Von links: Piwarski, Bonifatius Stopa, Maria Kalczynska, Bolko Klimek - Foto: L.Paszek

Das Jahr 2017 wurde mit  dem Ende einer Etappe in der Geschichte der berliner Polonia eingeläutet.  Am 07. Januar starb im Alter von 90 Jahren Bolko Klimek, drei Wochen später folgte ihm die 91-jährige Halina Rometzki. Beide gehörten zu den Nestoren der berliner Polonia und aktiven Mitgliedern des Polnischen Schulvereins „Oświata”. Nach dem II Weltkrieg steuerten sie zum Wiederaufbau von Strukturen der Polonia bei, so trugen sie u. a. auch zu der Wiederaufnahme der Tätigkeit durch den Polnischen Schulverein „Oświata” bei. Sowohl Halina Rometzki als auch Bolko Klimek gehörten zu den Verfechtern der deutsch-polnischen Verständigung.

Halina Rometzki hat die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren – vom September 1939 (bereits als Kind) bis zum Ende des II. Weltkrieges war sie Zwangsarbeiterin. Unter der deutschen Besatzung arbeitete sie zuerst in Łódź, wurde dann gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und weiteren Zwangsarbeitern zu der damaligen Betriebsstätte von Telefunken nach Ulm an der Donau gebracht. Während des Krieges hat sie viel Böses erlebt. So gehörte sie auch zu denen, die von der Gestapo aus dem Schlaf herausgerissen wurden, um die Wohnung, die für andere Ziele gebraucht wurde, zu räumen.  

Am Ende des Krieges war sie fast 20 Jahre alt. 1967 kam sie nach West-Berlin, wo sie bald zu den aktiven Mitgliedern der berliner Abteilung des Bundes der Polen in Deutschland gehörte. In den Jahren 1988-1995 war sie die Vorsitzende der berliner Abteilung des Bundes. Sie kämpfte ununterbrochen um das Recht darauf, die polnische Identität in Deutschland aufrechtzuerhalten und die Erinnerung an die polnischen Opfer des Nationalsozialismus zu pflegen. Sie setzte sich für die deutsch-polnische Verständigung ein. Im Jahre 2010 wurde sie dafür mit der Medaille der Nationalen Kommission für Bildung ausgezeichnet, in seinem Laudatio aus diesem Anlass erinnerte Ferdynand Domaradzki an ihren Eintrag im Erinnerungsbuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen während einer Sonderausstellung über das Martyrium der dorthin gebrachten Mitglieder der polnischen Minderheit in Deutschland: „Die Erinnerung an die böse Vergangenheit soll die wahre Geschichte offenbaren und zu Versöhnung und Verständigung führen“.

Während ihres gesamten Aufenthalts in Berlin forderte Halina Rometzki ununterbrochen, den Polen ein Recht auf den Unterricht der polnischen Sprache zu gewähren und diese Sprache auch an den Schulen zu unterrichten.  Ferner wies sie auf Unterschiede zwischen Integration und Assimilation hin und forderte insbesondere die junge Generation der Polen dazu auf, ihre nationale Identität nicht zu vergessen. Sie gehörte zu den Initiatoren der Wiederaufnahme der Tätigkeit des vor dem Krieg tätigen Schulvereins „Oświata“. Die feierliche Eröffnung des ersten Schuljahres des Vereins nach dem Krieg fand  am 11. Oktober 1988 statt. Halina Rometzki hat bis zu ihrem Tod die Lehrer und die Eltern des Schulvereins unterstützt. Für ihre Verdienste für die Polonia wurde sie mit dem Verdienstkreuz der Republik Polen der Kavaliersklasse (1996), dem Orden des Betreuers von nationalen Gedenkstätten (1995), dem Goldenen Orden des Bundes der Polen in Deutschland (1997) und dem bereits erwähnten Orden der Nationalen Kommission für Bildung (2010)  ausgezeichnet.

Bolko Klimek wurde 1927 in einer polnischen Familie in Berlin geboren. Zu Hause wurde immer Polnisch gesprochen, es sei denn die deutschen Nachbarn kamen zu Besuch, dann ist man ins Deutsche übergegangen. Sein Vater gehörte zu den Mitbegründern des Bundes der Polen in Deutschland. Als Kind besuchte Bolko parallel die deutsche Schule und den Unterricht bei dem Polnischen Schulverein „Oświata“. Vor dem Kriegsende geriet er in Gefangenschaft und es gelang ihm, beim dritten Fluchtversuch zu entkommen. Nach dem Krieg kehrte er mit großer Hoffnung und großem Enthusiasmus mit der gesamten Familie nach Polen zurück. Dort wurde ihm Mitarbeit bei der Staatssicherheit (UB) angeboten, er ging auf dieses Angebot nicht ein. Nach einigen Jahren gelang es ihm, nach Berlin zurückzukommen. Dort nahm er sofort die ehrenamtliche Tätigkeit für die Polonia auf. Viele Jahre lang war er Vorsitzender der damals wohl stärksten Polonia-Organisation in Berlin – der Vereinigung der Polen. Er war auch der erste Vorsitzende des Polnischen Rates in Deutschland, Landesverband Berlin, einer Dachorganisation der Polonia-Vereine. Sein ganzes Leben war der ehrenamtlichen Arbeit gewidmet. Er war ein polnischer Patriot ohne Nationalismus. Ähnlich wie Halina Rometzki war er der Verfechter der deutsch-polnischen Verständigung. Er hielt sich ähnlich wie seine Vorfahren sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits für einen Polen. In einem Interview sagte er: „Ich bin Pole, allerdings ohne Nationalismus, da jeder Nationalismus negative Elemente enthält. Ich würde mich eher als Europäer bezeichnen“. Er lebte aktiv fast bis zu seinem Tod. Er konnte lebhaft und interessant über das polnische Berlin sowohl vor als auch nach dem Krieg erzählen. Manchmal, bereits nachdem er die 80 überschritten hat, fügte er noch einen Tanz oder Gesang den Erzählungen bei, so z. B. den Vorkriegsschlager „Ninon, ach usmiechnij sie“. Die Trauerfeier fand am 03. Februar auf dem Evangelischen Friedhof Berlin-Rosenthal statt.

Mit dem Tod von Halina Rometzki und Bolko Klimek geht eine Etappe im Leben der berliner Polonia zu Ende.

Leonard Paszek

 

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