Europąisches Tag der Polonia in Aachen - Prist Stanisław Budyń, Rektor PMK mitder Preis Polonicus 2015

„Die Polnische Katholische Mission in Deutschland bedeutet für uns – die älteren Emigranten den ersten Kontakt mit der Heimat. Hier wird Polnisch gesprochen, die Kinder lernen Traditionen kennen, man trifft auf Menschen, die genauso sprechen und fühlen wie wir, hier wird die Welt in der Fremde verständlich“ – erzählt eine Vertreterin der Emigration der 80-er Jahre. Und tatsächlich, es gibt keinen anderen Ort als die polnischen Kirchen, wo man so viele Landsleute treffen kann – angefangen mit denen, die deutscher Abstammung sind und schon lange hier verweilen bis zu denjenigen, die nur vorübergehend oder auch nur für eine Saison in Deutschland bleiben… Es sind Orte, die vereinen und eine Gemeinschaft bilden.

Für den Anfang der polnischen katholischen Seelsorge in Deutschland nach dem II Weltkrieg hält man den 5. Juni 1945 als der Heilige Vater Pius XII den Erzbischof Józef Gawlina zum Ordinarius der eigenständigen Diözese für Polen in Österreich und in Deutschland berief. Die polnische Kurie hatte eine unabhängige Gesetzgebung für die Geistlichen und Gläubigen, die einige Duzend Gemeinden umfasste blieb in dieser Form bis 1976 erhalten, danach folgte die Polnische Katholische Mission, die der Deutschen Bischofskonferenz unterstellt war.

Zurzeit besteht die Polnische Katholische Mission aus 65 Missionen und ist in 5 Dekanate eingeteilt. In der polnischen katholischen Seelsorge sind zurzeit 117 Priester tätig, die Hälfte davon sind Ordensbrüder. Für die Polnische Katholische Mission arbeiten darüber hinaus 11 Nonnen. „Unser Pfarrer ist zu allem zu gebrauchen, - sagen Gläubige aus Duisburg über den Pfarrer Henryk Ulatowski aus der Polnischen Katholischen Mission in Moers. „Er ist ein richtiger Freund – er hilft uns nicht nur bei religiösen Angelegenheiten aber auch bei allen für uns wichtigen Sachen. Er verstellt sich nicht und gibt nicht an, er ist einfach für uns da“.

Die polnischsprachige Seelsorge bedeutet vor allem die Spendung von Sakramenten und Katechese. Die polnischen Seelsorger feiern die Heiligen Messen an Sonntagen und Feiertagen, verkünden das Wort Gottes, bereiten die Gläubigen für Sakramente vor, besuchen Kranke und bieten Gelegenheit zur Beichte an. Die Heiligen Messen auf Polnisch finden in 313 Kirchen und Kapellen in Deutschland statt. An den Heiligen Messen nehmen regelmäßig ca. 100.000 Gläubige teil.

„Ich wollte seit meiner Jugend ein Christusanhänger sein und so leben. Ich durfte in der Nähe der Christusanhänger leben sie haben auf mich und mein Leben einen großen Einfluss ausgeübt. Die Priesterweihe erhielt ich aus den Händen von Kardinal Wojtyła erhalten. Die Realien des Westens habe ich gemeinsam mit den Gläubigen gelernt, es passierten dabei auch die unvermeidlichen Fehler“ – erzählt einer der Seelsorger der Polnischen Katholischen Mission in Deutschland.

„Wohin könnte ich mein Kind zum Polnischunterricht schicken? Wo wird es die polnische Tradition, Werte, Patriotismus und Glauben am besten lernen? – fragt die Mutter des 12-jährigen Adams. Die Polnische Katholische Mission in Deutschland vergisst nicht die Kinder und Jugendliche. Nur 2013 wurden 1.750 Kinder getauft, 1.241 empfangen die Erstkommunion. In derselben Zeit wurden 1.553 Jugendliche gefirmt. In zahlreichen Zentren in Deutschland existieren Chöre, Bands, Tanz-, Folklore- und Theatergruppen, es gibt auch Sportgruppen und Scholas (Kirchenchöre). Insgesamt gehören diesen Gruppen 3.000 Personen an. Bei den meisten Polnischen Katholischen Missionen gibt es Schulen der Muttersprache, die im Rahmen des Christlichen Zentrums zur Förderung der polnischen Sprache, Kultur und Tradition in Deutschland e. V. Bei dem Christlichen Zentrum handelt es sich um die größte Polonia-Organisation unter dem Vorsitz von Prof. Małoszewski. Über 2.500 Kinder lernen dort Polnisch. In den einzelnen Missionen sind auch verschiedenen Gruppen mit seelsorgerischer Betreuung aktiv, dazu gehören u. a. Darüber hinaus sind auch verschiedene Gruppen, die mit der Seelsorge zusammenhängen z. B. neokatechumenaler Weg, die Erneuerung im Heiligen Geiste, die Oase, die Familienkreise usw.

