„Polen gehörte  zunächst nicht zu den  Lieblingsländern  von  Thorsten Klute, dem Staatssekretär für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein- Westfalen. Das Land war auch kein Kindheitstraum von ihm, obwohl er eigentlich eine fremde Sprache gern lernen und einige Jahre im Ausland verbringen wollte. Dabei dachte er jedoch an einen Staat am Mittelmeer mit freundlichem und warmem Klima und  einer berechenbaren und logischen Grammatik…

Der diesjährige Träger des Polonicus- Preises ohne  polnischen Wurzeln musste sich jedoch sowohl durch das Prosaische als auch durch das Poetische im Laufe seines Lebens überraschen lassen… Zu den Poetischen Dingen gehört sicherlich seine Motivation, in die Politik zu gehen: „Ich wollte die Welt verändern und am besten innerhalb einer Woche“- so beschreibt der ehemalige Idealist seine Motivation mit 16 Jahren in die SPD einzutreten und sich (zuerst in die lokale) Politik zu engagieren. Mit 30 wurde er der jüngste Oberbürgermeister von Versmold - seiner Geburtsstadt in Ostwestfalen. Bei den ersten Wahlen erreichte er 57,7 Prozent, bei den zweiten im Jahre 2009 schon 78,3 Prozent der Zustimmung. In seiner Politik als Bürgermeister fokussierte sich der junge Anwalt auf die wirtschaftliche Entwicklung, die interkommunale Zusammenarbeit und auf das Potenzial der  ausländischen Ankömmlinge,  die - wie er sagt- sehr viel zu der  ökonomischen Stärke Deutschlands beigetragen hatten. In seiner Zeit als Bürgermeister erhielten die Städte Dobczyce und Versmold vom damaligen Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Dr. Marek Prawda,  im Jahr 2009 die Auszeichnung einer vorbildlichen deutsch-polnischen Städtepartnerschaft. Inzwischen ist er gemeinsam mit der Marschallin der Woiwodschaft Lubuskie auch Vorsitzender des Ausschusses für interregionale Zusammenarbeit in der deutsch-polnischen Regierungskommission für interregionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Sein Weg nach Polen- am Anfang prosaisch und führte durch die Städtepartnerschaft zwischen seiner Stadt Verslmold und  dem polnischen Städtchen Dobczyce, das ca. 30 km von Krakau entfernt ist. Mit ironischem Lächeln und ein wenig Scham erinnert er sich daran, wie er sich bei seiner ersten Reise nach Polen mit Vorräten von Müsliriegel und Mineralwasser  übers Wasser halten wollte, weil sich seine Assoziationen zu Polen auf die Hilfspakete aus den achtziger Jahre, die er mit seinen Eltern vorbereitet hatte, begrenzten. Während dieser Reise wurde er aber  mit Essen und Trinken erdrückt und mit der echten polnischen Gastfreundschaft konfrontiert. Zu den poetischen Seiten seiner Beziehung zu Polen zählt sicherlich die Tatsache, dass er während eines Aufenthaltes in diesem Land, seine Frau und die Mutter seiner beiden Kindern kennen und lieben gelernt hatte. Diese Frau war sehr wahrscheinlich auch der Grund  für seinen außergewöhnlicher Willen, der polnischen Sprache Herr zu sein, einer der sieben schwierigsten Sprachen der Welt … Thorsten Klute spricht fließend Polnisch und zwar mit einem Elan und Fantasie, die nur mit der Finesse des populärsten Deutschen in Polen- Steffen Möller – zu vergleichen ist. Dazu  hat Thorsten Klute mit seiner Frau einen Reiseführer über Krakau geschrieben!

Nach diesen vielen Jahren sind das Land Polen als auch die Polen (auch die in Deutschland lebenden!) sicherlich kein großes Geheimnis mehr… Er hält sich oft dienstlich und privat dort. In seinem Haus in Versmold werden zwei Sprachen  benutzt- er spricht mit den Kindern Deutsch und seine Frau Polnisch. Dieses hilft ihm wiederum in seiner Arbeit als Politiker die „Bilingualität“ zu forcieren, deren Mentor und Fürsprecher er  in seinem politischen Leben wurde. Seiner Meinung nach sei Deutsch die wichtigste Sprache, wenn man in Deutschland lebt, lernt und arbeitet, aber das Ausmerzen der Herkunftssprache bringe fatale Folgen für die Identität der Menschen und auch für Deutschland. Er selbst treffe sich mit den Vertretern anderer Nationalitäten und in dem er seine Geschichte erzähle, mobilisiere er sie, sich der Herkunftssprache zu widmen und sie zu pflegen. Auf die Frage, wie sich seine Kinder in der Zukunft vorstellen sollten- als Deutsche, Polen oder als Europäer - antwortet er ein bisschen verträumt, dass in zwanzig Jahren in Europa niemand mehr solche Fragen stellen werde. Das sei seine große Hoffnung  …

Ein Mitglied der NRW-Regierung wurde er im Jahre 2013, nach einem Telefongespräch mit der  Ministerpräsidentin des Landes  NRW, Hannelore Kraft, die seine Errungenschaften als Oberbürgermeister in Versmold als ein guter Grund ansah, ihm den wichtigen und manchmal sehr schwierigen Posten des Staatssekretärs für Integration anzuvertrauen. Er hat sich dieser Aufgabe voll hingegeben, dient mit seinem privaten Beispiel und er hat Charisma.

Aus seinen Fittichen stammt der in diem Jahr veröffentlichte „Bericht über die Integration der Polen in Nordrhein-Westfalen“, in dem die Zahl der in NRW lebenden Polen nicht nach der Farbe des Reisepasses, sondern nach dem Geburtsort der Betroffenen oder ihrer Eltern gemessen wurde. Aus den veröffentlichten Angaben geht hervor, dass die Polen in NRW die zweitgrößte Gruppe mit Immigrationshintergrund bilden  und deren Integrationstalent beispielhaft ist… Unter anderem ist es Thorsten Klute und seinem Einsatz zu verdanken, dass viele Klischees und Stereotypen  über Polen demaskiert wurden, weil er als Deutsche und Polenkenner mit seiner eigenen Erfahrung andere besser überzeugen kann.


Die in Nordrhein-Westfalen lebenden Polen haben viele Jahre auf solch einen Politiker gewartet. Dies ließt uns alle hoffen, dass der Polonicus -Preis, der ihm in diesem Jahr zugesprochen wurde, ihn noch weiter mobilisieren wird, sich für die Integration einzusetzen und Mauern zu brechen.

Roma Stacherska-Jung

 

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