Polnisches Bundesnetzwerk Partizipation und Soziales: Ein starkes Bündnis für die Verbesserung der sozioökonomischen Situation von Menschen polnischer Herkunft in Deutschland - Deutschland wird seit Jahren von vielen Pol*innen als Lebensmittelpunkt ausgewählt. Rund 2,2 Millionen Menschen in Deutschland haben einen polnischen Migrationshintergrund. Nach Menschen mit familiären Bezügen zur Türkei (rund 2,8 Millionen) bilden Pol*innen die zweitgrößte Gruppe unter den Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Darüber hinaus gibt es über 850.000 Personen nur mit polnischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Hinzu kommen Tausende von polnischen Entsandten (z.B. Pfleger*innen) sowie Grenzpendler*innen.[1]

Viele dieser überzeugten EU-Bürger*innen, leisten einen wesentlichen, sehr oft unsichtbaren Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. 

Und viele sind der Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt, auch in systemischen Sektoren und in sogenannten 3-D-Jobs (dirty, dangerous and difficult).

Allzu oft werden sie in prekären Arbeitsverhältnissen allein gelassen. Sie bekommen keine adäquaten Informationen über rechtliche Unterstützung und Hilfesysteme. Dies führt zu vielen existenziellen Problemen und zu sozialer Ausgrenzung. Und dieser Ausgrenzung zieht den Ausschluss von der gesellschaftlichen Teilhabe nach sich.

Gleichzeitig wird in der Politik viel von einer Willkommenskultur und Integration sowie von sozialem Zusammenhalt gesprochen. Auch die gute polnisch-deutsche Zusammenarbeit und die Verständigung zwischen den beiden Nationen/Gesellschaften wurden hervorgehoben.

Der 2019 gewählte Sprecher*innenrat des Polnischen Bundesnetzwerks für Partizipation und Soziales arbeitet daran, diese Paradoxien aufzuzeigen und die Verbesserung der Situation polnischer Zuwanderer in den Vordergrund zu rücken.

Die ausgewählten Personen kommen aus Bayern (Patrycja Marek, PORADA – Polnischsprachige Psychologen und Pädagogen in Bayern e.V.), Berlin, (Dr. Kamila Schöll-Mazurek, Polnischer Sozialrat e.V.), Mecklenburg -Vorpommern (Katarzyna Werth, Deutsch-Polnischer Verein für Kultur und Integration e.V.), Nordrhein-Westfalen (Joanna Szymańska, Polregio e.V.) und Sachsen-Anhalt (Krzysztof Blau, Deutsch-Polnische Gesellschaft). 

Das Netzwerk, deren Entstehung der Polnische Sozialrat  im Jahr 2016 initiiert hatte, besteht inzwischen aus 34 Organisationen in zwölf Bundesländern und arbeitet mit mehreren Expert*innen und Multiplikator*innen zusammen.

Die Vertreter*innen dieses ersten polnischen Migrationsnetzwerks in Deutschland lenken die Aufmerksamkeit von Politik und Verwaltung auf die sozialen Bedürfnisse, Probleme und Potenziale der polnischen Migrant*innen in Deutschland und teilen ihr Wissen mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien in Polen, Deutschland und Europa. Sie stellen Forderungen zur Verbesserung der Situation der polnischen EU-Bürger*innen in Deutschland.

Dr. Marta Neüff, die Vorsitzende des Polnisches Sozialrates e.V. dazu: „Das Polnische Bundesnetzwerk Partizipation und Soziales ist ein wichtiger Schritt, die Stimme der polnischen Community auf Bundesebene zu stärken. Gemeinsam möchten wir unsere Erfahrungen in aktuelle Einwanderungsdebatten einbringen und zu einem besseren Zusammenleben aller Menschen in Deutschland beitragen".

Krzysztof Blau betont: „Die polnische Community in Deutschland ist die zweitgrößte Migrantengruppe mit einer starken Wachstumsdynamik. Sie bedarf der gezielten Unterstützung in ihrem Integrationsprozess, einer wahrnehmbaren Interessensvertretung sowie aktiven Repräsentanz in der Öffentlichkeit. Das Netzwerk ist offen für alle interessierten Organisationen und Expert*innen, die mit uns diese Ziele umsetzen möchten“.

