In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ereignete sich im Ahrtal (Gebiet zwischen Köln und Bonn, Weinregion) das Jahrhunderthochwasser. Der Pegel des Flüsschens Ahr stieg bis zu 10 Meter an. Es war eine tragische Nacht. Fast 200 Menschen starben, weil es ihnen nicht gelang, aus ihren Häusern zu fliehen. Die anderen haben alles verloren: ihre Häuser, ihre Autos, ihr ganzes Hab und Gut. Es handelt sich um ein Weinanbaugebiet, das bereits von den Römern, die vor 2 000 Jahren in der Gegend waren, gegründet wurde. Die Bewohner des Ahru-Tals leben vom Weinbau und ihr Reichtum ist im wahrsten Sinne des Wortes "flüssig". Wein in Fässern und Kellern, Wein in Flaschen - all das wurde von der Flut vernichtet. In Rheinland-Pfalz waren neben dem Ahrtal auch andere Regionen, die Eifel und die Stadt Trier, stark betroffen. In Nordrhein-Westfalen verursachte das Hochwasser vor allem in Hagen und Wuppertal, im Kreis Euskirchen, im Rhein-Sieg-Kreis und in Teilen des Bergischen Landes schwere Schäden.

Polen helfen Polen
Die Besitzer des Restaurants Maxima in Köln, Jarek und Aneta, sahen am Morgen des 15. Juli 2021 im deutschen Fernsehen, was geschehen war, was für eine riesige Katastrophe über die Menschen in diesen Regionen hereingebrochen war. Da in diesen Regionen viele Polen leben, die die deutsche Sprache nicht so gut beherrschen, beschlossen Jarek und Aneta sofort, im Restaurant einen Informationspunkt einzurichten, an dem man sich bewerben kann. Darunter befanden sich sowohl Hilfesuchende als auch Hilfswillige, die sie an andere Einrichtungen oder an Notrufstellen weiterleiten sollten. Maxima postete Informationen über die Katastrophe und die Bereitschaft zu helfen auf Facebook - die Seite des Restaurants hat über 2700 Mitglieder, so dass Jareks Beitrag vom 15. Juli 2021 eine große Reichweite hatte. Die polnische Gemeinschaft, die Polen in Deutschland, die in den überschwemmten Gebieten leben, aber auch diejenigen, die weit weg wohnen, reagierten sofort. In den nächsten Stunden und Tagen meldeten sich mehrere hundert Menschen bei Jarek. Sie boten ihre Hilfe an, indem sie Schlafplätze zur Verfügung stellten, Autos für den Transport bereitstellten, bei der Übersetzung halfen und auch fragten, welche Gegenstände und Ausrüstungen am dringendsten benötigt würden. Es fehlte an allem - von Babymilchflaschen, Wasser und Lebensmitteln über die Möglichkeit, ein Handy-Ladegerät anzuschließen, Decken, Kleidung und Matratzen zum Schlafen bis hin zu rechtlicher und institutioneller Unterstützung.

Info-Point-Polregio - ein soziales Netzwerk für polnische Migranten
Maxima kooperiert von Anfang an mit dem strukturell-sozialen Netzwerk Info Point Polregio in NRW. Vor allem vor Ort beim Info Point in Köln, der von der Koordinatorin Anna Klimaszewska-Golan, einer polnisch-deutschen Juristin, geleitet wird. Jarek und Aneta setzten sich sofort mit dem Kölner Info-Point in Verbindung, der die Hilfsmaßnahmen weiter koordinierte. Eines der Opfer ist die ehemalige Kellnerin Maximy, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in die Eifel gezogen ist. Sie kauften und richteten ein Haus ein, das nach sechs Monaten vollständig überflutet wurde. Das Haus ist auf Kredit. Die Bilder nach der Überschwemmung waren schrecklich, das Wasser stand bis zu 1,5 Meter hoch, sie mussten schnell ausziehen. Das Haus ist wegen der Feuchtigkeit unbewohnbar. Ein anderes Beispiel ist ein junges Paar mit einem einjährigen Sohn, das im Keller eines Hauses lebt. Sie mussten schnell fliehen, sie hatten nicht einmal Zeit, eine Milchflasche für den Kleinen mitzunehmen. Es gab viele Beispiele, z. B. Ehefrauen, die in Polen leben und nach Ehemännern suchen, die in der Region arbeiten, weil sie den Kontakt völlig verloren haben, oder Ehemänner, die nach Ehefrauen suchen, die hier als Altenpflegerinnen arbeiten.

Die Hilfe bestand in einer schnellen Vernetzung und Weitergabe von Informationen, z.B. vom Info Point Köln an WOŚP in Bonn. Hunderte von hilfsbereiten Menschen, eine außergewöhnliche Resonanz, ein einziger Beitrag löste eine Welle der Freundlichkeit aus. Das polnische Konsulat bot den Betroffenen Hilfe an, auch in finanzieller Hinsicht. "Der WDR, die Deutsche Welle und alle lokalen polnischen Medien verbreiteten die Informationen über die Hilfe. Es gab Sammlungen von Dingen, Lebensmitteln, Kleidung, Spielzeug, Bettzeug, Transportmitteln usw. Psychologische Hilfe kam auch aus Hessen, von Barbara Lange von der Initiative "Gib ein Zeichen".

Joanna Szymanska, Projektleiterin von Info-Point-Polregio in NRW, stellt fest:
- Die unmittelbare Reaktionskette war äußerst wichtig, sowohl von Gruppen wie der GOCC als auch von Einzelpersonen, einschließlich unserer Antragsteller, die zuvor bei den Info-Point-Beratungsstellen um Hilfe und Unterstützung gebeten hatten und nun selbst schrieben und anriefen, um Unterstützung anzubieten und Sammlungen an ihren Wohnorten und darüber hinaus zu organisieren. Die Opfer selbst stellten vor allem Fragen zu Versicherungen, zu staatlicher Soforthilfe sowie zu arbeitsrechtlichen Fragen, z. B. ob sie Anspruch auf Freistellung für die Katastrophe haben. Einige wollten einfach nur reden, andere wurden an Spezialisten wie Psychologen oder Anwälte vermittelt. Wieder einmal waren die lokale polnische Gemeinschaft und die dahinter stehenden Strukturen, wie unser soziales Netzwerk in Nordrhein-Westfalen, der Herausforderung gewachsen.

Das Hauptproblem und die größte Herausforderung ist jetzt, nachdem die erste Phase des Wiederaufbaus und der Aufräumarbeiten vorüber ist, der Kontakt der Flutopfer mit den Stellen, bei denen sie Entschädigungen oder Unterstützung beantragen können. Sie haben Fragen an die Anwälte:
- Wir wollen sie dabei unterstützen, auch in sprachlicher Hinsicht, denn viele Polen sprechen gar nicht oder nur schlecht Deutsch, und um solche Angelegenheiten zu regeln, braucht man die Amtssprache - sagt Anna Klimaszewska-Golan, Juristin und Koordinatorin von Info-Point-Polregio in Köln.

Anna Golan

Polonia-Magazin "Twoje Miasto" nr.71 -2021

Foto: Bild DPA

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