Anastasiia Merezhko ist eine 30-jährige ukrainische Künstlerin, aus dem malerischen Bucza. Die Bilder über die in dieser Stadt, von den Russen begangenen Verbrechen, gingen um die ganze Welt. Anastasiia kam im April nach Worms dank der Freiwilligen Piloten des ukrainischen Luftrettungsdienstes, die Medikamente und humanitäre Hilfe in die Ukraine liefern. Sie bringen auch Flüchtlinge aus der Ukraine, mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen nach Deutschland transportieren, wo sie qualifizierte Hilfe erhalten. Am 29. April war Anastasiia Teilnehmerin und Gast des Benefizkonzertes „Gemeinsam für die Ukraine“ in Darmstadt, organisiert von „Darmstadt.PL“ und dem Verein „MRIJA“. Sie brachte ihre Gemälde zur Wohltätigkeitsauktion, von denen einige,  die russische Besatzung überlebten und einige wurden erst während dem Krieg geschaffen, als sie und ihre Familie in eine sicherere Stadt in der Ukraine evakuiert wurden.

Wie sah Dein Leben vor dem Krieg aus?

Vor dem Krieg alles war toll, ich war glücklich. Ich hatte persönliche und berufliche Pläne, ich träumte von einem Zuhause und einem eigenem Atelier, ich träumte von vielen Reisen, aber ich wollte nie aus der Ukraine auswandern. Das ist meine Ukraine, auch jetzt, während des Krieges. Im Moment muss ich, wie die meisten Ukrainer, diesen Kriegsalptraum überleben. Ich habe mein Zuhause verloren, ich habe meinen Job verloren, meine Familie ist jetzt über die ganze Welt verstreut und es war nicht ihre gewollte  Entscheidung. Ich musste mich von meinen Verwandten verabschieden, weil die Russen beschlossen, in mein Land einzudringen und alles zu zerstören ... Davor habe ich meine Bilder gemalt, ich habe Ausstellungen und interessante Projekte gemacht ... Vor dem Krieg hatten wir zusammen mit meinem Mann unser eigenes Atelier. Viele Kinder und Erwachsene kamen zu uns, um sich künstlerisch zu entwickeln. Wir haben vielen Menschen geholfen, ihren kreativen Weg zu finden. Und jetzt gibt es nur noch den Kampf!!!

Wie hat sich Deine Welt am 24. Februar 2022 verändert?

Mein Leben hat sich dramatisch verändert. Mein Mann und ich haben uns als freiwillige Helfer gemeldet, wir haben unsere Soldaten und Bedürftigen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt, wir haben vielen Zivilisten aus dem Feuergefecht geholt. Wir sammeln immer noch Geld für Munition, Medikamente und Lebensmittel. Von diesem Tag an verstand ich auch den wahren Wert des menschlichen Lebens. Ich habe keine Angst um mich selbst, sondern um meine Familie. Meine Familie war mindestens vier Mal dem Tode ganz nah. Am 24. Februar lernte ich auch, was echter Zorn und Hass sind. Die Russen haben mich dazu gebracht, das ganze Russland und alle Russen zu hassen, die Lebende, die Toten und die Ungeborene ... Jetzt habe ich keine Pläne für die Zukunft, weil ich nicht weiß, was morgen sein wird, oder ob es das Morgen überhaupt geben wird.

Wie gut wusstest Du, was um Sie herum vor sich ging?

Als Freiwillige weiß ich genau, was passiert ist. Ich sah die Verwüstungen, zerstörte Panzer und Autos, sowohl die militärische als auch zivile. Ich sah zerstörte Häuser und ganze Stadtteile. Ich habe viele Male handtellergroße, russische Patronen in meinen Händen gehalten, ich sah, wie die Menschen sterben. Viele von ihnen kannte ich persönlich. Ständig bete ich für meine Verwandten, dass mein Land überlebt, dass unsere Verteidiger überleben und dass alle Russen zugrunde gehen, weil sie keine Menschen sind. Sie zerstören alles und nehmen ein unschuldiges Leben

Deine Bilder sind sehr positiv ... Woher kommen bei Dir so viele gute Gedanken?