Katarzyna Werth fügt hinzu: „Dank der bundesweiten Vernetzung erhält die ehrenamtliche Arbeit für Integration, die wir Personen polnischer Herkunft in Deutschland auf der lokalen Ebene leisten ein nötiges Rückgrat und wird noch sichtbarer auf der Bundesebene. Einen weiteren Vorteil sehe ich in der Vernetzung: Der Wissenstransfer und Austausch mit anderen Regionen stellen einen universellen Mehrwert dar. Wir setzen uns aktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und möchten ein einheitlicher Ansprechpartner für die Politik vor Ort und auch bundesweit als Netzwerk sein.“

Joanna Szymańska unterstreicht: „Es ist zwingend erforderlich, sich mit der Realität der Integrationsfragen im Sinne gesellschaftlicher Inklusion zu konfrontieren. Sich zu integrieren bedeutet, das gesellschaftliche Leben in allen Facetten strukturell mitzugestalten – das Wort und dementsprechend das Handeln zu ergreifen. Gesellschaftliche und politische Barrieren sowie nachfolgende Stufen des öffentlichen Verwaltungsapparates; sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene, verhindern eine stabile Entwicklung von Migrantenorganisationen in Deutschland, die deren Potential an personellem und fachlichem (Experten-)Beitrag zum Aufbau einer Willkommenskultur berücksichtigen würde“.

In der Lenkung der Aufmerksamkeit auf Wirkungsorientierung in der Arbeit im Netzwerk sieht Patrycja Marek eine Chance „die Effektivität und nachhaltige Effizienz der Projekte zur Integration, Partizipation und Demokratiebildung zu steigern. Dabei sollen die Wissensressourcen aus dem Freiwilligen Engagement besser gesichert, professionalisiert und für Folgeprojekte sowie zukünftige Konzeptentwicklung im Bereich Soziales verfügbar gemacht werden. Es ist an der Zeit den Widerspruch zwischen den zentralen Versprechen der pluralen Demokratie Anerkennung, Chancengleichheit und Teilhabe für alle Bürger*innen aufzuheben und der Realität, die nachweisbar von sozialer Ungleichheit und Anerkennungsdefiziten gekennzeichnet ist, entgegenzusehen. Der erste Schritt dafür wäre eine angemessene Strukturförderung für Vereine und EU-Migrantenorganisationen, die einen bedeutenden Beitrag zur Lösung von sozial-gesellschaftlichen Problemen leisten.  Auch eine angemessene Anerkennung des freiwilligen Engagements ist für eine nachhaltige Weiterentwicklung der inklusiven Zivilgesellschaft unabdingbar“.

„Das Bundesnetzwerk baut eine Brücke zwischen den Migrant*innen und der Aufnahmegesellschaft und setzt sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen polnischer Herkunft am Arbeitsmarkt, an Bildung und Politik in Deutschland ein. Alle Menschen können sich einbringen und eine Anfrage für die Zusammenarbeit im Rahmen des Netzwerks an uns stellen. Alle, denen demokratische Werte, Pluralismus, Chancengleichheit am Herzen liegen.“, so Dr. Kamila Schöll-Mazurek, die seit fünf Jahren das Netzwerk ausbaut und ergänzt: „Wir sind ein wichtiger Bestandteil der postmigrantischen Bewegung in Deutschland. Wir konzentrieren uns auf die Situation der polnischen Migrant*innen in Deutschland und schauen nicht nur auf deutsche und europäische Politik, sondern auch auf die polnische Seite, wo noch großer Bedarf besteht, das Verhältnis zu den Bürger*innen polnischer Herkunft in Deutschland im Sinne einer Europäisierung zu gestalten und zur Verbesserung der Situation dieser Gruppe beizutragen. Wir gehören schließlich zu Europa“.  

Kontakt:

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tel.: +49 176-816 568 60

Dr. Kamila Schöll-Mazurek, Sprecherin, Berlin

Joanna Szymańska-Bica, Sprecherin, Nordrhein-Westfalen

Patrycja Marek, Sprecherin für Bayern

Krzysztof Blau, Sprecher, Sachsen-Anhalt

Katarzyna Werth, Mecklenburg-Vorpommern

Fotos: Wojtek Heidner und Jurek Uske

[1] Erik Malchow, Kamila Schöll-Mazurek, Unsichtbare Diskriminierungen, Pol*innen in Deutschland, Polnischer Sozialrat 2021.

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