Sie ist Schauspielerin mit Leib und Seele, aus Berufung und Liebe. Sie war eine der besten Studentinnen ihres Jahrgangs und schloss ihr Studium an der Theater- und Filmhochschule in Łódź mit Auszeichnung ab. "Ich habe den Unterschied zwischen der Schule und der Realität fast sofort zu spüren bekommen", sagt Joanna Stanecka mit einem Lächeln.

Sie begann ihre Arbeit im berühmten Warschauer Theater "Rozmaitości", wo sie mit bekannten Regisseuren zusammenarbeitete, in dem populären Film "Awantura o Basię" mitspielte und die beruflichen Perspektiven schienen viel versprechend zu sein. Auf die Frage, warum also sie sich entschlossen hat, Polen zu verlassen, ausgerechnet mit einem Beruf in dem Sprache und Akzent eine extrem wichtige Rolle spielen, antwortete sie: "Die Liebe hat mich nach Deutschland geführt“. Um das klarzustellen, nicht an einen Deutschen, sondern an einen polnischen Opernsänger, der im Jahr 2000 samt ganzen Familie aus beruflichen Gründen nach Dresden zog. "Die beruflichen Ambitionen mussten also vorerst zurückgestellt werden. Neben der Anpassung an das neue Land, dem Erlernen der Sprache und der deutschen Realität, gab es auch die Pflichten einer Mutter und Ehefrau, so dass die Träume von der Schauspielerei verschoben werden mussten. Aber nur vershoben!“, sagt Joanna Stanecka Sie setzte ihr Talent in ihrer Familie ein, in den Zimmern der Kinder, denen sie polnische Märchen und Gedichte vorlas, Showaufführungen organisierte und alles tat, damit sie zweisprachig aufwuchsen und ihre Wurzeln nicht vergaßen.

 

"Ich habe meinen Plan, auf die Bühne zurückzukehren, nie aufgegeben und wusste, dass er eines Tages in Erfüllung gehen würde", sagt Joanna Stanecka und fügt hinzu: "Es ist nur so, dass die Zeit hier eine große Rolle spielt. Aufgrund der beruflichen Veränderungen meines Mannes zogen wir oft um, und es war schwierig, sich mit einem Theater oder einer Schauspielgruppe für längere Zeit zu binden. Als ihre drei Söhne fast erwachsen wurden, beschloss sie, sich an einem Monodrama zu versuchen. Sie schrieb selbst ein Stück (und zwar in englischer Sprache!) mit dem Titel "My Farm" und erklärte sich bereit, es selbst auf dem größten Monodrama-Festival in New York aufzuführen. "Ich dachte, wenn ich schon falle, dann vom hohen Ross. Es mag nicht die beste Idee gewesen sein, aber es war meine..." sagt sie mit einem Lächeln.

"Die Fremde" von Maria Kuncewiczowa wurde ihr erstes Vorzeigestück. Sie trägt es auf Deutsch und mit polnischem Akzent vor. "Das Thema des Stücks rechtfertigt Unvollkommenheiten der Sprache und klingt sogar natürlicher als ein perfekter Akzent. Durch die Arbeit und die Aufführungen fühlte ich mich immer sicherer in der deutschen Sprache", erklärt Joanna Stanecka. Sie reiste mit der Aufführung fast durch ganz Deutschland und Österreich und die Reaktion des Publikums beflügelte sie: Ein weiteres Monodrama war „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“, der weißrussischen Nobelpreisträgerin Swetlana Alexandrowna Alexsjewitsch. Das Stück, das die Geschichte junger Soldatinnen der Roten Armee und die Konfrontation ihres Idealismus und Patriotismus mit der Realität des Krieges erzählt, hinterließ einen unglaublichen Eindruck. Die Uraufführung fand im ZEITMAULtheater in Bochum statt und führte zu einer dauerhaften Zusammenarbeit mit diesem Theater.

Der nächste Schritt war eine Komödie im Monodrama, die Übersetzung des bereits erwähnten Stücks von Joanna Staneckaj, „My Farm“ ("Mein Bauernhof)", ins Polnische und die Premiere am ZEITMAULtheater. Die selbstironische und urkomische Inszenierung ist eine Art Parsiflage des Familienlebens der Schauspielerin, wobei betont wird, dass jede Ähnlichkeit mit realen Personen absolut ausgeschlossen ist… Das Stück wurde auch in Polen aufgeführt und löste dort schallendes Gelächter und Bewunderung für die Kreativität der Schauspielerin aus.

Dann kamen die ersten Filmangebote. Joanna Stanecka spielte unter anderem in der berühmten deutschen Krimiserie "Telefon 110" und in den beliebten polnischen Serien "Na Wspólnej" und "M jak Miłość", im Film "Wild Republic" usw.

Dann kam die Zeit der Musik: Joanna Stanecka schrieb ein Stück zu Ehren der berühmten Schauspielerin Marlene Dietrich mit dem Titel. "Marlenka". Der erste Teil der Inszenierung war sowohl in Deutschland als auch in Polen so erfolgreich, dass die Schauspielerin während des „Lockdawns“ wegen der Pandemie beschloss, einen zweiten Teil der Show zu kreieren und ihm den Titel "Twilight Angel – Die Lieder von Friedrich Hollaender" gab.

Eine Rückkehr zur monodramatischen Komödie ist ihr Stück "Provinzschauspielerin", das mit Selbstironie und Augenzwinkern die Irrungen und Wirrungen des Schauspielerlebens beschreibt. Diese Produktionen brachten ihr die Auszeichnung "Goldene Eule" des Polnischen Intelligenzclubs, der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien und der Zeitschrift "Jupiter" zur Förderung der polnischen Kultur ein. Darüber hinaus wurde ein weiteres Talent der Schauspielerin enthüllt. Seit einigen Jahren malt Joanna Stanecka Bilder, die sich großer Beliebtheit erfreuen. "Ich wollte immer malen, aber mein Temperament hat mich dazu gebracht, doch die Theaterschule zu wählen", erklärt sie.

Zur Zeit bereitet sie ein Theaterstück über Agnieszka Osiecka vor. "Ich habe großartige Übersetzungen der Texte von Hans Georg Njemz und ich möchte, dass Osieckas Ruhm nicht nur auf Polen beschränkt bleibt", sagt Joanna Stanecka. Auf der Bühne des Schauspielhauses in Düsseldorf und des Theaters in Köln spielt sie in dem Stück "Ernte? Hilfe!" Sie hat noch viele Ideen und Themen. Und auf die Frage nach ihrem größten schauspielerischen Traum antwortet sie mit einem Augenzwinkern: "Ich würde gerne eine unausgeglichene, aber temperamentvolle Frau spielen, zum Beispiel in einem Kostümfilm aus der Barockzeit".

Roma Stacherska-Jung

www.joanna-stanecka.eu

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