, die Besonderheit der schlesischen Kultur zu bewahren und zu präsentieren und zu einem Treffpunkt für mehrere Generationen von Schlesiern zu werden. Und es funktioniert, denn sie kommen regelmäßig hierher, manchmal für einen Tag, und manchmal nutzen sie das Hotelangebot und bleiben länger. Manchmal kommen sie allein, und manchmal bringen sie ihre Kinder oder Enkel mit, die sich wie üblich beeilen, sich aber oft zu einem schlesischen Abendessen mit Nudeln, Roulade und modischem Kraut oder zumindest zu "Kaffee und Küche" überreden lassen.

Das Haus Schlesien verstärkt auch seine Zusammenarbeit mit Polen. Gymnasiasten und Hochschulstudenten aus Polen kommen regelmäßig zu deutsch-polnischen Konferenzen hierher. Häufig werden hier auch Konferenzen, Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert. Über sie alle informieren wir regelmäßig auf unseren Veranstaltungskalenderseiten.

Leonard Paszek

 

Wir laden die polnische Gemeinde, Polonia in Berlin und darüber hinaus herzlich zu unserem jährlichen polnischen Herbstfest "Spiel ohne Grenzen" ein! Wir treffen uns am 13. September von 11.00 bis 18.00 Uhr auf der Wiese zwischen Lübas und Blandenfelde an der Banhofstrasse - wir bieten ein reichhaltiges Programm für Kinder und Erwachsene. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

 

 

 

Wir werden Deine Stimme in unserer Stadt sein! Wir stehen vor den Kommunalratswahlen für den Integrationsrat #integrationsrat in NRW. Bereits am 13. September werden wir, die Immigrantinnen und Immigranten, unsere Vertreterinnen und Vertreter wählen, um einen wirklichen Einfluss auf die politischen Entscheidungen in unseren Städten zu haben.

-Los geht's! Lasst uns gehört werden!                                    Unseres Spot auf YouTube -> 

- Unsere Listen in 5 Städten in NRW:

- Aachen: Info-Point. Bürgerinnen und Bürger für Aachen.

- Essen: Info-Point. Polinnen und Polen für Essen.

- Düsseldorf: Info-Point . Polen in Düsseldorf.

- Kolonia: Polnisch-Deutsche Liste.

- Dorsten: Unabhängige Kandidatin: Joanna Dziekan-Elies.

Nehmen Sie an der Wahl teil!

 

 

Jacek Tyblewski - seit 15 Jahren ist er Mitbegründer und Leiter der polnischen Redaktion von Radio COSMO. Dieser Radiosender ist eine Kooperation zwischen dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und Radio Bremen. Dank dessen können polnische Sendungen von Radio COSMO im gesamten norddeutschen Raum gehört werden.

Jacek, bitte erzählen Sie uns, wie das polnische Redaktionsteam von Radio COSMO entstanden ist. Ist es Deine Idee gewesen?

Die polnische Redaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Berlin wurde in den frühen neunziger Jahren gegründet. Zuerst hieß das Radio Multikulti. Wir kämpften zusammen mit anderen Nationalitäten praktisch drei Jahre lang, um die Sendezeit für fremdsprachige Redakteure. Dies waren Zeiten, in denen rechtsextreme Gruppierungen in Deutschland immer stärker in Erscheinung traten. Unser Postulat war, dass zumindest die größten Gruppen nationaler Minderheiten in Berlin zugelassen werden sollten: Türken, Polen, Kurden, Araber und Vietnamesen konnten in ihren Muttersprachen senden. Unsere Argumentation war ganz einfach. Da die Bürger dieser Länder in Deutschland eine Abonnementsgebühr zahlen, haben sie auch Anspruch auf ein eigenes Platz in den öffentlich-rechtlichen Medien. Wir wollten ein Medium schaffen, das ein Ort für gemeinsame Debatten sein sollte. Das sollten nicht nur Gespräche in ihren eigenen Sprachgruppen führen, sondern auch eine Plattform für Diskussionen zwischen ihnen sein. Es ist uns gelungen, sowohl Politiker als auch den Sender Freies Berlin von dieser Idee zu überzeugen. Auf diese Weise wurde Radio Multikulti 1994 gegründet. Es war also unser gemeinsames internationales Projekt. Zwischen 18.00 und 22.00 Uhr wurden Sendungen in der Muttersprache ausgestrahlt. Das tägliche Programm wurde in deutscher Sprache durchgeführt. Eine zusätzliche Kuriosität war auch die Tatsache, dass sich plötzlich ein internationales Team von Menschen, die lange für Minderheitenrechte in Deutschland gekämpft haben, und junge, in öffentlichen Medien ausgebildete Journalisten an einem Ort trafen. Ich muss Sie auch daran erinnern, dass das Radio in jenen Jahren eine etwas andere Funktion hatte, weil damals noch nicht alle Informationen im Internet zu finden waren.

Bitte teilen Sie mir mit, wie und wo Sie Ihre Sendungen derzeit hören können.

In Nordrhein-Westfalen sind wir über den Westdeutschen Rundfunk zu hören. Nach 4-jährigem Bestehen hat sich der WDR mit dem Projekt unseres internationalen Radiosenders auseinandergesetzt und festgestellt, dass auch das Land Nordrhein-Westfalen dieses Medium braucht. So wurde 1997 die Redaktion des Funkhaus Europa als Zwillingsprojekt von Radio Multikulti gegründet. Die Tatsache, dass es bereits zwei Radiostationen gab, die von einem starken Westdeutschen Rundfunk unterstützt wurden, führte dazu, dass diese Sendungen in den nächsten drei Jahren praktisch in ganz Deutschland ausgestrahlt wurden. Im Laufe der Zeit brach während eines Wahlkampfes Bayern aus, wo während eines populistischen Wahlkampfes festgestellt wurde, dass Sendungen in der Muttersprache die Integration von Ausländern behinderten. Dann gingen auch Baden-Württemberg, Sarahs Land und der Norddeutsche Rundfunk. So senden wir derzeit in einem solchen Band nördlich von Nordrhein-Westfalen nach Berlin und Brandenburg. Ein gut funktionierender Radiosender, der an einen überregionalen Hörer denkt, ist heute aber vor allem im Internet aktiv. Es handelt sich nicht nur um einen Livestream, mit dem Sie die Sendungen im Internet anhören können, sondern auch um eine Sammlung von Podcasts, ein Archiv, in dem Sie frühere Sendungen anhören können. Wir sind auch in sozialen Medien wie Facebook und Twitter aktiv. Es kommt vor, dass einige wichtige Materialien zuerst im Internet und erst später im Radioprogramm erscheinen. Dies geschieht zum Wohle unserer Hörer, aber für uns ist es eine große Herausforderung, denn heute muss die Redaktion, die früher nur ein tägliches Radiomagazin vorbereitet hat, bis zu drei Sender bedienen. Wir wissen auch, dass unser Publikum im Radio, im Podcast und auf Facebook etwas anderes erwartet, und wir versuchen, überall das anzubieten, was es von uns erwartet, und nicht auf Kosten der Zuverlässigkeit unserer Materialien, Podcasts oder Beiträge.

Wie viele Personen arbeiten derzeit für Ihr Redaktionsteam? Wie teilen Sie Ihre Arbeit mit anderen?

Unser gesamtes Team besteht aus 10 Personen, aber das bedeutet nicht, dass jeder jeden Tag bei der Arbeit ist. In der Regel werden die Sendungen und Informationen, die in anderen Medien erscheinen, von 3-4 Personen vorbereitet. Dies ist Teamarbeit. Die besten Ideen werden jedoch in gemeinsamen Diskussionen geboren. Natürlich gibt es am Ende eine Person im Studio, die eine bestimmte Sendung leitet, aber tatsächlich ist dies in der Regel das Ergebnis der Arbeit von 4 Personen.

Wie wählen Sie die Themen Ihres Programms und die Personen aus, die Sie zu den gemeinsamen Diskussionen einladen?

Die Themen hängen meist einfach in der Luft, erscheinen in den Medien, auf Sozial-Networking-Sites, manchmal sind sie das Ergebnis unserer Beobachtungen. Es gibt Fragen und Kommentare, die wir zeigen und erklären wollen. Ich muss auch zugeben, dass sich in letzter Zeit eine Menge Politik in das Programm eingeschlichen hat. Zuvor hatten wir uns eher nur auf deutsch- polnische Fragen konzentriert, aber mit der Zeit kamen auch die Politik und die Aktivitäten der Partei hinzu. Dies geschah nach den Wahlen 2014, als viele Diskussionsklubs und Initiativen, die sich mit dem polnischen politischen Leben befassen, in Deutschland gegründet wurden und das Interesse an diesen Themen bei unseren Zuhörern zunahm. Gleichzeitig sind wir nicht allzu sehr an den Informationen der polnischen Medien interessiert, unser Schwerpunkt ist das, was in Deutschland passiert. Zunächst einmal wollen wir die Initiativen der Polen in Deutschland zeigen. Meiner Meinung nach ist das von den Medien am meisten vernachlässigte Umfeld. Die polnische Gemeinschaft erscheint weder in polnischen noch in deutschen Medien. Deshalb versuchen wir, diese Lücke zu füllen und zu zeigen, wie das "polnische Deutschland" lebt. Unter fast 2 Millionen, in Deutschland, leben viele engagierte Menschen, die sehr interessante Projekte entwickeln. Jedenfalls bin ich der Meinung, dass jeder Mensch interessant ist. Wenn man ihm oder ihr die richtigen Fragen stellt, ein richtiges Gespräch führt, Erfahrungen, Gedanken und Faszinationen darstellen lässt, stellt sich heraus, dass in unserem Studio plötzlich eine sehr ruhige und stille Persönlichkeit aufblüht. Die Arbeit eines Journalisten hingegen besteht darin, unseren Radiogästen genügend Raum zum Sprechen zu lassen und sie gleichzeitig so zu dirigieren, dass ihnen gezeigt wird, was sie am besten können, damit sie ihre Persönlichkeit besser kennenlernen können. Abgesehen davon versuchen wir, auch Behörden einzuladen, wir betreiben eine Beratungssendung "Damy radę!“ („Wir schaffen das!"), wo wir Spezialisten aus verschiedenen Lebensbereichen einladen. Auf diese Weise können Sie herausfinden, wie Sie mit bestimmten behördlichen und steuerlichen Angelegenheiten umgehen und wie Sie bestimmte Vergünstigungen erhalten können. Damit sind alle Dilemmata gemeint, mit denen die in Deutschland lebenden Menschen konfrontiert sind, auch diejenigen, mit denen sie in Polen zu tun haben. Wir führen auch einen historischen Zyklus "Encyclopaedia Polonica" durch, einen sehr populären journalistischen Zyklus "standPunktwidzenia". Auf diese Weise versuchen wir zu reagieren und neue Impulse an unsere polnische Gemeinschaft zu senden.     

