„Polnische Wirtschaft“ war lange Zeit im deutschen Sprachgebrauch ein Ausdruck für Schlamperei, Unordnung, auch Rückständigkeit und Armut. Die Ursachen dafür waren vielfältig: die Schwäche der Städte, die Politik der Teilungsmächte, die Kriegsfolgen und die kommunistische Misswirtschaft. Noch vor dem EU-Beitritt des Landes 2004 zeigten westeuropäische Medien ein Pferdefuhrwerk auf dem Lande, das allgemein für die ökonomischen Verhältnisse in Polen wie für die gesamte ökonomische (Un)Ordnung in der osteuropäischen Peripherie stand. Und dennoch…

Unter hohen sozialen Kosten, in einer Zeit der politischen Veränderungen nach 1989, geschah ein kleines Wunder an der Weichsel – das Wachstum kehrte ein! Das Wachstum, das seit 1992 ununterbrochen fortdauert und Polen heute – nach mehr als 30 Jahren – zu einem der wichtigsten europäischen Wirtschaftsstandorte aufsteigen ließ.

Heute steht Polen vor neuen Herausforderungen – und es steht viel auf dem Spiel, denn „Made in Poland“ ist zu einer Marke geworden. Dank einem enormen Qualitäts- und Technologieschub war das Land imstande, zu den größten Gewinnern der Globalisierung zu werden: Polens Exportquote liegt heute höher als die des deutschen Nachbarn. Beide Länder sind heute in Wahrheit ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Über Vorzüge und Nachteile dieser Beziehung, sowie über zahlreiche weitere, nicht nur strikt wirtschaftliche Themen, berichtet das aktuelle Jahrbuch Polen 2020 Polnische Wirtschaft.

Unsere Autoren schreiben u.a. über die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen (Sebastian Płóciennik), Polens erfolgreiche Rolle in der Globalisierung (Grzegorz Siemiończyk), die regionalen Unterschiede (Grzegorz Masik), aber auch Probleme wie ausbleibende Innovationen (Edwin Bendyk), die problematische demografische Entwicklung (Bogusław Chrabota) und die notwendige Immigration (Piotr Arak). Dass Polen zum Musterknaben der europäischen Wirtschaft wird, war lange Zeit nicht absehbar, die Situation am Anfang der Transformation beleuchten deswegen u.a. Reinhold Vetter, Jakub Szumski und Leszek Balcerowicz. Schließlich beschäftigt sich Jan Sowa mit dem sozialen und psychologischen Preis der polnischen Konsumgesellschaft, während Karol Modzelewski nach dem politischen Preis der Einführung des Kapitalismus in Polen gefragt wird. Und Kacper Pobłocki und Krzysztof Jasiecki geben Einsichten in das Leben polnischer (Geld-)Eliten.

Jahrbuch Polen 2020 Polnische Wirtschaft

Herausgegeben vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt, Wiesbaden 2020, 200 S., zahlreiche Abb. Preis: 15 € (Abo 13,50 €), ISSN 1863-0278, ISBN 978-3-447-11404-2

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