Ich habe erst im zweiten Monat nach dem Kriegsausbruch wieder angefangen zu malen, vorher konnte ich nicht, wollte nicht, ich hatte nicht einmal die Zeit ... Mit dem Frühlingsanfang wird immer alles lebendig! Ich glaube ganz tief an unsere Freiheit und unseren Sieg. Ich bin überzeugt, dass bald endlich Frieden herrschen wird. Meine Bilder spiegeln wahrscheinlich meine Träume wider. Die Blumen und die Natur hat mich schon immer inspiriert, sie ist in jedem Fall schön und so perfekt. Sie regeneriert sich immer wieder, auch nach den schlimmsten Erschütterungen.

Gehst Du wirklich zurück in die Ukraine? Was wirst Du tun, wenn Du dort ankommst?

Ja, ich habe bereits einen Linienflug nach Rumänien. Von dort überquere ich die Grenze zu Fuß und bin wieder zurück in der Ukraine, in meiner Heimat. Ich werde weiterhin dem Menschen und unseren Soldaten helfen. Wir werden unsere Freiheit und unser Recht auf Leben verteidigen. Wir geben nicht auf! Ich werde weiterhin Bilder malen, weil die Leute sagen, dass sie ihnen Hoffnung und etwas Freude bringen.

Kannst Du uns sagen, woher kommt der unglaublichere Mut der Ukrainer?

Ich habe lange darüber nachgedacht, woher unsere Furchtlosigkeit und unser titanischer Mut kommen. Ich bin sicher, dass es an unsern Kosakengeist liegt, der seit Jahrhunderten von Standhaftigkeit und ununterbrochenem Lebenswillen durchdrungen ist. Jetzt ist eine schwierige und entscheidende Zeit ist gekommen. Wir sind aber hier zu Hause!!! Trotz diesen schwierigen Umständen können wir uns miteinander sehen, wir wissen, wie wir sich umeinander kümmern können und uns gegenseitig helfen. Davon bin ich seit Kriegsbeginn, mit jedem Tag mehr überzeugt, es verleiht mir Flügel und gibt mir unglaubliche Kraft. Wir haben bereits jetzt, mit unserer Stärke und Standhaftigkeit gewonnen. Leider ist der Preis dafür sehr hoch, es gibt sehr viele Opfer. Ich hoffe jedoch, dass dies der letzte Kampf in unserer Geschichte ist und ich glaube, dass er bald endet.

Wut, Patriotismus und die Sehnsucht nach der Freiheit. Ist das, was zum Kampf motiviert?

Sicherlich!!! Ohne Patriotismus gibt es keinen Kampfwillen. Du kannst nicht frei sein, ohne deine Rechte zu verteidigen?! Die menschliche Natur ist oft schrecklich und es gibt immer „das Böse“, das immer wieder Blut braucht ... Aber die Wut auf Russen kam nicht von alleine. Sie töten uns und vergewaltigen unsere Kinder. Dies ist das Leid, denn jede Familie in unserem Land berührt hat ... Wie soll man nicht kämpfen? Wir können nicht aufzugeben und verzweifeln, denn die kleinsten Zugeständnisse werden dazu führen, dass die rücksichtslosen Russen immer weiter gehen. Deshalb werden wir den Krieg überleben, deshalb habe ich keine Angst, nach Hause zu gehen. Der Gott und die Wahrheit sind mit uns!!! Es lebe die ukrainische Nation und derer Verteidiger! Ewiger Frieden sei mit den gefallenen Helden der Ukraine!!!

Danke, sei vorsichtig und Slava Ukraini!

Interview mit Michał Kochański

Twoje Miasto, Nr. 74, Juni 2022



 

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