Haben Sie vor, sich in irgendeiner Weise weiterzuentwickeln?

Es gibt ein bestimmtes Konzept, wie wir uns entwickeln wollen. Meine Vision ist nicht nur darauf ausgerichtet, unsere Antennenzeit zu verlängern. Ich möchte unsere Aktivitäten auch auf andere Bundesländer in Deutschland ausdehnen. Mein Ziel ist es, dass alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland verstehen, dass es sowohl nach deutschem Recht, als auch nach dem deutsch-polnischen Vertrag ihre Pflicht ist, einem polnischstämmigen Hörer in Deutschland zuverlässige Informationen in Form von Radiosendungen oder in anderer Form in seiner Muttersprache zur Verfügung zu stellen. Ich wünsche mir, dass wir ein Programm eines bundesweiten Zusammenschlusses öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, also der ARD, werden.

Jacek Cosmo

Ein Kollege von Radio Darmstadt hat mir einmal gesagt, Radio sei ein Theater der Phantasie. Stimmt das? Sagen Sie mir, was ist für Sie ein Radio?

Das stimmt. Bis vor kurzem war Radio nur ein Wort, das heißt, es wurde versucht mit dem Wort zu „malen“. Heutzutage hat sich die Form der Radiosendungen ein wenig verändert. Neben den Worten stellen wir auf unseren Websites auch Bilder, zu unseren Programmen bereit, soziale Netzwerke zeigen Filme und Beschreibungen. Natürlich versuchen unsere Radiomoderatoren immer noch, die Zuhörer mit ihren Geschichten und mit ihrer Stimme zu verzaubern. Doch der durchschnittliche Hörer erwartet heute von uns mehr, als nur ein klassisches Radio. Ich denke, dass sich die polnische Redaktion von Radio Cosmo diesen Herausforderungen stellt. Sie können sich auf unserem Portal www.cosmoradio.de unter der Rubrik "polnisch" darüber informieren.

Was betrachten Sie als Ihren größten Radioerfolg?

Ich glaube, dass es uns gelungen ist, ein sehr gut eingespieltes Team zu schaffen, das auf eine sehr offene und vielseitige Weise den Zuhörer und das Publikum erreichen kann. Seit Beginn des Radios für Polen in Deutschland höre ich, dass wir definitiv abschaltet werden. Um die Wahrheit zu sagen, wurden wir seit mehr als 25 Jahren stillgelegt, trotzdem  geht uns immer noch sehr gut, und außerdem erreicht unser Programmangebot, eine immer größere Zahl von Empfängern über ganz unterschiedliche Kanäle. Es stimmt, dass sich die öffentlichen Medien, oder eigentlich alle Medien, schnell verändern. Ich denke aber, dass wir mit der Zeit ein Teil der deutschen Medienlandschaft geworden sind und immer noch in der Lage sind, mit unseren Hörern zusammenzuspielen und sie in ihrem täglichen Leben zu unterstützen. Ich persönlich erinnere mich sehr gut an den Besuch von Krystyna Janda in unserem Studio, die unerwartet eine große kurze Szene in unserem kleinen Redaktionsraum spielte, bevor sie überhaupt auf Sendung ging. Bewegt hat mich auch das Gespräch mit Jan Karski, einem Kurier des polnischen Untergrunds, der sein Leben auf Spiel gesetzt hat, um Informationen über die Geschehnisse in den Konzentrationslagern und Ghettos auf polnischem Gebiet, an die Behörden des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten zu übermitteln.  Ich habe darüber auch eine Sendung für den deutschen Rundfunkband des WDR und des RBB aufgenommen. Ich denke, dass die Tatsache, dass es uns manchmal gelingt, polnische Themen in die deutschen Medien einzuführen, auch ein Erfolg ist. Ich bin der Meinung,  dass wir uns in unserer Umgebung nicht abschotten sollten, und unsere deutschen Freunde verdienen es, dass wir ihnen unsere Ansichten präsentieren und ihnen unsere polnische Kultur bereichern. 

Michał Kochański  

Redaktion  „Twoje Miasto“, Ausgabe August/September 2020

https://www.twojemiasto.eu/ 

Der FC Bayern ist Champions-League-Sieger 2020 und hat zu Jubel nach dem Finale gegen Paris Saint-Germain. Robert Lewandowski sichert sich sein ganz persönliches Triple und schießt sich zum Torschützenkönig von Europa! Nach der Torjägerkanone in der Bundesliga und den meisten Toren im DFB-Pokal erzielte Robert Lewandowski auch in der Champions League Saison 2019/20 mehr Treffer als alle anderen. Erstmals seit 2006/07 (damals Kaká) werden damit weder Cristiano Ronaldo noch Lionel Messi Torschützenkönig. „Er spielt einfach eine Wahnsinns-Saison“, sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Quelle:  FC Bayern München - Offizielle Website des FC Bayern https://fcbayern.com/de

In ganz Deutschland wurde die Präsidentschaftswahl von Rafał Trzaskowski gewonnen. "Samo Życie" sprach mit Maciej Kowalski, Koordinator des Bürgerstabs von Rafał Trzaskowski in Deutschland und Treuhänder bei der Wahlkommission in Hamburg. (Auf dem Foto von links: Maciej Kowalski und der Europaabgeordnete Andrzej Halicki).

 

Warum haben Ihrer Meinung nach so viele im Ausland lebende Polen, vor allem in Deutschland, an den diesjährigen Wahlen zum Präsidenten Polens teilgenommen?

Mir scheint, dass der Hauptgrund für diese hohe Wahlbeteiligung die Bedeutung dieser Wahlen war. Die Tatsache, dass sie bestimmen, wie die Zukunft Polens in den nächsten Jahren aussehen wird. Ich denke auch, dass die Tätigkeit unseres Bürgerstabs Rafał Trzaskowski in Deutschland einen ziemlichen Einfluss hatte. Zu Beginn des Wahlkampfes riefen wir unpolitisch zur Teilnahme an diesen Wahlen auf, und wir erkannten, wie wichtig es ist, zu wählen. Das Wachstum war umwerfend - 241% mehr als bei den Präsidentschaftswahlen 2015, 64% mehr als bei den Parlamentswahlen 2019.

Warum hat Trzaskowski im Ausland so entschieden gewonnen, obwohl es z.B. in den polnischen Social Media so heftig knurrte?

Es hat gerumpelt und am Ende "zugeschlagen". (lacht). Im Ausland gewann Präsident Duda nur in den USA, Kanada, Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine. Rafał Trzaskowski gewann im Ausland, obwohl die polnische katholische Mission und die polnischen Zeitungsklubs und der Freundeskreis von Radio Maryja hier eine so starke Position haben. Ich habe den Eindruck, dass im Falle des Auslands die polnischen öffentlichen Medien nicht so viel Berichterstattung über die polnische Gemeinschaft haben, wie sie dachten. Die Mehrheit der polnischen Gemeinschaft ist sich jedoch Europas bewusst und möchte Polen näher an das gemeinsame Europa heranführen. Ich denke auch, dass ein großer Teil von ihnen Nachrichten über Polen aus deutschen Medien und dem Internet bezieht.

Wie sah Ihr Wahlkampf in Deutschland aus?

Von Anfang an war es hauptsächlich eine Online-Kampagne, hauptsächlich in sozialen Medien - Facebook, Twitter, Instagram und Online-Treffen und -Diskussionen. Die Idee war, den Wählern in Deutschland zu zeigen, dass es eine sehr aktive und zahlreiche Gruppe von Unterstützern der Präsidentschaft gibt, Rafał Trzaskowski. Trotz der Tatsache, dass es in Deutschland über 2 Millionen Menschen mit polnischen Wurzeln gibt, macht die Straßenkampagne nicht viel Sinn. Schon vor der Kampagne hatte ich an den im Internet angegebenen Stellen Unterschriften für Rafał Trzaskowski gesammelt. Mehrmals stand ich mit einer Informationstafel im Stadtzentrum, aber das Interesse war gering.

Sind Sie auf unangenehme Situationen gestoßen?

Ich gebe zu, dass ich das nicht getan habe. Manchmal gab es einen Meinungsaustausch mit Dudas Anhängern, aber das waren ganz normale Gespräche. Auf der anderen Seite war es im Internet sehr hart, wo selbst absolut unpolitische Postings, die einfach nur zur Teilnahme an Wahlen ermutigten, auf eine Welle von Hezytus stießen.

Hatten auch die übrigen Kandidaten ihren Sitz in Deutschland?

Szymon Hołownia, Robert Biedroń und Krzysztof Bosak hatten ihre Unterstützer und kleinere Bars. Sie hatten im ersten Wahlgang auch ihre Vertrauensleute in den Wahlkommissionen.

War dies Ihr erstes Engagement im Wahlkampf und bei den Wahlen in Deutschland?

Nein. Ich habe seit 2007 an den Wahlkämpfen der Bürgerplattform teilgenommen, als ich noch in Polen war. Allerdings war ich noch nie so aktiv beteiligt wie in diesem Jahr. Dies waren die ersten Wahlen, bei denen die ausländischen Stäbe so aktiv waren. Bei den Polen in Deutschland war das Interesse an Wahlen in Polen noch nie so groß wie in Deutschland.

Können die Stimmen der Polen im Ausland den Ausgang der Wahlen beeinflussen?

Die meiste Zeit. Bei dieser Wahl gewann Präsident Duda mit einer Differenz von etwa 420 Tausend Stimmen und etwa 500 Tausend im Ausland registrierten Wählern.

Haben Polen, die im Ausland leben, überhaupt ein moralisches Recht, sich zu polnischen Fragen zu äußern, und sollten sie trotzdem das Wahlrecht haben?

