So betitelte er seinen Leitartikel in der November-Ausgabe des in Hannover und Niedersachsen erscheinenden Straßenmagazins "Asphalt". Im November veröffentlichte die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die größte Tageszeitung der Stadt, eine Reihe von Publikationen über die Obdachlosigkeit in der Stadt, unter anderem über die Verdoppelung der Zahl der Todesfälle unter Obdachlosen im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Zusammenhang kündigte die Stadtverwaltung ein mehrjähriges Programm zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit an, für das mehrere Millionen Euro bereitgestellt wurden.

Niemand kennt die Realität der Existenz polnischer Obdachloser in Hannover so gut wie Sylwia Jasion, deren Engagement und Wirksamkeit der Aktionen zu ihren Gunsten hier legendär geworden sind. Sie war es, die 11 Männer aus diesem Umfeld auswählte, um an dem neunmonatigen Kooperationsprojekt "Sprache und Arbeit" teilzunehmen, das eine Chance für ein neues Leben darstellt. Das Ziel ist es, sie bis Ende April "von der Straße zu holen". Initiiert wurde es von den örtlichen sozialen Einrichtungen AWO und dem Magazin "Asphalt" unter Beteiligung der privaten Niedergerke Stiftung und der Stadt Hannover. Wie über das Protokoll hinaus wurde Sylwia zum mentalen Coach der Teilnehmer, da sie weiß, wie schwer es für Menschen mit dem Gepäck der sozialen Ausgrenzung ist, was ja die Erfahrung eines jeden Obdachlosen ist.

Inzwischen stehen Advent und Weihnachten vor der Tür. "Zum ersten Mal seit mehreren Jahren haben wir nicht die Möglichkeit, den Heiligen Abend für unsere Landsleute, die Obdachlosen, die Armen und die Einsamen zu organisieren", schreiben Sylwia Jasion (ArkaPol) und Pater Tadeusz Kluba (Polnische Katholische Mission) in einem Flugblatt, das seit Mitte November in Hannover verteilt wird.

Der Heilige Abend in Hannover, mit einer Oblate und Geschenken für Einsame und Obdachlose, ist bereits zur Tradition der örtlichen polnischen Gemeinde geworden. Seit Jahren beteiligen sich Privatpersonen und polnische Unternehmer an dem Projekt. Zum Beispiel Edyta Druckpoint, die jedes Jahr kostenlos Plakate und Flugblätter gestaltet und druckt. Ist der Inhaber des "Lukullus"-Ladens in Hannover-Berenbostel, der sich bereits an der diesjährigen Paketsammelaktion beteiligt hat. Der Kreis junger Familien, der sich um die Polnische Katholische Mission versammelt hatte, sorgte meist für die gemütliche Bewirtung und ein kleines Weihnachtskonzert. Und die Unterstützer ihrer Aktivitäten für die Obdachlosen, die sich um Sylwia Jasion scharten, packten meist über 100 Pakete aus den Geschenken, die sie von den Polonauten erhielten. Und dieses Jahr?

Die Pandemie-Warnungen erlauben es nicht, sich am Tisch zu treffen und die Waffel zu teilen. Trotzdem haben weder Sylwia noch Pater Tadeusz die Absicht, aufzugeben. "Wir haben uns entschlossen, die Weihnachtspäckchenaktion zu organisieren, weil wir in dieser besonderen Zeit auf Ihr gutes Herz und Ihre Solidarität zählen", schreiben sie in dem Flugblatt. Die Spenden werden vom 6. bis 13. Dezember in der PMK-Geschäftsstelle und im Lukullus-Berenbostel-Laden gesammelt, bei Bedarf auch beim Spender abgeholt. Kaum ist der Aufruf in die Welt gegangen (über soziale Kanäle, das Internet, über das Lokalradio PolenflugNeo), melden sich schon die ersten Spender, die sogar begeistert auf die neue Idee der Organisatoren reagieren.

Diese Solidarität weckt Respekt und Hoffnung. Besorgniserregend sind jedoch die in der Zeitschrift "Asphalt" veröffentlichten Beobachtungen von Sozialarbeitern, die zeigen, dass der ohnehin schon überdurchschnittlich hohe Anteil von Obdachlosen aus Polen in Hannover weiter zunimmt. Ein ähnliches Phänomen ist auch in anderen deutschen Städten zu beobachten. Die Analyse der Ursachen geht über diesen Text hinaus.

Umso wertvoller sind jedoch die Aktionen, die von der polnischen Gemeinschaft zum Wohle der Obdachlosen durchgeführt werden. Erinnern wir uns daran, dass jeder Obdachlose, egal welcher Nationalität, irgendeine Tragödie, ein zufälliges Drama hinter sich hat. Kein Mensch lebt freiwillig auf der Straße. Unsere Tätigkeit ist auch ein richtiges Signal für die Behörden und Mitbewohner Hannovers, das an den Beitrag der polnischen Gemeinschaft zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt und der Region als Arbeitnehmer, Steuerzahler und sozial engagierte Menschen erinnert.

Radio PolenflugNeo

Samo Życie nr 12/2020

www.samo-zycie.de

 

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