Bundeskonferenz der Polnisch-Arbeitsgemeinschaften - Wie schwierig es ist, die Länder zu einem gemeinsamen Kurs zu bewegen, zeigt sich am deutlichsten im Ringen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder um die Bekämpfung der Pandemie. Immerhin haben die Entscheidungen am 3. Adventssonntag bewiesen, dass es möglich ist, wenn der Druck von außen ausreichend ist. Davon geht die Bundeskonferenz der Polnisch-Arbeitsgemeinschaften aus, die Mitte Dezember online tagte.

In diesem Jahr sind es 30 Jahre seit der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit (17.06.1991). Die Artikel 21 und 22 dieses Dokuments werden als Grundlage für die Organisation des Polnischunterrichts im deutschen Bildungssystem genommen. Die Erwartungen der polnischen Seite wurden in der Stellungnahme des Polnisch-Deutschen Runden Tisches vom 11.06.2011 verdeutlicht, in der wir lesen:

"Die deutsche Seite in diesem Gremium [Bildungsausschuss], dem Vertreter der Länder und des Bundes angehören, wird so bald wie möglich mit Unterstützung des Runden Tisches und unter Beteiligung polnischer Organisationen in Deutschland eine Strategie für den Unterricht des Polnischen als Muttersprache entwickeln".

Zehn Jahre später wird Polnisch als Muttersprache (nach heutiger Nomenklatur: vererbt) in vielen Bundesländern an öffentlichen Schulen gar nicht mehr unterrichtet. Wo ein solcher Unterricht durchgeführt wird, gibt es oft keine Lehrpläne. Außerdem mangelt es an qualifizierten Lehrern und geeigneten Lernmaterialien.

In jedem der 16 Bundesländer versuchen polnische Aktivisten und Experten seit Jahren, dieses Angebot (die offizielle deutsche Abkürzung HSU) einzuführen oder zu erweitern und sind dabei immer wieder an der Mauer des fehlenden politischen Willens abgeprallt. Diese zutiefst unbefriedigende Situation wird seit langem in zahlreichen Foren und auf Kongressen der polnischen Community und der Polen in Deutschland (zuletzt in Bonn 2019) diskutiert, um endlich reif für ein Handeln auf Bundesebene zu sein.

Um ihren Argumenten mehr Überzeugungskraft zu verleihen, gründeten die "Aktivisten" vor einem Jahr auf Initiative des Unterzeichners (Niedersachsen) und unter enormer organisatorischer Beteiligung von Agnieszka Siemasz-Kałuża (Hessen) eine Bundeskonferenz der Polnisch-Arbeitsgemeinschaften, um bundesweit mit einer Stimme zu sprechen. Die Konferenz setzt sich aus 16 Landesleitern zusammen, die zum einen im Namen der Konferenz mit den Landesschulräten über die polnische Sprache beraten und zum anderen das Land in der Konferenz vertreten. Die Arbeit dieses Gremiums wird von mehreren Beobachtern unterstützt, die ihr Fachwissen einbringen.

Die erste gemeinsame Aktion war ein Brief an alle Bildungsministerien der Länder.

"Langfristig ist es unsere Absicht, bis zum 35. Jahrestag der Unterzeichnung des "Vertrages zwischen der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit", der auf den 17. Juni 2026 fällt, das bestmögliche Angebot des Polnischunterrichts in der gesamten Bundesrepublik Deutschland zu erreichen. - Die Mitglieder und Mitglieder der Konferenz haben sich dort angemeldet.

Das Echo war, wie erwartet, unterschiedlich. Einige, wahrscheinlich völlig überrascht und überwältigt von der Pandemie, schafften es nicht, so weit abzuschreiben, einer äußerte ein mangelndes Interesse an der HSU und verwies auf die Möglichkeit, das Erlernen der polnischen Sprache durch die polnischen Konsulate zu organisieren, aber die meisten Minister reagierten positiv und begrüßten den Vorschlag der Zusammenarbeit mit der Konferenz.

Natürlich gab es im Jahr 2020 nirgendwo Beratungen und in einigen Bundesländern fiel Polnisch als ererbte Sprache sogar einer Pandemie zum Opfer. Daher wird die Konferenz in einem weiteren Schreiben anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache am 21. Februar 2021 um die sofortige Wiederaufnahme des HSU-Angebots bitten, sobald es die Umstände erlauben.

Wir glauben auch, dass der tiefgreifende Wandel des öffentlichen Bewusstseins, den die Pandemie bewirkt, eine gute Gelegenheit ist, sich von veralteten Standards zu verabschieden und mutig die besten Modelle einzusetzen.

Deshalb wird die Konferenz gleichzeitig allen Bundesländern diejenigen der in Deutschland praktizierten Lösungen empfehlen, die für die Mehrsprachigkeit unserer Kinder am förderlichsten sind. Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind bereits ganz vorne mit dabei. Wir wollen uns auch in die politische Diskussion vor dem 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages einschalten, indem wir den Stand des Polnischunterrichts in Deutschland analysieren.

Eines der größten von der Konferenz diagnostizierten Probleme ist der Mangel an leicht zugänglichen Informationen für Eltern. In einigen Bundesländern ist sie sogar umfangreich, allerdings nur in deutscher Sprache und gut versteckt in den tiefen Schichten der ministeriellen oder kommunalen Portale. Diese Informationen in polnischer Sprache und konzentriert an einem Ort zur Verfügung zu stellen, der im Internet leicht zu finden ist, ist eine weitere Aufgabe, die sich die Konferenz gestellt hat. Die Umsetzung ist in Kooperation mit Polregio e.V. geplant, der im ersten Halbjahr 2021 eine Informationsplattform für polnische Frauen und Männer in Deutschland starten will. Es wird auch eine kurze Information über die Bundeskonferenz der Polnisch-Arbeitsgemeinschaften für die polnische Sprache selbst und eine Liste ihrer Leiter geben. Wir ermutigen alle, die an der Förderung des Polnischunterrichts in Deutschland interessiert sind, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Grażyna Kamień-Söffker

Übersetzung aus dem Polnischen - Redaktion Polonia Viva

Auf dem Bild: Grażyna Kamień-Söffker und Agnieszka Siemasz-Kaluza / Foto: Jurek Uske

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