Die polnische Staatsbürgerschaft berechtigt Sie zur Teilnahme an Diskussionen über die Gestalt Polens und seine Politik. Viele von ihnen haben Familien, Häuser und Interessen in Polen. Viele planen, nach Polen zurückzukehren, und es ist für sie wichtig, in welche Art von Polen sie zurückkehren werden. Viele sind sehr emotional mit ihrem Herkunftsland verbunden, fahren mehrmals im Jahr nach Polen und geben das im Ausland verdiente Geld dort aus. Viele investieren auch in Unternehmen und Immobilien in Polen.

Sind die Konsulate in Deutschland mit der Korrespondenzform der Wahlen fertig geworden?

Im ersten Wahlgang bedauerten viele Menschen, dass sie ihre Stimmzettel zu spät erhielten und deshalb nicht abstimmen konnten. Auf unsere Initiative hin sind wir an alle Konsulate mit dem Vorschlag herangetreten, ihnen beim Packen und Versenden von Umschlägen mit Stimmzetteln für die zweite Runde zu helfen. Die Konsulate haben unsere Hilfe angenommen. Es war wirklich wenig Zeit, aber die Beteiligung der Menschen war großartig. Ich muss zugeben, dass die Konsulate dies zu schätzen wussten. Ich muss jedoch sagen, dass Mitglieder des Trzaskowski-Ausschusses an dieser Form der Hilfe teilgenommen haben.

Haben Ihre Mitarbeiter mit polnischen Organisationen zusammengearbeitet, z.B. mit dem Polnischen Kongress?

Wir haben nicht nach einer solchen Zusammenarbeit gesucht, weil wir der Meinung sind, dass allgemeine polnische Organisationen und Verbände unpolitisch sein sollten.

Gab es im Wahlkampf viele Aggressionen von Gegnern?

Im Internet war es eher die Norm. Wir versuchten, uns nicht auf Diskussionen einzulassen und nicht mit Aggression zu reagieren. Mit kleinen Ausnahmen ist uns das gelungen. Es erforderte viel Diplomatie (Gelächter). Mich verblüfft jedoch die Tatsache, dass falsche Informationen über die Existenz z.B. von Stimmzetteln ohne Siegel oder nur mit dem Namen Duda oder Unregelmäßigkeiten in der Arbeit der Konsulate regelmäßig in den sozialen Medien erscheinen. Es scheint mir, dass sie Verwirrung stiften, die Wähler demobilisieren und das Gefühl des Wählens untergraben sollte. Es schien eine Art organisierte Aktivität zu sein.

Und warum hat eine bestimmte Anzahl von Menschen ihre Stimmzettel nicht erhalten, obwohl sie sich früher registriert hatten?

Es ist keine große Zahl, und es scheint mir, dass sie im Rahmen der Statistik der nicht zugestellten Post liegt. Man sollte auch wissen, dass die Konsulate Pakete an den Namen schicken, der im polnischen Dokument erscheint, d.h. mit polnischer Schreibweise. Auf der anderen Seite steht manchmal der Nachname in deutscher Schreibweise auf dem Briefkasten, und dann liegt alles in der Verantwortung des Nachrichtendienstes des Postboten. Häufig gab es auch Fehler bei der Eingabe der Adresse bei der Registrierung. Nur eine kleine Anzahl von Mailings erreichte ihre Adressaten nicht.

Sie waren als Vertrauensmann bei der Wahlkommission in Hamburg tätig. Waren viele Ihrer Vertreter im Wahlausschuss?

Ja, wir hatten unsere Vertrauensleute in jedem Ausschuss, und in einigen Ausschüssen auch Mitglieder.

Hatte der Andrew Duda-Ausschuss auch Vertrauensleute?

Ich habe nur von einem Fall gehört.

Gab es Defizite in der Arbeit der Ausschüsse?

Im Allgemeinen nicht viel. Es gab Umschläge und Karten, die zwar mit dem Wohlwollen des Komitees als gültig angesehen werden konnten, aber wegen geringfügiger Fehler der Wählerinnen und Wähler (z.B. die Eintragung der Absenderadresse auf dem Umschlag mit der Stimmkarte) abgelehnt wurden. Leider mussten viele (ca. 1-2%) der Umschläge aufgrund von Fehlern der Wähler - keine Erklärung zur persönlichen und geheimen Abstimmung im Umschlag - abgelehnt werden. Unser Ausschuss versuchte, den Wählern zu helfen - wir führten eine Kampagne zur korrekten Abstimmung durch. Wir organisierten auch einen Kurierdienst, der am Sonntag Umschläge von Wählern abholte, die es nicht schafften, sie zu verschicken. Dieses Unternehmen lieferte die Umschläge am Abend an alle Wahllokale aus.

Könnte nicht eine Kiste oder eine Urne vor das Konsulat gestellt werden?

Wir boten es den Konsulaten an, erhielten aber eine negative Antwort, in der erklärt wurde, dass die deutschen Behörden und die geltenden Hygienevorschriften in Deutschland dies nicht zulassen. Dies steht nicht im Einklang mit der Antwort, die wir vom Auswärtigen Amt erhalten haben. Die deutschen Behörden gaben zu, dass sie am 8. April persönliche Wahlen verboten haben. Von einem Verbot von Mailboxen war jedoch nicht die Rede. Wie das Auswärtige Amt einräumte, war keine Zustimmung der deutschen Behörden erforderlich. Die Konsultationen vom 8. April betrafen jedoch die Wahlen vom 10. Mai. Die Form der Wahlen am 28. Juni und 12. Juli wurde nicht konsultiert. Am 21. Juni wählten die Serben und am 5. Juli die Kroaten ihre Parlamente persönlich in ihren Botschaften in Berlin.

Wie viele Mitglieder des Bürgerkomitees von Rafał Trzaskowski gab es in Deutschland?

Ich glaube, dass wir ein gewisses politisches Bewusstsein und eine gewisse Energie in den Menschen geweckt haben, und ich denke, es besteht die Chance, dass sich die in Deutschland lebenden Polen stärker politisch engagieren, z.B. durch die Kandidatur für die Integrationsräte, die es in jeder Stadt gibt.

Leonard Paszek

Andreas Hübsch, Herausgeber der Zeitschrift "Samo Życie" und Reporter von COSMO Radio in polnischer Sprache aus dem Rheinland, wurde vom Restaurant "Gdańska" ausgezeichnet.

Am ersten Augustwochenende konnten die Anhaenger des Kultrestaurants "Gdańska" an der nächsten Ausgabe der Preisverleihung der "Neptun-Statue" auf dem Marktplatz in Oberhausen teilnehmen. Die Auszeichnung für den besonderen Aufbau polnisch-deutscher Beziehungen wird seit 2002 von den Eigentümern des Restaurants "Gdańska" Maria und Czesław Golebiewski verliehen.

Die diesjährige Statuette ging an Andreas Hübsch, den langjährigen Herausgeber und Chefredakteur der populären deutsch-polnischen Zeitschrift "Samo Życie". In der Begründung für die Auszeichnung würdigte das Komitee "Gdańska" das Engagement des Journalisten für eine ehrliche und aufrichtige journalistische Arbeit und seinen Beitrag für die polnische Gemeinschaft. In der Laudatio Wiesław Lewicki dankte dem Preisträger für die zuverlässige Medienberichterstattung für Polonia und die Polen in Deutschland und für die langjährige Zusammenarbeit mit den örtlichen polnischen Medien.

Andreas Hübsch in seiner Danksagung betonte: "Lasst uns nicht blind jemandem vertrauen, nur weil er Millionen von Anhängern in den sozialen Medien hat, lasst uns kritisch sein, wenn - wie in Polen - das öffentliche Fernsehen und Radio in "nationales Fernsehen" und "nationales Radio" umbenannt worden sind. Heutzutage müssen wir die Informationsquellen ständig überprüfen, um nicht Opfer von Propaganda oder gefälschten Nachrichten zu werden".

Hören Sie ein Interview mit Andreas Hübsch von Radio COSMO an:

Quelle: WDR - Radio COSMO

Redaktion Polonia Viva

 

Bis vor kurzem haben uns Bilder von verlassenen Plätzen, Parks und wichtigen öffentlichen Orten in Europa erschreckt. Oft isoliert in den sprichwörtlichen "vier Wänden", wurden sie von der Unsicherheit von morgen und der Angst vor dem pandemischen COVID-19-Virus begleitet, das während des Karnevals wütete.

Nach den drastischen Behinderungen irgendwo in der Mitte des Jahres ließen die Politiker unter Beobachtung der fallenden Krankheitskurve zu, dass das "Home-Office" zugunsten echter Büroarbeit vorsichtig verlassen wurde und wichtige soziale Kontakte aufgetaut wurden. Masken, Distanz und Desinfektion sind zu unserem Alltag geworden.

Es kam jedoch ein kritischer Moment der Pandemiemüdigkeit, und die Mehrheit der Gesellschaft verkürzte, ungeachtet der Empfehlungen, die empfohlene Distanz erheblich. Menschen, die durstig nach Ruhe waren und das Unbehagen der Isolation vergessen wollten, hörten einigen Politikern zu, die für ihre unmittelbaren Zwecke die Pandemie einfach "abgesagt" haben. Gegenwärtig leiden wir alle unter den Folgen nicht nur durch den Verlust des eigenen Selbsterhaltungstriebs, sondern auch durch die Feststellung einer weit verbreiteten Zunahme der Krankheitskurve.

Als die Sommerzeit kam, kam die Hoffnung auf Normalität und ein unwiderstehlicher Wunsch nach Ruhe. Wir vergaßen schnell die gerade gestrichenen Flüge und den Verzicht auf Urlaubspläne. Viele haben jetzt beschlossen, ihren Urlaub ad hoc im eigenen Land zu verbringen, und nur wenige haben sich entschlossen, die offenen Grenzen zu nutzen und in die Welt hinauszugehen. So viele Auslands-Polen haben es glücklich geschafft, ihr Heimatland zu besuchen und haben sich unter die Menschenmengen gemischt, die sich entweder an der Ostsee oder in der Tatra erholen wollen. Bilder von touristischen Sehenswürdigkeiten sprechen für sich.

Hat das Coronavirus auch Feiertage? Nicht wirklich, oder sogar sicher nicht! In vielen Ländern warnen wissenschaftliche Experten davor, dass die Zahl der Infektionen mit der Bewegung einer großen Zahl von Touristen zusammenhängt, die keine soziale Distanz und keine ausreichenden Schutzmaßnahmen einhalten. Auch unsere Politiker in den Bundesländern sagen voraus, dass sich die Epidemie nach der Rückkehr der Touristen aus dem Urlaub wieder verschlimmern wird. Deshalb schlagen viele Entscheidungsträger Alarm und verschärfen die Vorschriften für das Tragen von Masken auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - in NRW beispielsweise müssen Sie in Ermangelung einer Maske den Transport sofort aufschieben und ein Bußgeld von 150 € zahlen!

