Die Covid-19-Pandemie weckte zuvor schlummernde Probleme und Mängel auf bis hin zur Ängsten über "diese sonst banale" Alltagsexistenz. Seit 2018 arbeitet der Verein Polregio e.V. an der Schaffung eines professionellen Unterstützungskonzepts für Zuwanderer in Nordrhein-Westfalen, eines nachhaltigen Modells echter gesellschaftlicher Teilhabe und  Fürsprache für die Interessen ausgegrenzter oder von Ausgrenzung bedrohter Gruppen nicht - nur im Sinne sozialer-, sondern auch Systemausgrenzung. Im Rahmen eines vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen in Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts wird in NRW ein Unterstützungskonzept für Zuwanderer, vornehmlich polnischer Herkunft, entwickelt, das jedoch offen ist und auch andere in Nordrhein-Westfalen lebende Zuwanderergruppen einbezieht.

In den vier NRW-Städten Aachen, Essen, Wuppertal und Köln gibt es seit Januar spezielle Anlaufstellen, in denen u.a. polnische Migranten fachübergreifend fachlich betreut werden können (ab Mitte März nur noch online und telefonisch). In jedem dieser Punkte können Sie sich persönlich oder telefonisch zu einem Thema beraten lassen, das Sie nicht vollständig selbst bearbeiten können.

In der jetzigen Situation erreichen wir unsere Zielgruppe über alternative Kanäle vor allem Online, wie Webinare, Video-Spots, verstärkte Aktivitäten in sozialen Medien und auf der Website, die wir zu einem regelmäßigen Besuch empfehlen! Wir ermutigen Sie ebenso Ihre Kommentare und Ideen, Themenvorschläge mit uns zu teilen, indem Sie unsere Funpage auf Facebook besuchen und einen Kommentar hinterlegen.  Das Projektkonzept ist partizipatorisch und zielt darauf ab, "maßgeschneidert" zu sein - einerseits auf die Bedürfnisse der Polen in NRW und andererseits auf den gesellschaftlichen Rahmen, in den die Projektaktivitäten eingebettet sind, d.h. NRW.

Es gibt viele Beratungsthemen und Bedürfnisse,  im Bezug auf die Zielgruppe, eines einzelnen Empfängers, aber auch der ganzen Gruppe - der Polinnen und Polen in NRW.  Die Covid-19-Pandemie weckte zuvor schlummernde Probleme und Mängel auf bis hin zur Ängsten über "diese sonst banale" Alltagsexistenz. Im „Home-Office" und am Telefon erhalten wir Anrufe und E-Mails mit der Bitte um sofortige Unterstützung. Der Fallkatalog ist umfangreich und umfasst u.a. Rechtsfragen, Verbraucherinsolvenz, Versicherungen, Gesundheitsfragen, Arbeitnehmer (Kurzarbeit, Kündigung), psychische Probleme - Krisen und Ängste, Menschen mit Behinderungen, Alleinerziehende, Minderjährige, Gewalt in der Familie; des Weiteren   Existenzprobleme eines Unternehmers (Soforthilfe II), bis hin  Menschen ohne Existenz- und Arbeitsmittel, - vor allem aber die Bereitstellung zuverlässiger und verifizierter Informationen in polnischer Sprache (! )  bezugnehmend auf Regelungen im Zusammenhang mit COVID-19. Daraus resultiert die Interessenvertretung o.g. Gruppen vor Behörden, bei Ämtern, Anwaltskanzleien und Büros, Jobcenter, Gesundheitsbehörden und vielen anderen.

"Aufgrund der COVID-19-Pandemie haben viele Menschen über Nacht ihre bisherige Arbeit verloren, fristlose Kündigungen, ohne Arbeitszeugnis und ohne Anweisungen wo und wie das deutsche Arbeitslosengeld zu beantragen sei. Diese Menschen sprechen in der Regel schlecht oder gar nicht Deutsch, sie haben Angst, ihre Rechte vor dem Arbeitsgericht geltend zu machen, Info-Points beraten solche Menschen; es wurden ggf. Arbeitsklagen online zur Verfügung gestellt. Auch Selbständige haben über Nacht ihre Arbeit und damit ihr Geld für das schlichte Überleben verloren", informiert Anna Golan, polnisch-deutsche Juristin und Koordinatorin des Info-Point - Köln.

Im Laufe der Jahre haben die Polen in Deutschland das Prädikat "unsichtbar" erhalten, eine buchstäblich problemlose und autarke Gruppe. Unmittelbare Folge dieser Prozesse ist eine Anhäufung von Anpassungsproblemen, z.B. aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, die zu einer systemischen sozialen Ausgrenzung und zur Abhängigkeit engster familiärer Existenz von den Leistungen Dritter.

Das alles führt in eine Abhängigkeitskreislauf hin, aus dem man meist und paradoxerweise nicht mehr herauskommt. Die oben beschriebene Situation erreichte ihren Höhepunkt während der COVID-19-Pandemie. Viele so genannte Besorgungen konnten früher in einem Sprachtandem arrangiert werden, es gab immer jemanden aus dem engsten Kreis, der bei der Anordnung half: Kindergeld, Wohngeld,  usw. 

In der Situation, mit der wir in den letzten Wochen konfrontiert wurden, stellt sich heraus, dass in einem Telefongespräch selbst der beste Online-Übersetzer nicht mitmacht, und die Melodie der offiziellen deutschen Sprache und das passive Niveau des Einfühlungsvermögens ist für viele ein Hindernis an sich, die Angst vor Missverständnissen - missverstehen werden.

In solchen Momenten sind die sozialen Gegensätze am offensichtlichsten, und das ganze Ausmaß des Problems liegt in der offensichtlichen Vernachlässigung der Integration, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern vor allem auf dem sozialen Feld!

Wir plädieren dafür, dass alle gesellschaftlichen Gruppen gleichberechtigten Zugang zu Informationen haben, was die Grundlage für ein gleichberechtigtes Funktionieren in einem bestimmten sozialen Umfeld ist. Ein weiterer äußerst wichtiger Aspekt ist die Bürgerbeteiligung, Ausschuss-und Gremienarbeit. Das Schlagwort lautet: Partizipation. Seien wir sichtbar, nicht unsichtbar! Sichtbar durch das Prisma, in sozialen und politischen Foren zu sitzen, wo immer wir für uns selbst das Wort ergreifen können - Einwanderer polnischer Herkunft in NRW und in Deutschland!  Eine einzige, wenn auch sehr vernünftige und wichtige Stimme, des Poloniabeauftragten in NRW Thorsten Klute, reicht nicht aus. Bauen wir Strukturen und Repräsentation in einem der Situation angemessenen Maßstab auf!

Joanna Szymanska

Projektleitung Info-Point-Polregio

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