Es wird zwar behauptet, dass jeder Mensch ersetzt werden kann, dennoch gibt es Menschen, die eine Leere hinterlassen, die sich kaum ausfüllen lässt. Professor Piotr Małoszewski gehörte sicherlich zu diesen außergewöhnlichen Persönlichkeiten. Seinen Lebensstil charakterisierten warmherziges Lächeln, stoische Ruhe und ausgeglichener Ton.   Piotr Małoszewski fand trotz eines erfüllten Familienlebens und erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit stets Zeit für Aktivitäten zugunsten der Polonia. Er war vor allem unser Mentor und engagierte sich sowohl für seine Stammorganisation, Christliches Zentrum in Deutschland, als auch für die Zusammenarbeit im Rahmen des Konvents der Polnischen Organisationen in Deutschland. Dadurch gehörte er zweifellos zu den  herausragendsten Persönlichkeiten der deutschen Polonia.

Wir erinnern heute an Piotr Małoszewski als einen außerordentlichen Wissenschaftler und katholischen Aktivisten der Polonia in Europa. Die Familie unterstützte ihn in seiner Arbeit, Ehefrau Barbara beteiligte sich an journalistischen und herausgeberischen Arbeiten, die beiden erwachsenen Kinder erbten von ihm das Wissen über die Pflege des kulturellen Lebens der Polonia. Noch vor dem verdienten Ruhestand erkrankte er schwer. Er ertrug das Leiden mit Verständnis, mit einer bewundernswerten christlichen Demut, und beklagte sich nie. Piotr Małoszewski wurde als  ein großer polnischer Patriot mit den höchsten staatlichen und kirchlichen Auszeichnungen geehrt. Das bereits zitierte Sprichwort über Menschen, die ersetzt werden können, findet in Bezug auf ihn keine Anwendung. Konvent der Polnischen Organisationen in Deutschland agierte fast 20 Jahre lang, bis zum Tod von Professor Małoszewski,  erfolgreich im Interesse der gesamten Polonia. Nach seinem Tod wollte der neue Vorstand des Christlichen Zentrums keine weitere Verantwortung für die Koordination der Arbeiten im Konvent übernehmen, was zur Unterbrechung der gemeinsamen Zusammenarbeit und zu einer ernsten Krise führte. Es ist noch nicht zu spät dafür, die Arbeit von Professor Małoszewski nicht zu vergeuden und die nach seinem Tod entstandene Leere mit einer vernünftigen  Zusammenarbeit der Organisationen der Polonia auszufüllen.

Der Lebenslauf von Professor Piotr Małoszewski charakterisiert am besten seine Persönlichkeit und seine Erfolge…

Er wurde 1950 in Krakau geboren und starb am 21. März 2017 in München. Seine ewige Ruhe fand er in der Verdientenallee auf dem  Rakowicki Friedhof in Krakau. Er engagierte sich in den Strukturen der katholischen Laien und war bekannt für seine ehrenamtlichen Aktivitäten. In den Jahren 1991-2006 war er Mitglied, später Sekretär des Pfarrgemeinderates der Polnischen Katholischen Mission in München; in den Jahren 1996-2006 übernahm er den Vorsitz des Pfarrgemeinderates.

In den Jahren 1993-1999 leitete er die Heimatkundeschule bei der Polnischen Katholischen Mission in München. Seit 1994 war er Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Christlichen Zentrums zur Förderung der polnischen Sprache, Kultur und Tradition in Deutschland, in dessen Auftrag er die Funktion des Vorsitzenden des Konvents der Polnischen Organisationen in Deutschland übernahm. Seit 2003 war Professor Małoszewski Vorsitzender des Obersten Rates der polnischen katholischen Laien in Deutschland. Seit 1992 war er Mitglied des Westeuropäischen Polnischen Seelsorgerrates, in dessen Auftrag er eine Delegation polnischer Gemeinden aus Westeuropa im Europäischen Laienforum führte. 2013 wurde er durch den Bundesverband Fremdsprachiger Katholiken in Deutschland zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken gewählt. Er war der erste Pole in der Nachkriegsgeschichte dieses Gremiums.  2007 zeichnete Papst Benedikt XVI Professor Małoszewski mit Ordo Sancti Silvestri Papae aus. Der Orden wurde ihm am 05. März 2007 von Kardinal Friedrich Wetter überreicht. 2015 erhielt Piotr Małoszewski als erster Pole in der Geschichte die höchste Auszeichnung des Erzbistums München-Freising, die Korbinians Medaille.

Er war Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und wurde am 08. März 2017 dessen Leiter in Polen. Er war Mitglied des Ritterordens der Gottesmutter von Jasna Góra, einer Gemeinschaft von Gläubigen, die seit 1991 am Sanktuarium des Mutter Gottes aus Tschenstochau und dem Kloster des Ordens des Heiligen Paulus, des ersten Einsiedlers auf Jasna Góra, tätig ist.  Als aktives Mitglied der Polonia arbeitete er viele Jahre lang im Konvent der Polnischen Organisationen in Deutschland, war u. a. dessen Vorsitzender und trug Verantwortung für die Problematik des muttersprachlichen Unterrichts. Viele Jahr lang setzte er sich für die Verbesserung der Situation der deutschen Polonia ein, nahm an Gesprächen mit Vertretern deutscher politischer Parteien teil und beteiligte sich an Vorbereitungen zu den Gesprächen des deutsch-polnischen Runden Tisches. Überdies bemühte er sich um Vorbereitung und Sicherung der Finanzierung des durch die Organisationen der Polonia durchgeführten Polnischunterrichts durch die Bundesbehörden.

Für diese herausragenden Verdienste für die Pflege polnischer Traditionen und nationaler Kultur wurde er von dem polnischen Präsidenten mit dem Orden Polonia Restituta (2000 Offizierskreuz, 2012 Komturkreuz, 2016 Komtur mit Stern) ausgezeichnet. 2004 erhielt er die Goldene Medaille der Vereinigung „Wspólnota Polska”, 2010 den renommierten Preis der Polonia „Polonicus”. In den nächsten Jahren gehörte er zum Gremium des Polonicus-Preises und war dessen Jurymitglied. 2016 erhielt er den Preis des Polnischen Fernsehsenders TVP Polonia „Für Verdienste für Polen und polnische Bürger außerhalb der Staatsgrenzen“. Am 05. September 2016 erhielt er aus den Händen des Marschalls des Polnischen Senats den Einberufungsakt des Konsultationsrates der Polonia beim Marschall des Polnischen Senats, am 11. Februar 2017 wurde er Preisträger des Preises  „Animus et Semper Fidelis” („Mutig und immer treu) für das Jahr 2017. Dieser Preis wird durch die Eugeniusz-Kwiatkowski-Polnische Meeres- und Wirtschaftsvereinigung vergeben, Professor Małoszewski erhielt ihn als Anerkennung seiner akribischen Arbeit für die deutsche Polonia und Stärkung der Verbindung mit der Heimat. Wir sind uns sicher, dass wir uns viele Jahre lang an die Person des unersetzbaren Professor Małoszewski erinnern werden. Die Polonia ist stolz auf ihn!

Wiesiek Lewicki

Übersetzung Joanna Trümner

Redakcja Polonia Viva

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