Im vergangenen Jahr musste die Preisverleihungsgala "Polonicus" - wie viele andere Veranstaltungen - abgesagt werden. Die Zeremonie im Krönungssaal Karls des Großen im historischen Rathaus von Aachen fand erst am 28. Juni statt - mit den von der Pandemie diktierten Regeln und Vorsichtsmaßnahmen.

Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der CDU/CSU, erhielt aus Hnden von Prof. Tomasz Grodzki, Präsident des Senats der Republik Polen, den Sonderpreis "Polonicus" für sein langjähriges Engagement für Polonia in Deutschland und seinen kontinuierlichen Beitrag zum deutsch-polnischen Dialog.

- sagte Papst Johannes Paul II: Europa muss mit beiden Lungenflügeln atmen, nicht nur mit dem westlichen - mahnte Premierminister Laschet. - Veränderungen müssen immer von beiden Seiten kommen. Ich glaube, dass wir eine Annäherung zwischen Deutschland und Polen brauchen. Wir haben beim Wiederaufbau Nord- und Südeuropas zusammengehalten. Und jetzt müssen wir die Unterschiede und Spannungen zwischen dem Osten und dem Westen Europas überbrücken. Hier ist Polen als unser großer Nachbar sehr wichtig, damit Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und alle unsere gemeinsamen Prinzipien dort umgesetzt werden.

In seiner Rede sagte Herr Laschet, dass man in Bezug auf Polen sensibel sein müsse, wenn es um die Annäherung zwischen Deutschland und Russland geht, aber gleichzeitig befürwortet er den Abschluss des Baus von Nordstream 2. Sind diese beiden Aussagen nicht widersprüchlich?

- Nein, denn wir beziehen unser Gas bereits aus Russland. Das ist schon seit 50 Jahren der Fall. Selbst während des Kalten Krieges kaufte Westdeutschland Gas von der Sowjetunion, und trotz der Konflikte und des Wettrüstens hat die Gasversorgung immer funktioniert.

Was aber, wenn Laschet als Bundeskanzler die Pipeline stoppen würde und sie zu einer politischen Waffe würde, würde das einen starken Eingriff in die wirtschaftliche Unabhängigkeit bedeuten?

- Wenn es Nordstream 2 nicht gegeben hätte und Russland die Pipeline durch die Ukraine als politische Erpressung gegen uns eingesetzt hätte, wären wir in der gleichen Situation gewesen. Es muss sichergestellt werden, dass die Länder keine wirtschaftliche Erpressung betreiben. Ob die Gasmoleküle auf dem Landweg oder über eine Offshore-Pipeline zu uns gelangen, spielt dabei keine Rolle.

Würde er, wenn er Kanzler würde, einen neuen deutsch-polnischen Vertrag unterzeichnen wollen?

- Wir haben einen sehr guten Vertrag, der nun mit Leben gefüllt werden muss. Die Vereinbarungen müssen in die Praxis umgesetzt werden, damit Deutschland und Polen mehr europäische Initiativen ergreifen. Und in unserer Politik gegenüber Russland müssen wir berücksichtigen, was die Polen denken. Und wir müssen unser Handeln erklären. Dies ist wirksamer als Vereinbarungen allein.

Derzeit gibt es keine Pläne für den Bundestagswahlkampf der CDU in Polen. Und wie sieht Armin Laschet die polnische Gemeinschaft in Nordrhein-Westfalen?

- Polonia ist eine große Gemeinschaft, die in Nordrhein-Westfalen Traditionen hat, die bis in die Zeit zurückreichen, als es dieses Land (NRW) noch nicht gab. Die Industrialisierung des Ruhrgebiets wäre ohne die vielen Polen, die hierher kamen, nicht denkbar gewesen. Die polnische Gemeinschaft ist ein lebendiger Teil unseres Landes. Wir haben ein gemeinsames Projekt in Bochum. Ich wünsche mir, dass die polnische Gemeinschaft weiterhin ihre Stimme erhebt und das Rheinland und Westfalen kulturell und politisch bereichert.

 

- Wir wünschen Herrn Laschet viel Erfolg", sagte Tomasz Grodzki am Ende seines Treffens mit der Presse und bezog sich dabei auf die Bundestagswahl im September.

Der Präsident des Senats der Republik Polen, Prof. Tomasz Grodzki, erhielt in Aachen den vom Europäischen Institut für Kultur und Medien "Polonicus" und dem Weltrat der Polonia verliehenen Sonderpreis "Polonicus" für den Senat der Republik Polen. Der Preis wurde dem Senat als Anerkennung für die Betreuung der Polonia während der 10-jährigen Amtszeit des polnischen Senats verliehen.

Parszałek Grodzki bezeichnete die zum 12. Mal verliehene "Polonicus"-Auszeichnung als fast so prestigeträchtig wie den Friedenspreis Karls des Großen, der alljährlich am selben Ort, im historischen Rathaus von Aachen, verliehen wird.

Im Jahr 2011 wurden die Mittel für Polonia fast vollständig (damals 67 Mio. PLN) vom Senat auf das Außenministerium übertragen, so dass dem Senat nur noch bescheidene 10 Mio. PLN zur Verfügung standen. In den Jahren 2012-2015 hat das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Im Januar 2020 unterstützte der damalige Senatssprecher Stanisław Karczewski eine Haushaltsänderung, die vorsah, dem Senat 110 Millionen Zloty zu entziehen, um Polen und polnische Gemeinschaften im Ausland zu unterstützen - das Geld ging an den Premierminister (60), das Außenministerium (28), den Familienminister (10), das Bildungsministerium (7) und den Kulturminister (4).

- Das politische Schicksal hat so entschieden, aber wir versuchen, es umzukehren - kommentierte Grodzki.

Marschal des Senats Tomasz Grodzki betonte, dass die Delegation bewusst aus Vertretern aller drei im Senat vertretenen politischen Parteien zusammengesetzt sei: Ewa Gawęda (PiS - Schlesien), Beniamin Godyla (PO - Opole), Paweł Arndt (PO - Gniezno) - denn der "Polonicus"-Preis soll vereinen.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte Senatorin Barbara Borys-Damięcka, ein Mitglied des "Polonicus"-Jury, diesmal nicht nach Aachen kommen. Die Delegation des polnischen Senats wurde von Jakub Wawrzyniak, dem polnischen Generalkonsul in Köln, begleitet. Der polnische Botschafter Andrzej Przyłębski wurde vermisst...

Die vorletzte Preisträgerin des letzten Jahres, die die Statuette erst in diesem Jahr erhalten wird, ist Olga Tokarczuk - fügte Wiesław Lewicki, Präsident des Polonicus-Instituts, hinzu.

Text und Fotos: Andreas Hübsch

Samo Życie Nr. 8/2021

www.samo-zycie.de

 

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