Die polnische Polyglottin Malgorzata Müller hat eine neue Methode für den gleichzeitigen Unterricht mehrerer Fremdsprachen entwickelt, die sie in mehrsprachigen Kursen in Europa, vor allem in Deutschland, praktiziert. Sie studierte Germanistik, Romanistik und Neugriechisch sowie Philosophie und mittelalterliche Philologie. Sie ist unter anderem mehrsprachige Linguistin und Leiterin des Fachbereichs Sprachen an der Volkshochschule (VHS) in Eschweiler. Darüber hinaus war sie als Dozentin für zehn Sprachen an verschiedenen europäischen Schulen und Universitäten tätig und hat u. a. Kurse über Mehrsprachigkeit an der Jagiellonen-Universität und der Universität Warschau gegeben. Sie ist Autorin von Lehrbüchern und Materialien zum gleichzeitigen Erlernen mehrerer Sprachen, leitet Fortbildungen für Sprachlehrer und das Netzwerk der Polnischlehrer in NRW. Sie ist Mitglied der Sprachenkommission in Deutschland und spricht häufig auf Sprachkonferenzen und Kongressen.

Wie und was ist diese innovative Methode, um mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen?

Małgorzata Müller (MM): Die Europäer lernen immer mehr Sprachen. Die Methode wurde 2012 in meiner Sprachabteilung als experimentelle, unkonventionelle Methode entwickelt, die sich an Erwachsene richtet. Es handelt sich um ein neues Modell für die Entwicklung der damaligen Mehrsprachendidaktik, d.h. das Konzept des parallelen Unterrichts mehrerer Fremdsprachen. Meine mehrsprachige Methode folgt mit ihren methodischen Annahmen dem europäischen Trend der Mehrsprachigkeit und bedient sich des Instrumentariums der deutschen Glottodidaktik (B. Hufeisen, E. Allgäuer-Hackl, M. Grein etc.), die sich auf die Förderung von Mehrsprachigkeit und Multikulturalität konzentriert. Ihre Sprachenpolitik orientiert sich an der Vorstellung des Europarats von der Mehrsprachigkeit als sozialem Phänomen für die gesamte Europäische Union.

In einem Kurs, dem so genannten Mehrsprachenkurs, lernen Erwachsene also mehrere Sprachen auf einmal: drei, vier, sieben, acht oder sogar zehn. Dabei handelt es sich hauptsächlich um europäische Sprachen. Durch den Vergleich von Sprachen lernen die Lernenden Vokabeln, Grammatik, den Wechsel von einer Sprache zur anderen, Konversation, Schreiben, Lesen und Hören. Um Kommunikationsbarrieren schnell abzubauen und verschiedene Akzente in der Sprache zu hören, werden kommunikative Kurse mit Muttersprachlern abgehalten. Ein interaktives Programm mit Muttersprachlern verschiedener Sprachgruppen in einer Klasse, das nach 100 Unterrichtsstunden eingeführt wird, dient dazu, den freien Wechsel von einer Sprache in die andere zu üben und den Wortschatz und die Grammatik während der Kommunikation zu kontrollieren. Die Lernenden verstehen eng verwandte Sprachen relativ schnell. Aufgrund lexikalischer und grammatikalischer Ähnlichkeiten können sie in sehr kurzer Zeit (200 Unterrichtsstunden) das B1-Niveau erreichen, selbst in drei romanischen, skandinavischen oder slawischen Sprachen.

Und sie verwirren die Lehrer all dieser Sprachen nicht?

MM: Nein, das tue ich nicht. Lesen ist das wichtigste Element bei der Einführung in das Erlernen mehrerer Sprachen auf einmal, "wer liest, irrt nicht", wie es heißt. Für das Gehirn ist dies ein leichterer und effektiverer Lernprozess als das Erlernen jeder einzelnen Sprache, denn die Kodierung des Vokabulars für mehrere Sprachen und der grammatikalischen Unterschiede (Ähnlichkeiten werden vom menschlichen Geist automatisch erkannt und gespeichert) ist für das Gehirn ein einfacher Prozess, vergleichbar mit der Unterscheidung zwischen Biologie und Chemie oder Mathematik und Physik in der Schule und der Kodierung von Informationen in diesen Fächern. Die Entwicklung der sprachlichen und kulturellen Kompetenz erfolgt schneller als bei einsprachigen Kursen. Kein Polyglott lernt eine Sprache nach der anderen, sondern gleichzeitig.

