Pamela Dutkiewicz-Emmerich - 29-jährige deutsche Sportlerin im Hürdenlauf. Die in Kassel geborene Sportlerin, erzählt oft stolz von ihren polnischen Wurzeln und von ihren Eltern, die eine Sportkarriere in Polen hinter sich haben. Pamela ist mehrfache deutsche Hallenmeisterin, 60 m Hürdenlauf und 4x200 m Staffel, zweimalige deutsche Meisterin 100 m Hürdenlauf, Olympia-Halbfinalistin aus Rio de Janeiro (2016). Ihre größten Erfolge sind die Bronzemedaille bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 in London und der Titel der Vizeeuropameisterin 2018 in Berlin. Derzeit trainiert die  Lehramtstudentin der Universität Düsseldorf unter der Aufsicht von Trainer Rüdiger Harksen und konzentriert ihre ganze Energie auf die Vorbereitungen für die XXXII. Olympischen Spiele in Tokio. Der Wettbewerb wurde um ein Jahr verschoben, und wenn die Pandemiezustände in Japan dies zulassen, werden sie zwischen dem 23. Juli und dem 8. August 2021 stattfinden.

T.M.: Pamela, die Liebe zum Sport, Du musst Du mit der Muttermilch aufgenommen haben. Bitte sage es mir, wie es dazu kam, dass Sie die Hürden genommen haben. Wäre es nicht einfacher, ohne diese Hindernisse zu laufen?

  1. Dutkiewicz-Emmerich: Es wäre sicherlich einfacher (Lachen ...) Ich frage mich manchmal selber, warum ich diese Hürden brauche ... Ich bin sicher, dass meine Leidenschaft für den Sport von der Tatsache herrührt, dass ich in einem Haus aufgewachsen bin, in dem Sport schon immer wichtig war. Meine Eltern haben sich nach Beendigung ihrer eigenen Sportkarriere nie vom Sport getrennt. Ich erinnere mich, als sie sich sonntags mit Freunden trafen, die oft auch Sportler waren, entweder Basketball spielten oder gemeinsam gelaufen sind oder anderweitig ihre Zeit aktiv verbrachten. Als Kind war ich auch ständig in Bewegung, zum Beispiel ich bin den mit dem Fahrrad hinterhergefahren. Hinzu kamen endlose Geschichten und Anekdoten aus ihrer sportlichen Vergangenheit, sowie Diskussionen über aktuelle Spieler, Ereignisse und Sportnachrichten. Ich war fasziniert vom Leben eines Sportlers und begann, Leichtathletik zu trainieren. Anfangs habe ich verschiedene Sachen ausprobiert. Ich habe geworfen, bin auf verschiedenen Distanzen gelaufen, bin gesprungen. Es stellte sich schnell heraus, dass meine Würfe nicht gut funktionierten und im Gegensatz zu meiner Mutter, nicht für längere Distanzen prädisponiert bin. Ich konnte mich jedoch technisch gut bewegen und konnte schnell auf kurzen Distanzen laufen. So begann mein Abenteuer mit den Hürden. Es ist wahr, dass Hürdenlauf eine der schwierigeren Disziplinen ist, weil es nicht in der Natur des Menschen liegt, mit maximaler Geschwindigkeit über ein Hindernis zu rennen. Neben Geschwindigkeit, benötigt man hier körperlicher und geistiger Stärke, Techniken und Fähigkeiten zum Ausgleich des Körpers, um einen bestimmten Rhythmus aufrechtzuerhalten und diese 10 Hindernisse vor der Ziellinie, so schnell wie möglich zu überwinden.

Haben Deine Eltern Dich, auf irgendeine Weise zum Sport motiviert, oder warst Du selbst ein eingefleischter Athlet?

Ich denke, in meinem Fall war es eine Mischung. Jeder junge Mensch sucht das, was ihn am meisten Spaß macht und will dieses am liebsten zum Beruf machen. Dank der Tatsache, dass ich unter Sportlern aufgewachsen bin, hebe ich vielleicht früher mein Talent und meine Leidenschaft für Sport entdeckt. Meine Eltern versuchten immer, mir zu sagen, was gut für mich wäre, zeigten mir verschiedene Möglichkeiten, drängten mich aber nie, etwas zu tun, oder zu erreichen. Alle Entscheidungen haben sie mir und meinen Trainern überlassen. Für sie war es nur wichtig, dass ich mich bewege und die Zufriedenheit daraus ziehe. Irgendwann nahmen meine Ambitionen eine Gestalt an, und als meine Eltern eines Tages fragten, ob ich den nächsten Schritt in Richtung Profisport machen möchte, war meine Antwort offensichtlich. Obwohl es schwierig war, von Kassel in das Internat in Bochum zu ziehen und Training mit Unterricht in der Schule zu verbinden, war mir bewusst, dass das Leben eines Sportlers etwas ist, von dem ich wirklich träume.

Erinnerst Du Dich an Deinen ersten sportlichen Erfolg?

Ich erinnere mich genau, als ich Kreismeisterin in Kassel wurde. Dammals nahm ich an verschiedenen Disziplinen teil, darunter Weitsprung und Hürden. Dann erinnere ich mich, als ich Dritter in der Hessen-Meisterschaft war. Damals habe ich es nur zum Spaß gemacht und ich habe es sehr genossen. Als ich mich entschied, professionell Sport zu treiben und in ein Internat mit Sportprofil umgezogen bin, begann ich, das, was ich mache, ernst zu nehmen. Vielleicht hat es auch der Rang, des Wettbewerbs beeinflusst. Sieg in der deutschen Juniorenmeisterschaft. Dann der Erfolg bei den Senioren, als ich mich für die Top 8 in Deutschland qualifizieren konnte. Die Ergebnisse kamen langsam und es gab dazwischen auch viele Misserfolge.

