Ich habe mich zu einem entscheidenden Zeitpunkt in Deutschland niedergelassen und gelebt: im Jahr der deutschen Wiedervereinigung (1990) und im Jahr der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags (1991). Es war auch für mich persönlich ein sehr wichtiges Ereignis, da ich einen Polen aus Berlin geheiratet habe. Für Polen und Deutschland war es ein historischer Akt, das Kriegsbeil zu begraben. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass Deutschland von diesem Moment an formell von einem ehemaligen Feind zu einem Partner in Kontakten wurde, nicht nur auf Regierungsebene. Auf beiden Seiten änderte sich der Ton der Debatte allmählich in Richtung Freundschaft, und das Bild von Polen und Deutschen wurde im Laufe der Jahre wärmer.

Im zwischenmenschlichen Bereich blieb der Jubel zunächst aus, und die Bürgerinnen und Bürger erkannten nicht, welche konkreten Vorteile die Vertragsbestimmungen bringen würden. Eine Sache, die im öffentlichen Bewusstsein ankam, war die Tatsache, dass die kommunistische Propaganda aufgehört hatte, den Menschen Angst zu machen, dass die Deutschen in die Westgebiete zurückkehren würden, wo ich damals lebte. Vor dem Krieg waren diese Gebiete von deutschen Bürgern bewohnt, die nach dem Krieg massenhaft in ihre "Heimat", d. h. Westdeutschland, auswanderten. Die Behörden des Volkes machten ihnen das Leben schwer, indem sie Machtträger, Beamte und Lehrer entließen. In der kommunistischen Zeit wurde der Reisepass eines Bürgers bei der Polizei hinterlegt. Jeder musste auf die Erteilung warten, manchmal jahrelang. Ein gewöhnlicher polnischer Bürger hatte es auch nicht leicht, denn er wollte in den "verrotteten" Westen (wie es hieß) und verließ sich auf sein Glück. Nur wenige hatten Erfolg.

An den Grenzen musste man erst in kilometerlangen Schlangen warten, dann wurde man peinlich genau kontrolliert und das Gepäck durchsucht... Ufff... Es war nicht angenehm, es war ein Angriff auf die Menschenwürde.

Vor dreißig Jahren war ein Pole in Deutschland nicht beliebt, eigentlich überhaupt nicht. Die Deutschen hatten tief verwurzelte Stereotypen über Polen, von denen die meisten unwahr waren. Nur prominente Schriftsteller, Künstler, Komponisten wie Chopin und später Papst Johannes Paul II. und Lech Walesa waren unsere Visitenkarte.

Vor 31 Jahren verschlug mich das Schicksal nach Berlin, wo mein Verlobter lebte, den ich früher als geplant heiratete, weil es nach der Wiedervereinigung Deutschlands schwierig war, ein Visum zu bekommen. Zu dieser Zeit waren polnische Kultur, Geschichte und gesellschaftliches Leben ausgeschlossen, abgesehen von einigen wenigen Veranstaltungen wie Auftritten des Mazowsze-Ensembles, Konzerten mit Musik von Chopin und Penderecki sowie Filmen von Zanussi und Polański. Polen als Land war nur auf der Internationalen Grünen Woche und der Tourismusmesse ITB vertreten. Leider war es vor allem mit dem Angebot von gemästeten Gänsen und Würsten.

Ja, es gab das Polnische Kulturinstitut, das polnische Literatur, Musik, Traditionen und Kunst im weitesten Sinne des Wortes förderte. Die Idee war, die polnische Kultur unter den Deutschen zu verbreiten, aber das Institut diente mehr der polnischen Gemeinschaft und den Polen als den Deutschen, die nicht an den polnischen Veranstaltungen teilnahmen.

Erst mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004 änderte sich die Situation grundlegend. Alle verschlossenen Fenster, Türen und Tore Europas wurden für die Polen geöffnet, auch in Deutschland. Das Wichtigste ist, dass ein Reisepass nicht länger ein Traum bleibt. Jeder Pole hatte zu Hause einen Reisepass, und die Beamten taten keine Gefälligkeiten mehr. Jeder hatte das Recht auf einen Reisepass, und das war's. Das war's. Voller Stopp.