Was ist der besondere Vorteil dieser Kurse?

MM: Offensichtlich die Geschwindigkeit und das Training von Sprachkenntnissen für mehrere Sprachen, d.h. Fähigkeiten wie streng sprachliche Kompetenz, Entwicklung von soziokulturellem Bewusstsein, Entwicklung von Vorstellungskraft und Lernstrategien. Die mehrsprachige Methode ermöglicht es uns, die europäischen Sprachen wie ein einziges Schulfach zu behandeln, das wir zusammen mit anderen Fächern lernen.

Und wie steht es um die sprachliche Perfektion?

Malgorzata Müller: Mehrsprachigkeit gibt es nicht, und sie ist eng mit der Arbeit unseres Gehirns verbunden. Es schafft mentale Lexika, und neuere neurowissenschaftliche Forschungen (Marion Grein) haben gezeigt, dass unser Gehirn viel Energie benötigt, um alle Lexika zu schließen und nur eine Sprache in das Gespräch einzubeziehen. Daher können wir zu einem bestimmten Zeitpunkt ein anderes Wort sagen oder die Grammatik einer anderen Sprache verwenden. Meine mehrsprachige Methode umfasst Übungen zur Unterstützung und Kontrolle dieses Prozesses.

Und die Übungen? Wie unterscheiden sich Ihre Lehrbücher für Mehrsprachigkeit von denen, die für das Erlernen einer Sprache erstellt werden?

MM: Die Methode des mehrsprachigen Unterrichts, die mit dem Lesenlernen beginnt, gibt Ihnen die Möglichkeit, die Regeln des Lesens und der Aussprache in der Sprache schnell zu beherrschen. So kann man sich die Vokabeln leichter merken. Indem wir Sprachen vergleichen, suchen wir nach Ähnlichkeiten und Unterschieden, sowohl grammatikalisch als auch lexikalisch, und wir lehren das Gehirn die so genannte bewusste Steuerung der Sprache. Deshalb berücksichtigen alle Anfängerbücher für diese Art von Kursen diese Prozesse. Sie enthalten spezifische Lektionen, Texte, Dialoge, Übungen, Spiele, Tests, CD-MP4, Grammatiktabellen und Wissen über die Kultur des jeweiligen Landes, wobei die mehrsprachige Methode streng eingehalten wird. Meine Kursbücher zur Mehrsprachigkeit sind die Reihe "Ab in die Sprachen", die auf dem deutschen Markt und im MuLi-Verlag erhältlich sind. Es gibt ein Lehrbuch für drei romanische Sprachen, ein Lehrbuch für vier slawische Sprachen ist im Druck, es gibt ein Einführungslehrbuch für 18 Sprachen. Es gibt CDs. Alles finden Sie unter www.muli-verlag.de. Sie können alle Materialien selbst lernen.

Wo fängt man also an, um ein Polyglott zu werden? Kennen Sie 18 Sprachen?

MM: Die ältesten Kursteilnehmer sind 78, 82 und 85. Haben Sie also Mut und investieren Sie in sich selbst. Haben Sie keine Angst vor neuen Herausforderungen. Sprachen formen unsere Persönlichkeit, durch das Lernen sind wir offener für die Welt, für Menschen, wir integrieren uns, wir überwinden unsere Kommunikationsbarrieren, Schwächen der menschlichen Natur, wir erwerben neue Kompetenzen (nicht nur die rein sprachlichen, die wir auf dem Arbeitsmarkt brauchen). Die Kommunikation mit anderen Menschen wird einfacher, wir beginnen, die Welt besser zu verstehen. Deshalb lohnt es sich, mehrsprachig zu sein. Die Kenntnis einer Sprache, die auf dem Kursprogramm steht, ist kein Hindernis für die Teilnahme, im Gegenteil, sie hilft, andere Sprachen zu lernen. Heutzutage finden die Kurse auch online statt, und wir erhalten oft sogar Anmeldungen über Facebook (Marga Müller, Lerne mehrere Sprachen). Ich lade Sie ein, in sich selbst zu investieren.

Interview von Michał Kochański

Polnischsprachige Zeitschrift "Twoje Miasto"

 

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