Die Situation ist derzeit in vielen europäischen Ländern ähnlich. Die wiederkehrende Welle der Pandemie betrifft bestimmte Regionen, und dort wenden die lokalen Behörden Subventionsbeschränkungen und Präventivmaßnahmen an. Dies ist z.B. im Kreis Gütersloh bei der Fleischfabrik Tönnies, in den Bergwerken in Schlesien oder in der spanischen Region Katalonien und der belgischen Region Antwerpen der Fall.

Trotz des Wiederauftretens der Pandemie ist das Verhalten der Bürger besorgniserregend, die häufig die Vorschriften der lokalen Behörden ignorieren und sich sogar offen dagegen aussprechen. In vielen Städten gab es Massenproteste gegen alle Einschränkungen. Die größte Demonstration fand am vergangenen Wochenende in Berlin statt, wo Tausende von Unzufriedenen ihren Widerstand gegen die Politik der Behörden und ihrer Meinung nach unnötige Beschränkungen der Pandemie zum Ausdruck brachten.

Der Rückfall der bereits gedämpften COVID-19-Pandemie ist bereits eine Tatsache, und dennoch sagen Experten für Mitte September nach der Rückkehr der Urlauber eine deutliche Verschärfung der Epidemie in verschiedenen Regionen Europas voraus. Sowohl die Empfehlungen als auch die Anordnungen der Behörden können unterschiedlich bewertet werden, aber keiner von uns wird sich vom gesunden Menschenverstand und von der bürgerlichen Verantwortung befreien, uns selbst und unsere Lieben zu schützen. Halten wir also mitten in der zurückkehrenden Welle Abstand vom gesunden Menschenverstand und ein Höchstmaß an Hygiene - verlieren wir also nicht unsere gute Laune und die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

Wiesław Lewicki

Polonia Viva

Haupt-Foto: Łukasz Dejnarowicz / Forum

weitere Fotos - Internetquelle

 



Die Leute können sich nicht vorstellen, dass ein Mann zwei Wettkämpfe haben kann, zwei Leidenschaften, die genauso gut funktioniert. Ich liebe Medizin, aber ich liebe auch Theater und Musik, ich liebe Kunst ", sagt Margaux Kier.

DW: Margaux, wer bist du eigentlich – Ärztin, Sängerin oder vielleicht eine singende Ärztin?
Margaux Kier: „Die Frage ist schwierig, Menschen können sich kaum vorstellen, dass man zwei Berufe haben kann – zwei Leidenschaften, die ich genauso gut ausübe. Einerseits versucht man weiszumachen, dass ich eine Hobby-Urologin, andererseits sind einige Menschen davon überzeugt, dass ich eine Hobby-Schauspielerin bin. Ich empfinde es nicht so, den Arztberuf nehme ich sehr ernst, es ist kein Hobby. Ich liebe Medizin, gleichermaßen liebe ich auch das Theater, die Musik und die Kunst.
DW: Ist es für eine gebürtige Polin einfach, auf der deutschen Musikbühne Fuß zu fassen?
MK: Falls wir von dem polnischen Deutschtum sprechen, d. h. von einem Leben im Exil als Emigrant, so hat sich einiges seit der Zeit meiner musikalischen Anfänge geändert. Heute gibt es auf der Bühne einen großen Wettbewerb, vielleicht sogar Kampf, es passiert sehr viel. Finanzielle Mittel sind unerlässlich damit ein Sänger das Publikum überhaupt erreichen kann. Jemand, der bereit ist, in einen Sänger zu investieren denkt dabei nur daran, wie lange an einen Gewinn daraus erzielen kann. Man braucht großes Geld für die Werbung, die Billboards und die ersten Seiten von Zeitungen. Ich habe übrigens erfahren, dass der Manager eines Künstlers viel Geld an Journalisten zahlt um an den ersten Seiten zu erscheinen Einerseits findet so etwas statt, andererseits gibt es auch Journalisten, die es schaffen, einen Künstler z fördern, der mittellos ist; es ist allerdings schwierig und kommt selten vor.
Auch das fehlende Wissen über ein anderes Land, über dessen Geschichte, Kultur und Denkweise macht es für Menschen, die von woanders stammen und auf der Bühne auftreten möchten, schwer. Mir selbst ist erst vor sieben-acht Jahren klar geworden, wie wenig ich über Deutschland und die Deutschen, die Geschichte, Politik und das kulturelle Leben sowohl der Massen als auch der Eliten dort weiß.  Woher sollte ich es auch wissen,  ich bin doch in Bydgoszcz aufgewachsen. Nach Deutschland kam ich 2007, um an einem Stück über zwei Malerinnen der Avantgarde – Frieda Kahlo und Paula Modersohn-Becker mitzuwirken. Das Spektakel wurde in Worpswede aufgeführt. Bis dahin habe den Namen „Worpswede“ nicht gehört, dabei handelt es sich um eine relativ große Siedlung in der Nähe von Bremen, früher nannte man sie „Künstlerdorf“ - ein Dorf der Künstler, die dort kamen, lebten, wohnten und kreativ arbeiteten.
Die spezifischen Lichtverhältnisse, die Farben der Natur und eine einmalig interessante Landschaft zogen insbesondere viele Maler dorthin, so dass einzigartige Bilder entstehen konnten. Dort wohnten u. a. Rainer Maria Rilke und Heinrich Vogeler, die einen bedeutenden Einfluss auf die deutsche Kultur ausübten. Ich befand mich in Worpswede und dachte dabei: „Mein Gott, hinter diesem Dorf steht eine 100-jährige Geschichte, von der ich bis jetzt keine Ahnung hatte, niemand hat mir davon erzählt. Ich kam dorthin zwei Jahre hintereinander, wir spielten das Stück „Paula und Frida“ in Barkenhof, die Tickets waren täglich ausverkauft. Das Spielen in diesem Stück war für mich ein Erlebnis und eine weitere Etappe bei dem Eintauchen in die Tiefen der deutschen Kultur.
Wichtig war für mich auch das Kennenlernen der deutschen Sprache dank Karl Dedecius, der so hervorragend die Werke von Szymborska übersetzt hat, dass ich dabei dachte: „Wie hübsch die deutsche Sprache doch ist!“.  Es war eine höhere Einweihungsstufe in die deutsche Kultur. Selbstverständlich habe ich als junges,  14, 15-jähriges Mädchen Goethe, Schiller und weitere Schriftsteller gelesen, auch wenn es mir schwer gefallen ist. Ich versuchte „die Grundlagen“ der Literatur zu ergründen.
DW: Heute wanderst du mit Leichtigkeit durch verschiedene Stillrichtungen der Musik. Du singst Pop, Balladen, Jazzstandards - ein herausragendes, breit gefächertes musikalisches Programm
MK: Ich bin auch der Meinung, dass die Verbindung von diesen Gattungen toll ist. Es gibt etwas Interessantes, was ich von Seweryn Krajewski gehört habe. Er selbst hat in seiner Zeit bei „Czerwone Gitary“ auch Lieder auf Deutsch geschrieben, sie wurden für Amiga- die Plattenfirma der DDR aufgenommen. Die Bandmitglieder haben selbst die Worte für ihre Lieder geschrieben, da sie etwas Deutsch gesprochen haben, bei diesem Vorhaben wurden sie selbstverständlich von den Deutschen aus der DDR unterstützt. Krajewski sagte einmal in einem Interview etwas Wichtiges, nämlich dass die Polen und die Slawen Melodien in sich tragen.  An seinen Melodien, die häufig eingängig sind und das Herz berühren, arbeitet er sehr lange. Man kann sie auf viele musikalische Weisen spielen – als Jazzstücke oder sogar als Technomusik. Darin besteht diese slawische Macht, eine Musik, die diesen Reichtum besitzt kann auf viele Arten gespielt werden.
DW. Du hast ein sehr vielfältiges Repertoire und trittst auf verschiedenen Bühnen auf und von unterschiedlichem Publikum, hältst du dich für eine Künstlerin, die sich selbst verwirklicht hat?
MK. Ja, aber noch nicht ganz, da es mir bis jetzt nicht gelungen ist,  jemanden zu finden, der die organisatorische Seite meiner Auftritte übernehmen würde. Dadurch, dass ich weiterhin in meinem Arztberuf arbeite habe ich wenig Zeit, früher musste ich mich auch noch um die Erziehung meines Sohnes kümmern, es für mich schwierig, einen Manager zu finden. Es ist eine komplizierte Angelegenheit, Konzerte für die Art Musik, die wir machen, Musik von Menschen mit Ambitionen, zu organisieren. Die Chansons, die wir spielen und die Anfang des vergangenen Jahrhunderts populär in Deutschland waren, verschwanden fast komplett nach dem Krieg, die gesungene Poesie, von der Wislawa Szymborska sagte, dass zwei Tausend Menschen sie lesen, ist eine schwierige Poesie, selbst wenn sich immer mehr Leute für die polnische Kultur öffnen. Ich muss sagen, dass die Deutschen, die unser Konzert einmal besuchten, häufig überrascht sind, dass Polnisch sich so gut anhört, sie wollen es hören, ja sie schwärmen sogar davon. Wenn es um den Inhalt der Lieder geht, gefällt er den deutschen Zuhörern besonders gut - ich habe sogar neue, polnische Lieder im Programm,  die ich aktuell übersetze sowie die älteren Lieder. Die Lieder, die ich als Lieder mit Gefühl bezeichnen würde, gewinnen immer mehr an Popularität. Zusammenfassend, man kann sich mit diesem Repertoire behaupten, aber es ist nicht einfach.
DW: Wir haben bereits einmal über Musik gesprochen. Damals hast du mir ein Beispiel aus dem Leben genannt. Als in den 60-er Jahren solche Musik wie Pop entstanden ist, The Beatles oder Stones waren wie Bäume, die zu einem Wald wurden. Heute wachsen diese Bäume nicht  mehr oder nur selten, es gibt fast nur noch Wälder…
Ja, und deswegen ist es so schwierig. Du musst Geduld haben, musst die ganze Zeit etwas Neues, musikalisch neues erzählen, die ganze Zeit arbeiten, arbeiten, arbeiten und nur dann kannst du auftr