In letzter Zeit gab es viele Veränderungen nicht nur in Deinem Privatleben, sondern auch im Sportbereich. Trainerwechsel, Training mit der Gruppe von Rüdiger Harksens in Mannheim. Wie sehen Deine Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio aus?

Na ja…. Ich muss mich zuerst qualifizieren. Unsere Disziplin ist so verrückt, dass die Sportler sich für die Olympischen Spiele nur in dem olympischen Jahr qualifizieren müssen. Wir kämpfen bis ende Juni um die Plätze für die Olympischen Spiele. In der gegenwärtigen Pandemiesituation gibt es nicht so viele Wettbewerbe. Natürlich nehme ich an denen Teil und nach Tokio zu gehen ist momentan mein größtes Ziel. Ich gebe zu, dass ich kürzlich an Verletzungen gelitten habe und habe mich nicht gut gefühlt. Diese Zeit ist auch nicht sehr freundlich für uns Sportler. Training in leeren Stadien, kein Wettbewerb, kein Publikum. Ich dachte, wenn ich etwas ändern möchte, ist jetzt der beste Zeitpunkt, um das zu tun. Also fing ich an, mit einem neuen Trainer zu arbeiten. Ich bin jetzt immer öfter in Mannheim. Ich tue alles, was ich kann, aber wie ich schon sagte, im Sport kann man nichts kalkulieren oder vorhersagen, denn das ist Sport. 2016 hatte ich bereits die Gelegenheit, an den dabei sein möchte.

Ich wünsche Dir, dass dieser Traum wahr wird! Wir drücken Ihnen die Daumen!

Vielen Dank und beste Grüße. _____________________________________________________________

Pamelas Eltern sind ebenfalls ehemalige Sportler - Mutter Brygida Brzęczek stand im 800-m-Lauf fünfmal auf dem Podium der polnischen Seniorenmeisterschaft, sie belegte auch bei den Europa-Juniorenmeisterschaften den vierten Platz. Vater Marian Dutkiewicz debütierte als 16-Jähriger in der obersten polnischer Liga. Er spielte unter anderem im Team von Olimpia Poznań. Er hat fast fünfzig Spiele in der polnischen U18-Junioren-Nationalmannschaft und der U21-Jugendmannschaft bestritten. Eine komplizierte Verletzung hinderte ihn daran, mehr als dreihundert Spiele in der polnischen Liga zu bestreiten.

T.M.: Herr Dutkiewicz, die Eltern von Sportlern wollen oft hartnäckig, dass ihre Kinder in ihre Fußstapfen treten. Mit welcher Einstellung sind Sie die  Erziehung Ihrer Tochter rangegangen?

Marian Dutkiewicz: Eltern möchten oft, dass ihre Kinder beruflich den gleichen Weg gehen wie sie. Sie wollen, dass sie gleich und vorzugsweise sogar noch besser wären ... In Pamelas Kindheit konnte man sehr früh eine Leidenschaft für Sport sehen. Bevor sie sich auf den Sessel setzte, sprang sie im Gästezimmer zuerst über die Sofa. Sie hatte keinen Stuhl an ihrem Schreibtisch, nur einen Gymnastikball. Sie saß nicht nur darauf, sondern kniete auch darauf. Wenn wir im Wald joggen gingen, oder mit unseren Freunden über Sport sprachen, Pamela wollte immer dabei sein. Ihr erster organisierter Sport war eine Tanzschule. Leider sind die Trainer umgezogen und so endete ihr Training. Dann fing sie an mit der Leichtathletik, die ihr sofort gut gefallen hat, und der Verein TV Wattenscheid 01 garantierte meiner Tochter eine professionelle berufliche Entwicklung.

Wie erleben Sie und Ihre Frau Pamelas Auftritte? Wie versucht ihr sie zu unterstützen?

Die Karriere unserer Tochter war von uns nicht geplant. Wir waren immer für sie dar wenn sie uns gebraut hat . Wir fühlten mit ihr zusammen, in guten darin, aber besonders in schlechten Zeiten. Meine Frau, Pamelas Mutter, spielt hier eine besondere Rolle. Wir waren von Anfang an, bei jedem Wettbewerb unserer Tochter dabei, sowohl in Deutschland, als auch in Polen. Die weiteren Wettbewerbe sehen wir im Fernsehen. Wir beobachten alles aufmerksam. Die Emotionen sind riesig, aber als ehemalige Profis wissen wir, wie wir damit umgehen sollen. Ich muss zugeben, dass Pamela uns irgendwie dazu gebracht  hat, wieder in den Sport einzusteigen und den Sport wieder zu erleben. Bei den Wettbewerben haben wir oft das Gefühl, als hätten wir selbst am Start gestanden. Wird sich unsere Pamela nach einer so langen Pause wider erfolgreich? Wenn sie gesund bleibt, wird sie es ganz sicher sein!

Interview mit Michael Kochanski

Foto:

Fot. Anika Bornemann - Pamela zusammen mit ihren Eltern und Ehemann Maik nach dem Gewinn der Silbermedaille im 100-m-Hürdenlauf bei den Europameisterschaften in Berlin.

Link zu den Fotos: https://assets.adobe.com/link/b2e1e36d-75ec-4f78-4c54-b95504954764

Twoje Miasto Nr. 69, Juni / Juli 2021

 

 

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