„Józef Teodor Konrad Korzeniowski (Joseph Conrad) wurde am 03. Dezember 1857 in Berdyczów (heute Ukraine) geboren und starb am 03. August 1924 in Oswalds in der Nähe von Canterbury im Südosten Englands“ – so viel berichtet die Enzyklopädie über einen Schriftsteller, der häufig als ein „polnischer Adlige und britischer Schriftsteller“ bezeichnet wird. Der berühmte polnische Kenner des Werks von Conrad Professor Zdzisław Najder ist der Meinung, dass das Interesse am Werk Conrads in der letzten Zeit nachlässt. Dennoch gibt es immer noch Orte und Menschen, die seit Jahren von der literarischen Welt dieses „bekannten –unbekannten“ Polen aus drei Kulturkreisen fasziniert sind, so z. B. Piotr Fudakowski oder Mitglieder der Joseph Conrad Society mit Sitz in London und Filialen in den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Skandinavien, Japan und Südafrika.

Filme

Die meisten von mir gefragten Vertreter der jungen Generation in Polen und im Ausland haben nie von Joseph Conrad gehört. Erst als ich zusätzlich hinzufügte, dass der Film Apocalypse Now in Regie von Francis Ford Coppola eine freie Interpretation der Erzählung von Joseph Conrad Herz der Finsternis ist, zeigten meine Gesprächspartner Interesse. Ihre Anerkennung für diesen Schriftsteller folgte erst nachdem ich hinzufügte, dass seine Erzählungen als Vorlagen für das von Hitchcok 1936 gedrehte Krimi „Geheimagent“ und für den 1977 unter Regie von Ridley ScottI entstandenen Film „Duellisten“ dienten und dass der Nostromo aus dem Film „Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ auch Joseph Conrad zu verdanken ist. Kaum jemand weiß, dass Conrads Erzählungen als Vorlage für über siebzig Filme dienten.

 

„Der geheime Teilhaber“ (The secret sharer) von Fudakowski

Die letzte Verfilmung der Werke von Conrad ist „Der geheimnisvolle Verbündete“ in Regie des in London in einer polnischen Familie geborenen Filmproduzenten und Regisseurs Piotr Fudakowski, der für den Film „Tsotsi“ 2006 einen Oscar erhielt. Als ein „britischer Pole“ hat Fudakowski für sein Regiedebüt eine Erzählung von Joseph Conrad ausgewählt.

„The secret sharer“ ist eine moderne und gleichzeitig universelle, manchmal beinahe märchenhafte und humorvolle Geschichte über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes. Auf dem Golf von Siam wird ein verrostetes chinesisches Frachtschiff zum ersten Mal von einem polnischen Kapitän geführt. Die Schiffsbesatzung ist dem Kapitän feindlich gegenüber eingestellt und verdächtigt ihn, an einem Komplott des Reeders mit dem Ziel, ihr schwimmendes Zuhause versenken zu lassen, beteiligt zu sein. Als der junge Kapitän kurz alleine auf dem Deck ist erblickt er im Wasser einen nackten menschlichen Körper. Eine wunderschöne Chinesin bittet ihn „verstecke mich!“… Fudakowski hat in dieser Geschichte auch autobiographische Elemente Joseph Conrads versteckt, so ist beispielsweise als Leitmotiv ein Fragment des polnischen Liedes „Kołysanka leśna“ (Dziś do ciebie przyjść nie mogę) zu hören und die Hauptfigur des Filmes benutzt einige Male unabsichtlich polnische Worte. Bei „Den geheimen Teilhaber“ von Piotr Fudakowski handelt es sich um eine farbenfrohe und romantische Erzählung, die im Rahmen des 2017 durch den Senat der Republik Polen verkündeten „Conrad-Jahres“ von Zuschauern auf der ganzen Welt gesehen werden kann.  

Eine ähnliche, maritime Geschichte („Die Schattenlinie“) hat 1976 Andrzej Wajda mit Marek Kondrat in der Hauptrolle und der Musik von Wojciech Kilar nach einer Erzählung von Joseph Conrad gedreht. Wajda selbst war mit diesem Film nicht zufrieden, was nicht verwunderlich ist, da alle Regisseure, die die Prosa von Conrad verfilmten, stets betonen, dass diese Aufgabe eine sehr große Herausforderung bedeutet. Die Kinoliebhaber sind nach wie vor dennoch der Meinung, dass Wajdas Film wertvoll und interessant ist

 

Korzeniowski der drei Kulturen

Angeblich war Joseph Conrad Korzeniowski der britischste unter allen polnischen Schriftstellern und der polnischste unter den britischen Autoren? Leider wird er im Ausland häufig als ein englischer Autor wahrgenommen, da er auf Englisch geschrieben hat und einen großen Einfluss auf die angelsächsische Literatur ausübte. Fasziniert von seinem Werk waren solche weltberühmten Schriftsteller wie Marquez, Coetzee oder Faulkner. Sein „Lord Jim“ war ein Kultbuch für die Soldaten der Polnischen Heimatarmee, Marschall Piłsudzki soll dieses Buch in seinem Nachttisch gehalten haben. Allerdings war Englisch für Korzeniowski nach Polnisch und Französisch seine dritte Sprache und er sprach es lebenslang mit einem deutlichen Akzent. Er hat Englisch erst als Emigrant, nach seinem zwanzigsten Lebensjahr, gelernt. Dennoch wurden alle seine Werke ausgerechnet in dieser Sprache verfasst. Laut einer Theorie ist es erst der zweiten Generation der Auswanderer möglich, Lyrik in der Sprache des Auswanderungslandes zu schreiben. Hat Conrad auf Englisch geschrieben um seine Erfolgschancen in der Weltliteratur zu vergrößern? Bis zu seinem Lebensende bekannte er sich trotz der in Großbritannien verbrachten Jahre dazu, ein Pole zu sein. Sein letzter Wille war es, dass auf dem Grabstein in Oswalds in der Nähe von Canterbury sein Vor- und Nachname auf Polnisch geschrieben wird.

Agata Lewandowski

 

 

 

 

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