„Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden“ – Erzbischof Muszynski – Laureat des Polonicus-Preises 2019

Wir -  Polen -  die  Europa beibrachten was die Solidarität zu bedeuten hat, stehen heute als Verräter, dieser menschlichen und europäischen Solidarität. Lebend in einer immer mehr globalisierten Welt neigen wir trotz alldem zu mehr Isolation und Egozentrismus zu. Diese negative menschliche Haltung wandeln wir in die Tugend um, und genau das ist unsere Tragödie.  (Erzbischof Henryk Muszyński)

Erzbischof Henryk Muszyński wird als dritter Geistiger mit dem Polonicus-Preis ausgezeichnet, davor erhalten die Auszeichnung Erzbischof Alfons Nosol und Prälat  Stanisław Budyn, Rektor Polnischer katholischen Mission in Deutschland. Erzbischof Muszynski war Primas von Polen, heute ist er emeritierter Erzbischof von Gneisen und Professor Theologischer Lehre.  Den Doktortitel erhielt er für seine wissenschaftliche Arbeit zum Thema: „Vorstellungen vom Fundament im Alten Testament. Archäologie und Exegese”. Seine Habilitation schrieb er zum Thema: "Jesus Christus - das Fundament und Grundstein katholischer Kirche im Spiegel gurmanischer Texte.“.  Er ist Autor von wissenschaftlichen Arbeiten aus der Bibellehre, Priestertum,  den christlich-jüdischem Dialog und zur geistigen Einheit Europas. Weltforscher schätzen ihn als einen der wenigen katholischen Forscher, der auf sachliche Weise die Manuskripte von Qumran erforscht hat. Er setzte sich für den christlich-jüdischen und polnisch-jüdischen Dialog ein. Unter Kritik stellte er den Antisemitismus und Antipolonismus. Als seine bischöfliche Devise nahm er die Worte: „In Verbo Tuo” (auf Deutsch: „Auf dein Wort“).

Und doch der  Polonicus-Preis 2019 wird weder für seine wissenschaftliche Erkenntnisse noch für dutzende lebhafte Predigte verliehen. Mit dem Preis will man vor allem sein Engagement für den Aufbau des europäischen Dialogs und der deutsch-polnischen Verständigung ehren.  Im Jahr 1995 redigierten Erzbischof Muszyński zusammen mit dem Bischof  Walter Kasper den Brief polnischer und deutscher Episkopate: zum Dialog, Versöhnung und gemeinsamen christlichen Werte im Namen des Aufbaus vereinten Europas. 

Heute ist er besorgt, da Polen gerade die größte Krise in deutsch-polnischen Beziehungen erlebt. In einem Interview mit Lidia Ciecierska und Tomasz Dostatni bedauerte er, dass in europäischen Kontext, Polen auf eigenen Wunsch, sich auf komplette Isolation verurteilt. Gemeinsames Europa benötigt Zusammenarbeit und Mitverantwortung. Dialog ohne Zusammenarbeit wird nicht funktionieren.  Wiederum gelungener Dialog benötigt Vertrauen und das Vertrauen wird nie funktionsfähig ohne Verständnis für  anderen Menschen.

Auf die Frage welche sind die Ursachen gewisser Ausweglosigkeit in den deutsch-polnischen Beziehungen, antwortet er offen, im Gegensatz zur manch anderer Kirchenvertreter: „Ich sehe zwei Hauptgrunde, einerseits die Ablehnung polnischer Regierung zur Aufnahme von  Flüchtlingen, und Reparationsanforderungen an Deutschland“ und fügt zu: „junge Polen und Polinnen suchen nach einem Leben in Ruhe und Versöhnung, in einer gemeinsamen Welt. Das ganze Gezerre gegenüber heutigem Deutschland - für die Geschehnisse vor über achtzig Jahren-  es  ist einfach   unverständlich“. 

Auf die Frage, ob er die Hoffnung für die Verbesserung dieser Beziehungen sehe, sagte er: „Hoffnungsvoll ist die Tatsache, dass die Versöhnung unabhängig von Regierungen oder Kartellen ist. Versöhnung  ist ein langer Prozess, der auf menschlicher Ebene geschieht – unter Familien, Wertegemeinschaften, kirchlichen Gemeinden und zwischen konkreten Völkern“.

Folgend zittert er die Worte des Erzbischofs Nosol, der einmal sagte: „Die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland ist ein Wunder (…) Ich habe die Hoffnung, dass die deutsch-polnische Versöhnung sehr beständig ist, vor allem weil zu deren Grundlage nicht die Politik lag, sondern wahrhaftiger christlicher Akt der Vergebung“.

Seit paar Jahren lässt sich nicht verbergen, dass die polnische Kirche weltanschaulich sehr zersplittern ist. Um Besorgnis sorgen  Aussagen einiger Erzbischöfe wie,  Marek Jędraszewski, Sławoj Głódzi oder Józef Michalik. Gleichzeitig wird zum Glück die gleiche Kirche durch Erzbischof Muszyński, Polens Primas Wojciech Polak, der Metropolit von Lodz Kardinal Grzegorz Ryś und Kardinal Konrad Krajewski vertreten – durch Menschen, die die Kirche offen und in einem Dialog mit Rest der Welt gestalten. Diese Kirchenvertreter gestalten die Kirche, die dem Menschen entgegen kommt. Eine Kirche die sich aus der Geste der Barmherzigkeit freut. Eine Kirche die Brücken, nicht Mauer baut.

Erzbischof Muszyński hat sich mit seinen offenen Äußerungen bei einigen Kirchen- Vertretern unbeliebt gemacht, vor allem bei den Anhängern der PiS Regierung.

"Ich stelle nicht in die Frage, dass es in unserer Geschichte heldenhafte und schöne Taten gab, auf die wir stolz sein können; jedoch,  es gab ebenso elende und nicht christliche Taten – deren Existenz wir nicht zugeben wollen“ – unterstreicht Erzbischof.

Erzbischof Muszynski ist nun vor allem ein Geistiger,  ein Mensch der Kirche, der seine Priesterwürde als Dienst dem Gott und der Gesellschaft wahrnimmt.

Im Vorwort zum Buch:” Im Dienste des Wortes in Primats-Gneisen”, das 2018 herausgegeben wurde, schrieb er, dass heute mehr als je davor erfülle ihn große Dankbarkeit dem Gott gegenüber für alles was er habe erleben dürfen.

Primas Polens Erzbischof Wojciech Polak sagte: „Dank der Lektüre des Buches, habe ich diesen Menschen – Erzbischof Muszynski – von neu an entdecken dürfen. Einen Menschen der den Aufruf vom Primiz-Bild das ganze Leben mit großem Engagement verfolgt:

„Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden  

Leonard Paszek

Bildnachweis: Foto - Agencja Gazeza,

fot. Krzysztof Żuczkowski / FORUM

 

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