„Im gemauerten Kellergewölbe tanzen kleine Räuber...“  30-jähriges Bestehen der Polnischen Kinderfolkloregruppe LAJKONIK in Hannover. Der Artikel handelt von den kleinen Räubern der Kinderfolkloregruppe „Lajkonik“ aus Hannover. Aktuell nehmen 20 Kinder am Tanzunterricht teil. „Lajkonik“ entstand durch die Initiative von Frau Jozefa Glowacka vor dreißig Jahren an der Polnischen Katholischen Mission in Hannover.

Seit Anfängen der Gruppe sind durch ihre Reihen sehr viele Kinder durchgetanzt. Die Ältesten von den „Lajkoniks“ bringen bereits ihre Kinder zum Tanzunterricht. Einige wechseln auch in die Jugendfolkloregruppe „Polonia“, um ihre Tanzkenntnisse dort zu vertiefen. Aber nach den Sommerferien kommen erneut neue Kinder, denen Schritt für Schritt alles neu beigebracht wird. Durch Tanzfolklore wird den Kindern die regionale Kultur ihrer Vorfahren oder Eltern näher gebracht.

Die Entstehungsgeschichte der Gruppe „Lajkonik“ begann mit der Emigration von Jozefa Glowacka 1983 aus Polen nach Hannover. Zur damaliger Zeit versammelten sich die polnisch sprachigen Migranten hauptsächlich an der Polnischen Katholischen Mission, wo Jozefa Glowacka die ersten vier Jahre Polnisch für Kinder unterrichtete. Es war lange vor der Entstehung des Christlichen Zentrums für Kultur, Tradition und Sprache e.V. in Hannover, vielleicht sogar der Grundstein dafür. Frau Jozefa Glowacka war in Polen Grundschullehrerin, zusätzlich leitete sie einen Kinderchor und ein Kindertanzensemble, daher auch ihr guter Zugang und Kontakt zu den Jüngsten.

Die Sehnsucht nach ihrer Arbeit mit Kindern, ihrer polnischer Heimat und dessen Kultur waren die Ursache der Entstehung der Kinderfolkloregruppe „Lajkonik“.

Der erste Auftritt der Gruppe fand zu Feierlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertages am 3. Mai, dort tanzte die Kindergruppe den polnischen Tanz Krakowiak. Die Trachten, auf die letzte Minute fertiggenäht, wurden von Frau Glowacka selbst aber auch von Eltern und dem echten Freund und Begleiter der Gruppe Herrn Soltys angefertigt. Bei allem Enthusiasmus an der Näharbeit waren die Trachten nicht originalgetreu und unvollständig.

Allmählich kaufte man die heutigen Originaltrachten in Polen, was zur damaligen Zeit sehr schwer war. Auch der damalige Pfarrer Stanislaw Budyn beschenkte die Gruppe mit weiteren Requisiten, die wichtig für die richtige Abbildung der traditionellen Tänze waren und sind.

„Lajkonik“ hat seine Auftritte auf polnischen Nationalfeiern, deutschen Festen und Paraden. Es ist eine Augenweide auf deutschen sowie polnischen Festlichkeiten. Dort bringen die fröhlichen Kinder die Kultur ihrer Vorfahren den Deutschen, aber auch hier ansässigen polnischstämmigen Mitbürgern näher. Nach einem der Auftritte in der Stadt Garbsen, wo die Gruppe ihren „Räubertanz" vorführte, schrieb die lokale „Neue Presse“: „Beim Räubertanz gerieten die 200 fast aus dem Häuschen“ (…) „Schwungvoll und frech tanzen die jüngsten Teilnehmer der Veranstaltung einen Räubertanz der Art überzeugend, dass der Saal bebte. Die Kinder erhielten tosenden Applaus, der an die "Beifallrakete“ zum Karneval erinnerte“. Der Name „Lajkonik“ entstammte der Figur, die in den Sommermonaten die Touristen auf dem Krakauer Marktplatz unterhält. Es ist ein zweibeiniger Reiter auf dem Pferd in Tatarenmontur, der an die Belagerung der Stadt Krakau durch die Tataren erinnert. Auch die Kindergruppe ist im Besitzt eines solchen Lakonik-Kostüms und präsentiert es zu wichtigen Festen - es ist das große Tanzgruppen-Maskottchen.

Über die 30 Jahre der Investition in das Können der Kinder erreicht man unermessliche Vorteile, auch wenn diese Arbeit mit Mühe, Geduld und bei Auftritten und Fahrten auch großem Stress verbunden ist. Im Jahr 2005 wurde Frau Glowacka das Polnische Verdienstkreuz für besondere Verdienste auf dem Gebiet Bildung, Kultur und Kunst POLONIA RESTITUTA verliehen.

 

Heutzutage ist die Motivation der Kinder, diese Art Unterrichtsstunden zu besuchen, während die moderne Welt mit neuen Technologien lockt, nicht einfach. Doch der Tanz in der Gruppe Lajkonik ist etwas besonderes, die Jüngsten haben die Chance, eine neue Kultur zu entdecken und zu begreifen und sich ihren Vorfahren zu nähern sowie deren Kultur zu erhalten.

 

Frau Jozefa folgten ihre Kinder. Sie schaffte es ihnen die liebe zu Musik und Folklore zu verleihen. Die älteste Tochter Aldona Glowacka absolvierte an der Universität Lublin ein Spezialstudium für Folkloregruppenleiter, sie ist die Mitbegründerin der Jugendtanzgruppe POLONIA und seit Anfang an seine künstlerische Leiterin. Aldona hinterließ aber auch im Repertoire der Kindertanzgruppe Lajkonik eigene Kindertanzchoreografien.

Ihr folgte dann zum Folklorestudium an die Universität nach Lublin ihre jüngere Schwester Charlotte, diese unterstützt die Tanzgruppenleitung der Jüngsten der Lajkonik-Mitglieder.

 

Dank solchen Menschen wie Frau Jozefa Glowacka und ihrer Familie, vielen Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern, die ihren Kindern ihre freie Zeit schenken und sich um ihre Freizeitgestaltung kümmern, wird die polnische Kultur und Tradition im Ausland weitergereicht. Das Überbringen polnischer Kultur in ihren Urformen wie Gesang, Tanz und Bräuche beschützt diese vor Verfall.

Krystyna Bednarz

Information

Kinderfolkloregruppe „Lajkonik“ lädt zum Tanzunterricht ein:

Vorschulkinder jeden Dienstag 17.00 -17.45 Uhr, ältere Kinder 17.30 - 18.15 Uhr

Adresse: Polnische Katholische Mission in Hannover, Stilleweg 12B

 

 

 

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