"In Hannover sind heute Morgen nur sehr wenige Menschen ausgestiegen", sagt ein DRK-Helfer aus Celle am Bahnhof Laatzen Messe. Seine Aufgabe ist es, den Flüchtlingen warme Getränke anzubieten. Im Moment macht er eine Pause vor dem nächsten Transport um 18 Uhr.

Der futuristische Bahnhof, der für die EXPO 2000 in Hannover gebaut wurde, ist leer. Eine Bodenreinigungsmaschine gleitet lautlos durch die riesige Halle. Und das ist im Moment das einzige Lebenszeichen. Welch ein Kontrast zu den Bildern von polnischen Bahnhöfen, zum Beispiel in Krakau oder Warschau. Seit Donnerstag, dem 10.03.22, kommen von dort täglich zwei Züge mit Flüchtlingen in Hannover an, die nach den vereinbarten Kontingenten auf ganz Deutschland verteilt werden.

Am selben Donnerstag kam am Morgen ein Bus mit 50 ukrainischen Frauen und Kindern aus der überfüllten Warschauer Expo in der niedersächsischen Landeshauptstadt an - in letzter Minute vor Einführung der Kontingentierung. Sie wurde von Freiwilligen aus Warschau, Berlin und Hannover "inoffiziell" übermittelt. Wir hätten jedoch nicht viel erreicht, wenn nicht Herr P. aus dem Rathaus den Transport unter Ausnutzung eines Schlupflochs in den Vorschriften akzeptiert hätte. In die Markthalle 27, in der die der Stadt Hannover zugewiesenen Flüchtlinge untergebracht sind, kommt man seit Donnerstag nur noch mit einer vom Land ausgestellten Einweisung. Alle Plätze waren innerhalb weniger Stunden belegt, und die Verwaltung sucht verzweifelt nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten.

Die Halle 27 ist die ständige Unterkunft für etwa 1.200 Menschen, hauptsächlich Frauen mit Kindern. Die ersten kamen Anfang März einzeln an. Sie leben in Zelten, die in "Siedlungen" aufgestellt sind. Die Halle verfügt über ein Restaurant, Toiletten, Duschen, Waschmöglichkeiten und einen Spielplatz. Die Stadt sucht nach Fernsehern und Computern, mindestens einen für jede Siedlung. Anfangs kursierten in den sozialen Medien täglich neue Sammelaufrufe: Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel, Spielzeug, Hausschuhe, Plastikschuhe, Haartrockner und was einem sonst noch einfällt. Nachdem die Spenden die Halle überschwemmten, beschloss das DRK, diesen herzlichen Strom ein wenig zu kanalisieren - eine zentrale Liste mit Bedürfnissen wird erstellt. Derzeit sammeln wir Strick-, Häkel- und Garnsachen, um unsere Hände zu beschäftigen, und Kindergeschichten und Bücher auf Ukrainisch und Russisch, um unsere Köpfe zu beschäftigen.

Flüchtlinge, die mit dem Zug aus Polen in Hannover ankommen, können entweder in andere Regionen Deutschlands weiterreisen oder sich in der benachbarten Markthalle 13 für einen Aufenthalt in Niedersachsen anmelden. Dort können sie sich auch für einige Stunden oder Nächte ausruhen, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Wenn der Transport mit etwa 700-800 Personen eintrifft, herrscht auf dem Bahnhof Laatzen Messe ein reges Treiben wie in einem Bienenstock. Rund 100 Freiwillige kümmern sich um die Neuankömmlinge - sie leiten sie zu den Ständen der Deutschen Bahn für kostenlose Fahrkarten, zu den wartenden Zügen, in die Halle 13, bieten warme Getränke an und versorgen sie mit Essenspaketen für die Weiterreise. Nach einem kurzzeitigen Sturm verfällt der Sender wieder in Lethargie.

Unerwartet taucht eine Gruppe von mehreren Personen auf. Es handelt sich um Flüchtlinge, die nach Wolfsburg geschickt wurden, wo es angeblich noch freie Stellen gibt. Nachdem sie die Nacht in Halle 13 verbracht haben, wollen sie ihre Reise auf eigene Faust fortsetzen. Man hat ihnen gesagt, dass sie am Bahnhof Freifahrscheine erhalten werden. Vergeblich suchen wir das Gebäude nach einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn oder gar einem Zettel mit Informationen ab. Schließlich setzten wir sie in die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Sie können die Verkehrsmittel der Stadt Hannover kostenlos nutzen. "Da sollte wohl jemand auf der Hauptstrecke informiert sein", äußert ein hoffnungsvoller DRK-Helfer, der aus Celle herbeigeschleppt wird, und verabschiedet sich, um sich auf den abendlichen Transport vorzubereiten.

Grażyna Kamień-Söffker

Hannover - Bahnhof Laatzen Messe, 13.03.2022

 

 

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