„Ich kann mir Polen und Polonia in Deutschland ohne die Katholische Seelsorge nicht vorstellen – sagt Herr Krzysztof aus Duisburg und fügt hinzu „Ich war hier sehr einsam und hilflos, in der polnischen Gemeinde habe ich Hilfe, Trost, Seelenruhe und Freunde gefunden und es ist das Wichtigste“

Ks. Stanislaw Budyń

Der Rektor der Polnischen Katholischen Seelsorge in Deutschland ist seit 2002 Prälat Stanisław Budyń, der die Priesterweihe in 1971 in Tarnów empfing. Seit 35 Jahren leitet er die Seelsorge für Polen und Polonia in Deutschland, in seiner Funktion als Rektor koordiniert er die Arbeit der polnischen Seelsorger in diesem Land und richtet neue Seelsorgezentren für die Polen ein. Für sein Engagement wurde er mit dem Verdienstorden der Republik Polen der Offiziersklasse.

Der Prälat träumt von der Verbreitung der sozialen Aktivitäten der Polnischen Katholischen Mission und davon, eine Enklave für die Polen im Ausland einzurichten. „Es gibt eine alte Gärtnerweisheit, die besagt, dass Pflanzen, die in neue Erde umgepflanzt werden, in sich immer noch alte Erde speichern, deswegen ist es für mich so wichtig, dass wir die Werte bewahren und pflegen, die wir aus unserer Heimat mitgebracht haben – sagt Prälat Budyń. Auf die Frage nach seinen drei größten Wünschen antwortet er, dass es vor allem mehr Seelsorger geben soll, um für alle Gläubigen Zeit zu haben und zu jedem zu gelangen“. Der zweite Traum von Prälat ist eine friedlich miteinander lebende Polonia-Organisation: „Weil wir - Polen in der Fremde uns einigen und nicht teilen sollen“. Der dritte und vielleicht größte Traum von Pfarrer Budyń ist die Weiterentwicklung des Schulwesens für die polnische Sprache, damit die Kinder und Jugendliche lernen, das Herkunftsland zu schätzen.

Pfarrer Budyń fand sich in Deutschland eher zufällig ein. Er wollte eigentlich nach Österreich, aber der Bischof hat ihn vor vollendete Tatsachen gestellt. Zuerst war er in Mannheim, danach in Hannover. Er hat bereits einige polnische Migrationswellen und den Generationswechsel erlebt – angefangen mit den ehemaligen Zwangsarbeitern, Um- und Aussiedlern und der Pro-Solidarność-Emigration bis zu der neusten Migrationswelle – der sogenannten Unionsemigration. Gefragt nach den Unterschieden zwischen den Migranten sagt er – „Die Jungen haben es viel einfacher, sie betrachten diese Realität mit anderen Augen. Die alte Emigration war allerdings dankbarer. Ich bin tief davon überzeugt, dass die Aufgabe derer, die früher in Deutschland angekommen sind in dem Teilen ihres Wissens mit den Neuankömmlingen besteht. Diese hilfreichen sowohl universellen wie auch typisch polnischen Werte werden den Jungen helfen, das Schwierigste durchzustehen“. Auf die Frage wie die Polnische Katholische Mission in Deutschland von den Deutschen aufgenommen wird sagt er lakonisch: „Unterschiedlich“.

„Ich bin stolz darauf, dass es unter den Emigranten aus Polen so viele junge, gute und offene Menschen gibt, die nicht nationalistisch sondern patriotisch eingestellt sind“ – sagt Pfarrer Budyń und fügt hinzu, dass er allerdings bedauert, dass Polen seine besten Leute verliert. – „Deswegen dürfen wir nicht erlauben, dass diese Leute ihre Nationalität verlieren. Man muss nach gemeinsamen Berührungspunkten der bereits seit langem hier wohnenden Migranten mit den Neuankömmlingen suchen. Man soll für sie Orte schaffen, wo sie sich wie zuhause fühlen werden“.

Für diese Einstellung und seinen Beitrag zum geistigen Leben der Polen und die Unterstützung des Polonia-Lebens in Deutschland und in Europa erhielt Pfarrer Prälat Stanislaw Budyń in diesem Jahr eine Polonicus-Statuette.

Roma Stacherska-Jung

Übersetzung Joanna Trümner

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