Lyrische Premiere in „Gdańska”. „Tandem – Liebe ausgezogen in zwei Akten” Der Titel könnte auf nackte Haut anspielen. Am Samstagabend des 16. Juni überzeugten sich die Zuschauer in Oberhausen davon, dass es um emotionalen Striptease ging. Zwei Akte je 45 Minuten vergingen im Nu und ohne auf die Uhr zu schauen.

Gedichte von Joanna Duda-Murowska und Krzysztof Mrowiec formten sich zu Dialogen  von Verliebten und Monologen von Verklärten – zuerst süß, warm, amourös verzaubert; verwoben mit Liedern und Schlagern. „Hört, wie der Zauber der Liebe berührt und durchdringt…“ – sang Róża Frąckiewicz gleich zu Beginn. „Verliebte sind unter uns...“ – erwiderte Agnieszka Skowronek. Dann, wie die Liebe so spielt, kam ein Wechselbad der Gefühle. Wut, Hass,  sogar Gewalt.

– Es tat weh – lächelt Dariusz Broll nach der Aufführung, auf der Bühne geohrfeigt von von Agnieszka Skowronek.  – Halt… Frau. Ich werd’s überleben – fügt er an. Als er nach den Proben unterwegs nach Hause gewesen sei, habe niemand ihn mit Fingerspuren auf der Backe sehen können, denn da sei es schon dunkel gewesen, scherzt er.

– Ich war bestrebt, Emotionen so zu spielen, dass das Publikum sie auch fühlte – sagt Adam Powalla. – Bei der Premiere ist es mir am besten gelungen. Nicht einmal die Generalprobe war so gut. Das Publikum hat geholfen, denke ich.

–  Wir spielen weder das Leben, noch uns selbst, sondern Rollen – betont Krzysztof Mrowiec, der auf der Bühne die Ehefrau seines Kollegen anmachen mußte.

„Ich werd’s euch zeigen!“ – drohte Benedykt Frąckiewicz im darauf folgenden Gedicht. Er komponierte auch die Titelmusik zu „Tandem“ mit einer eingängigen klaren Klarinettenmelodie; er war auch für die musikalischen Arrangements und für die Begleitung zuständig.

In puncto Schauspielerei sind alle sechs Amateure. Siebter und unsichtbarer im Bunde war Józef Kulik  – Souffleur und Mann für Geräuscheffekte. 

Die letzte Szene des Stücks zeigt eine reife, partnerschaftlicher Liebe. Ein Happy End also.

– Das Stück ist komplett ein Polonia-Werk – betont Joanna Duda-Murowska, Drehbuchautorin und Regisseurin. – Die Texte sind in der Emigration entstanden und alle, die in dem Stück spielen, leben und wohnen in der Fremde. Viele Lieder stammen aus der Feder des Duetts Benrose – fügt sie hinzu. Lediglich einige bekannte Schlager hätte man aus dem Repertoire der großen Meister „geliehen“.

– Damit ein Gedicht den Zuschauer erreicht, muss es auch durch Gesten dargeboten werden – sagt Duda-Murowska. – In „Tandem“ gibt es Null Prosa. Ausschließlich durch Poesie und Schauspiel wollen wir Gefühle vermitteln.

Das Publikum war beeindruckt. „Ich war so gerührt, habe Tränen geweint“, „Es war einfach fantastisch, ich mochte die Texte, Arrangements, Gefühle“, „Ein verzügliches Spektakel, und die Liebe habe ich zum Glück schon hinter mir“. „Ich bin positiv überrascht, weil ich ein typisches Sück Theater erwartet hatte. Super. Es hat sich gelohnt, hier zu sein“.

Text und Fotos: Andreas Hübsch

SamoZycie Nr. 13/2018 (19.06.2018)

 

 

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