MK: eten, dich entwickeln und Platten aufnehmen. Es ist sehr schwer. Ich würde sogar sagen – es ist einfacher, sich in die Arbeit des Krankenhauses zu engagieren, an einem Ort, wo du Geld für Leben verdienst und in Ruhe gelassen wirst. Im Gegensatz dazu ist es schwer, heute, in der Zeit der Medien ein Künstler zu sein.  
Zum Schluss erzähle ich dir etwas, was aus meiner Erfahrung resultiert. Die Deutschen sind offen für die polnische Kultur und sie öffnen sich immer mehr. Die letzten Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung in Polen sind auch der langjährigen Arbeit der deutschen Regierung zu verdanken und sie trugen wesentlich dazu bei, dass man diese Kultur hier schaffen kann. Sei es durch den kulturellen Austausch. Dazu kommt noch die Arbeit von unzähligen deutsch-polnischen Vereinen, Städtepartnerschaften, Aktivitäten von Deutschen, Polen und Exil-Polen, die gemeinsam einen Dialog bilden,  der stattfindet. Die deutschen Bürger haben Aktionen an Schulen gestartet, die Polen zeigen und wie sich Polen entwickelt. Es gibt die Bosch-Stiftung, die diese Projekte nicht nur mit Wort unterstützt. Dank den engagierten Deutschen war Polen im Jahre 2000 der Ehrengast der Buchmesse in Frankfurt/Main. Diese Zusammenarbeit – ich wiederhole es erneut – ist immer intensiver und deswegen können alle, die hierhin kommen und die polnische Kultur zeigen wollen, eine Chance erhalten, auf der musikalischen Bühne Platz zu finden. Andererseits sind es dieselben Chancen, die die hiesigen Künstler haben, wie ich bereits sagte auch sie haben Fehler und müssen selbst Sorge dafür tragen, sich ständig zu verbessern. Sie haben allerdings auch den Schatz der polnischen Wurzel und sollen Nutzen daraus ziehen.
Gesprochen Wieslaw Kutz

Margaux Kier – eine deutsche Sängerin mit polnischem Migrationshintergrund, von Beruf Ärztin. Sie lebt in der Nähe von Köln

 

 

 

12.Juli, am vergangenen Sonntag haben die Pol*innen ihren künftigen Präsidenten gewählt. Nachdem keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen konnte, hat sich voraussichtlich, nach Auszählung von 99,97 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Andrzej Duda mit 51,21 Prozent gegen seinen Herausforderer Rafał Trzaskowski mit 48,79 Prozent knapp durchgesetzt. Was hat letzten Endes den Ausschlag gegeben? Wer sind die Wähler*innen von Andrzej Duda? Und welche Folgen hat das Ergebnis für die polnische Innenpolitik und die Beziehungen des Landes zu Deutschland und der Europäischen Union?

Diese und weitere Fragen werden Dr. Agnieszka Łada und Bastian Sendhardt vom Deutschen Polen-Institut diskutieren. Dabei werden sie auch einen Blick auf das Polen jenseits des Warschauer Politikbetriebs werfen und Expert*innen mit ihren Einschätzungen aus anderen Teilen des Landes zu Wort kommen lassen.

Die Veranstaltung wird morgen, den 14. Juli 2020, ab 14 Uhr live auf der Facebook-Seite des Deutschen Polen-Instituts www.facebook.com/deutschespoleninstitut übertragen, wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen im Live-Chat.

Dr. Andrzej Kaluza
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Polen-Institut

 

Dialogbereitschaft, Neutralität und Gleichbehandlung polnischer Organisationen, unabhängig vom Umfeld, das sie vertreten. Das sind die häufigsten Erwartungen der Vertreter der deutsch-polnischen Gemeinschaft an den künftigen Präsidenten der Republik Polen", resümiert Radio-Cosmo-Journalistin Monika Stefanek nach Gesprächen mit Vertretern der deutsch-polnischen Gemeinschaft.

An diesem Sonntag werden die Polen im In- und Ausland einen Präsidenten für die nächsten 5 Jahre wählen. Der Kampf in den letzten Tagen des Wahlkampfes ist sehr heftig und die Ergebnisse in den Umfragen sind zur Hälfte verteilt, so dass jede Stimme zählt. Monika Stefanek berichtet, dass die Stimmen aus dem Ausland wichtiger sein werden als sonst, zumal alles darauf hindeutet, dass die über die ganze Welt verstreute polnische Gemeinschaft bei dieser Wahl eine Rekordzahl von über 500.000 Stimmen abgeben wird. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei den vorangegangenen Wahlen. Was für einen Präsidenten wünschen sich polnische Frauen und Männer, die in Deutschland leben? Hören wir uns die Sendung von Monika Stefanek an.

Deutschland hat zum 1. Juli 2020 turnusgemäß für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, zum ersten Mal seit 2007. Während dieser Zeit führt Deutschland den Vorsitz im Rat der Europäischen Union und leitet alle Ratssitzungen. Mit dem Motto "Gemeinsam. Europa wieder stark machen." stellt die deutsche Bundesregierung die Bewältigung der Corona-Pandemie und die Beantwortung aktueller Zukunftsfragen in den Mittelpunkt ihrer Präsidentschaft. Sie formuliert zugleich ihr Ziel: Europa soll stärker, gerechter und nachhaltiger werden.

Wichtige Grundlage für das deutsche Programm bilden die Strategische Agenda des Europäischen Rates von Juni 2019 und das inzwischen angepasste Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission. Leitgedanken der Ratspräsidentschaft Deutschlands sind:

  • Überwindung der Covid-19-Pandemie und wirtschaftliche und soziale Erholung;
  • ein stärkeres und innovativeres Europa
  • ein gerechtes Europa
  • ein nachhaltiges Europa
  • ein Europa der Sicherheit und der gemeinsamen Werte
  • ein starkes Europa in der Welt

Mehr Infos

Jacek Cosmo

Die polnische Redaktion von Radio Cosmo analysiert die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom 28. Juni dieses Jahres in Polen und stellt fest, dass die Polonia und Auslandspolen in Deutschland bereits in der ersten Runde ihren Präsidenten gewählt haben. Der Chefredakteur betont, dass Rafał Trzaskowski, der in der politischen Realität nicht chancenlos ist, sondern gewinnen will, um jede Stimme kämpfen muss. Er berichtet weiter, dass Trzaskowski in Deutschland seinen größten Konkurrenten in allen Wahlbezirken geschlagen habe und zwei oder, wie in Berlin, sogar viermal so viele Stimmen wie Andrzej Duda gewonnen habe.

Analysiert man die Ergebnisse, so scheint es zunächst einmal, dass nur wenige Nutznießer der Sozialpolitik der Regierung der letzten fünf Jahre in Deutschland gewählt haben, und unter den Wählern vor Ort herrscht eine tiefe Abscheu vor der Strategie der Regierung, die Gerichte nur der richtigen Parteilinie zu unterwerfen. Zusammenfassend kann man ferner feststellen, dass sich die Polen in Deutschland nicht dazu bewegen lassen, gegen Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung vorzugehen, wenn sie es wissen, dass dies das Thema ist. Weiterhin der Chefredakteur von Radio Cosmo stellt zudem fest, dass die Wähler in Deutschland durch ein weiteres wichtiges Thema mobilisiert werden, so dass die Machthaber keine Chance haben, Polen weiter von der Europäischen Union zu lösen und auf Kosten der europäischen Verständigung nach Amerika zu reisen.

Polonia Viva - WL

Quelle: Radio Cosmo 

Link: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/sendungen/radio-po-polsku/standpunktwidzenia/wybory-polonia-standpunktwidzenia-jacek-tyblewski-100.html

 

Der zweite Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Deutschland findet am 12. Juli 2020 ausschließlich auf dem Korrespondenzweg statt. Diejenigen Auslandspolen, die sich am 28. Juni für die erste Runde angemeldet haben, brauchen sich nicht mehr anzumelden, eine weitere neue Anmeldung ist erst am 29. Juni erforderlich: https://ewybory.msz.gov.pl/

Im zweiten Wahlgang qualifizierten sich der Präsident der Republik Polen Andrzej Duda, der 43,5 % der Stimmen erhielt, und der Präsident von Warschau Rafał Trzaskowski, für den 30,46 % der Wähler stimmten.

Im ersten Wahlgang waren die Ergebnisse der Wahlen im Land nach Angaben der staatlichen Wahlkommission wie folgt:

Die staatliche Wahlkommission berichtete über die Abstimmungsergebnisse der Polonia und der Polen im Ausland, bei denen trotz vieler Schwierigkeiten mit der rechtzeitigen Zustellung der Stimmzettel per Post Rafał Trzaskowski mit 48,13% der abgegebenen Stimmen der Favorit war:

Bericht von Wieslaw Lewicki

Quelle:  Die staatliche Wahlkommission (PKW)

https://wybory.gov.pl/prezydent2020

 

 

 

 

 

Pater Ryszard Mroziuk, ein langjähriger Pfarrer der Polnischen Katholischen Mission in Dortmund, hat uns verlassen. Er starb wenige Tage nach dem 50. Jahrestag seines Priestertums. Vor einigen Jahren willigte er ein, seinen Lesern über seine Jugend, sein Elternhaus, sein Priestertum, seine Zweifel und die Freuden und Sorgen des Alltags zu erzählen.

Erinnern wir P. Ryszard Mroziuk an sein Gespräch mit Leonard Paszek:

Wo haben Sie das Priestertum begonnen? Wusste der 15-jährige Rysiu, dass er Priester werden würde?

Der 15-jährige Rysiu wollte Eisenbahner werden. So wurde es in der Familie entschieden. Wir waren nicht reich, also ging ich in die Technische Eisenbahnschule, weil Sie dort einen Anzug bekamen. In der zweiten Klasse der Technischen Schule hatte mein Katechet einen schweren Unfall. Ich besuchte ihn und er sagte dann zu mir: "Ich gehe weg, und du ersetzt mich". Der Katechet erholte sich, und seitdem begann der Gedanke an das Priestertum in mir zu reifen.

Wie hat die Familie auf die Entscheidung, dem Seminar beizutreten, reagiert?

