Krieg in Europa

Ab dem 24. Februar 2022 leben wir in einem anderen Europa, unser Kontinent ist seit diesem Tag ein Kriegsschauplatz. Was für die meisten von uns eine ferne Geschichte zu sein schien, wird vor unseren Augen geschrieben, begleitet von Panzern und der Unterstützung durch globale Nachrichtenagenturen und soziale Medienkanäle. Dank der Mobilisierung durch die Medien werden wir täglich mit neuen Informationen überflutet, die uns erschrecken, beunruhigen und irritieren.

Die neue polnische Emigration

Ein großer Teil der nicht-deutschen polnischen Gemeinschaft kann als Kinder der Europäischen Union und des Beitritts Polens zu ihr im Jahr 2004 bezeichnet werden. Seitdem sind meist junge Menschen, die von der europäischen Ideologie der "Einheit, des Rechts und der Brüderlichkeit" erfüllt sind, auf der Suche nach Bildung, Arbeit, Glück oder der sprichwörtlichen anderen Hälfte nach Deutschland gegangen. Die Auswanderung der EU-Zeit wird oft als die neue Auswanderung bezeichnet, eine Auswanderung ohne Vorurteile, ohne Ängste, aber mit Potenzial. Die Emigrantinnen und Emigranten dieser Zeit sind nicht nur auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich, sondern prägen auch ein neues Bild eines europäischen, offenen und mutigen Polens. Sie gehen oft internationale Beziehungen ein, knüpfen internationale Kontakte und leben wie Kosmopoliten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen aus verschiedenen Ländern haben.

"Ideologische "Trennung

Internationales Unternehmen und Krieg! Wie soll man denken, was sagen und wie sich verhalten, wenn man Freunde aus der Ukraine und Russland hat? Putins Aggression hat ein großes und deutliches Fragezeichen hinter die Idee eines geeinten Europas gesetzt. Diese ideologische "Divergenz" wird durch die teilweise sehr unterschiedlichen Reaktionen der Politiker in den verschiedenen europäischen Ländern noch verstärkt. Die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine, Waffenlieferungen, Sanktionen oder der Kauf russischer Energie sind alles Themen, die elektrisieren und spalten. Die in Deutschland lebenden Polen sind oft mit dem Problem der Kommunikation mit Ukrainern und Russen in ihrem "eigenen Hinterhof", d.h. im Alltag, konfrontiert. Offiziell lebten vor Ausbruch des Krieges etwa 150.000 (Quelle: Statista) Ukrainer in Deutschland. Die Zahl der in Deutschland lebenden Russen ist mit rund 264.000 deutlich höher (Quelle: Statista), die Zahl der in Deutschland lebenden Russen liegt jedoch bei bis zu sechs Millionen (Quelle: deutschlandfunkkultur). Es ist daher nicht verwunderlich, dass in Deutschland Meinungen und Ideologien aufeinanderprallen. Die pro-russischen Proteste in einigen Städten sind eines der deutlichsten Beispiele dafür.

Konfrontationen in "unserem Hinterhof

Kann man sich auf Konfrontationen vorbereiten, die sich aus dem Multikulturalismus im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ergeben? Wahrscheinlich kann man das, obwohl es angesichts der Komplexität des Themas ziemlich unmöglich ist, ein einziges Rezept für alle Krisenherde zu finden. Da ich selbst Freunde aus vielen Ländern habe, darunter natürlich auch aus der Ukraine und Russland, habe ich in letzter Zeit über dieses Problem nachgedacht. Je nachdem, wie intim und persönlich unsere Beziehungen zu vielen Menschen sind, habe ich meine Haltung zur aktuellen Situation recht schnell geklärt. Wo die Beziehungen nicht so persönlich sind und sich auf formale Angelegenheiten beschränken, ist es natürlich schwieriger. Es lohnt sich jedoch, in dieser ganzen Situation zu erkennen, wie wichtig "unser Hinterhof" in all dem ist. Wir leben und wohnen zusammen in Deutschland. Wir haben hier unsere Familien, wir arbeiten hier, wir führen unsere eigenen Unternehmen, wir versuchen, uns weiterzuentwickeln. Unsere Kinder wachsen hier auf, und wir denken manchmal mit Angst an die Zukunft. Wir wollen, dass diese Zukunft frei von Krieg, Stereotypen und Konflikten ist. Jeder von uns hat das Recht auf seine eigenen Ansichten, jeder von uns hat das Recht auf sein eigenes Verständnis der ihn umgebenden Realität. Jeder hat auch das Recht, nach seinen eigenen Regeln zu leben, solange diese Regeln andere Menschen nicht diskriminieren oder schädigen. Wir sammeln in unserem Leben unterschiedlich viele Erfahrungen, was auch durch unsere Herkunft und unsere Kultur bestimmt wird. Ich wünsche mir für mich selbst, aber vor allem für meine Kinder, dass dieses Gepäck kein Hindernis ist. Ich wünschte, ich könnte immer noch glauben, dass es möglich ist, in Freundschaft in unserem gemeinsamen deutschen Hinterhof zu leben.

Lukas Sołtysiak

Foto -Tweet: Dmytro Kuleba, 

 

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