Lech Wałęsa, Ehrenpreisträger des diesjährigen Polonicus-Preises, der Auszeichnung der europäischen Polonia, hat in Aachen appelliert, dass die Deutschen sich noch stärker in die europäische Gemeinschaft einbinden.

Der Ehrenpreisträger der diesjährigen achten [Anmerkung der Redaktion: neunten] Ausgabe wurde in Aachen für sein Lebenswerk für Freiheit und Demokratie in Polen und Europa ausgezeichnet. In seiner Dankesrede nach Übergabe des prestigeträchtigen Preises betonte Lech Wałęsa im Krönungssaal des historischen Rathauses, dass Deutschland die größte Macht in Europa sei – auch wenn er sich wünsche, dass Polen das wäre. Deshalb wandte er sich an Deutschland: „Beendet eure Komplexe und übernehmt die Führung in Europa. Wenn man ein intelligentes Europa bauen will, muss es auf soliden Werten basieren und wenn jemand wie Polen‚ Ungarn oder wer auch immer sonst die Union zerschlagen will, dann müsst ihr als führende Kraft eine Lösung bereit halten, um fünf Minuten nach dem Zusammenbruch der Union eine neue zu bilden,“ sagte der ehemalige Gewerkschaftler und Präsident von Polen.

Werte als Grundlage Europas

Das Publikum der Polonicus-Gala applaudierte Wałęsas Forderungen, „die Grundlagen Europas zu diskutieren, die Wirtschaftssysteme zu optimieren und über eine Verbesserung der Demokratie zu sprechen,“ damit Europa zu einer Organisation wird, in der man sich verständigen kann. Lech Wałęsa unterstrich, dass es etwas Gutes sei, wenn man sich dazu bekennt Deutscher oder Pole zu sein, dass man damit „aber nicht die Entwicklung Europas stören oder abbremsen darf, weil es unmöglich ist, sie aufzuhalten.“

Zum Abschluss fügte Lech Wałęsa hinzu, dass „keine Generation zuvor solche Chancen auf Entwicklung und Wohlstand hatte.“ Besonders hob er hervor: „Lasst uns nicht vergessen: Wenn wir ein schönes, vereintes Europa wollen, dann werden wir das auch haben.“ 

Franz-Josef Lersch-Mense (SPD), Chef der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens, erklärte in seiner Rede, dass Lech Wałęsa der „eigentliche Motor der europäischen Demokratie“ ist, und die Deutschen ihm nie vergessen werden, was er für die deutsche Wiedervereinigung getan hat.

„Kultur frei von politischem Druck“

Den Polonicus-Preis 2017 in der Kategorie Kultur erhielt die Regisseurin Agnieszka Holland, die bei der Berlinale 2017 den silbernen Bären gewann. Ihre Tochter Kasia Adamik nahm den Preis für sie entgegen und las einen Dankesbrief der Regisseurin vor. Agnieszka Holland bemerkte darin, dass „die Größe der polnischen Kultur in ihrer Vielfalt und Offenheit liegt sowie in ihrem Streben nach Wahrheit, Gerechtigkeit und schließlich der Freiheit.“ Die Regisseurin betonte auch, dass „Kultur immer umstritten, lebendig, kreativ und frei von Druck aus Politik oder Parteien ist.“

Gute deutsch-polnische Beziehungen

Der Gewinner des Polonicus-Preises für den deutsch-polnischen Dialog war Werner Jostmeier, der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe im Landtag Nordrhein-Westfalens, der seit Jahrzehnten in polnisch-deutschen Angelegenheiten engagiert ist. Unter anderem organisierte er nach der Einführung des Kriegsrechts im Jahr 1981 die Hilfsaktion „Päckchen für Polen“. Laut Werner Jostmeier sind die deutsch-polnischen Beziehungen „so gut, wie noch nie.“

In der Kategorie „Polonia“ erhielt Frau Aldona Głowacka-Silberner den Polonicus-Preis für ihr langjähriges gesellschaftliches Engagement für die Polonia, die Förderung der polnischen Kultur und Sprache sowie die Förderung des polnischen Nationaltanzes im niedersächsischen Hannover.

Europäische Polonia wünscht sich „umsichtiges Polen“

Der Vorsitzende der Jury des  Polonicus-Preis und des Europäischen Instituts für Kultur und Medien Polonicus VoG, Wiesław Lewicki, stellte fest, dass „die Polonia mit Unruhe die politischen Entwicklungen in Polen verfolgt.“ Zugleich betonte er, dass die daraus resultierenden Spannungen nicht nur die polnische Bevölkerung in Polen, sondern auch die Polonia spalte. “Alle in Europa lebenden Polen wünschen sich ein überlegt handelndes, vernünftiges, sich an das Recht haltendes Polen, das die Demokratie in der Europäischen Union stärkt. Dafür werden wir uns stark machen, denn die europäische Polonia besteht vor allem aus europäischen Bürgern.“ – betonte Wiesław Lewicki.

Der Polonicus-Preis ist eine prestigeträchtige Auszeichnung der europäischen Polonia, die den Dialog und den Prozess der Vereinigung honoriert und Polen in Europa und der Welt fördert. Der Preis wird seit 2009 verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderem Prof. Władysław Bartoszewski, Prof. Jerzy Buzek, Prof. Karl Dedecius, der Regisseur Andrzej Wajda, die Schauspielerin Krystyna Janda und Prof. Leszek Balcerowicz.

Alexandra Jarecka

(Übersetzung: Michael Lewicki)

Foto: Dariusz Manka - www.fotokiste.de

Von Links: Wiesław i Alexandra Lewicki, Kasia Adamik, Aldona Głowacka-Silberner, Werner Jostmeier, Lech Wałęsa, OB Marcel Philipp, Franz-Josef Lersch-Mense

 

 

 

 

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