Ich habe niemandem von meiner Entscheidung erzählt, bis ich meine Bewerbung für das Seminar angenommen habe. Die Familie erfuhr es erst zwei Wochen nach Einreichung der Dokumente. Ehrlich gesagt, waren sie nicht erfreut. Sie dachten, ich würde arbeiten gehen und helfen, die Familie zu erhalten. Mein Bruder hat diese Worte sogar gesagt: "Der einzige Bruder und der Clog." Später leugnete er es. Niemand verurteilte sie jedoch, noch versuchte man, von ihr abzulenken.

Wie war Ihre Familie? Welchen Platz hatte die Religion darin?

Eine normale, katholische Familie. Sie zeichnete sich nicht durch eine besondere Frömmigkeit aus. Wir alle gingen sonn- und feiertags in die Kirche, in der Adventszeit ging ich jeden Tag um 6 Uhr morgens zu den Ratten, ich war auch Messdiener, seit ich 15 Jahre alt war. Seit ich anfing, über das Priestertum nachzudenken, fuhr ich früher mit dem Bus zur Schule, um vor dem Unterricht zur Kirche zu gehen.

Sind Sie während der technischen Schule zum Spielen gegangen?

Sehr selten, vielleicht zweimal, habe ich Schulspiele besucht. Früher bin ich jeden Tag von Olesnica nach Wroclaw zur Schule gefahren, so dass ich nach dem Unterricht meistens nach Hause ging.

Gab es während des Seminars irgendwelche Zweifel oder Versuchungen, das Seminar zu verlassen?

Ja, zweimal. Das erste Mal war ich im vierten Jahr besorgt. Damals traf ich einen ehemaligen Priester. Ich dachte mir, da er es nicht ertragen konnte und nach 17 Jahren seine Soutane ausgezogen hat, komme ich vielleicht jetzt raus, um später keine Sauerei zu machen. Ich teilte meine Zweifel mit meinem Geistlichen, dem derzeitigen Bischof Pazdura. Er sagte mir damals: Warum das Priestertum durch das Prisma derer betrachten, die versagt haben? Schauen Sie sich die Priester an, die im Alter ehrlich und glücklich leben. Es ist, als betrachte man die Ehe nur durch das Prisma derer, die gescheitert sind. Zum zweiten Mal kam der Gedanke auf, kurz vor der Ordination aufzugeben. Ich war besorgt, ob ich es schaffen oder ein guter Priester sein könnte. Damals sagte man mir: "Du legst deine Hand auf den Pflug, damit du mit Gottes Hilfe aufstehen kannst".

Und dann, während des Priestertums?

Nein. Die 40 Jahre meines Priestertums sind vergangen, und bis jetzt habe ich nicht einen Moment gezögert. Die Jugendfreizeit und die Gemeindearbeit haben mir sehr geholfen. Wie könnte ich an Rücktritt denken, wenn ich Menschen sehe, die jeden Tag einen Priester brauchen.

Was haben Sie nach dem Seminar gemacht?

Ich wurde an die Gemeindearbeit verwiesen. Zuerst war ich 3 Jahre lang in Strzelin, dann wies mich der Bischof in die Pfarrei in Wroclaw, Wolow, Bukow, ein. Ich leitete einen akademischen Dienst, ging auf Pilgerreisen und erfüllte alle Pflichten eines Vikars oder eines Pastors. Und so sind fast 17 Jahre meines Priestertums vergangen.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Wessen Entscheidung war das?

Seit der Seminaristenzeit hatte ich Kontakt zu einem Priester aus der DDR. Ich ging manchmal zu ihm und lernte auf diese Weise die deutsche Sprache kennen. Später, während der Ferien, ging ich als Priester manchmal nach Deutschland. Als ich Pfarrer in Bukow war, kam Kardinal Gulbinowicz zu uns. Während des Gesprächs fragte er mich, was ich als Nächstes tun wolle. Ich dachte, ich würde bis zum Ende in Bukow bleiben, ich habe ein Pfarrhaus gebaut und vor allem hatte ich wunderbare Gemeindemitglieder. Der Kardinal gab mir jedoch einige Anregungen. Er fragte, ob ich bleiben wolle, ob ich eine Stadtgemeinde wollte oder ob ich vielleicht nach Deutschland gehen wolle. Ich wusste nicht, dass es in Deutschland polnische Kirchengemeinden gibt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber der Bischof erwartete eine Antwort. Zur gleichen Zeit erhielt ich einen Brief aus Dortmund von meinen ehemaligen Gemeindemitgliedern. Sie schrieben darin, dass ihr derzeitiger polnischer Pfarrer, Pater Tokarek, krank ist. Ich habe lange über die Vorschläge des Kardinals nachgedacht, ich habe gezögert, aber schließlich, nach zwei Monaten, habe ich meine Bereitschaft erklärt, nach Deutschland zu gehen. 1987 kam ich nach Ewing, einem Stadtteil von Dortmund, wo die Amerikaner nach dem Krieg eine Siedlung für Polen bauten. Nach 10 Jahren wurde die polnische Pastoral in die St. Anna-Kirche verlegt, wo wir heute stehen.

Wie war die Konfrontation mit der lokalen Realität. Gab es irgendwelche Bedenken?

Nein, es gab keine Befürchtungen. Mir war sogar bewusst, dass es sich um die gleiche pastorale Arbeit wie in Polen handelte. Vielleicht mit dem Unterschied, dass viele Gläubige ihre Heimat vermissten. Messen für das Vaterland hatten einen spezifischen Charakter.

Und haben Sie Polen nicht vermisst?

Nein, habe ich nicht, ich hatte mein Polen hier. Ich bin mit großer Euphorie an die Arbeit gegangen. Ich wusste, dass meine Landsleute mich brauchen. Oft behandelten sie das Pfarrhaus als ihre zweite Heimat. Die Arbeit hier hat mir immer viel Freude bereitet. Manchmal habe ich nur darum gebeten, dass mir polnischer Schinken gebracht wird. Aber das waren alte Zeiten.

Mit welchen Problemen haben die Gemeindemitglieder heute zu kämpfen?

In letzter Zeit sind immer mehr junge Menschen zu Sekten, okkulten Gruppen oder anderen kirchenfeindlichen Gruppen übergegangen. Persönlich lege ich auch großen Wert darauf, Polnisch für Kinder und Deutsch für Erwachsene zu lernen. Leider treffe ich viele Polen, die seit etwa einem Dutzend Jahren in Deutschland leben und kein Deutsch sprechen. Dies wiederum führt zu einem Gefühl der Entfremdung und Unerfüllung im Leben. Auch Menschen, die in nicht-sakramentalen Beziehungen leben, kommen oft zu mir. Ich versuche, ihnen bei der Durchführung von Verfahren zur Annullierung ihrer ersten Ehe zu helfen.

Hat Pfarrer Prälat Dr. Ryszard Mroziuk irgendwelche Hobbys?

Ich liebe es, der Musik von Chopin, Schubert, Beethoven oder Mozart zuzuhören. Ich habe auch eine Schwäche für Kakteen, aber jetzt gebe ich sie immer öfter weg.

Welcher Heilige steht Ihnen am nächsten?

Der Heilige Andreas Bobola liegt mir am meisten am Herzen. Ich spüre die Dynamik des Pfarrlebens in Dortmund, seit ich seine Reliquien erhalten habe.

Während eines Vorstellungsgesprächs konnte man nicht nach dem Zölibat fragen. Vermissen Sie nicht Ihre Familie?

Da ich allein bin, bin ich bereit, Gott dem Herrn und den Menschen zu dienen, zu denen er mich gesandt hat. Meine Familie sind Gemeindemitglieder, ich möchte für sie leben und das Gemeindeleben gestalten.

Waren Sie verliebt?

Ich bin, so könnte man sagen, die ganze Zeit verliebt - in Gott, den Herrn, und in die Menschen. Und in der High School gab es natürlich Schulsympathien, ich mochte die Mädchen auch. Es fällt mir sehr schwer, über etwas zu sprechen, das für einen Menschen ein natürliches Recht ist, aber ich habe mich mein ganzes Leben lang bewusst für den Weg des Priestertums entschieden, was bedeutet, die Familie oder die Nähe zu einer anderen Person aufzugeben. Ich hatte Angst vor der Einsamkeit, wahrscheinlich wie jeder Priester, aber nach 40 Jahren des Priestertums muss ich zugeben, dass ich ein glücklicher Priester bin.

Leonard Paszek

Zdjęcia Robert Widera

Das polnisch-deutsche Rockmusikfestival "Czadowa Westfalia" hatte seine Editionen an drei Orten. Die "Schlesische Schänke" war das "Landhaus Glüder" in Solingen und kürzlich die "Trabrenbahn" in Essen. Die siebte Ausgabe wird ungewöhnlich sein, sie wird in einer Online-Version stattfinden. Polnische und polnisch-deutsche Musiker werden dank der direkten Übertragung im Internet die ganze Welt sehen können. Das diesjährige Festival findet unter Studiobedingungen, mit allen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen und ohne Publikum, im PEPE-TV-Studio in Essen statt. Eine Rekordzahl von 14 Interpreten wird dort auftreten.

Czadowa Westfalia ist ein Festival, das polnische und deutsch-polnische Musik präsentiert. Initiiert wurde sie von der damals aktiven Vereinigung Polnischer Musiker in Deutschland OKTAWA. Die Organisation löste sich vor einigen Jahren auf, aber Czadowa Westfalia überlebte dank solcher Personen wie: Krzysztof "Ptak" Wróbel, Roman Szklarski, Mirosław Góralski und Piotr Plonka von PEPE TV. Bei früheren Ausgaben versuchten die Organisatoren, besondere Gäste einzuladen. So hatten wir unter anderem die Gelegenheit, die Band Kreon zu sehen - eine Legende der Metal-Trash-Szene in Polen und die United Forces of Nature "Mech" und das Blues-Duo Jan Błędowski / Arek Bleszyski. Jedes Mal richteten die Festivalgäste warme Worte in Richtung der polnischen Musikszene und behaupteten, dass sie mutig dem Niveau der nationalen Szene entspricht.

Die diesjährige siebte Ausgabe wird am Sonntag, den 28. Juni ab 16.00 Uhr von einem Sessel oder Sofa aus beobachtet. Es wird keinen verrückten Spaß, keinen Applaus und kein gemeinsames Singen mit den Musikern geben. Es wird auch kein großes Finale geben, bei dem sich alle Musiker auf der Bühne treffen. Hoffen wir jedoch, dass die nächsten Ausgaben beim Biertrinken mit Freunden in einem richtigen Club beobachtet werden und die Musiker auf einer richtigen Bühne zu sehen sein werden.