Die Grenzen verschwanden, und damit auch die Visumspflicht für Reisen in die Länder der Europäischen Union. Im Jahr 2004 erfüllten sich die Hoffnungen und Bemühungen von Generationen von Polen, sich der demokratischen und vereinigenden Gemeinschaft der europäischen Länder anzuschließen. Ich hätte nie gedacht, dass meine Generation, die Schöpfer der Solidarnosc-Bewegung, den Lauf der Geschichte verändern und einen solchen Erfolg erzielen würde. Dies geschah dank der Entschlossenheit der polnischen Diplomatie jener Zeit. Dafür sei ihnen ewige Ehre zuteil!

Der Kommunismus wurde friedlich gestürzt, und in den Beziehungen zu Deutschland wurde der Grundstein für eine friedliche Nachbarschaft gelegt. Beiden Ländern ist es außerdem gelungen, ihre gegenseitigen Beziehungen auf Partnerschaft, Zusammenarbeit, Verständnis und Versöhnung auszurichten.
Die gemeinsamen deutsch-polnischen Institutionen, die durch den Vertrag ins Leben gerufen wurden, wie das Deutsch-Polnische Jugendwerk, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Zwischenstaatliche Kommission für regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit, dienten der echten Aussöhnung zwischen den Menschen. Im Laufe der Jahre haben sie ein tiefes gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, das es auch den Städten und Regionen ermöglicht hat, enger zusammenzuarbeiten. Heute sind fast 842 von ihnen Partnerschaften eingegangen, die Polen in Deutschland haben eine Vertretung in Berlin - das Büro der Polnischen Gemeinschaft, das Internetportal Polonia Viva.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das deutsch-polnische Zusammenleben 30 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages ein Leben ohne Schranken und Einschränkungen ist. Natürlich gibt es noch viel zu tun, die Bestimmungen des Vertrags sind nach wie vor gültig, sie müssen nur noch in die Praxis umgesetzt werden. Die Frage, die sich in der öffentlichen Debatte stellt, ist: Wer soll diese Arbeit machen? Es gibt unzählige Einrichtungen zur Unterstützung von Bürger-, Jugend-, Hochschul- und Wissenschaftsinitiativen, Stiftungen, Begegnungs- und Gedenkstätten, und schließlich gibt es Koordinatoren im Außenministerium, die auch an den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen teilnehmen. Über die Koordinatoren für die deutsch-polnischen Beziehungen könnten sie sogar noch etwas mehr für die wirksame Umsetzung folgender Maßnahmen mobilisiert werden
Über die Koordinatoren für die deutsch-polnischen Beziehungen könnten sie nämlich wirksamer mobilisiert werden, um alle Forderungen des Vertrags für die polnischen Gemeinschaften und die Polen in Deutschland umzusetzen.

Es gibt viele Probleme, die gelöst werden müssen, zum Beispiel im Bereich des Erlernens der polnischen Sprache. Wir müssen mit den Koordinatoren zusammenarbeiten, sonst geben wir nur fromme Erklärungen ab, die ihre Adressaten nicht erreichen, sondern ins Leere laufen. Dank des Vertrags können wir uns in Vereinen organisieren, Unternehmen und Institutionen gründen, die polnische Sprache lernen, polnische Produkte kaufen, die Messe in einer polnischen Kirche besuchen, unsere Kultur pflegen und Jubiläen begehen. Einfach, um in Deutschland polnisch zu leben. Es ist möglich, mit Deutschland in Frieden zu leben, und das ist das größte Gut und der größte Schatz des Vertrags von 1991 mit Deutschland. Wir müssen diese guten Beziehungen hüten wie das sprichwörtliche Auge zum Kopf!

 

Krystyna Koziewicz

 

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