Am 25. Mai 2019 fand in der ca. 50.000 Einwohner zählenden Stadt Slonim in Belarus bereits zum 15. Mal das Internationale Polonaise-Festival statt. Diese Veranstaltung ist ein außergewöhnliches Fest der polnischen Kultur und Tradition. Sie wird in der Stadt von Michal Kazimierz Oginski, des Fürsten und Großhetman von Litauen, des Komponisten und Ideengeber zum Bau des Kanals, der die Zuflüsse von Memel und Prypec verbindet, abgehalten.

Das erste Polonaise-Festival wurde durch die Slonimer Kreisabteilung des Verbandes der Polen in Belarus am 25. Mai 2005 gefeiert. Innerhalb der letzten 14 Jahre besuchten über 280 Ensembles die Stadt. In dem Jubiläumsjahr 2019 waren es 37 – Chöre, Musikkapellen und Tanzensembles: Die meisten aus Belarus, gefolgt von Litauen, Polen und Deutschland. Die Polnische Folkloregruppe POLONEZ aus Darmstadt trat gemeinsam mit dem Pfadfinder-Tanz- und Gesangensemble DZIECI PLOCKA aus Plock, der polnischen Partnerstadt von Darmstadt, auf. Die beiden Ensembles präsentierten eine Polonaise für vier Paare. Die Choreographie von Zenona Choderny-Loew und ihre gemeinsame Aufführung durch die beiden Ensembles aus Polen und Deutschland fand Anerkennung bei der Festival-Jury und brachte den Ensembles den zweiten Platz in der Kategorie Tanzensembles ein.

In den folgenden Tagen besichtigten wir die Stadt Slonim und die rund zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Minsk. Seit einiger Zeit ist die Einreise über den Flughafen Minsk für bis zu 30 Tage ohne Visum möglich, was die Reise nach Belarus um einiges erleichtert. Eine interessante Erfahrung war für uns die Fahrt mit einem gemieteten Wagen auf den Straßen und Autobahnen von Minsk nach Slonim: Wir waren überrascht von der guten Qualität der Straßen, wobei uns auf der Strecke von 200 km keine Baustellen begegneten und der Verkehr war eher gering. Alles wäre gut, wenn nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung und… die auf Schritt und Tritt lauernden Radarkontrollen (Ganz ohne Begrüßungsfoto ist es uns eben nicht gelungen, die Strecke zurückzulegen). Eine Herausforderung war auch das Volltanken des Autos, denn man musste von vorne angeben, wie viel Treibstoff man braucht und zuerst für die angegebene Menge bezahlen, dann erst tanken. Erklärt hat man es uns diese Prozedur selbstverständlich im...perfekten Englisch! Überall waren die Menschen sehr entgegenkommend und freundlich.

In Slonim selbst stehen fast nebeneinander eine orthodoxe und eine katholische Kirche sowie eine Synagoge, die letztere allerdings fast schon zerfallen. Auch ansonsten ist an die zahlreiche jüdische Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg und die vielen Opfer der Shoah in Belarus in keinster Weise aufmerksam gemacht worden. Auf die orthodoxe Kirche weist von seinem Denkmal aus mit ausgestreckter Hand der Genosse Lenin hin, den die Miliz aus einem um die Ecke geparkten Auto diskret bewacht. Unweit davon steht auf einem Sockel ein Panzer als Symbol der Dankbarkeit gegenüber der Sowjetarmee für die Befreiung von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Es scheint, als ob die Zeit in dieser Stadt etwas langsamer laufen würde, es ist dort ungewöhnlich leise und sauber, es gibt kaum kommerzielle Werbung und die Straßen darf man selbst in der verkehrsruhigsten Gegend nur über den Zebrastreifen überqueren.

Minsk besichtigten wir mit einer Stadtführerin, die uns - unseren Erwartungen entgegenkommend – auf den polnischen Spuren führte: ein Mickiewicz-Denkmal, eine Oginski-Bank, ein Moniuszko-Denkmal, das Gymnasium, das er besuchte, und eine Tafel an dem Haus, wo er lebte und die Oper, wo sein Werk aufgeführt wurde; und dann noch die polnische Kirche des hl. Simon und der hl. Helene. Sehr empfehlenswert!

Ganz problemlos konnten wir auch unsere Stimmen bei den EU-Wahlen in der Botschaft der Republik Polen in Minsk abgeben. Zugegeben - wir fanden die Abstimmung in Belarus besonders wichtig und aufregend.

Der Aufenthalt in Belarus war für uns eine Reise in die Vergangenheit, allerdings mit zwiespältigen Gefühlen: Einerseits erinnerte uns das Land an Polen von vor einer Dekade, ungefähr zu der Zeit, als wir es verlassen haben, und auf der anderen Seite ist es uns nochmals bewusst geworden, wie es uns jetzt gut geht in der Europäischen Union.

 www.polonez-darmstadt.de

 

 

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