Leonard Paszek

Am 16. und 30.01.2020 fand in Düsseldorf und Essen eine Regionalkonferenz statt, die von Thorsten Klute organisiert wurde. Thorsten Klute ist im deutschen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration als Polonia-Beauftragter des Landes NRW eine Person, die sich stark für die polnische Gemeinde in Nordrhein-Westfalen einsetzt.

Die Konferenz zielte darauf ab, die politische und integrative Stärkung der Polinnen und Polen in NRW bei den anstehenden Wahlen zu den Integrationsräten am 13. September 2020 zu unterstützen. Viele von uns haben, obwohl wir seit Jahren in NRW leben und arbeiten, noch nie etwas von Integrationsräten und ihren Aufgaben gehört. Jetzt ist die Gelegenheit, herauszufinden, was solche Räte tun, was sie in ihrem Interesse tun, und auch sich persönlich zu engagieren, indem Sie sich aktiv an diesen Wahlen im September beteiligen und einen polnischen Kommunalkandidaten auswählen, der Sie vertritt. 

Die polnischen Bürger, die einst nach NRW kamen, waren die bedeutendste Gruppe in Bezug auf ihr Wachstum, die inzwischen die zweitgrößte Gruppe der Migranten in diesem Land (über 600.000) ist, nach der türkischen Gemeinschaft. Die Zahl der Neuankömmlinge ist nach wie vor sehr hoch, so dass NRW nach Berlin die größte Einwohnerzahl von Polen hat. Die Regionalkonferenzen sollen dazu beitragen, das politische Bewusstsein der polnischen Gemeinschaft zu stärken, um an den bevorstehenden Wahlen für die Integrationsräte im September dieses Jahres teilnehmen zu können. Viele Polen interessieren sich für Politik, aber nicht viele interessieren sich für die Regionalpolitik ihrer Region, d.h. für die Region, in der sie derzeit leben, arbeiten und wohnen. Diese Kampagne soll Mitglieder der polnischen Gemeinschaft dazu motivieren, für Integrationsräte und Stadträte zu kandidieren und an der Abstimmung am 13. September 2020 teilzunehmen.

Dies ist ein sehr wichtiges Element der Regionalpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen, damit Migranten polnischer Herkunft ihre politischen Bedürfnisse selbst artikulieren können, damit sie diese später umsetzen und an der politischen Willensbildung mitwirken können. Die türkische Gemeinschaft zum Beispiel ist seit Jahren durch ihre Mitglieder in diesen Räten vertreten und hat so ihre politische Stimme. Die polnische Gemeinde ist trotz ihrer hohen Einwohnerzahl in Nordrhein-Westfalen nicht sehr bereit, sich in das lokale politische Leben einzubringen. Sie ist daher auf der politischen Szene kaum sichtbar, was durch demokratische Wahlen der polnischen Gemeinschaft die Teilnahme in den Entscheidungsprozessen ermöglichen würde. Der Mangel an eigenen Mitgliedern der polnischen Gemeinschaft in den Integrationsräten wirkt sich negativ auf die Formulierung und Umsetzung der Ziele der polnischen Gemeinschaft aus.  

Die polnische Gemeinschaft ist im Bereich der polnischen Vereine und Organisationen, Clubs, Treffen und Veranstaltungen der polnischen Gemeinschaft sehr aktiv. Ein Sitz in den Integrationsräten würde die Unterstützung der Aktivitäten der Organisation eindeutig ergänzen, z.B. im Bereich des Sprachenlernens und der Anerkennung von Qualifikationen, der Sorge um die Entstehung und Erhaltung der kulturellen Identität oder der Chancengleichheit in der Gesellschaft. Im Rahmen dieser Kampagne schlug das Ministerium auch die Möglichkeit vor, dass polnische Staatsbürger die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben können. Zu diesem Zweck muss ein polnischer Staatsbürger die entsprechenden Bedingungen erfüllen, z.B. mindestens 8 Jahre in Deutschland leben und arbeiten, und als Bürger der Europäischen Union hat er den Luxus, dass er das Recht hat, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, ohne die polnische Staatsangehörigkeit aufgeben zu müssen. 

Die Wahl steht vor der Tür, am 13. September 2020. Dank unserer Teilnahme an den Integrationsräten können wir tatsächlich Einfluss auf die Integration nehmen und viele lokale polnische Projekte für uns Polen in NRW umsetzen. Jeder von uns, der in Deutschland arbeitet, zahlt seine Steuern, und von diesen Steuern werden wir endlich profitieren können, indem wir an den Integrationsräten teilnehmen und so direkt auf die Umsetzung der für uns notwendigen Angelegenheiten und Projekte einwirken können, wie es die türkische Gemeinschaft seit langem tut. Wir ermutigen Sie, nach Ihrem Wohnort, die Wahllisten der örtlichen Kandidaten zu unterschreiben, an diesen Wahlen teilzunehmen und zur Wahl zu gehen am 13. September 2020, oder die Absicht zur Stimmabgabe im Voraus per Post mitzuteilen.

Anna Golan, LL.M., Polnisch-deutsche Juristin / Köln, 07.06.2020.

„Twoje Miasto“, Ausgabe 15.08. 2020, https://www.twojemiasto.eu/ 

Text copyright by autor / Alle Textrecht vorbehalten beim Autor.

Fotos: Landesintegrationsrat NRW

In Deutschland werden die Wahlen am 28. Juni 2020 nur auf dem Korrespondenzweg durchgeführt. Sie können sich elektronisch anmelden - siehe unten auf dieser Seite: https://ewybory.msz.gov.pl/.

Personen, die sich für die Wahlen am 10. Mai 2020 in das Wählerverzeichnis eingetragen haben und an den Wahlen am 28. Juni 2020 teilnehmen wollen, müssen sich bis zum 16. Juni 2020 schriftlich bereit erklären, an den Wahlen teilzunehmen.

Sie können Ihren Wunsch zur Stimmabgabe selbst über das System www.ewybory.msz.gov.pl (Funktion: Änderung der Stimmabgabe), über den Briefwahlschein oder auf jede andere verfügbare Weise beim zuständigen Konsul in Deutschland, d.h. beim polnischen Konsul in Berlin, Hamburg, Köln oder München, anmelden. Der Antrag muss bis zum 16. Juni 2020 gestellt werden.

Personen, die die Meldung nicht oder nach dem 16. Juni machen, können nicht an den Wahlen teilnehmen, und es wird ihnen kein Paket zugesandt.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

 

Quelle: https://www.gov.pl/web/niemcy/wybory-2020

 

Das war Donnerstag, der 23. Juli 1987. Stefan Lorenz, der als Zulieferer in einem großen Werk in Tychy arbeitet, wurde mit einer Delegation nach Warschau entsandt, um eine weitere Charge der für die Produktion benötigten Elemente zu bestellen. Statt in die Hauptstadt ging er jedoch in den Westen. Er erhielt von einem Insider einen lang gepackten Koffer und fuhr in seinem neuen Fiat 126p nach Deutschland, für den er 8 Jahre bezahlte. Enttäuscht von der beruflichen Situation und dem grauen Alltag wollte er im Alter von 43 Jahren ein völlig neues Leben beginnen, und da er von Natur aus optimistisch war, hatte er keine Angst vor Widrigkeiten und Problemen, die auf ihn zukommen würden. Er war es nicht müde, in einem kleinen "Baby" zu reiten. Er passierte Gliwice, Opole, Wrocław und Görlitz, er lag bereits 1/3 des Weges zurück. Dann kamen Dresden, Chemnitz (damals Karl Marx Stadt), und nach 15 Stunden Fahrt beschloss er, im Auto ein Nickerchen zu machen. Deutschland kannte es von Reisen zu den sogenannten Sachsen. Jedes Jahr kam er zur Weinlese, um das bescheidene Gehalt eines Physiklehrers und später eines Lieferanten aufzubessern. Am nächsten Tag ging er ausgeruht und verschlafen nach Nürnberg, wo er einen Freund "Bauer" hatte, von dem er eine Wohnung mieten konnte.

Die nächsten Tage, Monate und Jahre waren die Zeit der Auseinandersetzung mit Auswanderungsfragen, die jeder der Leser wahrscheinlich auch verging. Eine Zeit der Briefe, die Freude und Optimismus, aber auch Momente der Erniedrigung durch Beamte und andere weckte. Sein angeborener Optimismus und seine langjährige Lehrerfahrung in Polen ließen ihn jedoch nicht zusammenbrechen. Die Sprach-, Integrations- und Lehrlingskurse dauerten mehrere Jahre, und in der Zwischenzeit wurden einige "schwarze" Arbeiten und unzählige "Bewerbungen" eingesandt. Wer von den Lesern hat diesen Weg noch nicht beschritten?

Anfang 1994 las die Ehefrau eine Ankündigung, dass sie auf dem evangelischen Friedhof St. Johannis in Nürnberg einen qualifizierten Grabsteinrestaurator suche. Sie boten auch an, in einem kleinen Geschäftshaus zu wohnen, einem historischen Haus... ...auf dem Friedhof. Letzteres war für Herrn Stefan von besonderem Interesse. Er ging zu einem ersten Gespräch, bei dem ihm die Art seiner Arbeit vorgestellt wurde, und ihm wurde mitgeteilt, dass seine mögliche Bewerbung von 8 Pastoren aus benachbarten evangelikalen Gemeinden geprüft würde. Am nächsten Tag begann er mit der Vorbereitung einer Akte mit den erforderlichen Dokumenten. Er fand auch heraus, dass die Arbeit des Konservators von historischen Grabsteinen mit einem häufigen Wechsel des Friedhofsverwalters verbunden ist. Damals wusste er noch nicht, dass er einer von 78 Kandidaten war, von denen 77 Lutheraner waren. Es war ein langer Weg, der mit der Auswahl von Januar bis Ende März verbunden war, als Stefan und seine Familie zu einem letzten Gespräch eingeladen wurden. Das Treffen endete in einer optimistischen Atmosphäre mit der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags. Am nächsten Tag, am April, dem Narrentag, begann für Herrn Stefan der erste offizielle Arbeitstag. Wie sehr freute er sich, als er in den ersten Wochen seine "lebenden" Mitarbeiter und seine verstorbenen Nachbarn traf, die bereits ständig an seinem Arbeitsplatz waren. Oft waren sie keine gewöhnlichen Menschen.

Seither steht Herr Stefan u.a. mit dem Autor des Marienaltars, Wit Stwosz, dem Maler Albrecht Dürer, dem Philosophen Ludwig Feuerbach und dem ersten Lokführer der Deutschen Bahn, William Wilson, in täglichem Kontakt.

Der erste Spaziergang über den Friedhof machte einen erstaunlichen Eindruck auf ihn. Er führte an Hunderten von Steinsandsteinblöcken vorbei, die Grabsteine mit schönen Wappen und Familienzeichen waren.

Und so vergingen 15 Jahre wunderbarer Arbeit, in denen er sich um die Grabsteine, die so genannten Epitaphien, sowohl der Großen dieser Welt als auch der einfachen Bäcker, Tischler, Anwälte und Beamten kümmerte. Das Leben in einem historischen Friedhofshaus weit weg von anderen Gebäuden gab ihnen viel Freude und Freiheit. Die "Nachbarn" wurden nicht durch laute Musik oder Partys gestört, die mehrmals im Jahr bis spät in die Nacht für Freunde organisiert wurden. Kein "Nachbar" klopfte an die Wände oder beschwerte sich. Sie hatten auch keine Angst davor, dort zu leben, und die Geräusche knisternder Sommerbalken aus dem Jahr 1682 wurden durch gewöhnliche Gesetze der Physik erklärt.

Im Jahr 2009 erreichte er das Rentenalter und ging nach Erledigung der Formalitäten in den so genannten "Ruhezustand". Seitdem begann für ihn ein neues Abenteuer. Im Jahr 2008 hat sich Herr Stefan auf dem Portal "Nasza Klasa" registriert. Da er ein beliebter Lehrer war, wurde er sofort von vielen seiner ehemaligen Schüler kontaktiert, mit denen er eine Korrespondenz begann. Die Studenten waren neugierig auf seine Auswanderung. Er erzählte ihnen sowohl virtuell als auch bei mehreren Klassentreffen, zu denen er eingeladen war. Natürlich sagten viele Schülerinnen und Schüler - "Herr Professor, Sie sollten ein Buch über Ihre Auswanderungsabenteuer schreiben". Die Zeit der beruflichen Ruhe war diesem Ruf förderlich, und so beendete er 2013 seine Auswanderung und andere Erinnerungen. Die redaktionelle Arbeit, die Suche nach einem Verleger und das Sammeln von Geldern sowie zahlreiche Korrekturen nahmen jedoch mehrere Jahre in Anspruch. Im Jahr 2019 veröffentlichte der Poligraf-Verlag eine 250-seitige, reich illustrierte Biografie von Stefan Lorenz mit dem Titel "Die Auswanderung der polnischen Sprache". "Darin beschreibt er seine Abenteuer mit Präzision, wie es sich für die Physik gehört, und teilt seine Emigrationserfahrungen mit seinen Lesern.

Das Schreiben war nicht leicht für ihn. In der Schule war er kein Adler in den Geisteswissenschaften. Als er einmal seine Phantasie verblassen liess und einen schönen Aufsatz über einen Naturfilm schrieb, den er einige Tage zuvor gesehen hatte, war die einzige Reaktion des Lehrers die Frage "woher hat er ihn geschrieben". Er versuchte, einen solchen pädagogischen Fehler in seiner Lehrtätigkeit zu vermeiden. Er gab seinen Schülern immer das Gefühl, an ihre Fähigkeiten zu glauben, und hat sie nie davon abgehalten, unabhängig zu denken, auch nicht im Falle der Physik. Als Ergebnis eines solchen Ansatzes nahmen viele seiner Schüler führende Positionen bei physischen Olympischen Spielen ein, sogar auf Provinzebene.

Er behandelte das Schreiben des Buches sehr gewissenhaft wie eine "Hausaufgabe", die ihm von seinen ehemaligen Schülern aufgetragen wurde. Sie finden auch, dass er das sehr gut gemacht hat!

Leonard Paszek

Text und Fotos

Vor 31 Jahren, am 04. Juni 1989 fanden in Polen Wahlen zu den zwei Kammern des Polnischen Parlaments (dem Sejm und dem wiedererrichteten Senat), die mit einem großartigen Sieg von „Solidarność“ endeten.  Die Konsequenz waren der Niedergang des Kommunismus und politische Transformationen, die nicht nur in Polen, sondern im gesamten Mittel-Ost-Europa stattfanden und im Fall der Berliner Mauer im November 1989 gipfelten.

Die Wahlen kamen als Ergebnis einer Vereinbarung zwischen den kommunistischen Machthabern und Vertretern eines Teils der Opposition und der Kirche während der Verhandlungen am Runden Tisch zustande. Die Politikwissenschaftler sind sich einig, dass am 04. Juni 1989 keine vollkommen freie Wahlen, sondern eher ein Plebiszit für die Freiheit stattgefunden hat.

Nach langen Verhandlungen am Runden Tisch wurde vereinbart, dass unabhängige Kandidaten sich zur Wahl für sämtliche Plätze im Senat und 35 Prozent der Plätze in Sejm stellen werden,  die übrigen 65 Prozent waren für die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei und ihre Blockparteien (PRON, davon 35 aus der Landesliste) reserviert. Man glaubte, dass die Kommunisten eine Anzahl von Mandaten behielten, die ihnen das Weiterregieren ermöglicht hätte. Gleichzeitig machte diese Lösung einseitige Verfassungsänderungen unmöglich, da dafür eine 2/3 Mehrheit der Stimmen benötigt wurde.

Die Bestimmungen in Bezug auf die Wahlen hatten einen einmaligen Charakter, sie verhinderten eine harte Konfrontation und sorgten dafür, dass die Wahlkampagne friedlich verlief. Die darauffolgenden Wahlen sollten vollkommen demokratisch durchgeführt werden.

Am 07. April 1989 hat der Sejm ein „Gesetz über die Änderung der Verfassung der Volksrepublik Polen“ verabschiedet. Dieses Gesetz änderte die  Verfassungsbestimmungen bezüglich des Senats, des Amtes des Präsidenten und der Wahlordnung für Sejm und Senat.  Am 13. April hat der Staatsrat Termine für die Wahlen – 04. Und 18. Juni 1989 - festgelegt.

In Übereinstimmung mit den Beschlüssen des Runden Tisches kam es zur Legalisierung von „Solidarność” (17. April 1989) und der „Solidarność der individuellen Bauern“ (20. April 1989). Entsprechend dem Willen des Landesexekutivausschusses von „Solidarność” wurde die Leitung der Wahlkampagne dem Bürgerkomitee „S” übertragen. Am 23. April wurden während seines ersten Treffens mit den Vertretern der regionalen  Bürgerkomitees die Wahllisten für Sejm und Senat bestätigt und das Wahlprogramm angenommen.

Die Wahlen am 04. Juni 1989 bedeuteten einen Weg zur Freiheit, Prof. Antoni Dudek stellte fest: „Die durch das Bürgerkomitee geführte Wahlkampagne zeichnete sich durch große Dynamik aus. Eine hervorragende Idee waren die Wahlplakate, die „Solidarność” Kandidaten gemeinsam mit Lech Wałęsa zeigten. Unterstützung erhielten die Bürgerkomitees nicht nur von bekannten polnischen Künstlern und Kulturvertretern, auch westliche Stars (u. a. Jane Fonda, Yves Montand und Stevie Wonder) unterstützen sie. Während der Treffen mit den Wählern verteilte man zahlreiche „Spickzettel“, die den Wählern die Wahl erleichtern sollten. Auf den Spickzetteln hat man die Namen der „Solidarność“-Kandidaten angekreuzt, man riet den Wählern dazu, alle anderen Namen, darunter auch die aus der Landesliste, zu streichen.

Ein wesentliches Hindernis für die Arbeit des Bürgerkomitees war der eingeschränkte Zugang zu den Massenmedien. Man löste dieses Problem sehr geschickt. Die Fernsehsendungen von „Solidarność“, die zum ersten Mal erst am 09. Mai ausgestrahlt wurden, waren professionell vorbereitet und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Am Sonntag, den 04. Juni 1989 fand die erste Wahlrunde statt. 62 Prozent der stimmberechtigten Wähler nahmen daran teil. Bei den Wahlen zum Senat erhielten die Kandidaten des Bürgerkomitees „Solidarność“ 92 Mandate, die Regierungskoalition erhielt kein Mandat.

Bei den Wahlen zum Sejm erhielt „Solidarność” 160 aus 161 möglichen Plätzen. Die Koalitionskandidaten erhielten lediglich drei Plätze. Nur zwei Kandidaten aus der Landesliste, auf der Vertreter der Regierungskoalition standen, (Mikołaj Kozakiewicz und Adam Zieliński) erhielten über 50 % der Stimmen, was entsprechend der Wahlordnung bedeutete, dass die übrigen Kandidaten eliminiert wurden und 33 Abgeordnetensitze nicht belegt wurden. Die Wahlen endeten mit einem großen Sieg von „Solidarność“. Dessen Dimension überraschte sowohl die Kommunisten als auch die Pro Solidarność-Opposition. Jan Olszewski stellte fest, dass die Wahlen am 04. Juni durch das polnische Volk gewonnen wurden.

Timothy Garton Ash  beschrieb in seinem Buch "Der Frühling der Bürger. Revolution 1989 betrachtet in Warschau, Budapest, Berlin und Prag“ /Rewolucja 1989 widziana w Warszawie, Budapeszcie, Berlinie i Pradze" die Atmosphäre nach den Wahlen so: „Sonntag, 04. Juni war der Wendepunkt nicht nur in der Nachkriegsgeschichte Polens, nicht nur in der Geschichte Osteuropas, sondern in der Geschichte der gesamten kommunistischen Welt.“

Über die Situation nach dem Sieg in der ersten Wahlrunde schrieb Lech Wałęsa so: „Am ersten Sonntag im Juni 1989 änderte sich vieles. Am 04. Juni „um zwölf Uhr mittags” haben wir ein neues Polen gewählt”. (Lech Wałęsa "Droga do prawdy. Autobiografia")

 
Zusammenfassung von Wieslaw Lewicki
Plakat wyborczy Solidarności z 1989 rokuFoto: Wistula, lic.CC / wikipedia

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